Schauspiel, aus welches England mit Fug und Recht stolz fein darf. Eine eisengepanzerte Fregatte, durch und durch englisch aus englischem Eise», von englischer Arbeit und mit englischen Maschinen, machte ihre Probefahrt^ und er- gab unter den herkömmlichen Bedingungen größere Schnelligkeit als die Käufer contraktlich fordern konnten. Eine Privatfirma baute da« Fahrzeug, eine andere Firma lieferte die Maschinen, und die deutsche Regierung ist nunmehr die Eigenthümerin dieses furchtbaren Kriegswerkzeuges. Was auch die Deutschen von unseren Geistesanlagen, unserer Erfindungskraft oder unserer Stellung in europäischer Politik denken mögen, als Schiffbauer laffen sie uns immerhin gelten. Sie haben einen gewiffcn Respekt vor der britischen Admiralität bewiesen, indem sie verlangten, daß die Probefahrt streng im Einklang mit den Anforderungen sein solle, welche in gleichen Fällen bei heimischen Kriegsschiffen gestellt werden. Wir möchten fast wünschen, schreibt das Weltblatt, wir könnten hinzusügen, daß die Armatur auch britisches Fabrikat gewesen sei. Allein bei einer Macht, welche 3500 Geschütze ins Feld stellen kann und welche alle Mächte der Welt mit dem nöthigen Material ausrüsteti könnte, darf man sich nicht wundern, wenn sie ihre Kanonen nicht von uns bezieht. Im übrigen ist es möglich, daß die neuen Eigenthümer des „Kaiser" und, da sie mit der neuen Erwerbung so sehr zufrieden sind, auch noch weiter ihre Kundschaft zukommen laffen werden." Der Pariser „TempS" nennt den „Kaiser" daS furchtbarste Kriegsschiff, daS in der Welt existirt.
Paderborn, 25. Jan. Das hiesige Domkapitel hat die ihm am 18. d. MtS. vom Oberprästdcnten gestellte Aufforderung, innerhalb zehn Tagen einen BiSthumS- Verweser an Stelle des abgesetzten Bischofs Dr. Conrad Martin zu wählen, bereits beantwortet. Die Antwort des CapitelS ist, wie vorauszusehen war, ablehnend aus
gefallen.
Meiningen, 26. Jan. Endlich sind wir soweit, daß gestern die Überweisung der Bauplätze an die Abg,- brannten begonnen hat. Die Expropriations-Arbeiten für ein ganzes Drittheil der Stadt hatten viel Zeit in Anspruch genommen und sind erst vor 14 Tagen beendet worden. Die Verbreiterung der Straßen bis auf 14 Meter, sowie der geforderte Massivbau der UmfaffungS Mauern der neuen Häuser haben bei vielen Abgebrannten Anstoß erregt. Es ist aber wohl zu berücksichtigen, daß notorisch die rasche Verbreitung deS Brandes am 5. September durch die engen Straßen und die leichte Bauart der Häuser wesentlich gefördert worden ist.
Gtuttgart, 28. Januar. Schelling'S hundertjähriger Geburtstag wurde gestern in deffen Vaterstadt Leonberg von dortigen Bürgern und Stuttgarter Gästen gefeiert. Diaconus Lang hielt eine Festrede im Rathhause, während die Schuljugend einen Fackelzug veranstaltete, der vor Schelling'S GeburtShause endete. — In Tübingen hielt Professor Reiff eine Festrede.
Straßburg, 27. Januar. Gegenj»die ursprüngliche sehr warme Zustimmung, welche der Stadterweiterungs-Plan Seitens unserer Einwohnerschaft gesunden hatte, macht sich jetzt eine entgegengesetzte Strömung bemerkbar, die in den Spalten des „Elsässer Journ." zum Ausdruck gelangt. Es wird die Befürchtung laut, daß die Stadt durch die in Aussicht genommene, auf 10 Jahre vertheilte Zahlung von zusammm 17 Mill. Mark für die durch die HinauS- rückung eines beträchtlichen TheilS der Haupt-Umwallung frei werdenden Ländereien übermäßig belastet werden würde,
HefseuMaffa«.
Kassel, 28. Jan. Aus Frankfurt geht uns heute die Privatmitrheilung zu, daß die Bereinigung der Main- Weserbahn mit der Frankfurt-Bebraer Bahn jetzt be- schloffcne Sache sei und schon innerhalb kürzester Frist zur Ausführung kommen solle. Bestätigung bleibt natürlich abzuwarten, obwohl es allerdings Thatsache ist, daß daS Projekt besteht und erst kürzlich wieder in einer Co», ferenz höbercr Eisenbahnbeamten erörtert worden ist. (H.M.)
Kassel, 28. Jan. Wie die „Fr. H. Ztg." vernimmt, ist unser Landsmann, der rühmlichst bekannte Bildhauer Professor Kaupert in Frankfurt a. M., mit Anfertigung des Monuments für daS Grab des hochseligen Kurfürsten beauftragt. Gestern war der Besuch deS Friedhofs von früh bis spät ein ununterbrochener und umstehen stets zahlreiche Gruppen die mit prächtigen Kränzen und Blumen reich geschmückte Ruhestätte.
— Gutem Vernehmen nach beabsichtigt der ehemalige präsumtive Thronfolger von Kurhessen, Prinz Friedrich von Rumpenheim, seinen Wohnsitz demnächst hierher zu verlegen. Es war dies schon längst der Wunsch seiner Gemahlin, einer preußischen Prinzessin, Tochter deS Prinzen Karl, der aber wegen des Widerstrebens deS vormaligen Kurfürsten nicht realisirt werden konnte. Bei der neulichen Unterredung des Kronprinzen mit dem Oberbürgermeister Rebelthau soll auch diese Angelegenheit erörtert worden sein.
— Von Seiten der Ministerien für Handel und für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten ist ein Gesetzentwurf
der anderen Seite wird dagegen geltend gemacht, daß die Entwickelung Straßburgs zu einem Hauptmitlclpunkt des üdwestdeutschen Lebens und Verkehrs sich in rascher Weise vollziehen werde, wenn nur erst der jetzige allzu enge Gürtel der Stadt eine genügende Erweiterung erfahren habe. Wenn dann noch die geplanten Universitäts-, Hafen-, Canal- und andere Bauten auf dem entfestigten Grund und Boden hinzukämen, so sei nicht zu iürchten, daß der Rest deS betreffenden Areals lange unverwerthet bleiben werde. Jedenfalls würde es sehr zur Beruhigung des be. sorgten TheilS unserer Einwohnerschaft dienen, wen» die Stadt-Verwaltung oder die Regierung endlich mit ins Einzelne gehenden Angaben über den Umfang der beabsichtigten Stadt-Erweiterung, sowie über die Absichten und Möglichkeiten der Verwerthung deS dem freien Verkehr zu erschließenden Terrains hervorträte. Bis jetzt befindet man sich hierüber in vollster Unklarheit.
AuSlan».
Löte«, 25. Jan. „Mein Freund Ofenheim!" Dieses FreundschastSzeugniß hat heute der selig verflossene Bürgerminister Dr. GiSkra in ostensibler Weise seinem verschwägerten Ofenheim im GerichtSsaale ausgestellt. Es war ein interessanter Verhandlungstag I Dr. Giskra sprach viel, fast zu viel. Wären vor ihm keine anderen Zeugen vernommen worden, so hätte eS den Anschein gewinnen muffen, als besäße Oesterreich keine genialeren, aber auch keine unbescholteneren Männer als Ofenheim, Giskra, Petrino und Alexander Schindler. Die Hunderttausende flössen grade so leicht von seinen Lippen, wie sie in seine Kassen strömten; er sah kein Unrecht in der Annahme von Hundcrttausenden, denn er strich sie ja „mit Bewilligung Sr. Majestät deS Kaisers" ein. Und daS ist Thatsache. Wol glosstrt die Bevölkerung Oesterreichs diese Verhält- niffe um so bitterer, je mehr sich die Folgen des ungeheueren Ausbeutungssystems fühlbar machen, das unter sehr hohen Auspicien durchgeführt wurde, eines Systems, an dem die Krone, die Regierung und das Parlament fast gleichen Antheil haben. Wenn nun im Abgeordnetenhaufe angesichts solcher Zustände, nachdem die Kuh bereits aus dem Stalle ist, ein Jnkompatibilitätsgesetz cingebracht wird, daS den 165 verwattungsräthlichen Reichsräthen zumuthet, sich selbst den Bauch aufzuschlitzen, so kann man sich allerdings eines Lächelns nicht erwehren über die Naivetät des Antragstellers, der fast allein die gesammte „Fortschrittspartei" repräsentiren würde, wenn seine Klubbge- nossen in Folge deS JnkompatibilitätsgesctzeS das Parla ment verlassen müßten. Mit der Annahme dieses Gesetzes hat eS deßhalb noch seine guten Wege. Die Regierung selbst, wie sehr sie jetzt auch, da sie ihn dringend uoth- wcndig hat, auf den moralischen Rymbns sieht, kann ein solches Gesetz nicht befürworten, denn mit dem Auszug der 165 Verwaltungsräthe auS dem Reichsrathe wäre ja
zur Zeit ebenso öffentlich vollzogen wie ehemals, nur noch in größerer Zahl und zumeist ohne jegliche, selbst scheinbare Veranlaffung, rein um ihrer selbst willen I Es ist das „Ding an sich", das hier in die Erscheinung tritt; der Paukcomment bestimmt gleichsam als kategorischer Imperativ den Willen seiner Gläubigen! Sehen wir nnS die Sache näher an!
Gießen ist auf dem besten Wege, sich zu einem internationalen Paukplatze emporzuschwingen. Bon Zeit zu Zeit tauchen reckenhafte Gestalten von den verschiedensten Hochschulen hier auf; besonders stark vertreten sind Bonn, Heidelberg, Marburg. In wundervoller Haltung, mit narbenbedeckten Gesichtern, mit unscheinbaren Mützen, fast erliegend unter der Last der „Corpsbänder", mit denen sie sich behängt haben, schreiten die fremden Studenten durch die Straßen der Stadt. „ES ist wieder Corpshatz I" jubelt die hoffnungsvolle, noch schulpflichtige Jugend, während die akademische sich zum ritterliche» Kampsspiele, zum Kampf „der Schläger und der Seidel" rüstet. Am anderen Morgen ziehen die „Burschen" auS allen Thoren der Stadt hinaus, um an einem zum Voraus bestimmten Orte, oft in unmittelbarer Nähe, ja mitten in der Stadt an einem vielbesuchten Vergnügungslokale wieder zusammen zu kommen. Dies geschieht nicht etwa, um irre zu führen, sondern um durch diesen öffentlichen Aufzug auf das bevorstehende Treffen aufmerksam zu machen. Aus dem Kampfplatz an bekommen, werden die Rollen vertheilt, die Reihenfolge de/Paukerein bestimmt. Paar um Paar klopfen ihre „Gänge" herunter, bis das Duell durch die Ermüdung Beider, oder, was der gewöhnliche Fall ist, dadurch zu (gnbe geht, daß einer der Paukanten „abgeführt" oder wie der neueste Kunstausdruck lautet: „angestochcn" wird.
Ist der Angestochene zugereist, so trägt der Telegraph die Kunde von diesem wichtigen Ereigniffe sofort seinen
Commilitonen in der fernen Universitätsstadt zu. Je mehr „Nadeln" dem Angestochenen angelegt werden, desto größer iftQber Triumph des Siegers. Auch sind die Gegner um so erbitterter auf einander, je weniger sie vorher irgend eine Ahnung von ihrer gegenseitigen Existenz hatten!
Nach beendigtem Turnei mit «Schlägern beginnt der Wettkampf auf Seidel Bier. Friedlich sitzen die Gegner zusammen; kleinerer Schmisse wird nicht geachtet; wer schwer verwundet ist, kommt in den „Korb" oder „verduftet", wenn er von auswärts ist, nach seinen heimath- lichen Gefilden.
Gegen etwaige Einmischung Unberufener, inSbesondeer das Einschreiten der akademischen Behörden, sind eigen« thümliche meist sehr wirksame Vorkehrungen getroffen. Im Uebrigen steht der Zutritt männiglich frei. So sand erst in diesen Tagen im großen Saale des W . . . scheu Gartens eine große Gallavorstellung statt, zu welcher sogar „ölte Häuser" besondere Einladung erhallen haben sollen. Sie dauerte einen ganzen Tag über. Jung und Alt ging aus und ein, ungenirt und unangefochten. Wir halten es für höchst wahrscheinlich, daß irgend ein specutativer Besitzer eine« großen Etablissements auf den Einfall kommt, von dem Publikum für den Besuch solcher Vorstellungen Eintrittsgeld zu erheben. Eine reiche Einnahme stünde ihm in sicherer Aussicht.
Wer mag zweifeln, daß eine Vergleichung de« heutigen Duellwesens auf der Gießener Hochschule mit dem vor hundert Iahten in allen Stücken zu Gunsten unserer Zeit aussällt? Niemand braucht mehr Händel zu suchen, die Gelegenheit zum Pauken kommt ganz von selbst. Jeder kann sich öffentlich im Kampfe zeigen, ohne auf die Straße herabzustürzen. Und an eine Inhibition glaubt kein Mensch mehr. Warum auch? „Frei, frei, frei ist der Bursch!" (R. H. Z.)
Selbst die reichsten Klöster, wie da« zu Strachow bei Prag, gehen flöten; die Herren Kardinile laffen nicht« auS, es fei denn an der Börse, wo bekanntlich auch der Olmützer Krummstäbler Fürstenberg stark in Mitleidenschaft gezogen worden.
Madrid, 28. Januar. Die RegiernngStruppen besetzten Puyo (ein Ort in der Provinz Navarra, an der Straße nach Pampclona gelegen.) Die Carlisten zogen ich ohne Widerstand auf Artacoz zurück, welches gleich darauf ebenfalls genommen wurde. — Die deutsche Regierung richtete, wie verlautet, an den Maire und die Einwohner Guetaria's ein Dankschreiben für die Unter« tützung, welche der Mannschaft der Brigg „Gustav" zu Theil wurde.
Belgrad, 26. Januar. Der deutsche Generalconsul Rosen in Belgrad ist nach Berlin berufen, nicht um über die Rangstreitigkeit mit dem französischen Agenten zu berichten, fonbern um über gewisse Einflüsse, die in Belgrad gegenwärtig vorzuherrschen scheinen und die dortige Politck bestimmten Bericht zu erstatten. Voraussichtlich wird da« deutsche Reich in der nächsten Zeit in Belgrad gar nicht vertreten sein. Ueberhaupt ist die Vertretung in Serbien vielmehr im Allgemeinen europäischen Interesse, in so fern sie nämlich dort in der Lage ist, ihren Einfluß zu Gunsten einer friedlichen Politik der serbischen Regierung geltend zu mache», als daß sie dort Gelegenheit fände, sperifisch deutsche Interessen zu vertreten. Während der Bacanz be« deutschen Generalkonsulats wird die Vertretung der deutschen Untertanen in Serbien durch den deutsche» Botschafter in Constantinopel stattfinden.
dkewyvrk, 27. Januar. Dem Vernehmen nach be« raten die einander gegenüberstehenden Parteien in Louisiana einen Compromißvorschlag, welcher die Conservativen unter der Bedingung der Anerkennung Kellog's als Gouverneur ermächtigt, die Gültigkeit der Wahlen zur Legislative Louisiana'« zu prüfen.
die Blume überreichte, belohnten mich überschwänglich für j ben Schrecken und den kleinen Schmerz am Fuße, welchen i ich anfangs fühlte. ______________ Forts, folgt. I
Paukc«»»ntt <xf der Uuterfität Gieße» 1775 »nd
Ein bekanntes verkommenes Genie, Friedrich Laukharb, der im Jahre 1774/75 die Universität Gießen bezog, erzählt in seiner 1792 erschienenen Lebensbeschreibung über das Duellwesen seiner Zeit: „Schlägereien sind in Gießen gar nicht selten. So klein die Universität ist, so viel Balgereien fallen vor; manchmal haben sie einen gefährlichen Ausgang. Zu meiner Zeit war es gewöhnlich, sich auf öffentlicher Straße zu schlagen und die« alsdann, wenn man gewiß war, daß es würde verrachen werden. In diesem Falle ging der Herausforderer vor da« Fenster seines Gegners, nahm seinen Hieber, hieb damit einigemal inS Pflaster und schrie: ,pereatN.N., der Hundsfott, der Schweinekerl! tief! pereatl' Nun erschien der Heraus geforderte; die Schlägerei ging vor sich, endlich erschien der Pedell, gab Inhibition und die Raufer kamen ins Carter. So hatte der Spaß ein Ende." . . „Wenn ein Mitglied der — zu Gießen bestehenden — Orden- oder Landsmannschaften Händel bekommt, so muß e« sich schlagen; doch aus guten Gründen schlägt sich auch der Senior oder ein anderes Mitglied für ihn. Ueberhaupt müssen in biefem Falle die Glieder dafür sorgen, daß sie und nicht ihre Gegner in Avantage sind."
Gerade hundert Jahre sind seitdem verflossen und die Wiederkehr jener „guten alten Zeit" scheint unmittelbar bevorzustehen. Natürlich füllt man nicht den alten Most in neue Schläuche; die Herren Studenten sind innerlich und äußerlich andere, die Sitten milder gerootten. Aber die Sache ist geblieben, wie sie war, die Duelle werden
da« schöne österreichische Parlament, diese verwendbare konstitutionelle Geldbewilligungsmafchine gesprengt. So steht und fällt die Regierung mit ihren Verwaltungsräthe»! DaS wissen beide Theile und darin liegt der Kitt, der sie zusammenhält. Dieses Bewußtsein ist zwar kein besonders erhebendes, allein in Oesterreich hat man es schon lange aufgegeben, in einem erhebenden Bewußtsein den Stolz zu suchen. Man faßt sich gegenseitig bei feinen Schwächen und findet darin die einzige Kraft, über die man gebietet. DaS ist das Geheimniß der ganzen Politik. Der Hof frei werdenden uanoereien uocrmayig oeiajici weiucu wuivt, । unb die römische Klerisei beulen sie nach Kräften aus und indem nicht anzunehmen sei, daß die Stadt die gedachten idle Hofpartei würde noch viel entschiedener mit den Röm- Ländereien in einer verhältnißmäßig so kurzen Zeit ju Hingen rechnen, wenn diese übet das nothwendige Geld einem entsprechenden Theile werde absetzen können. Bons verfügen würden. So aber tst S hier schlimm bestellt.