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Sr. 81.

Jliarfiurg, Sonnabend, 6. Februar 1875.

X Iahrg-ig.

«nie gen nimmt entgegen: kie Erveditivn d. Blatt ei, feste bte Lnnoneen-Bureaux eon Th- Dietrich & Co. in flnffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler tn Frankfurt a- M.,B«lin^Lew- itg, Cöln rc.; Rudolf Moss, in Berlin, Frankfurt a- M. re.

(i"'brrl)clTifd|c Jdtung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie dte Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M : JSger'schx Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, 11. Stete- meyer in Berlin; Carl Schuß­ler tn Hannover; C- Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS LouulagSblatt" durch die Expedition Koch'fche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches % Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr). — Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile HK Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Tagesbericht.

In verschiedenen Blättern wird jetzt wieder einmal in offenbar tendenziöser Absicht die Mittheilung gebracht, der Fürst Reichskanzler wolle zum 1. April sich von den Geschäften zmückziehen. ES ist wohl wieder nur das alte Gerede der Leute, von denen man sagen kann: „Was man wünscht das glaubt man." Zwar befindtt sich der Fürst allerdings seit einiger Zeit leider nicht wohl, aber von einem Rücktritt ist darum noch nicht die Rede. Ueb- rigenö ist ja der Termin der 1. April ein so naher, daß sich bald zeigen wird, wie unbegründet jenes Gerücht gewesen^

Die „Rordd. Allg. Ztg." meldet, daß die Creditive für den Grafen Hatzfeld al- kaiserlichen außerordentlichen Ge­sandten in Madrid am 1. gebt, vollzogen und schon auf bem Wege nach Madrid seien.

Die Meldung verschiedener Blätter, daß die Vorlage der Städte Ordnung noch in dieser Landtags-Sefston er­folgen werde, bestätigt sich. Der Gesetzentwurf ist für die Städte der westlichen Provinzen bestimmt.

Der diesmalige Fastenhirtenbrief des Bischofs Ketteler von Mainz, trägt von Anfang bis zu Ende den Charakter eine» leidenschaftlichen, und lediglich politischen Aktenstücks. Von den übrigen Fastenvorschriflen findet sich keine Spur in dem Dokument, welche» durchweg au» einer in vier Kapitel getheilten Ausführung über die Unverträglichkeit der hessischen «irchcngesetze mit dem Wesen der katholischen Kirche besteht. Wenn der Mainzer Bischof kürzlich als der Führer derjenigen Partei im deutschen Epi-copat be­zeichnet wurde, die den Widerstand bis zum äußersten predigt, und unter keinen Umständen von Itinem modus vivendi etwas wissen will, so bestätigt der neueste Kettler'fche Hirtenbrief diese Annahme vollständig.

Gegenüber den von der „Times" gemeldeten Schwierig leiten, welch?, der, Ausgleich in der Podgoritza-Affaire noch bei Montenegro finde, wird in den diplomatischen Kreisen Berlin» hervorgehoben, daß da» Einvernehmen der drei Kaifermächte die befriedigende und schnelle Erledigung der Podgoritza Affaire vollkommen garantire.

Deutsches Reich.

•• Berlin, 4. gebt. In der heutigen Sitzung de» Abgeordnetenhauses eröffnete der Abgeordnete Richter die Budgetdebatte und führte sich so als Führer der Opposition ein. Derselbe begann mit Angriffen gegen die Steuer­politik des Finanzministeriums, ging dann zur offiziösen Preffe über, deren Iteibtn bei dem Falle Arnim, ÄuUmann, Majunke und zuletzt bei den Angriffen gegen den Abge­ordneten LaSker allgemeinen Anstoß erregt hätte. Der

Redner zog alles Mögliche in feine Rede hinein, offenbar in der Furcht, daß er bei der Spezialberathung nicht ge­nügend zu Wort kommen würde. Wie bekannt Hat die nationalliberale Partei, welche augenblicklich die Majorität des Hauses bildet, beschloffen, die Debatte auf da» mög­lichst kleinste Maß zu beschränken, ohne dabei die wichti­geren Positionen einer eingehenden Beurlheilung entziehen zu wollen. Diese Absicht hat den Beifall aller bedeuten­deren und besonnereu Zeitungen gefunden, nur diejenigen Organe, melche unter der Richter'fchen Preßautorität stehen oder, um mit den Worten des fortschrittlichen Abgeordneten zu sprechen, sich von den Richter-ParstuS-HopPe'schen Wasch­zetteln nähren, suchen dieselbe zu bemängeln. Herr Richter hat übrigens durch seine innerlich und äußerlich über jede» Maß hinausgehende Rede selbst den Erfolg vereitelt. Die Opposition deS genannten Abgeordneten ist überhaupt eine derartige, daß man sie nicht mehr mit dem Namen einer parlamentarischen Opposition bezeichnen, sondern sie nur eine Carricatur der Opposition nennen kann. Im Verlaufe der Sitzung war ferner eine Bemerkung des CultuSmini- sters Falk bemerkenSwerth, daß die Resultate der Provinzial synoden befriedigend genannt werden könnten, mit Ausnahme der Pommerschen Synode. In der That haben sich die Befürchtungen, welche bei ihrer Berufung und ihrem Zu­sammentritt sich von vielen Seiten geltend machten, nicht bestätigt. Namentlich haben die Verhandlungen der Bran­denburger Provinzialsynode befriedigen müssen, da in der­selben die entgegengesetzten Parteien vertreten waren. Es ist zwischen der orthodoxen Partei und der unionistischen ein gewisse» Maß von Verständigung und Annäherung eingetreten. Daß in Pommern zu weitgehende Beschtüsfe gefaßt sind, liegt an dem Vorwiegen der altlutherifchen Partei unter der Leitung des Henn v. Kleist-Retzow. Daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen, dafür wird die Zusammensetzung der Generalsynode sorgen.

Arolsen, 1. gebt. Der von der preußischen Re­gierung abgesetzte Bischof Martin von Paderborn hat der Fürstlich Waldeck'schen Regierung vor einigen Jahren be­reitwillig zugestanden, wa» er der preußischen Regiemng hartnäckig verweigern zu müffen glaubt. ES liegt jetzt da» eigmthümlicheVerhältniß vor, daß der Bischof Martin den preußischen Lanbräthen und RegierungSräthen und allen Preußen gegenüber für abgesetzt gilt und gelten muß, daß er aber dem preußischen LandeSdirekior der Fürst n- thümcr Waldeck und Pyrmont, Herrn von Sommerfeld gegenüber als noch in Amt und Würden stehend gelten muß.

Stuttgart, 2. gebt. Schon wieder eine Verhaf­tung I Und zwar wieder die Verhaftung eines Bankdirector». Diesmal mußte der Direktor dec „Europäischen LebenS

versicherungS- und Rentenbank", Herr Alexander Fischer, dem Rufe des königlichen Stadtgerichts folgen und in da» Criminalgefängniß wandern. Man sagt, feine Verhaftung hänge mit feinet früheren Stellung — er wat Aussicht»- rath der verflossenen Wmttembe,gischen Commissicnsbank — zusammen. Allerdings faßen im Ausstchtsrathe düset Bank sogar Gemeindetäthe der Residenz und man b< findet sich förmlich in schwebender Pein, ob der Arm de» Crimi- nalrichter» schließlich nicht auch einige Väier der Stadt erreicht. Wenige Tage vor der Verhaftung des Directors Fischer wurde der Chef deS Bankhauses G. L. Schweitzer, sowie der erste Prokurist desselben in Haft genommen. DaS erwähnte Bankinstitut hatte sich schon vor mehret en Wochen insolvent erklärt und die Betreffenden wurden ver­haftet, weil sie ihnen anvettraute Werthpapiere während deS Gantve, fahren» theilS beseitigten, thetl» zu beseitigen versuchten. Der alte gute Ruf Württemberg» erhält durch die fortwährenden Krachgeschichten und Berhastungen einen empfindlichen Stoß. Hoffentlich reinigen diese Gewitter die Lust und hoffentlich lenken sich die Blicke der Klein« kapilalisten endlich wieder auf die alten, soliden Jnfriiuie, welche man feit dem Jahre 1872 unbeachtet bei Seite lie­gen liefe. — Die Bauten zum V. deutschen Buudesschießen sind bereit» zum Aufstrich ausgeschrieben, fie Schiefe­ordnung, auf deren Erlaß man in Deutschland gespannt ist, wird im Laufe der nächsten Woche durch eine au» Schützen von ganz Deutschland zusammengefetzte Commission feftgeftellt »erben. Der Anfang des Festes ist nun defini­tiv auf dm 1. August d. I. bestimmt worden. — Zu der demnächst in Tübingen stattfindenden Abgeordnetenwahl hat die Volkspartei einen Candidaten in Der Person re» Hüttendirector» Dr. Dorn ausgestellt, «elftem gegenüber in dem Direktor Dr. v. Stein von nationalliberalet Seite ein Gegner ausgestellt wurde. Der demokratische Candibat zog nun in den letzten Tagen seine Candidatur wieder zurück und empfahl ausdrücklich die Wahl des nationalen Bewerbers. Als Beweggrund ..urbe haupifächlich die Ab­sicht, harte Parteikämpfe zu vermeiden angeführt. Es ist somit alle Aussicht vorhanden, dafe die Tübinger Wahl, da Dr. Dorn bei seinem Entschlüsse behaut, ruhig ver­laufe. — Die Wahl zur Handel»- und Gewerbekammer kam hier wegen zu gering« Betheiligung nicht zu Stande.

Straßburg, 2. gebt. Zur Ehre der Straßburger fei e» gefagi, sie haben sich von dem jähen Schlecken schnell erholt, der sie au» Anlaß des Plane» der Stadterwetlerung befallen hatte. Nachdem man sich die Sache noft einmal kälteren Bluts besitzen, hat man doch zug.ben müssen, dafe sie eigentlich so übel nicht ist. In der ersten Aufwallung hatte man die Der Stadt drohende „Gefahr" eUae über-

. - - .....= ■ ■ .■ . ------ !—2.

TuS Mausoleum der guadiße» Fra».

Novelle von Max Alt.

;S (Fortsetzung.)

„Run denn, so will ich au» diesem Grunde demüthig Abbitte thun", sagte mein Begleit«, seine ThrSnen trocknend, — „und mich auch ferner dieses wohlthätigen Fuhrwerks bedienen, wenn das Handpferd die Kolik hat; und will eS loben und preisen in allen Tonarten, als das beste und eleganteste, da- in dem ganzen Nest aufzutreiben — wie es in der Thal ist!"

Wir warm auf diese Art in die heiterste Laune hinein- gekommm, und Herr v. Darnkow sprach mir von seinen Plänen, während ich, soweit eS die geschilderten Eigen- schäften de» Wagen» erlaubten, mein Auge an bem lang entbehrten Anblick blauer Berge erquickte, die au» der Ferne näher und näher zu un» heranzurücken schienen. — Der gut chaussirte Weg zog sich im Zickzack durch Üppig blühende Kornfelder, lief an hochgraflgm Wiesen entlang und tauchte sich bald in eine enge Schlucht, die ihn für eine kurze Zeit in einen mit Laubholz untermisch­ten Tannenwald führte, auö dem « bald darauf wieder zum Vorschein kam, um an neuen lieblichen und stets wechselnden Landschaftsbildern vorüberzugleiten. Wir waren gerade auf bergansteigendem Wege in solch einen Wald­winkel hineingerathm, als der Wagen plötzlich hielt, und »ein Gastfreund den Schlag öffnete, meinen Blick auf eine künstliche in da» Holz gehauene Lichtung zu lenken, welche ihn hinauslockte in ein «underlieblicheS Thal, — in dem von stolzen Eichen und Ulmen überragt, von einem ziemlich bedeutenden Dorf umgeben, durch das der Ge­birgsbach feine gelben Fluchen über granitene» Steingeröll wälzte, ein mächtige» Herrenhaus lag, dessen ausgedehnt« Park sich weit hinauSzog, in da» Land, wo er fast uumerk sich in Wiesen und Feldern überzugehen schien.

Ein warme«, goldig zitterndes Sbendsonnenlicht lag auf bem durch die im Schatten ruhende Waldlichtung ein

gerahmten Bilde. — Die stattlichen Bauernhäuser wirbelten ihre rosig angehauchten Rauchwolken in die Luft, — die Fenster des grofeen schlofeartigen Hauses sahen dem golde­nen Gestirn glühend in» Auge, — und den kommenden Sonn- und Festtag einläutend, klangen von der kleinen Kirche her leise zitternd Glockentöne durch die Luft, sie nach allen Seiten durchdringend, den fernen Bergen zu, deren bläulicher Schein ein unendlich weicher, violetter Ton duftig überhauchte.

„Weich' ein bezauberndes Stückchen Erdei" rief ich unwillkürlich entzückt aus.

„Es ist Schlofe und Dorf Grüneck", sagte der junge Edelmann, und ein stolze» Lächeln stcg einen Augenblick über seine Züge, — aber auch einen Augenblick nur, denn schon im nächsten lag fein Blick bitter auf dem alten Haufe und feine Stimme klang wieder iionisch, al» et hinzufügte: „E» ist das bezaubernde Stückchen Erde, das ich em|t be­wohnen, da» ich einst mein eigen nennen werde, — wenn Gott e» nicht vorzieht.. . mich heimzurufen, eh' ich das Alter der Patriarchen erreicht haben werde I"

Dann rief «, sich zum Wagenfchlag hinausbeugend, dem Kutscher ein herrisches „Vorwärts I" zu und während wir auf bem gewundenen Wege bergab in da» Thal bin» unterroUten — jetzt bald das Bild von Schloß und Dorf mit kleinen VnänDerungen wiedersaffend, jetzt nach einer ganz anderen Seite hinauSfchauend in da» Land, lehnte sich Herr v. Darnkow noch einmal zurück in die Wagen­ecke und sagte mit seinem hübschen off nen Wesen: „Sie müffen mir.erlauben, lieber Freund, Ihnen in dem Augen­blick, wo Sie für längere Zeit als lieber Gast in mein Hau- treten sollen, ein paar kleine Erklärungen zu geben, welcher Sie benöihigt sein werben, um Manches zu v« stehen, was Ihnen sonst räthselhatt erscheinen würde. — Wenn ich da» nicht früher gethan habe, jo geschah e» in Anerkennung be» Grundsatzes von der... . unreinen Wäsche, . . . die man vor der Welt nicht waschen soll. —

Jetzt aber, wo Sie in wenigen Minuten ein bevorzugte» Mitglied der Familie zn werden im Begriffe sind, fühle ich die Pflicht der Ausrichtigkeit deutlich an mich herantreten. Sie würden eine» fchönm Tage» Da» liebe alle Familien­gerippe doch in irgend einem Winkel entdecken, und so will ich es denn lieber unaufgefordert hctvorhvlen, und Ihnen oa» Erforderlichste fcibft damit vortlapp.rn. — Zunächst muß ich Ihnen al|O mittheilen, daß ich Sch oß Grüneck nicht bewohne," fuhr er nach einer Leinen Pause fort. „Dao alte Hau» hatte sich mir nach meiner Hochzeit gtöffnet, und lhat was es konnte, um feimm künftigen Herrn zu gefallen. Aber noch nicht ein Jahr war in’» Land gegangen, als e» bis zur Evidenz klar geworoen, daß .... etwa» in der Sache nicht war, wie es jein sollte l — Ich bin in einer schwierigen Lage mit dem Wunsch mich Ihnen recht kurz und deutlich auszuorücken. — Könnte ich sagen: „Schwiegermutter," — jo wäre die Sache mit dem einen Wort abg-than. Die ganze ge bildete Welt versteht, wa« der gescheudeste Mann nrchi in 10 Bänden besser ausdrucken könnte, al» durch da« ein­fache Wort „Schwiegermutter!" — C» bedurfte meine» unverwüstlichen Glücks in solchen kleinen Annehmlichkeiten des Ledens, um Die Sache für mich txira zu cerwicfein. Ich kann Nicht sagen: „Schwiegermutter," — es wurde mir nicht vergönn.; ich muß jagen: „Schwiegervater," und e« wirb Ihrem subtilen Sinne nicht entgehen, welch ein ungeheurn Unterschied in d.m Eindruck in, den dtefe beiden so ähnlichen Worte hervorbringen! — Welche» sanfte wehmüthige Empfinden «wacht in jeder za.un mit- fühlenden Seele, wenn man mit zuckender Lippe da» erste spricht: „Schwiegermutter l" — Dreies etnfaate Wort i|t Der Nothschret von Millionen gepeinigter Steten, Dem selbst bet apathische Eskimo eine Thiäue nicht versagen würde! — Wie anders langt bog.gen „Schtegervater;" es ist nahezu unverständlich, nud bedarf oer eingehendsten Erklärungen, mit denen ich Sie vor der Hand nicht be»