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fr. 86.

Marburg, Freitag, 12. Februar 1875.

X Jahrgang

Anzeigen nimmt entgegen: bie Ervrdition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureanx von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfutt a. M-; Haasenstein & Bögler in Frankfutt a- M., BerlinLeip- zig, Löln «.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a- M. rc.

©bdjrflifdjr Jtilung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie dre Annoncen-Bureaux von G. 8. Daube & Co. in Frankfutt a. M.-Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M ; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quattal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS LonutaaSdlatt" durch die Srvedition «n A’fA» Buchdrucker..) bezogen 2*4 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 (e^cr. »eft*a3eb%;5 — ®geb"r für bii «Aalte!-Zeile Ü

______ 8ür .n der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme non Adressen werden 25 Pf«, berechnet. ’

gestrigen Debatte deS Abgeordnetenhauses ist ein solches, : baß schon jetzt die Grundsätze der von der Regierung an- i gebahnten und durchzuführenden Reform leinen Widerstand 1 in den Landesvertretungen zu erwarten haben. Nur die Frage wegen Ausdehnung der Reformgefehgebung auf die westlichen Provinzen wird einer lebhaften Erörterung un­terworfen werden. Der Minister des Innern führte aus, ! daß eS in der Abficht der Regierung sei, sowohl im Jn- ter.ffe des Landes als auch ihnen selbst die bereits begonnene Reform gewünscht, schleunigst zu Ende zu führen, da sich schon jetzt viele Unzuträglichkeiten bei der Verwaltung herausstellten. Mit Recht wies der Herr Minister darau hin, daß man wohl durch unzeitiges Drängen nach der allgemeinen Ausdehnung der Reformgesetze die jetzige Vorlage in Frage stellen möge. Denselben Gedanken führt die „Provinzial-Correspondenz" aus, wenn sie am Schlufie ihres heutigen Leitartikel- sagt: „Schwerlich wird irgend Jemand, der es mit der Reform im Ganzen ernst meint, die Verantwortung übernehmen wollen, daß hieran (an der Ausdehnung der Reformgesetze) der hoffnungsvoll au gebahnte Ausbau der neuen Institutionen selbst scheitele. Niemals standen die Aussichten für da« Gelingen an und für sich in den allseitigen Stimmungen so günstig, wie gerade jetzt. Niemand kann sagen, ob nicht ein Hinaus- tchieben ins nächste Jahr eine Verzögerung auf unabsehbare Zeit zur Folge haben könnte." — Die Voffische Zeitung enthält in ihrem heutigen ersten Artikel unter Berlin eine wunderbar lange und bei den Haaren berbeigezogene Be­sprechung deS Diners und Balles bei unserem Botschafter in Paris. Sie läßt sämmtliche Gäste Revue passiren und nimmt Anstoß an der Einladung einzelner Persönlichkeiten, die entweder in schroffen Gegensatz zur deutschen Politik sich gestellt haben, wie Emile de Girardin oder gar äu­ßerlich ihre Behauptung kundgegeben haben wie Frau Gustav von Rothschild. Der Artikel, welcher so genau mit den Verhältnissen der französischen Gesellschaft sich vertraut zeigt, rührt augenscheinlich von demselben Ver- faffer her, der zur Zeit deS Arntm'schen Prozesse» das ge­nannte Blatt mit ähnlichen Artikeln versorgte. Man muß aber ganz im Gegentheil anerkennen, daß eS unserem je­tzigen Botschafter gelungen ist, mit der französischen Ge lellschaft in bessere Beziehungen zu ttrten, als eS Gras Arnim gethan. Man dürfte dies also jetzt als einen Fort­schritt und einen Erfolg des Fürsten Hohenlohe bezeichnen und so wird der Artikel einen der Absicht deS Verfafferö ganz entgegengesetzten Eindruck hiervon bringen.

Posen, 6. Febr. Wie man hört ist in den hiesigen leitenden geistlichen Kreisen gestern die officielle Nachricht eingegangen, daß der Fürstbischof Dr. Förster in BreSlau efl übernommen habe, den Bannstral gegen den Probst Kick in Kähne zu schleudern und daß die Bannformel sich bereits in competenten Händen befinde, um öffentlich verkündet zu werden. AlS Grund der Verhängung der großen Excom-

Lage-bericht.

In der Preffe macht jetzt eine Schrift des österreichi­schen Erzherzogs Johann Salvator von der toskanischen Linie über da- österreichische Artilleriewesen allgemeines «uffthen. Der junge Erzherzog glaubt, daß Oesterreich auf ein enge- Zusammengehen mit Rußland angewiesen sei. DaS Deutsche Reich schwimme in dem Strome der Anne xionSpolitik und werde auch bald in Oesterreich eine Ab­rundung suchen. Dieses müffe daher alle Kraft aufbieten, um au« den» nahe bevorstehenden Kriege siegreich hervor- gehsn zu können. Diese Broschüre hat in den maßgeben- Wiener Kreisen allgemeines Mißfallen erregt. Der Erzherzog ist mit Hausarrest bestraft und von der Artillerie zur In­fanterie versetzt worden. Die politische Tragweite dieses Zwischenfalle» liegt nicht in dem Urtheile einer jungen militLrischen Kraft, welche« keinen Anspruch auf Bedeutung hat, sondern in dem Benehmen der österreichischen Regie­rung, welche diese Anflchten sogleich deSavouirt hat, indem st. den Urheber derselben mit einer empfindlichen Strafe belegte.

Der EultuSminister macht die königlichen Regierungen in einem Rescript darauf aufmerksam, daß das Amt eines Religionslehrers an einer öffentlichen Schule weder ein geistliches noch ein kirchliches, sondern ein Staatsamt, ob nun ein unmittelbares oder mittelbares sei. DaS Ober« tribunal halte bereits unter dem 12. Oktober v. I. in diesem Sinne erkannt und ausgeführt, daß die Erthetlung de» Religionsunterricht« an öffentlichen Schulen sich als Ausfluß eines staatlichen Auftrages und damit eines iffent ltchen Amtes im Sinne de« § 132 des Reichsstrafgesetz­buches darstellt: Die Berfaffung enthalte zwar die Bestim­mung, daß den religiösen Umerricht in den Volksschulen die betreffenden Religionsgesellschaften bieten, dieser gehöre iudeffen zu denen, welche nach Art. 112 bi« zum Erlaß eine« allgemeinen UnierrichiSgefetzeS suspendirt bleiben soll.

Die Nachricht, daß der Platz für da« Reichstag« gebäude dmch Ankauf der in der Wilhelmstraße dem Reichskanzleramte gegenüberliegenden Häuser de« Fürsten Pleß, de« Grafen Otto Stolberg und der Henkcl'schen Bank gewonnen werden soll, entbehrt jeder Begründung

Die vereinigten BundeSrathSausschüsse für da« See wesen und für 6a« Rechnungswesen haben beantragt: Der BundeSrath wolle den Reichskanzler ersuchen, die Frage wegen Aussendung einer deutschen Polarexpedition, sowie »egen der Modalitäten und der Zeit derselben nach ihrer wiffenschaftlichen und finanziellen Seite durch eine vom Reichskanzler zu bestellende Eommisfion prüfen zu lassen, die Frage aber, ob und wie weit die Kosten einer solchen l Expedition au« Reichsmitteln zu tragen seien, bi« zum Borlegen de« Resultate« dieser Prüfung vorzubehalten

— Er würde sie hoffentlich, wenn nicht früher, im nächsten Winter Wiedersehen; sie möge ihm dann für den ersten Ball ein Paar Tänze reserviren. Sie möge auch dann wieder erlauben, daß er zu ihr rede, wie e« ihm um’« Herz sei; — et würde sich ihrer immer erinnern, als einer Der wenigen jungen Damen von Geist und Herz,.....

die nicht eine Beleidigung darin sähen, wenn ein junger Mann ihnen nahen könne, ohne nicht. . . mindestens eine kleine poetische Ader zu öffnen, — die ihm der Himmel zum Glück versagt habe.

in.

ES ist Hochsommer, und Schloß Grüneck, da« sonst in dieser Zeit fein glänzendes Gewand trägt, — hat zwar nicht Trane.kleider angelegt, — aber e« sieht etwas düster in ihm aus, und eS sind keine Gäste in den dafür rejer« Dirten Zimmern, außer der Frau v. Bardeck, welche vor anderthalb Wochen etwa, mitten in der Nacht, in Folge einer telegraphischen Depesche dort ankam, — gerufen von dem alten Freunde, der in seiner Trostlosigkeit ihrer Stütze bedurfte.

Julie war schwer erkrankt. Sie war schon damals, nach ihrer Rückkehr etwas verändert erschienen; eS war, al» ob ihre alte Lustigkeit ihr abhanden gekommen sei; — aber sie hatte sich unter der v-rooppelien Liede ihres Onkel« nach und nach wieder gefunden, — und da« kleine Herzeleid, welches sich Anfang» bei chr einnisten wollte, fand bald die entichiedenste Gegnerin an ihr selbst. — Sie war ein unerfahrenes Mädchen mit einem weichen, jungen Herzen, da« sie nicht verhindern konnte, an irgend Jemand öfter zu denken, al« es nöthig war, — jal . . . Ader sie war auch auf der andern Seite eng befreundet mit der Baronesse v. Grönitz, und — sie konnte nicht

rnunication gegen den Probst Kick soll der Fürstbischof Dr. Förster den Umstand angeführt Haden, daß derselbe die Breslauer Diöcese ohne die Erlaubniß und sogar gegen den Willen seine» vorgesetzten Bischofs verlassen und ohne die Erfüllung der kanonischen Bedingungen in einer fremden Diöcese eine Pfarrstelle angenommen habe. Die hiesige geheime Diöcesanverwaltung ist hoch erfreut über diese Wendung der Dinge, die sie den Gefahren der Excommu- nication eine» von der Regierung ernannten und feierlich in sein Amt eingeführten Pfarrer« überhebt, und hat ihrer­seits von der Schleuderung de« Bannstrale« gegen Herrn Kick Abstand genommen.

Malchiu, 10. Februar. Heute Mittag wurde der mecklenburgische Landtag dahier eröffnet. Die schwerin'jche Präposition äußert sich über die VerfaffungSvorlage: Der Gcoßherzog bringe die Vorlage für den außerordentlichen Landtag im Februar d. I. zur nochmaligen Berathung der Stände, indem derselbe an der in dem LandtagSabschiede vom 7. März v. I. ausgesprochenen Hoffnung sesthalte, daß die Ueberzeugung von der Nolhwendigkett des von ihm verfolgten Ziele« zu einer Verständigung über die vorgeschlagenen Grundzüge erkennen werde.

Stuttgart, 9. Februar. In der gestrigen Sitzung des Gemeinveraihs kam die Frage der Leichenverbrennung zur Sprache, auf Grund einer Eingabe, in welcher der Verein für Feuerbestattung um Förderung feiner Zwecke zunächst durch Ueberlaffung eine« geeigneten Platzes für cie Errichtung eine« Siemen« scheu Ofen« gebeten hatte. Die Stimmung im Gemeinderathe war entschieden eine entgegenkommende, wenn auch anerkannt wurde, daß die Einführung der Feuerbestattung, auch in bloö fakultativer Weise, in letzter Instanz von der Regierung, dezw. den gesetzgeberischen Faktoren abhänge, da zwar die gegenwär­tige Form der Leichenbestattung nicht durch ein Gesetz vorgeschrieben, ober in den Gesetzen doch vorausgesetzt sei. Einstweilig wurde der Beschluß gefaßt, der Gemeinderath sei unter der Voraussetzung, dag der Verein die von Setten deS Staate« erfordetltche Ermächtigung erlange, ferner die Herstellung der zur Ausführung erforderlichen Etnrich- tungen mit eigenen Mitteln bestreite, nicht abgeneigt, die Bestrebungen de« Verein« alödann, zunächst durch Hebet- taffung eine« geeigneten Platze«, zu unterstützen.

Deüncheu, 7. Febr. Der katholische Pfarrer Mahr von Ebermannstadt, zugleich Landtagsabgeordneter, wu.de im November 1874 vorn oberbayerischen Schwurgerichtshofe wegen verschiedener Beleidigungen, begangen durch die streffe, zu 8 Monaten Gefängntß verurtheilt. Das Be­zirksgericht München 1./J. ließ nun kürzlich die Aufforde­rung an denselben ergehen, innerhalb acht Tagen, bet Ver­meidung der zwangsweisen Einlteferung, feine Strafe im Zellengefängniß zu Nürnberg anzutreten. Herr Mahr hat diesem Auftrag nicht Folge geleistet, da et nun auch von der Kreisregierung von Oberfranken al« Landtag«-

1 umhin, anzuerkennen, daß sehr viel Wahres darin lag, wenn diese sagte:

„Aber, mein liebe» Kind, .... welch' ein Unsinn ist das? . . . und wie lange soll er noch dauern? . . . ich denke doch, Du hast Respekt genug vor Dir selbst, um noch länger an ... . Jemand zu denken, der fich aug-n- scheinlich keinen Pfifferliug darum kümmert, — sonst würde er in einem halben Jahr wohl irgend ein Lebenszeichen gegeben haben."

Dann antwortete da» unerfahrene Mädchen lächelnd, aber doch immer wehmüthig lächelnd der stolzen Baronesse: „Du hast Recht, — host gewiß recht, — und ich will auch nicht mehr daran denken," — und fügte in demselben Augenblicke wohl mit kindlicher Naivetät hinzu: Aber wiffen möcht ich doch, Julie, .... ob die arme Festung sich uoch hä-!, — oder . ... ob sie der Hunger ge- zwugen .... fich zu ergeben ?"........

E« ist Slle» so, wie der junge Mann an jenem glücklichen abenc erzählt hatte. — Der alte Baron hat e« durch seine Kundschafter herauSgebracht, und Jetne Nichte durch bie ihren, ohne daß sie von ihrer gegenseitigen Wiffenjchaft Kennmiß haben. — Die Geheimräthi» v. Barth hat ihrem Neffen ein Mädchen ausgesucht, das er duichauS heirathen soll. Die Familie ist nicht besonder» — aber sie geht allenfalls. Dafür ist sie reich, doppelt und dreifach so reich, al» die kluge Baron ffe von Grönitz einst fein wird.

Man hört allerdings nicht viel Gnies von ihrem Lha> rakter und von manchem Änderen, . . . „aber was thut bas bei einem Mädchen von einer Million," — so sagt die alte Excellenz; — „er soll sie dennoch heirathen, — td) will e«l In der Ehe wird sich da« schon ändern — er wirb fie schon ziehen, ... oder sie ihn!' — und fie

.. . Deutsche-Rnch.

Berlin, 10. Febr. Da» Gesammtergebliiß der

Du» Äaufelntm her kundigen Frau.

Novelle von Max Alt.

(Fortsetzung.)

Da» muntere Wesen des jungen Offizier» ist jetzt wieder im besten Gange; er unterhält die kleine Gesellschaft auf da« Angenehmste, und seine ganze Att, fich zu geben, iß so natürlich und einfach, daß auch der alte Baron sich lebhaft von chm angezogen fühlt. — E» ist doch wohl kein Spiel? — es ist unmöglich ein Spiel! — Eine solche Meisterschaft wäre geradezu grauenerregend!--

Und so war e« deßhalb kaum zu unterscheiden, ob e« ab sichtlich geschah ober nicht, al« der Baron beim Scheiden ju ihm sagte: „Nun Herr von Damkow, — ich kann unmöglich denken, daß Ihre Frau Tante die Flinte in's Korn werfen wird, weil bet erste Sturm nicht gelungen! — Sie kommen gewtzß bald wieder in unsere Gegend."

„Stein Herr Baron," antwortete der junge Mann lachend, „ich thue e« ganz gewiß nicht! — Und wenn Sie »« gut mit mit meinten, würden Sie e« mir sichet nicht rathen," setzte et dann tragikomisch hinzu. — „Das be­treffende Mädchen ist noch zu haben, — und meine Tante hat zwar Den Sturm auf die Festung aufgegeben, .... ab» nicht die Festung! — Sie ist eben dabei .... fie auszuhungern."

„Nun, bann führt Sie vielleicht eine andere Veran­lassung einmal in meine Gegend," sagte der Baron ver- Snügt; „bann sprechen Sie vor, ich bitte, und erzählen uns ben weiteren Verlauf der Belagerung. Bi« dahin, — leben Sie wohl," ■:r= --

Wie einfach waren die Abschiedsworte, die der junge Mann an Julie richtete, bie, glücklich über die freundliche Einladung ihres Onkel», fich dsthter an diesen anschmiegte.