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JHatfiurg, Dicnstag, 16. Februar 1875.
X Jatirgang.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Franlfurt a-M, Berlin, Leipzig, Cöln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Franksurt a. M. rc-
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A»S dem Abgesrönetenhause.
Die Debarten über bie Ges-tzesvorlagen betreffend dir Reorganisation der Verwaltung, weiche da» Abgcordueten- hauS in vieler Woche beschäftigten, boten ein der hohen Wichtigkeit veS Gegenstandes entsprechendes Jntereffe dar. Zur Aufklärung des Begriffe» der Selbstverwaltung und ihrer Erfordernisse, die zu verwirklichen die gedachten Vorlagen bestimmt sind, zur Belehrung über da» Wesen und die Tragweite derselben sowie zum Verstäudniß ihrer Detail« Haden die Reden der Abgg Lasker uns Gneist we sentlich deigetragen, und kann die Lektüre dieser klaren Darlegungen allen denen nicht genug empfohlen werben, die fich uicht mit dem allgemeinen Unheil, baß die von dem gegenwärtigen Minister des Innern in Angriff gc aommene Resoim die wichtigste legislatorische Thal se» den Steinjchen Gesetzen sei, begnügen, sondern eine Einsicht in die Berechtigung VeS Unheils sich verschaffen wollen. Die Genrralbiekussion über die vier großen Resormges-tze ist bereits am 12. geschlossen worden und wcrvcn dieselben nuu an ConiMistioiicn, die am 15. gewählt werden sollen, zur Speziatberaihung überwiesen. In einer langen, sehr rrregleu Debatte gab der Antrag des Abg. Virchow, be- treffend die josorlige Auöoehnung der KreiSordnung auf dir westlichen Provinzen, speziell auf Rheinlanv und West phalev, Beraniaffung. Gegen diesen Antrag erklärte sich der Minister des Znnern hauptsächlich unv vornehmlich aus dem Grunde, w.il es faktisch unmöglich sei, die außer ordentlich weitläufigen umfassenden Vorarbeiten so zu |6i» Cern, daß bie Vorlage schon in ver laufenden Sesston gemacht werden könpe, jooann aber äußerte auch der M m ster, daß Erwägungen politischer Natur, über welche die StaaiSrrgierung sich noch nicht schlüssig gemacht habe, der augenblicklichen Realistrung der Wünsche oe« Antragstellers hinderlich wären. ES liege auf der Hand, daß die R.« gierung an der möglichst baldigen Ausdehnung der Reform auf den Gesammtumfang der Monarchie selber das allei- größie Jnrereffe habe, weshalb man ihr bie Wahl des Zeitpunkte« überlasten möge, da ein Antrieb zur Eile, weichen Zweck VirchowS Antrag allein verfolge, keine Be rechtigung besitzen könne. Die Unmöglichkeit, die Vorlage noch in dieser Session fertig zu stellen, betonte der Minister in seinen Schluß Entgegnungen auf die Auslassungen de« übg. Virchow noch mit besonderem Nachdruck. Trotz dem nahm die Versammlung bei namentlicher Abstimmung den Virchow'jchen Antrag mit sehr großer M'jöriiäk an unh hat also eine Beschleunigung der R form der Regie rung ans Herz gelegt; daß dieser Beschluß p-aktsche Fvl gen haben wird, muß freilich nach den, wie es scheint, überzeugenden Erklärutsgen des Ministers als höchst zwei frihaft erscheinen.
Die politischen Bedenken, welche der momentanen Ein
führung der Refoimgesetzr in den westlichen Provinzen entgegenstehen, entwickelte der Abg. v. Sybel in längerer Rede. Nach Herrn von Sybels Meinung gestatten die gegenwärtigen Verhältniste Rheinland« und Westphalen« die Gewährung größerer Freiheiten nicht, w§jl dieselben lediglich zum Schaden des Staate« und der Ordnung von gewisten Parteien auSgebeutet werden würden. Als eine solche machte der Redner die social demokratische namhaft, doch paßt die von ihm gegebene Schilderung ersichtlich besser auf die ultramontane ober die schwarze Znternatio- nale, da es keinem Zweifel unterliegen kann, daß diese heute weit größere Gefahren sür den modernen Staat und bie moderne Kultur in sich birgt, al« die rothe Interna» tionale. Herr v. Sybel'« Bedenken auf den Ultramonta- nismuS angewandt, besten Ziele und der Freiheit so gefährliche Erfolge in Belgien z B. schon jetzt so grell zu Tage treten, find sehr realer Natur und verdienen die größte Beachtung, wenn sie vielleicht auch al« etwas übertrieben erachtet werden muffen. So lange der Ultramon- laniSmus die Negation der Verbindlichkeit des Gesetzes zu seinem charakteristischen Meikmal Hal, ist und bleibt er der gefährlichste Feind des Staates und der öffentlichen Sittlichkeit — eine Wahrheit, die alle Sophismen nicht hin wegzubeuteln vermögen. Herrn von Sybels Widerlegung halte der Abgeordnete Berger (Fortschritt) übernommen, doch darf dieselbe schwerlich als. eine gelungene Leistung bezeichnet werden, wenn sie auch den Applaus der ultra- montanen Fraktion uno die mehrma.ligc Heiterkeit de« Hauses erregte.
Einen ebenbürtigeren Gegner hat v. Sybel schon frü hex in Lasker gefunden, besten optimistische Hoffnungen und Anschauungen bezüglich der Wirkung der Reformgesetze und des po itlschen BllvungSstaubpunkteS der gegenwärtigen Generation in inteiestantem Eontraste zu den srrupulöjereü um nicht zu sagen pessimistischen Auffassungen v. Sybel's stehen. Den letzteren wird sich hoffentlich unsere SkaatS- ikgierung nähern, da jede besonnene Regierung nicht minder die Pflicht hat, die Freiheit zu fördern, al« den Ge- iahren, die ihre inopportun« Gewährung bietet, vorzubeugen. Diejenigen, die eben nicht die Anwendung von Regimentern zur Bedrohung verführter, von klerikalen oder social- demokratischen Wühlern dethürter Menschen wünschen, werben, wie in allen Fällen, so auch in dem speciel vorliegenden, Bedachtsamkeit u»d Vorsicht als die heiligste Obliegenheit der Staatsleitung ane> kennen.
Tage-bericht.
Die Angriffe gegen die deutsche Regierung kommen jetzt wieder von allen Seiten. Nachdem das Manöver der bevorstehenden De isston VeS Reichskanzlers bis zum Ekel abgenutzt ist, wirb wiener zur Verdächtigung der deutschen
Politik die Zuflucht genommen. Wie auf ein gegebenes Tempo kommen diese von allen Seiten. Zuerst wurde Holland von der deutschfeindlichen Preste mit deutschen AnnexionSgelüsten beunruhigt. In Italien schritt man zu Enthüllungen in der „Epoca", um den Reichskanzler alben Verbündeten dex tothen Revolution zu kennzeichnen. In der Broschüre deS Herzogs von Grammont, die übrigens äußerst dürftig ist, wird. dasselbe Thema behandelt, so daß man daraus abzrehmey kapi,. daß derselbe den Enthüllungen der „Epoca" nicht allzufern steht. Gleichzeitig roill ein Herr I Hansen bei Denin in Paris eine umfangreiche Schrift »A travers la diplomatie« (1864—1867) erscheinen lassen. Herr Z. Hansen ist ein Däne und wird vorzugsweise Enthüllungen übet die nordschleswigsche Frage bringen. Auch, zu offenbaren Fälschungen nehmen dir Feinde Deutschlands ihre Zuflucht. AlS solche wird nämlich auf das Bestimmteste die Veröffentlichung eines angeblichen Rundschreibens deS preußischen M ntsteriumS an die Regierungspräsidenten über die geistlichen Orden und Kongregationen im „N. W. T." bezeichnet. Sie ist aber eine Compilation aus dem Werke von Hinschius über die Kongregationen, und scheint den Zweck zu haben, durch einige scharfe Wendungen in Wien und München Mißtrauen zu erregen.. Fügen wir dazu noch die Broschüre des österreichischen Erzherzogs Johann Nepomuk, die von geradezu feindseligem Geiste gegen Deutschland dlctirt ist, so haben wir für einen Zeitraum von vierzehn Tagen hinlängliche Angriffe gehabt. Nachdem eine Zeit lang die Parole ausg.geben war, daß Rußland Deutschland bedrohe, wird nun wieder der Spieß umgeoreht, und Deutschland Offensivgelüste gegen Holland, Dänemark, Jiatien, Oesterreich angedichtet. Alte längst begrabene Dinge w wen wied r aufgewühlt und mit kecker Hand n u hinzugefügt, ausschließlich in der Absicht um Um rieben zu stt s ten, und die guten Beziehungen Deutschland« zu jenen Ländern zu stören. Jnveffen wird die« schwerlich gelingen. Die österreichische Regierung hat bereit« auf vte unvorstcht ge Demonstration de« jungen Herzog« Antwort gegeben. In den Kreisen der italienischen Staatsmänner ist man der Ueberzcugung, daß die Interessen Italiens und Deutschlands zusammengehen, und die guten Beziehungen beider Reiche sür den europäischen Frieren von großer Bedeutung sind. Auch die holländische und die dänische Regierung wird durch solche Enthüllungen und Verdächtigungen im Vertrauen auf die Loyalität der deutschen Politik nicht erschüttert werben. Die B.strebungen der seittolichen Elemente werden darum in sich zerfallen, und nur bazu beitragen, den Be- weis zu führen, daß die deutsche Regierung keinen Staat zu beeinträchtigen gedenkt, und allen ihren Einfluß auf die Befestigung des europäischen Friedens gerichtet hat.
Dem Abgeordnetenhaus ist eine Denkschrift, betreffend
DaS Mausslen» der gitaoigen Fra». Novelle von Max Alt.
’ (Forschung.)
Da steht man aber, während e« sich lustig schüttelt, — daß eS keine Kuh ist, — sondern ein Pferd, — und daß noch etwas sich hinter ihm aus dem Waffer herauSzuar- beiten sucht, nach dem ba« Thier stch in gewisser Art umzusehen scheint, al« «olle eS sich überzeugen, ob es auch glücklich den Boden gewonnen hätte. — Ja, — es hat ihn gewonnen, und eS zeigt sich nun, daß eS der zum Pferde gehörige Reiter ist, denn er klopft jetzt liebkosend den Hals des Pferdes, das in diesem Augenblick lustig aufwiehert. Oann legt der Reiter beide Arme um den Hal» des Thiere«, und seinen Kopf dagegen, während dies fich klug umwendet, und den feinen an der Schulter seines Herrn scheuert. Einen Augenblick verharren sie in dieser Stellung, dann schwingt sich der Reiter in den Sattel, nachdem er den Gurt desselben etwas gelüftet hat, — und scheint forschend das Terrain zu überblicken. Er muß ein gute« Auge für solche Dinge haben, denn er findet nach kurzem Suchen die Stelle, wo die Brücke gestanden, und von wo ein festchaussirter Weg nach Grüneck führt. Lang sam leitet er daS Pferd bis zu jenem Punkte hin, wo e« mit ihm den Weg hinauskletiert, — als eS festen, Peinigen Boden unter sich fühlt, ein Pagx,. Mal lustig een Kopf zurückwirft, und dann, einem leisen Druck folgend, durch vaS Waffer, bas nach allen Seiten umheispiitzt, in einer scharfen Gangart direkt auf Schloß Grüneck zutrabl, deffen Besitzer, so gut eS eben ging, schnell d e Tr.ppen hinuntergeeilt ist unv alle Klingeln in Bewegung gesetzt hat, um feine Dienerschaft he» beizurufen.
Fast gleichzeitig treffen ver Wirth und der durchnäßte Nester am Portal deS Schlöffe« em; ver Baron nur gerade soviel früher, um zu bemerken, daß vie schlanke Ge»
stall in den tliefenoen Kleibern bis auf Den Tob erschöpft ist, und die letzte Kraft zusammen nimmt, um sich aus dem S tiel zu schwingen, und mit einer tiefen Verbeugung zu dem alten Manne mattlächelnd zu sagen: „Sie werden oe« seltsamen Aufzug . . . verzeihen, Herr Baron, . . . inadem . ... ich ... ." — dann schwankt der Fremde, unv ist im Begriff, ohnmächstg zu Boden zu sinken, und eS ist ein Glück, daß der alte Kammerdiener des Barons und ein Reitknecht schon zur Stelle sind, um den Er schöpften aufzusangen, — was den etwas zitternden Hän- den seines WirtheS in diesem Augenblickc schwerlich gelungen sein würde.
Die Diener tragen die leblose Gestalt in ein Zimmer zur ebenen Erke, wo sie sie nieberlaffen, während der alte Baron in seltsamer Erregung daneben hertrippeli, und mit gedämpfter Stimme sagt: „Vorsichtig Krause! . . . . vorsichtig!" — als wenn er die größte Furcht habe, baß sie den Ohnmächtigen aufwecken möchten. „Vorsichtig Krause,
. . und das, Kiffen etwa« höher, . . . so . . . und nun, . . Babette, . . . schnell . . . Eaa de Cologne von meinem .... Waschtisch — und aus Krause.......
vorsichtig . . . so . . . und besprengen.....Eaa de
Cologne!
। Er. ist im.,Begriff, diesen letzten Theil seiner schürft folgenden Ordre« selbst auszuführen, als der alte Kantzprt- diener, der dem Reitknecht einen Wink gegebest, eine Flasche aus deffen Händen nimmt, und den Baron ziemlich un- sa st bei Seite schiebt, mit den Worten: „Ach wa«! Herr Baron! — Der Herr Offizier steht mir nicht au«, al« wenn er in dieser Lage viel nach Eaa de Cologne fragen würde! — Die wollen wir ihm nachher in’« Bav geben; — jetzt wollen wir versuchen, ob wir ihm nicht ein paar Eßlöffel von unserem alten Portwein einfläßen können : — va« wird seinem Zustand am meisten entsprechen. E«
ist nichts als Erschöpfung, und die will ich dem Henn Offizier gern glauben, wenn er sich zweimal bei so.chem Waffer durch die tolle Sleiritz durchgearbeitet hat." __
»Ja Krause," sagt der alte Baron, jeden Widerstand gegen die despotische Willenäußeiung seine« ergrauten Die- nerS aufgebend, — „ja Krause ... Du hast recht . Portwein ... ein Paar Eßlöffel, und ein warme» Bad, aber . . . vorstchtig Krause . . . vorsichtig .... di« Uniform!"
Der alte Diener steht etwa« besorgt erst auf feinen Herrn und Dann auf die mit einer schlammigen Feu>i tig kett bedeckte Uniform deS fremden Offiziers; — dann zuckt er mit einem etwas mitleidigen Läheln bie Achseln und sährt ruhig fort, aus einem Löffel, mit dem er operirt, allen Wein, Den er in Den nur wenig geöffneten Mund de« Ohnmächtigen nicht hin.inbringen kann — mitleidslo« auf Den Rock d-ffelben herabfließen zu taffen.
Enolich scheint der Kranke zu erwachen. — Er athmet hoch auf, wodurch sich seine Lippen ein wenig öffnen, wel- men Umstand der alte Krause schnell beim Schopf erfaßt um ihm hintereinander zwei volle Eßlöffel des stärkenden W-ines hinein zu gießen, ohne diesmal einen Tropfen zu verschütten. — „So mein Herr Lieutenant'', sagte er Dabei halblaut unb zu stch sprechend, — „so, da« war schön, . ... und Dann will ich sehen, ... ob der ölte Krause nicht in Der nächsten Minute weiß, wo« er zu sagen hat, wenn Die Mädchen fragen, . . . welche Farbe Ihre Augen
Wirklich schlägt der junge Offizier in diesem Augenblick seine Augen auf" und steht etwas erstaunt auf seine Umgebung; — Dann bilden feine Lipp n mit Anstrengung Die Worte: „Mein TrUton! .... mein . . . Pferd! — Dann sinkt er noch einmal zurück in da« Kiffen.