Sr. 28.
Marburg, Mittwoch, 3. Februar 1875.
x. Jahrgang.
An» gen nimmt entgegen: die «äedition d. Blatter, fowie dir Annoncen-Bureaux Mn Th. Dietrich & 6o. in -affel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfutt a. M., Berlin, Lew- jig, Cöln rc.; Rudolf Moss» in Berlin, Frankfurt a- M. rc.
(l"'bcrl)rlTifd|f Jdlung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie btt Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfutt a. M.: Jüger'sche Buchhandlung in Frankfutta. M ; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schaß- ler in Hannover; 8. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „ÄlluftrirteS SonutaaSblatt" durch die Ervedition (»D Buchdrucker-:) bezogen Mark, durch di- Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 $fg.(eycl-%efien9ebW) -”ÄnÄ7fürg-Aen! Z-tt- Ü « , *f4< Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Tagesbericht.
Der Schluß de» Reichstages war diesmal sehr einfach und ohne alle Ceremonie. Aber dennoch hatte derselbe alle Ursache mit seiner THLtigkeit äußerst zufrieden zu sein Eine Reihe großer und bedeutender Gesetze sind diesmal zu Stande gekommen, die die deutsche Einheit einen Schritt weiter gefördert hat. Wir nennen nur die drei wichtigsten, das Eivilehegesetz, das Landstun gesey und das Bankgesetz Außerdem aber ist der erste Schritt zur Regulirung des Zustizwesen« geschehen. Mil uneingeschränkter Befriedigung können deßhalb auch die Mitglieder des Reichstags auf ihre Arbeit zurückblicken; und dieselbe Stimmung spricht sich auch allgemein in der Presie aus. Der Reichskanzler hatte Recht, al« er sagte: Heben wir Deutschland nur erst in dm Sattel, reiten wird es schon können.
Als weiteres Zeichen der hohen Achtung und Bedeutung des Reichstages ist die Verordnung anzusehen, welche die ReichStagS-Prästdenten und Mitglieder bei Hoffestlichkeiten unmittelbar hinter dem diplomatischen CorpS und den Excellenzen und wirklichen Geheimen Räthen rangiren. Indem der Reichskanzler daS beantragt, hat er aufs Reue gezeigt, welchen hohen Werth er auf den Reichstag und auf die constitutionelle Verfassung legt.
Die letzten osficiellen Rachrichtm von der spanischen Lüste find am 30. Januar in Berlin eingelaufen. Nach denselben find die deutsche Csrvette „Augusta" am 28. Januar, die Kanonenboote „Albatros" und „Nautilus" am 29. Januar in Santander eingetroffen. DaS Com- mando über die deutsche Flottille hat der Kommandant der „Augusta," der Corvetlenkapitän Freiherr von der Goltz übernommen. Die Schiffe haben übrigen« den Auftrag, nur an der Küste zu kreuzen, aber sich jeder Feindseligkeit zu mthalten unv keine Landung zu untemehmen. Die Schiffe werden sich wieder trennen und einzeln an dm Küsten kreuzen.
liebet die Einnahme von Zarauz durch die spanischen Truppen und üder da« weitere Schickjal des Capitain Zepplin liegt bi« dahin weder osficielle Bestätigung durch Nachrichten von der deutschen Flottille noch von spanischer Seite vor. Jndrffen wird die Einnahme von Zarauz durch spanische Zeitungen bestätigt, und auch in unter- richteten Kreisen für wahrscheinlich gehalten.
Ein weiterer Befehl zum Absegeln der beiden Cor- vetten „Victoria" und „Luise" und der Kanonenboote „Delphin", „Komet" und „Drache" ist bi« jetzt nicht ergongm. Die Schiffe liegen noch in Reserve in deutfchcn Häfen, kinntm indeffen binnen 5 Tagen nach Eintreffen de« Befehl« absrgeln. Alle weiteren Berichte über die
Indienststellung anderer Kriegsschiffe beruht lediglich auf Erfindung.
Während Deutschland inmitten seiner Münz» und Bank- «form steht, und Frankreich mit Energie und Geschick die Wiederaufnahme der Metallwährung vorzubereiten scheint, haben auch die vereinigten Staaten von Nordamerika hierfür einen bestimmten Termin, den 1. Januar 1879 festgesetzt. Dieser Beschluß ist vom Senat ausgegangen, und hat die Zustimmung de« Repräsentantenhauses sowohl wie de« Präsidenten Grant gefunden. Dir Botschaft desselben, durch welche dem Senat die Genehmigung verkündigt wird, enthält auch die Versicherung deS guten Willens durch Einlösung des Papiergelde« gegen Gold, die Wiederaufnahme der Baarzahlung sofort anzubahnen, und Vorschläge zur allmähligen Ausführung, namentlich den Einkauf de« Papier« zu niedrigerem Cours gegen Gold; indessen in Geschäftskreisen hält man diese.Agio- spekulation der Regierung weder für würdig noch für ausführbar.
Deutsches» Reich.
•• Berlin, 1. Febr. Ein Theil der Preffe hat mit einer gewissen Pietät die Erinnerung an da« StaatSgrund- gesetz^ daS gestern sein 25jährigeS Jubiläum beging, ge feiert. — Im Abgeordnetenhause ist heute von dem Mini ft et des Inneren der Entwurf des Gesetze« betreffend die Dotation der Provinzialfonds und vom landwirthschastlichen Minister ein Gesetzentwurf betreffend die Erhaltung von Schutzwaldungen und Bildung von Waldgenostenschaften eingebracht worden. Betreffs der weiteren Vorlagen für die innere Organisation bezüglichen Gesetzentwürfe ist noch nichts festgestellt Doch da« ist als feststehend zu betrachten, daß die Vorlegung einet Gemeindeordnung für di westlichen Provinzen keinensallS erfolgen wird. Es wird vom Gange der Berathungen im Abgeordnetenhaus? abhängen, ob die KteiSordnung und die Ptovinzialordnung in ihrer Ausdehnung auf die westlichen Provinzen votge- legt werden. — Die „Schles. Ztg." hat vor Kurzem die Nachricht gebracht, daß dem Vatikan von den deutschen Bischöfen mitgetheilt sei, ob und in welcher Weise sich ein modus vivendi mit der preußischen Regierung Herstellen lasse, wodurch die katholische Kirche vor der Zerrüttung und die katholischen Gemeinden vor der Verwahrlosung geschützt werden. Trotzdem die „Germania" diese Nachricht bemeniirt, hält die „Schles. Zeitung" dieselbe aufrecht mit dem Hinzusügen, daß die deutschen Bischöfe, an ihrer Spitze der Erzbischof von Köln, eine verneinende Antwort zurückgeschickt hätten. ES dürfte hierbei darauf hinzuweisen sein,
Ei»e Heirath auf Im „nicht «ehr ungewShn» liche» Wege."
Episode an« dem L-ben eines jungen Juristen.
(Fortsetzung.)
Keine Frage konnte mir unbequemer und unerwarteter kommen. In meinem Gesuche hatte ich diesen Punkt gar künstlich in ttn mystisches Dunkel gehüllt, und man wird sich erinnern, wie viel ich mir auf diese geschickte, die »eidliche Ahnung und Erwartung spannende Abfaflung zu gute that. Jetzt rüttelte mit einem Male die zudringliche Hand der Neugier an dem zarten dusligen'Schleier. Was sollte ich sagen? Die Wahrheit? Aber mit welcher Stirne sollte ich bekennen, daß nur die grausamste quälendste Verlegenheit mich aus diesen Weg gedrängt habe? Waren da nicht alle lieblichen Illusionen, mit welchen ich die Sache anmuthiz zu umhüllen wünschte, sofort durch die rauheste gemeinste Prosa verscheucht worden? Ich »nßte also auf einem Seitenwege zu entschlüpfen suchen.
„Darf ich mir die Gegenfrage erlauben," erwiderte ich, »was sie bewogen hat, auf mein Gesuch mit Ihrer beglückenden Gegenwart zu antworten?
„Davon nachher!" erwiederte sie sehr ruhig. „Wir wüsten einander natürlich kennen lernen, und nach allen Regeln der guten Sitte e- ist an Ihnen, mit dem Vertrauen den Anfang zu machen. Ich darf eS ihnen nicht ver- hehlen, daß e« mir fast räthselhaft vorkommt, warum gerade Sie eine Frau durch die Zeitungen suchen?"
„Warum finden Sie e« gerade bei mir räthselhaft?" „Wundern Sie sich darüber? Ei, ein so junger, und wie ich hinzufügen darf, wohlgebildeter junger Mann..."
Ich beugte mich mit einem angenehmen Lächeln.
„Dazu haben Sie eine gesellschaftliche Gewandtheit lind Bildung, die Sie nur in den gewähltesten Kreisen erworben haben können. Ich wette Tausmd gegen Eins, daß Ächt „Mangel an Damenbekanntschaft" Sie zu diesem Schritte veranlaßt hat."
Wenn die Sache nicht so verzweifelt ernst gewesen wäre, hätte ich bei diesm Worten laut auflachen muffen. Du lieber Himmel! Mangel an Damenbekanntschaft! Ach, das war von jeher mein Unglück gewesen, daß ich diese« liebe, vortreffliche Geschlecht allzuviel, allzugenau kennm velernt hatte.
„Nein, nein," rief ich, einen munteren Ton annehmend, „an Damenbekanntschaft fehlt e« mir nicht. Aber finden Sie eS so unbegreiflich, daß man viele Damen kennen und dennoch die Eine nicht darunter finden kann, mit der man den Gang durchs ganze Leden wagen möchte?"
„Vielleicht haben Sie nur nicht ernstlich gewollt ober gesucht. Over, was ich am liebsten vorauSsetzen möchte, Sie haben nicht Zeit dazu. Sie find ein vielbeschäftigter thätiger Mann. Die Stunden sind ihnen edel und kostbar. Sie wollen sie nicht durch langes Suchen und Wählen verschwendm. Ist es so?"
Viel hätte ich in diesem Augenblicke darum gegeben, wenn ich daS Gesicht der Dame hätte sehen können. Aus ihrem ruhigen, gleichmäßig freundlichen Tone konnte ich nicht im Geringsten abnehmen, ob st- mich zum Besten habe oder im Ernst spreche. Doch was eS auch fein mochte, Scherz oder Ernst, Beides war,mir gleich unbequem. Ich sah mich hier dem Fegefeuer eines Examens ausgesetzt, gegen welches mein letztes juristisches nur ein Kinderspiel war.
„Ich liebe," fuhr sie fort, da ich nicht sogleich antwortete, „die thätigen Männer. Daher würde bS mich ungemein freuen und meine Achtung vor Ihnen außer ordentlich erhöhen, wenn ich von Ihnen hören dürfte, daß Sie einen ehrenvollen, wenn auch kleinen Wirkungskreis haben. Jedenfalls sind Sie schuldig, mir das zu sagen, ehe wir zu dem Hauptzwecke unsere: Unterredung kommen können."
Welch' ein böser Dämon steckte hinter der Maske! Gerade die empfindlichsten Stellen in meinem Innern 6t» rührte sie mit einer Unbefangenheit, die zu natürlich war,
daß sich allerdings vor einigen Wochen ein Umschwung in der katholischen Provinzialpreste zeigte, daß dieselbe einen milderen Ton in der Polemik anschlug. Seit kurzer Zeit sucht sie dieses Nachlaffen wieder wett zu machen und fährt in ihrer schroffen Polemik gegen Gesetz und Recht fort. — Das „Eentralblatt für die Gesammtunterrichts» Verwaltung" enthält unter Anderem in dem Dezemberheft einen Bericht Über die Zuwendungen, welche einzelnen UnterrichSanstalten von Privatpersonen gemacht sind. Graf Moltke hat mehreren Gemeinden ein Capital von 3000 Thalern zur Berichtigung de» Schulgeldes für arme Kinder geschenkt.
— Berlin, 1. Februar. Wie man hört, herrscht die Absicht, den Staatshaushalt durchgängig in Plenum des Abgeordnetenhauses durchzuberathen, was im Jntereffe der Abkürzung der Session liegt. Nur einzelne Partien wer» den einer Kommission zur Vorberathung überwiesen werben, so namentlich aus dem Etat des Kultusministeriums die auf. die finanzielle Besserstellung der Lehrer und Geistlichen bezüglichen Posten, bei welchen eine eingehende Erörterung mit dem Kultusminister über die Grundsätze der Verwendung wünschenöwerth ist. Eine nur provisorische Verwilli- gung wird dabei nicht zu umgehen sein. Eines der wichtigsten Gesetze, welches diesmal dem Landtage vorlieat, ist daS Gesetz über die Vermögensverwaltung in den katholischen Kirchengemeinden. DaS Gesetz will den Laien ein natürliches Recht wieder zurückgeben, daS ihnen niemals hätte entzogen werden * dürfen. Freilich ist es in diesen unnatürlich gespannten Zeiten möglich, daß eben diejenigen selbst, deren Rechte hergestellt werden sollen, sich vom Cle- ruS für eine Zeit lang zur Verweigerung der Verwaltung derselben verleiten lassen. Auch der Fall ist im Gesetze vorgesehen, und zwar in allgemeinerer Weise, das heißt, für pflichtwidrige Thätigkeits-Verweigerung oder ThätigkeitS- Anmaßung überhaupt. Wenn nämlich der Kirchen-Vorstand oder die Gemeinde-Vertretung beharrlich die Erfüllung ihrer Pflichten vernachlässigen oder verweigern, oder wiederholt Angelegenheiten, welche nicht zu ihrer Zuständigkeit gehören, zum Gegenstand einer Erörterung oder fieschluß- taffung machen, so können sie sowohl durch die bischöfliche Behörde als auch durch den Oder-Pi äfibenten unter gegen- seifigem Einvernehmen aufgelöst werden. Macht die bischöfliche Behörde in denjenigen Fällen, in welchen fie eine Anordnung oder Entscheidung im Einvernehmen mit der Staatsbehörde zu treffen hat, von ihren Befugnissen keinen Gebrauch, so ist sie zur Ausübung derselben von der Staatsbehörde aufzufordern. Leistet sie dieser Aufforderung binnen dreißig Tagen nach dem Empfange derselben
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um ftubirt, und zu treffend, um ganz absichtslos zu sein. Ich kam mir vor, wie ein Anfänger in Pri snitz Schule, dem jeden Augenblick ein Eimer kalten WafferS über den Hals gegoffen wird. Doch faßte ich mir ein Herz und antwortete muthig:
„Ich habe Jura studirt."
„Dann sind Sie Affeffor ober schon Richter?"
„O nein, ich befinde mich dermalen noch auf den nn- teifien Sproßen des königlichen Dinstes." — Um Alles in der Welt wäre das Wort „Auskultator" nicht über meine Lippen gekommen. Doch sie üderhob mich dieser Pein und sagte mit einer Naivität ohne Gleichen:
„Am Ende sind Sie gar noch Auskultator! DaS ist freilich wenig. Aber aus einem Auskultator kann ein Präsident, oder gar ein Minister werben, wenn er Talent unv Fleiß, hat, — und ein wenig Gelb!" fügte sie mit einer fast schalkhaften Nüancirung der Simme hinzu.
DaS letzte Wort war das vernünftigste, welches sie bis dahin geredet hatte. Meine schon gänzlich erkältete Hei- rathslust erholte sich wieder ein wenig und lauschte auf- athmend auf ihre folgenden Worte.
„Mein Herr," nahm die Dame wieder gutmüthig da« Wort, „lasten Sie uns doch aufrichtig gegen einander sein. Warum spulen wir Verst.ckenS mit einander? Ich glaube nun Alles ganz klar zu fehen. Nicht wahr. Sie suchen eine Frau, die G-id hat?"
„Nicht das allein! nicht da» allein!" rief ich lebhaft und fühlte, wie mir alles filut in die Wangen flieg
„«bet die Hauptsache ists doch! Gestehen Sie, eS würde Ihnen nicht eingefallen sein, diesen „nicht mehr ungewöhnlichen Weg" zu betreten, wenn Sie nicht auf ihm rin hübsche« disponible« Vermögen, und nebenbei, wttlS doch ohne diese einmal nicht abgeht, eine Frau gesucht hätten?* ö
„O, Sie sind grausam! höchst grausam!"
„Nur wahr!" erwiederte sie ruhig. „Und nun, mein Herr, stehen wir auf dem Punkte, wo wir mit einander