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Sr. 30.

Marburg, Freitag, 5. Februar 1875.

X. Jahrgang.

MmhtMr Mutig

Volkszeitung bringt heute wiever einen interessanten Bei­trag zu oer Zwinseelen-Theorie De« Besitzer» De« Blatte» unD Reichstag» ÄbgrorDneten Herrn Duncker. Sie ent­hält in einem Rückblick auf die verflosiene Reichstagssesston einen heftigen Ausfall gegen tote Retchsvertretung wegen der Annahme de» Landsturmgefetze», welcher ganz im Stile der Konfliktszett geschrieben ist. Man muß erstaunen, wie solche Ansichten unter der Aegide de» Abg. Duncker in die O.fsemlichkeit treten können, oa doch derselbe feiner Zeit mit beredten Worten für da» Landsturmgesetz einge treten ist und dafür gestimmt hat. — In einem Erlaß

ÄttSlaxl.

Wie», 1. Februar. Das Ministerium dürfte infolge de» Prozesie« Osenheim Geiegenhett haben, mit Rücksicht auf die erschütterte Stellung de» noch amtirenben Hanoeis- minister» die so oft und feierlich verkündete Solidarität praktisch zu beihätigen. Die Geständnisse de» Herrn Dr. BauhanS au» Den bisherigen Strafgerichtsverhanotungen im Betrugsprozesse Ofenheim sind so sensationell, daß sie nicht ohne politische Folgen bleiben dürfen. Die „Deutsche Zeitung" schreibt darüber: „Wer Dr. Reuba's Stellung kennt, kann kaum glauben, daß er ohne Beweismittel solche Beschuldigungen in die Welt geschleudert h be. Auf der anderen S«<te steht aber die Aussage de» Ministers vor, Gericht. Wir dürfen deren Richtigkeit nicht bestreiten müssen aber doch stutzig fein über Die Sicherheit, mit Der Dr. Neuoa für seine Angaben einzustehen sich beuit er­klärt. Diese unsicheren Gefühle geben sich in Der ganzen Bevölkerung kunv, unD es kann wohl kein Zweifel bestehen, daß der Minister sofort diese Heiaussorbeiung veS Dr. Reuva aufnehmen, desien Beweise selbst aus geria-tlichem Wege verlangen und ihatsächlich roiceileMen müsse. Es

Deutsche» Reich.

•• Berlin, 3 Febr. Die Nachricht, daß der König von Bayern die Vorstellung der bayerischen Bischöfe be­treff» der Civilehe einfach an da» Staal-ministerium ge­geben habe, har hier kein Aufsehen erregt. Jeder der da» Verhalten de» baierischen Monarchen und besonder» da» Auftreten de« baierischen JustizministerS Fänstle im Reichs­tage sich zurückruft, wird keine andere Antwort erwartet haben. Auch die Augsburger „Allgemeine Zeitung" ent­hält einen Artikel, in welchem sie Der Botschaft der Bi schöfe jede Bedeutung ausjpricht. Die E ischöse mußten gewußt haben, daß der König seine Entscheidung schon früher getroffen habe, al» der Bunde»ralh an die Ve­rschling de» Reichscivilehe-Gesetzes herangetreten. — Die

dazwischen jagen und fischen und un» auf alle sonst nur mögliche Art amüsiren wollten, — daß ich jedesmal mein Versprechen auf eine noch näher zu bestimmende Zeit gegeben hatte, — ohne es doch ein einzige» Mal zu erfüllen.

Im Beginn des Sommer» 186. kam e» endlich dazu, nachdem er mich wochenlang mit Briesen bombardirt, in denen allen die endlose Klage wiedertönte, „daß er drin säße bi» über die Ohren, — daß er nicht vor» noch rück wärt« könne, und daß nur meine Freundschaft und meine geschickte Hand ihn vor vollständiger Berzweifiung zu be wahren vermöge." — Ich telegraphirte meine Ankunft und bald darauf verließ ich nach sechsstündiger Fahrt die Eisen bahn, um noch 2 Stunden da» langentbehrte Vergnügen eine» Postwagen» zu genießen, der mich in die kleine Siabt bringen sollte, wo der Wagen be» Herrn v. Damkow für mich staub.

Ich war ber einzige Fahrgast, und al» der Postwagen bei ben wenigen Häusern der kleinen Station vorüber sich in eine langgedehnte Kiefernhaide tauchte, deren eigenthüm- licher Dust an dem heißen Julitage in der schwülen Luft zitterte, — schloß ich die Augen, nachdem ich mich verge wiffert, daß ich in der nächsten Stunde nicht» zu sehen bekommen würde, al» die liebe alte Haide, die, so sehr sie mir auch an» Herz gewachsen ist, al» da» Kleio meiner Heimath, — mir doch heute nicht recht geeignet erschien, da» müde Auge eine» Reisenden wach zu erhalten.

Aber wie e» ja immer geschieht, wenn wir die Augen schließen, um äußere Eindrücke von uns abzuhalten, __so

tauchten auch heut andere Bilder vor meinen Sinnen auf, die nicht unthLttg sein konnten, bevor sie der Schlaf um­fangen. — Ich suchte mir au» dem Wenigen, was mir Herr v. Damkow nach und nach erzählt hatte, die Personen zusammenzufetzen, denen ich in wenigen Stunden gegenüber stehen sollte. — Mit einem jungen Weibe uno einem Paar kleiner Mädchen war ich bald fertig. Ich sah sie deutlich

Lage-berichl.

Die „Prov.-Cor." schreibt: Der König Alson» XII. . von Spanien hat den Souverainen und Regierungen seine

Thronbesteigung angezeigt.

Unser Kaiser hat am Dienstag voriger Woche (26. Jan.) ha» betreffende Schreiben au» den Händen be» früheren spanischen Gesandten, Grasen Rascon, in einer Privat audienz entgegengenommen.

Mit der Erwiderung des Schreiben» be» König» von Spanien feiten» des deutschen Kaiser» und mit der gleich­zeitigen Beglaubigung de» diesseitigen Gesandten bei der neuen kgl. Regierung wird die Anerkennung derselben sei­tens be» deutschen Reiche» vollzogen sein.

Die Regierungen von Oesterreich, Rußland und Deutsch» land beobachten in dieser Beziehung ein gleichmäßiges Verhalten.

Die Motive be» Gesetzentwurf» über die Verwaltung de» katholischen KirchenvermögenS enthalten die eingehende Darstellung ber zur Zeit auf biesem Gebiete herrschenden Zustände und ber erfolgreichen Versuche, die bestehenden Kirchenvorstände zu beseitigen ober Dem Willen ber Geist­lichkeit zu unterwerfen und eine gänzlich willkührliche und uncontrolirbare Verwaltung be» kirchlichen Gerneinde-Ver mögens eintreten zu lassen. Aus Dem reichen Material seien hier zur Jllustrirung ber bestehenden Verhältnisse die folgenden Thalsachen hervorgehoben: In einer In­struction be» Generalvicariat« zu Paderborn vom 23. Juli 1855 heißt es: „Der zur Verwaltung des Kirchen­vermögens bestellte Kirchenvorstanv ist, ba da» Kirchen, wie da» Pfarr- und sonstige kirchliche Stiftungsvermögen nach den Grundsätzen des katholischen Kirchenrath» nicht Eigemhum der einzelnen Krrchengemeinden, sondern ber allgemeinen Kirche ist, nur Organ des Bischof» und zur Vertretung ber Gemeinbe nicht befugt." In der Praxis gestalteten sich derartige Grundsätze so, daß, wie z. B. in vielen Pfarreien ber Regierungsbezirke Königsberg und ArnSberg, der Pfarrer allein die Vermögensverwaltung besorgt. Wo der Kirchenvorstanb nicht einfach beseitigt wurde, ba würbe wenigsten» seine Bestellung fast aus- schlteßlich in bie Hände der Geistlichkeit gelegt. So bildet hn Regierungsbezirk Danzig nach einer Instruction des VischvfS von Kulm die Anstellung des KirchenratheS durch den Bischof die Regel. 6me Instruction de» Erzbischofs von Posen bestimmt, daß bie Wahl und die Ernennung des Kirchenvorst-herS dem Patron gebühre, ober nach ber in der dortigen Erzdtöcese ftottftubeiiDen Observanz dem

Pfarrverwejer, nur ganz auSn hmsweise der Gemeinde.

D« Bestätigung die,er Beamten ift ausschließliche» Recht l _ ________ .......|_ ____

ber geistlichen Behörde, welcher jever gewählte Kirchen Ides HanbelSministe'nums 'an die"Direktionen derHaäts

Vorsteher zur Bestätigung präfentirt werden muß. In der, Eisenbahnen, Diöcese Paderborn ist gegenwärtig die Praxis bie, daß bie - - weltlichen Mitglieder des Kirchenvorstände» auf Vorschlag de» Pfarrer» und nach gutachtlicher Aeußerung de» Landbechan» ten von der bischöflichen Behörde ernannt werben. In Der Diöcese Münster wählt ber Bischof au« einer Vor schlagliste der doppelten Anzahl von Mitgliedern auf bas Gutachten de» Landdechanten bie Kirchenvorsteher au«. In ben Regierungsbezirken bet Provinz Brandenburg er­folgt die Auswahl ber Kirchenvorsteher durch den Pfarrer und die Ernennung durch den Bischof. Dasselbe gilt auch für diejenigen Theile ber Provinz Pommern, in denen das allgemeine Landrecht Anwendung findet. Endlich werben Die Kirchenvorsteher in 16 Pfarreien des Regierungsbezirks Königsberg durch ben Pfarrer allein ausgewählt, nnb in 3 Pfarreien be« Regierungsbezirks Merseburg durch den Bischof selbststänbig ernannt. Au« diesen Beispielen läßi sich ersehen, bi« zu welchem Grade das Wahlrecht der Gemeinden in der Praxis verkümmert worden ist und wie außerordentlich gering die Garantien für eine ordnungs­mäßige, den eigentlichen Zwecken entsprechende Verwaltung des KirchenvermögenS sind.

vor mir stehen, obgleich eS sich später hinausstellle, daß sie ganz anbet« ausfahen. Aber oa war noch eine aiuere Figur, mit ber ich nicht recht fertig werben konnte uno bie mir mrhr Kopfzerbrechen Mtutfachte, — bet liebe Schwiegervater. — Ich bachle tatan, wie eS mir von vornherein aufgefallen war, baß Damkow, fobaid ihm uwas nicht recht, fobaid er unmuthig war, jedesmal cie|eu Schwiegervater hervorgrhott halte, — wapreub er feirnr niemals gedachte, wenn er sich in gu.er Laune beiano. Zch rief mir zurück, daß em solch liebevolles Gebenkeu an „den Alten," rote er ihn zu nennen pflegte, immer ge­nügt hatte, um eine augenblick.iche Mißnimmung d.s zum Zorn zu steigern, — bie e« seinem bvnunueno heitern Wesen nach kurzer Zeit gelang, bie Wo Ln von Dir Stint zu verscheuchen, und den „Auen" roieoer bei Sette zu jteUen. — Ich entsann mich ferner, baß wir bet verschie­denen Gelegenheiten, wenn e« sich um P.Lne irgend wel­cher Art handelte, fast immer am Schlug zu ben ärgerlich ausgestoßenen Wollen kamen: „Ja! wenn mau |o könnte, rote man roolltel — Wenn „ber Alle nicht so ein ver­dammt schäbiger, alter ....

Der Postwagen wiegt mich langsam in seinen Febern ben Berg hinauf, al» alle anbern Biloer vor meinem Hi­nten Auge erblassen, uno nur da« eine sich Deutlicher und deutlicher in ihm absptegelt. — Ich sehe „oen Alten" balo vor mir stehen, daß ich ihn mit oer Hand fassen könnte. E« ist eine kleine geduckte Gestalt, dürr uno immer frierend; sie ist in einen alten Pttz g.hüllr uno e« fällt besonder» an ihr auf, daß Die mageren spinnen- artigen HänDe eine fortwährend krampfhafte Bewegung machen, als wenn sie etwas ergreif-n wollen, was sie- nicht erreichen können . . . Jetzt steht die kleine noch kleiner gewordene Gestalt vor einer mächtigen, schwarzen Truhe sich wett Überwiegend, wie um auf ihrem Booen etws zu suchen. — Immer weiter lehnt |te sich über .... immer weiter .... um hinabzureichen .... bi« sie kopfüber

Unze gen nimmt entgegen: bie Spedition b. Blatte«, sowie bie Annoncen-Bureaux v,n Th. Dietrich & Eo. in Jtaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip» zjg, Cölnrc.; Rudolf Moss» in Berlin, Frankfurt a- M. ic.

— -• DaS Mausolettttt ter Fr«.

— , - 'n Novelle von Max Alt.

ii$ I.

• ' Ich hatte in künstlerischen Kreisen einen jungen Edel- mann kennen gelernt, bet, auf den Gütern seine« Schwie­gervater« wohnend, sich au« irgend einem noch unentdeckten Grunde mit großer Leidenschaft de» Pinsel« und der Pa lette bemächtigt hatte, um nicht etwa zu seinem Vergnügen zu malen, rote e» ja viele Evelleute thun, — nein, um ein wirklicher Künstler zu werben, —> um auszustellen und zu verkaufen.

Er würbe in seinem Unternehmen durch ein sehr arti­ge» Talent unterstützt, — und vielleicht, weil er e« nicht nöthig hatte, — vielleicht Weil die Kunst ein Weid ist, das ja Diejenigen anfänglich immer am Meisten begünstigt, die sie noch am wenigsten an sich gebunden fühlt, — hatte er sich doch bei seinem ersten Auftreten sehr hübscher Erfolge zu erfreuen, bie ihm Kritik wie Publikum gleich zuvor- kommend bereiteten. — Daß er von ben Künstlern selbst, denen er mit seinem offenen, leichtlebigen Wesen entgegen hat, mit unverkennbarem Wohlwollen empfangen wurde, war um so leichter erklärlich, al« et immer nur aus kurze Zeit in ber Reflbenz auftauchte, um halb darauf wieder iv seine ländliche Einsamkeit zu verschwinden. Zudem hatte h eine so einfache, hübsche Manier, Jedermann Artigkeiten M sagen, und doch wieder Jedem durch ein bescheibenes Zurückweichen sein eigene» Theil bavon abzulocken, baß e» nicht zu verwundern war, wenn sein Wieberauftreten jeocs- wal mit ungeheuchelter Freube begrüßt wurde.

Herr v. Damkow, — mit diesem Namen zeichnete der pinge Künstler seine Werke — hatte mich wiederholt auf die bringensfte Art eingelaben, ihn im Sommer zu be suchen unb ein paar Wochen seine Einsamkeit mit ihm zu thrilen. Er hatte jebeSmal babei so köstliche Pläne ent­worfen, wie wir in’» Gebirge gehen wollten, an besten «Mläufen seine Heimath war, um zu ftubiren, — wie wir

werben dieselben aiwewiefen, daß deren Brücken in thunlichst einfacher Weise mit Vermeidung je­de» Luxu» in Ausführung zu bringen sind. ES wird sich namentlich empfehlen, den EmpfangSgebäuben gemischt einen provisorischen Charakter zu geben und demgemäß nur ten Fachwerkbau für dieselben anguroenben, ba in vielen Fällen sich die demnächstige Ausdehnung de« Verkehrs ber einzelnen Stationen nicht übersehen läßt. Diese W-isung des Handelsministerium» wird gewiß in allen sachkundigen Kreisen mit Genuglhuung begrüßt werden, unb es wirb allgemein ber Wunsch laut werden, daß auch der Privat- Eiseiibahnbau sich nach diesen Principien richten möge.

Darmstadt, 2. Febr. Der Großherzog empfing ben spanischen Gesandten Don Cipriano bei Majony Gherardi dehuf« ber Entgegennahme ber Anzeige von ber Thron­besteigung be» König» Alfon» XII. - Sicherem Stier, nehmen nach wirb ber GesetzgebungSauSschuß ber zweiten Kammer am 6. b. Mts. wieder zusammentreten, um über den Gesetzentwurf, betreffend die Pensionirung Der auf Widerruf angestellten Beamten, zu berathen. E» handelt sich wesentlich um Feststellung des von dem Berichterstatter Dumont unterworfenen Ausschuß Berichte», und voraus­sichtlich werden auch Die bisher zum Reichstag abwesenden Mitglieder de« Ausschuste« der Sitzung beiwohnen.

Stuttgart, 3. Febr. Der Beginn des 5. deutschen Bundesfchützen« in Stuttgart ist nunmehr auf Sonntag den 1. August b. I. festgesetzt.

Erscheint täglich außer den Wecktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes SonutagSblatt" durch die Expedition <Koch'sche Buchdruckerer) bezogen 2, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annabm- von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie Die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co.'m Frankfurt a. M.- Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M-; Znvalidendank. A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler tn Hannover; C. Schlotte in Bremen.