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Sr. 32

Marburg, Sonntag, 7. Februar 1875.

x. Jahrgang.

Bnjeigen nimmt entgegen: >te SÄeditto« d. vlatte», so»ie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich L Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M; Haasenstcin <fc Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leip­zig, Cölnrc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a- M. ic.

MmheUihr Jritung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie bie Annoncen-Bure/rux von G- L. Daube &. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M-; Jnvalidendank, A. Mete« meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

8llr m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

^chsah, mag wohl etwa« von der Verwunderung auSge- glücklich die Hausthür, sie ist nur angclehnt ach! dntckt haben, dir ich darüber empfand, daß er mich nicht Gott sei Dank, das ist frische Lust, die er so begierig «christlich konsultitt, ob ich nicht doch vielleicht eine Ab- einsaugt, 616 wollte er sich für eine gewisse Zeit damit ^'gung gegen Masern hab«? Die Masern? ichlversorgen. Dann steht er sich noch einmal ängstlich »ar jum Glück nicht ängstlich, er hatte «ich richtig! zaudernd um, dann . . . dann fängt er an zu laufen,

soll den Protest des baierischen EpiScopatS gegen das Reich-civilstandSgesetz einfach an den Kultusminister über wiesen haben» In Sachsen giebt sich eine Erregung der öffentlichen Meinung darüber kund, daß der Bruder des Königs seinem Sohn, der bis jetzt der muthmaßliche ein stige Thronerbe ist, einen Dr. Fritzen, einen vatikanischen renitenten Priester aus Preußen, zum Lehrer, selbst zum Geschichtslehrer gegeben hat.

In Wien hält noch immer der Gründerprozeß Ofen heim die Intimen der Börse in lebhaftester Bewegung. In der Gerichtssitzung vom 28. Januar wurde auch Handels- Minister BanhanS über feine Thätigkeit und Beziehungen zu verschiedenen Eisenbahn- und Bankinstituten vor feinem Eintritt in» Cabinet vernommen; der Verlheidiger machte den Versuch, durch Drohung mit einer Quittung beweisen zu wollen, daß BanhanS genau wie Ofenheim an Gründer- Gewinnen sich bereichert habe, er blieb aber den Beweis schuldig, halte indeß allerdings einen schlagenden Beweis von der unsäglichen Leichtfertigkeit geliefert, die bei diesem Prozesie tägUch Orgien feiert. Im ungarischen Abgeord­netenhause, wo seit dem 27. Januar die Budgetdebatte mit steigender Letdenschastlichkelt geführt wird, ttat Lonyay mit einerProgramm-Reve" auf, in welcher er die Ursache der Finanznoth entwickelte, auf seine früheren Rathschläge und Thaten hinwieS und dir Vorschläge zu Reformen «achte, welche in Pesth und Wien eine Aufnahme fanden, welche einen Eystemwechsel in Ungarn wahrscheinlicher «acht und näher rückt. Man spricht sogar schon von «ine« Eabinet Sennen-Lonyay-TiSza.

König AlfonS von Spanien hat di« Genugthuung und da« Glück, während seines Aufenthaltes auf dem Kriegsschauplätze in Navarra Zeuge eines bedeutenden Erfolge» zu fein. Zwei Corps der Nordarmee unter MorioneS und Primo de Rivera haben, von Tafalla und Falces aus vorrückend, die Carlisten von der Straße nach Pampelona zurückgedrängt, und schon ist eine Proviant Solenne in diese seit Jahren von dem Verkehr mit der Außenwelt abgeschnittene Stadt einmarschirt. Die neuesten Telegramme melden überdies von einem heftigen Kampfe bei Oteiza, in welchem die Regierungstruppen den Feind aufs Haupt geschlagen haben. Spanten darf also wieder einmal Hoffnung schöpfen, daß die lange hingehaltene Entscheidung im Norden bald erfolgen werde.

Der eine der beiden Candibaten zur Führerschaft der liberalen Partei im englischen Unterhause, Herr Forster, ist von der Bewerbung zurückgetreten, so daß die Wahl des Marquis v. Hartington nunmehr ohne weiteren An­stand unter dem Vorsitze John Brighl'S vor sich ging. Das Parlament wird am 5. d. zusammentreten.

Der dänis.che Reichstag hat dieser Tage ein Lebens­alter von 25 Jahren erreicht. Zum ersten Male trat er, auf das Gesetz vom 5. Juni 1849 gewählt und vom König Friedrich VII. berufen, am 30. Januar 1850 in«

- Der kleine Freund nimmt die Brille ab, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen, dann springt er ent- schlosieu auf und mit den ängstlich gestöhnten Wotten: Nein! nein! . . . nicht taufend Pferde sollen mich hier zurückhalten I" stürzt er auf die Thüre zu. Leise und vorsichtig öffnet er sie, und ebenso leise und vorsichtig lchleicht er auf den Fußlpitzen die Treppe hinab. Er hat nur seine Reisttasche in der Hand selbst den Mantel ließ er oben, ... oh! ... er di-ponirt vortrefflich der kleine Freund. DaS Glück ist ihm günstig; die Treppen» stufen knarren nicht, Ni.mand sieht ihn, er erreicht

.....Fort war er, und die Art, wie ich ihm *achsah, mag wohl ttwa« von der Verwunderung anSge-

Der schweizerische Bundesrath hat im Einver­nehmen mit dem Bundesgericht da« Verfahren in An­wendung der Auslieferung« - Verträge festgestellt. Der Große Rath des CantonS Genf hat die Aufhebung der Bestimmung de« katholischen CultusgesetzeS beschlossen, nach welcher mindestens ein Drittheil der Wähler an den Pfarrwahlen Theil nehmen muß, wenn dieselben gülti sein sollen.

Finanzminister Minghetti legt der italienischen Kammer eine Reihe von durchweg finanziellen Gesetzent­würfen vor, die theilweise schon in seiner Budgetrede an­gekündigt worden waren.

Endlich scheint e« in Versailles für Frankreich Frühling werden zu wollen. Die letzten beiden Tage des Januar haben deutlich gezeigt, daß die so lange vergeblich angeftrebte Verständigung der Centre» über die Verfassungs­frage eine Wahrheit zu werden anfängt. Wenigstens ein Theil des rechten CentrumS hat entschlossen den Fuß auf ben Boden der Republik gesetzt und Abstimmungen er möglicht, über deren Tragweite sich allerdings noch kein vollgültiges Urtheil fällen läßt, weil Mac Mahon sich nach wie vor in Schweigen hüllt. Indeß wird jetzt eine friedliche und annehmbare Lösung von allen denen gehegt, welchen die Organisation der Republik kein Greuel ist, wie den Legitimisten und Bonapartiften E« ist nicht zu ver wundern, daß die Legitimisten und Bonapartisten Alles aufbietm, um das Wasser wieder zu trüben. Der Roy ist, wie es heißt, in der Nähe von Versailles und der chiselhnrster Hof geht mit Anleiheplänen um; ober das Land athrnet auf, und wenn man dem auch noch nicht ganz trauen mag, so ist doch die Zuversicht einer Lösung, welche für die nächsten Jahre Ruhe verheißt, sichtbar im Wachsen.

DnS Mansalcu« der gnädigen Fran.

Novell« von Max Alt.

(Fortsetzung.)

w9htne, erwiderte er lachend,heraus muß es ja doch einmal, und ich wußte ja, daß Sie ein vernünftiger Mann find, und kein altes Weib, wie so viele unserer ver- ehrten Brüder! ... E« ist nur, . . . unser kleines Mäd­chen hat die Masern gehabt, und meine Frau, die sich bei ihrer Pflege überanstrengte, hat etwas davon abbekommen. Aber ängstigen Sie sich nicht", setzte er gewissermaßen begütigend hinzu;eS ist zwar bei Erwachsenen zu­weilen ziemlich gefährlich, aber sie hat eS glücklich über standen und ist schon seit acht Tagen wieder auf! Es ist wirklich nichts zu fürchten! Ha! ha! ha! . . . Doch nun will ich Sie allein lassen", fuhr er schnell fort, augen­scheinlich in dem Wunsch, jede weitere Erklärung dadurch abzuschneiden:Aber lassen Sie sich nicht etwa ein 'allen, noch irgend welche Toilette zu machen! . . . Wir find auf dem Lande und Sie »erben natürlicherweise auch »eine Frau im Hauskleide finden! Eine kleine Waschung, ein coup de brosse höchstens, und in zehn Minuten bin ich wieder da, um Sie zum Thee hinüberzuholen!"

Palitische Wichen-Ueberstcht.

Der Deutsche Reichstag hatte am Sonnabend Nach­mittag das Reichsbankgesetz in dritter Lesung angenommen und es wurde bann bie Session im Sitzungssaale selbst Namen« des Kaiser« durch den Präsidenten des Reichs kanzleramteS geschlossen. Die Session ist eine besonders fruchtbare gewesen und ausgezeichnet durch bie ersichtlich wachsende Einmüthigkeit der nationalgesinnten Fraktionen; der im Auftrage des Kaisers ausgesprochene Dank konnte mit dem Bewußtsein entgegengenommen werden, daß er ein wohlverdienter war. Die ständige ReichStagScommission für die großen Jnstizgesetze hat vor der einstweiligen Zer streuung ihrer Mitglieder in die Provinz am Sonntag noch eine Plenarsitzung gehalten und über bie nächst GeschäflSbehanblung Beschlüsse gefaßt, da erst bis etwa zum April weitere Plenarsitzungen in Aussicht genommen sind. Am Montag den 1. Februar hat sofort der preu­ßische Landtag den Platz des Reichstags wieder besetz,. Da« Abgeordnttenhau« fand neben dem Budget für 1875, das bi« zum 1. April als Gesetz vollzogen sein soll, be­reit« auch die wichtigsten Vorlagen zur Fortfühmng der Verwaltungsreform die Provincialcrdnung (zunächst für bie fünf Provinzen, in welchen die neue Kreisordnung bereits eingeführt ist), das Provincial-DotationSzesetz und da« Gesetz über die Verwaltungsgerichte, so wie des­gleichen die Vorlage des Eultus-Ministers zur Organisation der Vermögensverwaltung in den katholischen Kirchenge­meinden in seinem Besitz. Der König von Baiern

beurtheilt; aber während ich mich ben anrmpfohlenen Manipulationen unterzog, suchte ich mir klar zu machen, wie biefe Scene wohl verlaufen fein würde, wenn er nicht mir, sondern einem unserer beiderseitigen Freunde, ben er ebenfalls mit Bitten um einen Besuch seit langer Zeit bestürmt halte, biefe überraschende Erklärung an dieser Stelle gemacht haben würde? Ich sah die liebe, kleine untersetzte Gestalt des Freundes vernichtet auf einen Stuhl jmfen.Die Masern!" klang es tonlos von seinen Lappen . . . .Sie brauchen nichts zu fürchten, ... sie sind bei Erwachsenen zuweilen ziemlich gefährlich . . . ha l ha! ha!"

: Leben Zur Feier diese« Jubiläum« sind die Präsidenten der beiden Things, Liebe und Krabbe, mit dem Danedrog. erben geschmückt worden.

Der schwedische Reichstag ist in voller Thätigkeit. In beiden Kammern kam die zunehmende Landstreicherei zur Sprache; Verstärkung der Polizei und Verschärfung der gesetzlichen Strafen wurde beantragt. DaS norwegische Staatsbudget für 187576 ist auf 7,100,000 Species veranschlagt.

Der Kaiser von Rußland hat am 30. Januar dem König Alfons von Spanien auf btffen Mittheilung, daß er den Thron bestiegen habe, geantwortet, er nehme bie bisher unterbrochenen diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland und Spanien wieder auf und beglaubige den Geh. Rath v. Kudriavsky in Madrid als feinen Gesandten am spanischen Hofe.

In Griechenland mußte gestern die ordentliche Session der Kammer geschlossen werden, die außerordent- ttche, heißt es, soll sofort beginnen. Der russische Gesandte saburow, der in Athen großes Aergerniß gegeben und vom italienischen Consul einen verdienten Denkzettel er» halten hat, ist endlich von seiner Regierung abberufen worden.

Die zwischen der Pforte und Montenegro wegen der blutigen Vorfälle in Podgoritza schwebende Streitfrage ist wohl als geschlichtet zu betrachten. Es scheint sich nur iwch darum zu handeln, welche von den beiden Parteien für die bewiesene Hochherzigkeit und Mäßigung vor ganz Europa öffentlich belobt werden soll.

Der rumänische Senat ertheilte dem Ministerium nach Vorlage der diplomatischen Correspondenz in Betreff der Donauregulirung am Eisernen Thore einstimmig ein Bertrauensvvlum.

In Serbien ist das kaum zwei Monate alte Mini» sterium Zumit« wegen innerer Zerwürfnisse aus dem Amte geschieden und hat einem neuen Platz gemacht, an dessen Spitze Danilo Stefanowits steht. Die neuen Minister wolle» »ach außenloyaler Friedenspolitik", im Innern besonnenem Fortschritt" huldigen.

Tagesbericht.

Der BundeSrath hat in seiner Plenarsitzung am Don­nerstag das ReichS-CivUehegesetz gegen eine Minorität von 15 Stimmen, darunter Sachsen, Mecklenburg, Olden» bürg und Braunschweig, angenommen. Ferner stimmte der BundeSrath der Uebereintunft mit Italien wegen gegen» seitigen Verzichts auf die Beibringung von Trau Erlaub nißscheinen bei. Dann folgten Ausschußberichte wegen de­finitiver Feststellung der Einnahme an Zöllen, Salzstener der Branntwein- und Braumalzsteu-r für 1870 und 1871, über Feststellung deS Feingehaltes der Silberwaaren; end-' lich über bk vor Erlaß der PiüfungSvorschriften für Seeschiffer erworbenen BefähiguNgezeugnisse. Der bereit« erwähnte Entwurf über die Naturalisation von Ausländern und ein Entwurf betreffend die Veranstaltung einer En­quete über die Verhältnisse der Gewerbe- und Fabrikarbeiter werde» den betreffende» Ausschüssen übettoiefen. Am

gu laufen, so schnell ihn seine kleinen Seine tragen wollen dem fortrollenden Fuhrwerk nachzulaufen, das er in der Ferne noch sieht, und das zu erreichen er den gerade­sten Weg wählt, über He en und G.äben setzt, und e« auch glücklich bei einer starken Steigung, die der Wea macht, einholt.-- __ __ 0

Eine Viertelstunde später sitze ich in einem reizenden Zim­mer, dessen zierliche Ausstattung da« Walten eines feinen weiblichen Sinnes verräth, meiner jungen, blondlockigen Wttthin am Thcetifche gegenüber, und danke meinem Schöpfer, daß er mich wohl genug organisirt hat, um nicht vor einem Paar kleiner, rother Flecken die ihren weißen Teint nur noch zarter erscheinen lassen zu enifliehen. Denn die junge Frau macht in einer so anmulhig wohlthuenden Att die Honneur« ihrer kleinen Tafel, sie verziert unser Lachen, das Herr von Dam- kow mit seinen drolligen Einfällen ununterbrochen im Gange hält, mit so munter und glockenrein dazwischen klingenden Fiorituren, daß ich mich nach einer halben Stunde schon heimisch fühle, wie in einem lieben, alten Kreise, den ich kaum mehr entbehren zu können meine.

(Fortsetzung folgt.)

* t <. "-»er deutsch-französischen Krieg

tft soeben das siebente Hefi ves preußifchen Generalstabs- werkeS erschienen. Dasselbe umfaßt die Ereignisse, welche mit dem Vormarsch der britten und der Maa« Armee gegen