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$r. 33.

Marburg, Dienstag, 9. Februar 1875.

x. Mrgang.

aitjtigen nimmt entgegen: tie Expedition d. Blatte«, sowie Die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Aaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M-; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M-, Berlin^Leip- jig, Cöln re.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a- M. re.

ObrchrfW Jfltung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoneen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfutt a. M. • Jüger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M ; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schuß­ler in Hannover; C Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrtrteS SonutagSblatt" durch die Expedition 'Koch'sche Buchdruckerer) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr». - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Ufa

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahm ■ von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Tagesbericht.

Der bisher im Auswärtigen Amte beschäftigte kaiserliche Gesandte in Athen, Herr v. Radowitz, hat sich nach St. Petersburg begeben, um bis zur vollständigen Herstellung de« Prinzen Reuß einstweilen die Geschäfte der dortigen Polschaft zu führen; der BolschaftSrath von AlveNSleben, der bis dahin den Pn'nzen Reuß vertreten hat, begiebt sich demnächst auf Urlaub. Die interministische Sendung des Herrn v. Radowitz nach Petersburg erklärt sich, nach der ,Ä8In. Ztg.", zunächst daraus, daß in diesem Augenblick die Frage wegen der rumänischen Handelsverträge und die montenegrinische Angelegenheit da« Hauptvbject der im engen und vollständigen Einvernehmen sich bewegenden Politik der Cabinetke von Berlin, Petersburg und Wien bilden und Herr v. Radowitz diese Fragen, wie die ge- sammten politischen Verhältnisse des Orient« aus eigener Erfahrung kennt.

Bei der Abstimmung im BundeSrath über das Reichs- Eivilehegefetz haben folgende Staaten ein ablehnendes Vo­tum abgegeben: Königreich Sachsen, beide Mecklenburg, Oldenburg, Braunschweig, Schwarzburg Rudolstadt, Reuß ältere Linie, Lippe und Schaumburg-Lippe. Die Abstim­mung über daS Bankgesetz ist auf eine der nächsten Sitzun gen vertagt.

Die liberalen Abgeordneten von Westfalen und der Rheinprovinz haben, der „Nationalzeitung" zufolge, be­schlossen, sich darüber Ueberzeugnng zu verschaffen, ob die StaatSregierung einen Kreisordnungsentwurf für die west­lichen Provinzen vorzulegen beabsichtige, event. von dem Rechte der Initiative Gebrauch zu machen.

Bezüglich des von der Florentiner „Epoca" veröffent­lichten angeblichen Briefwechsel« zwischen dem Fürsten BiS mord und Mazzini ist zu bemerken, daß ein solcher Brief­wechsel nicht stattgefunden hat.

Deutsche- Reich.

Berlta, 6 Februar. Die vom Reichskanzleramt in Aussicht genommene Untersuchung über die Verhältnisse der Gewerbe« und Fabrikarbeiter geht, wie die „Wat. Ztg." berichtet, dahin au«, daß daS Material, welches die ReichS- regierung nach der erfolglos gebliebenen Vorlegung des Gesetze» über gewerbliche Schiedsgerichte und Bestrafung de« Kontroktbruches von den Bundesregierungen über die von ihnen gemachten Erfahrungen auf dem einschlägigen Gebiete erbeten hatte, nicht auSreichte, um die bis dahin mangelhafte Unterlage für die Gesetzgebung zu ergänzen. Es wird hervorgehobm, daß großentheils zufolge der im Reichstage und in der Presse an den Gesetzentwurf geknüpften Erörterungen. — in den gewerblichen Kreisen eine Bewegung hervorgetreten, welche über die Grenzen deS Entwurfes hinan« die Beziehungen zwischen den Ar beitgebern und Arbeitnehmern zum Gegenstände vielseitiger Kritik und zahlreicher Wünsche gemacht hat. Nach der Ansicht de« Reichskanzleramtes wird sich der BundeSrath

DaS Mausoleum »er gnädigen Frau.

Novelle von Max Alt.

(Fortsetzung.)

Sie entschuldigte das, wie sie eS nannte, rücksichtslose Benehmen ihres Gatten in Bezug darauf, daß er mich nicht von der im Hause herrschenden Krankheit benach­richtigt hatte, und ich erzählte scherzend die Vision, die mich heimsuchte, als ich nach den unerwarteten Eröffnungen mich allein in meinem Zimmer befand. — Sie waren so gütig, dem kleinen Fantaficstück reichen Beifall zu schenken und so vergingen ein Paar Stunden schnell unter Scherzen und Lachen, bis meine junge Wirthin sich erhob, um einem müden Reisenden die gewünschte Nachtruhe nicht länger vorzuenthalten. Herr v. Damkow geleitete mich in mein Zimmer zurück, und leistete mir noch eine kurze Zeit Ge sellschaft, während ich meinen Koffer auspackte und mich langsam entkleidete. Er plauderte in seiner munteren Weise noch Alles durcheinander und holte noch ein Paar Mal »den Alten" hervor, den et marionettenartig vor meinen schon so erregten Sinnen umhettanzen ließ, um ihn mir von neuen liebenswürdigen Setten zu geigen. — War es ein Wunder, als ich allein geblieben, — ermüdet, wie ich wat, — kaum auf mein Lager gesunken, schon seltsame Bilder au« kommenden Träumen in meinen beginnenden Schlummer hinüberhuschen sah l? — Da wat zunächst , Mein kleiner Freund, der noch immer über Hecken und Gräben setzte, und unermüdlich dem Fuhrwerk zurief, das unerreichbar vor ihm herrollte; — er schien es nicht zu 1 beachten, daß der grauleinene Ueberzüg des Wagens sich । setzt in schwarze«, düster herabhängende« Tuch umgeroan i beit hatte. Er wollte nichtsdestoweniger seinen Willen l

einer ernsten Würdigung dieser Meinungsäußerung nicht entziehen können, bevor er sich über die endgültige Erledi flung der immer noch schwebenden legislativen Frage schlüssig macht." — „Die vermißten Unterlagen", heißt eS an einer anderen Stelle, „werben sich nicht füglich anders, als mittelst persönlicher Vernehmung zahlreich.! Gewerbe­treibenden auf Grund eine« einheitlichen Programms durch damit zu betrauende Beamte gewinnen lassen. Nur so werden die Ermittelungen Objektivität und Sachkunde ver­einigen können." Demgemäß richtet der Reichskanzler an den BundeSrath den Antrag, daß über eine Reihe in einem Programm zusammengestellter Fragen eine Untersuchung veranstaltet werde, und zwar durch mündliche Vernehmung einer giößeren Anzahl mit den Verhältnissen deS Gewerbe­wesens praktisch vertrauter, vorzugsweise au8 dem Stand- der Arb-itgeber (Fabrikbesitzer und Meister), sowie der Arbeitnehmer (Fabrikarbeiter und Gesellen), unter Berück­sichtigung der verschiedenen, in dem gewerblichen Leben oeriretenen Richtungen auszuwählender Männer; daß ferne: die Vernehmung unter Leitung des damit beauftragten Be amten in einzelnen gewerbfleißigen Orten — durch welche, waS Preußen, Baiern, Königreich Sachsen, Württemberg, Baden und Hessen betrifft, särnrnlliche größere Verwaltung« bezirke vertreten erscheinen—stattfinden solle; daß sodann die Antworten der Sachverständigen, unter Angabe de« Berufes der letzteren, bei Gewerbetreibenden, besonders de« Standes (Fabrikbesitzer, Fabrikarbeiter, Meister, Geselle) und des Gewerbes, in kurzen Protokollen niedergelegt und die Protokolle dem Reichskanzleramt eingesendet werden sollen." DaS Programm geht von drei Vorbemerkungen aus: „1. Es handelt sich in der Untersuchung nur um Anschauungen und Wünsche, die in praktischer Erfahrung gewonnen sind; deshalb ist darauf hinzuwirken, daß alt- Antworten an die konkreten LebenSverhiltnisse, in welchen die Gefragten stehen, sich möglichst anschließen. 2. Aus Abänderung deS bestehenden Rechts gerichtete Wünsche sind, um unklare und undurchführbare Vorschläge fern zu halten, eingehend zu erörtern und nach allen Seiten in ihre prak­tischen Consequenzen zu verfolgen. 3. Soweit die Ant­worten sich nur auf einzelne Gewerbszweige beziehen, sind diese ausdrücklich hervorzuheben." Das Programm ver­breitet sich über die Verhältnisse der Lehrlinge, Gesellen und Fabrikarbeiter in 29 Fragen. Diese zerfallen in drei Abschnitte: Lehrlings«, Gesellen und Fabrikarbeiter Ver­hältnisse, und diese Abschnitte wiederum zerfallen in ver schiebene Gruppen. Wir zählen der letzteren im ersten Abschnitt 8 mit 14 Fragen. Es handelt sich um den schriftlichen oder mündlichen Abschluß deS Lehrlings-Der träges, um die Kündigungsfrist, Reugeld, Arbeitszeit, Be­schäftigung der Lehrlinge in arbeitsfreien Stunden, Besuch der FortbilbungSanstalten, die Heranziehung der Lehrlinge zu häuslichen Dienftverrichtungen, Lehrgeld, Dauer der Lehrzeit, Uebergang in den Gesellenstand, LehrlingSzeugniß, eigenmächtigen Austritt auS der Lehre und Mittel dagegen,

haben, — wollte mitgenommen fein; — und als er mit länger und länger werdenden Beinen endlich dem Ziele feiner Wünsche nahe genug gekommen war, do . . . that sich der schwarze Raum geheimnißvoll auf,.....und

mein kleiner Freund stürzte sich aufjauchzend, mit einem gewaltigen Kopfsprung hinein; . . . . Dann war eS plötz lich wieder die alte Truhe, die sich donnernd über den Alten im Pelz mit den ewig zitternden Händen geschlossen hatte. — Er rumorte darin herum und sprang verzwei feind mit dem Kops gegen den Deckel, um im nächsten Augenblicke wieder auf die hellklingenden Thaler zurückzu fallen, .... und dazwischen tönte jammernd fein feine« weinerliches Sümmchen: „Laßt mich hinaus, .... laßt mich hinaus! .... um Gotteswillen I ich will eS ja ihun l .... laßt mich hinan«, ... ich will eS ... ja . . . thun l ....

IL '

Da« weiße Haus an der Berglehne, von jungen Bir­ken und Tannen umgeben, beherbergt mich nun beinahe eine Woche, und ich habe mich in feine Eigenthümlichkeiten bineingelebt und fühle mich wohl und glücklich in ihm, wie ich mich lange nicht gefühlt. — DaS heitere, liebens­würdige Temperament meine« Gastfreundes sucht All-S heraus, was im Stande ist, meinen Aufenthalt angenehm zu machen, und die Beständigkeit eines herrlichen Zum- wetters, welche die erdrückende Schwüle des Hochsommers noch ansschließt, sieht unS fast von früh bis fpät auf den Seinen, — bald zu Ausflügen in die wunderschöne Um gegend, — bald zu Besuchen bei benachbarten Gutsbesitzern und Pastoren, — bald im Walde, die Büchse in der Hand, — bald am Bach, w» wir, mit einem vollständigen

t um die Grenze zwischen Lehrlings, und Gesellenstand, endlich um etwaige Vorsorge für die jüngeren Altersklassen

! der Lehrlinge. Der Abschnitt „Gesellenverhältnisse" umfaßt ! 5 Gruppen und 8 Fragen, dieselben betr.ffen die Kündj. , gungSfrist, die Lohnangelegenheit, die Beziehungen derGe- . feilen zu den Innungen, eventuelle Mittel gegen den eigen« i mächtigen Austritt der Gesellen au« der Arbeit. Der » dritte Abschnitt „Fabrikverhältnisse" zerfällt in 4 Gruppen • und 7 Fragen. Auch hier handelt e« sich um Kündigung«. i frist, Au«lohnung, Feststellung von Fabrikordnungen, eigen« i mächtigen Austritt der Arbeiter und Entschädigungsfrage.

I — DaS Vorgehen der Reichsregierung durch Veranstaltung einer Enquete auf dem fo schwierigen Gebiete der Arbeiter­frage ist überall lebhafter Zustimmung begegnet.

Darmstadt, 4. Febr. Se. Majestät Der König von Belgien hat, wie die „M. Z." meldet, Sr. Hoh. bem.. - Prinzen Ludwig von H-ssen für den Muth und die Auf­opferung, welche Letzterer gezeigt, als er mit Gefahr seines eigenen Lebens am 15. August v. I. in Blankenberghe einen Menschen vor dem Ertrinken rettete, den Orden für Zivildienste 1. Klasse verliehen. — Die Frau Kron­prinzessin von Preußen Biro sich am 10. d. MtS. Abends 10 Uhr zum Besuch des HofeS hierher begeben und, soweit bis jetzt bestimmt, etwa 8 Tage hier verweilen. — Dieser Tage ist, wie man der „Sri. Ztg." schreibt, Pfarrer Wagner in Michelstadt, weil er sich der neuen Kirchenverfassung nicht unterwerfen will, auf drei Monate vorn Amt suSpendirt worden. Von den übrigen 85 wider­spenstigen Pastoren be« Großherzogthum« hat sich in Folge er« energischen Auftretens der Overbehöroe weit über die Hälfte gefügt, 10 sind augenblicklich noch suSpendirt und der Rest hat auswärts Unterkommen gefunden. — Zur Aufbesserung der Pfarrgehalte und Bestreitung der Kosten der LankeSiynode soll ein Darlehen von 200,000 Mark aufgenommen werden. Die bezügliche Vorlage ist den Ständen bereits zugekommen.

©ffeubflCb, 6. Febr. Die Mittheilung auswärtiger Blätter, oag der Bruder be« Don Carlos, Don Alfonso, nebst feiner Gemahlin Donna Bianca, im Palai« des Fürsten von Isenburg Sirftein Hierselbst verweile, entbehrt, der „Offenbacher Zeitung" zufolge, der Begründung.

Manche«, 6. Febr. Der vorzüglich al» Hiitorien- Maler bekannte Professor an ber hiesigen Kunstakademie, Freiherr von Starnberg, ist in vergangener Nacht ge­storben

SSur^btttg, 4. Febr. Das Gerücht wird gegen­wärtig hier allgemein verbreitet, daß der Bischof von Würzburg zum Erzbischof von Bamberg auSersehen fei.

LnSlanv.

Pest, 6. Febr. Die „Pester Correspondenz" consta- tirt daS Vorhandensein einer Krise, hält aber ebenfalls die Gerüchte von einem Rücktritt des Ministeriums für ver früht und glaubt, die Regierung werde zunächst in der Kammer die Vertrauensfrage stellen.

Apparat versehen, die der Tageszeit entipr- chenve Kunstfliege aus seiner langsam bafaingleitenben Obe: fläche tanzen lassen, um die muntere, rothfleckige Forelle zu verführen, b e zu­weilen au» ihrem Versteck hervoifährt, um beim kleinsten Geräusch, bei der geringsten unbedachten Bewegung scheu und schnell wie der Blitz dahin zurückzukehren — Auf alle diesen Ausflügen begleiteten uns natürlich unsere Skizzen bücher, ohne sich sonderlich oft und nachhaltig zu öffnen, denn mein Gastfreund hatte mir noch Vieles zu erzählen, und diese« Leben „in« Blaue hineinentsprach meiner etwa« indolenten Natur so gut, — daß wir oft, wenn der Stoff zur Unterhaltung einmal für Den Augenblick auSgegangen war, auf Dem Rücken im hoben ©rate am WiesengrunD lagen, und ruhig in Die flimmernde Lust hineinblickten, die unser Auge so neidlos hinauflockte bis zu ihrer entferntesten Bläue; — oder regungslos an Der WalDIistere ruhten, ein hunoert Schritt unter rem Winde von Der Stelle entfernt nur. wo Der alte Rehbock um dttfe Stunde zu wechseln pflegte, um vo. sichtig auszu- schauen, eh ei von Der R cke uno Den Jungen gefolgt sich lüstern in da» ÄleefelD schlich, das sich Dort wie eine „Tasche" in Den Wald hineinzog. — Aber lange Dauerte ein solche« Schweigen niemals, Denn die rege Natur mei­nes WirtheS mußte plaudern; — und fo plauderte er bald von Neuem luftig los, und dann guckte alle Augen­blicke auS irgend einem Winkelchen feiner Erzählung da» faltige Gesicht „des Alten" hervor, — und begann, — ich kann eS nicht verschweigen, — nach und nach in feinem Aussehen immer Hä ms ter zu werken.

Auch bet Tische, in Gesellschaft ber jungen, blonden Frau tarn Herr von Damkow auf fein Lirbttugsthema, und