Marburg, Donnerstag, 28. Januar 1875
Sr. 23
X. Jahrgang.
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Jür m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Ufa hpr<"*n.t
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bietet seine Arbeit den Sprach- und Geschichtskennern überreiches Material Daß Herr Professor Arnold seinen Forschungen vorwiegend die hessischen Ortsnamen zu Grunde legte, erklärt sich durch seine amtliche Stellung. Fust auf jeder Seite des Buches tritt dem Leser ein umfangreicher Apparat gelehrten Wissens entgegen, der sowohl daS Resultat der eigenen Combinationen des Verfassers, als auch der zu diesem Behuse von ihm angestellten Spezialstudien ist. DaS von ihm verwerthete positive Material hat Herr Professor Arnold zunächst aus dem durch die Liberalität des königlichen Oberprästdiums ihm erschlossenen heisischen Provinzialarchiv geschöpft, außerdem aber hat er noch die Marburger Univrrfitäts- wie die Kasseler Landesbibliothek zu Rache gezogen. DaS Buch, welches ter Verfasser seinem hochverehrten Lehrer Leopold von Ranke gewidmet hat, ist als ein höchst bedeutsamer und interessanter Versuch zu betrachten, die kritische und vergleichende Sprachforschung in dm Dienst der Geschichtsschreibung zu stellen und in diesem zu veiwerthen. Der zunächst erschienme erste Theil schließt mit den alemanischen und oberfränkischen Wanderungen zu Ende deS fünften Jahrhunderts; der zweite Theil wird den Fortschritt deS Anbaues im Stammland bis zum Anfkom- nun der Städte im zwölften und dreizehnten Jahrhundert behandeln. Die Verlagshandlung hat aus die äußere Er-
•• Berlin, 26. Januar. Der Entwurf der nmen Provinzialordnung liegt nun gedruckt vor, derselbe enthält zunächst den Entwurf, dann ein Wahlreglement, dann die Motive, an welche sich eine Denkschrift über die Organisation der allgemeinen Landesverwaltung des preußischen Staates anschließt. Dieselbe weist darauf hin, daß wo zur Ausdehnung der Kreisordnung auf die noch nicht von ihr berührten Provinzen eS'eineS weiteren Gesetzes bedürfe. Als Anlage ist noch der vorjährige Entwurf mit den ausführ- lichm Motiven angehängt, da für alle die Bestimmungen, wÄche beiden Vorlagen gemeinsam find, auf die vorjährige Motivirung Bezug genommen wird. In der Denkschrift
Tage in Anspruch nehmen werden. Die Landwehr wird keineswegs einberufen werden, und das deutsche Evolutions- grschwader wird dieses Jahr, wie bisher, erst im Monat Mai gebildet werden.
Aus Fulda wird der „Germania" telegraphisch avisirt: Die Nachricht des KlauSner'schen Telegraphenbureau's von einer demnächst bevorstehenden Confercnz der preußischen Bischöfe in Fulda beruhe aus purem Schwinde!.
Wie aus Rom gemeldet wird, Hal Abbs Gevalier mit einer Deputation französischer Geistlichen eine von 160
Äinimtintb in Amerika.
(Schluß.)
Ungeachtet der Kundgebung der öffentlichen Meinung ließ aber doch die Polizei den Weg oer Verhandlungen zwischen den Räubern und dem der Verzweiflung nahen Vater, dem bis zum 15. Novbr. Briefe von jenen zukamen offen. Die Briefe wurden zuletzt in Newyork auf die Post gegeben, wohin sich denn auch die Nachforschungen der Polizei conrentrirten. Bis zum 5. August hielt die Polizei eS für möglich, die Auswechslung des Kindes gegen das Lösegeld zuzulass.n und dann erst die eigentliche Verfolgung der Verbrecher zu beginnen. Aber in allen Briesen war die Bedingung gestellt, daß das Geld fünf bis zehn Stunden vor der Auslieferung des Kindes in den Händen der Räuber sein müsse, ohne daß dieselben durch die Behebung gefährdet würden. In diesem Stadium mußte die Polizei einschreiren und sie ließ am 5. August antworten: „Die Vorschläge sind unannehmbar, beide Ar- tionen müssen gleichzeitig sein." Nun b.gann erst die wahre Hetzjagd. Die Entsührer halten die Absicht, die Geduld der Familie zu erschöpfen, die Polizei aber war enischlossen, den Widerstand der Räuber zu brechen. Aufgehalten wurden aber die Nachforschungen durch hundert und hundert Verfolgungen falscher Spuren und durch unzählige Mißgriffe, wobei der Polizei wchl eine Menge anderer flüchtiger Schwindler und Betrüger und viele verloren gegangene Kinder in die Hände fielen, die gesuchten Verbrecher aber immer mehr Zeit und Gelegenheit hatten,
LUerarischeS.
«nste-eluusen »ud Wanderungen deutscher Stämme. Zu- meist nach hessischen Ortsnamen. Bon Wilhelm Arnold, ordentlichem Profeffor der Rechte zu Marburg. Erste Abthe^» lnng. Marburg, Ä. G. Elwert'sche Verlagsbuchhandlung. 1875. .
lieber diese« höchst beachtenswerte Werk schreibt die „Rordd. Sllgem. Ztg." in Nr. 208; M vorigen Jahres: „Die Quellen über die Urzeit der deutschen Gefühle fließen ungemein spärlich und beschränken sich der Hanptsuche nach auf die Angaben Cäsar'S und Tactius', die unter sich wiederum anderthalb Jahrhunderte auseinander liegen. Gerade die Uebergangsperiode der deutschen Stämme von dem Wanderleben bis zur Seßhaftigkeit liegt in Dunkel gehüllt da und doch sind es die sür unsere Entwickelung interessantesten Fragen, zu deren endgültigen Beantwortung die Kentniß und Erkenntniß jener Uebergangsperiode unentbehrlich scheint. Jndeß, wenn auch der Mangel an historio- graphischem und ähnlichem Material schwer genug nnpfun-
con, der hi-sige Gesandte der vorigen spanischen Regierung hat heute persönlich dem Kaiser daS Schreiben übergeben, in welchem König AlfonS seine Thronbesteigung notificirt. Da sich Graf RaScon in keiner amtlich beglaubigten Stellung befindet, so schließt diese Entgegennahme noch keine Anerkennung ein. Dieselbe wird vielmehr durch ein Antwortschreiben deS Kaisers und durch die Akkreditirung eines deutschen Gesandten am dortigen Hofe erfolgen.
vofeu, 26. Jan. Der Regierungs-Assessor Hirnly von hier ist zum Verwalter deS Kirchen Vermögens deS BiSthums Paderborn ernannt worden.
Dresden, 24. Jan. Die sächsische Regierung dementirr die Nachricht, daß sie die „Preußischen Jahrbücher" in Anklagestand versetzen wolle. Dem gegenüber wird dem „Nbg. Corr." versichert, daß diese Absicht in der That bestand, daß aber die wenig gü istige Aufnahme der Nachricht in der Oeffentlichkeit ebenso wie die Erwägung, daß bei gerichtlichem AuStrage de« Streitfalls auf die Friedens- Unterhandlungen zwischen Preußen und Sachsen „ein wenig mehr Licht" fallen würde, die Regierung bewogen hat, ihre Absicht aufzugeben. — Die neuliche Mittheilung des „DreSd. Anz." bezüglich deS neuen HoftaplanS des Prinzen Georg, Dr. Fritzen, hat das Hofmarschallamt des Prinzen zu folgender Berichtigung veranlaßt: Erstens sei Dr. Fritzen nicht aus Preußen „vertrieben", da er nach Schluß der nachgenannten Anstalt noch über ein Jahr bis zu seiner Berufung hierher ganz unbehelligt in derselben gelebt habe. Zweitens handle es sich nicht um eine Anstalt in Münster, sondern in Gasdonk. Diese bischöfliche Anstalt sei allerdings in Folge der Maigesetze im Ociober 1873 von der preußischen Regierung geschlossen worden. Dadurch sei aber die persönliche Stillung der einzelnen Lehrer der preußischen Regierung gegenüber keineswegs alternt, wie letztere dies thatsächlich in mehreren Fällen bewiesen habe. Auch dem detriffenden Geistlichen würde bei einer staattichen Anstellung an einem preußischen Gymnasium kein Hinderniß nm Wege gestanden hckben. Endlich drittens sei der betreffende Geistliche allerdings Hofcaplan des Prinzen Georg, aber keineswegs Erzieher der Prinz- lichen Kinder, denen er, weil philosophisch gebildet, nur einige Unterrichtsstunden gebe. Die „DreSd. Nachrichten" fügen hinzu, daß der Erzieher der prinzlich Georg'schen Kinder der Hauptmann v. Der ist; den Unterricht in den Elementaifäch-rn ertheilt.der seminaristisch gebildete frühere Hauptlehrer an der katholischen Hauptschule, Hr. Schmidt.
Leipzig, 24. Jan. Mit vorgestern hat der sächsische Hof eine zweiwöchentliche Trauer um den verstorbenen Kurfürsten von Hessen angelegt. — Aufsehen erregt, daß der von der ultramontanen Partei zum Nachfolger des Bischofs Forwerck ausersehene Dr. Wahl zur Zeit in Rom verweilt und dem Papste eine Ergebenheitsadresse überreicht hat, mit der Betonung „die deutschen Katholiken würden trotz den mißgünstigen Umständen treu zum heiligen Vater halten." — Ein anderer, viel ibedeutungsiöftrer Vorfall macht ebenfalls von sich reden: Während dessen eine hiesige Deputation der Handelskammer in Sachen des Bankgesetzes vom Minister Delbrück empfangen, wenn auch aussichls-
Lnze gen nimmt entgegen: die Erudition d. Blatte», sowie Die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haaftnstein k Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln ic.; Rudolf Masse in Berlin, Frankfurt a. M.«.
den wird, so sieht sich doch der Forscher nicht gänzlich im Stich gelassen. Der Verfasser deS vorliegenden Werkes hat den, mit außerordentlichem Scharfsinn durchgeführten, vielversprechenden Versuch gemacht, durch Herbeiziehung der geographischen, namentlich der Ortsnamen, die in der na-, vcyunutm. hk -»rriagsyanviung yat auf die äußer livnalen Geschichtsforschung existirende Lücke auszufüllen! scheinung deS Buches anerkennenSwerthe Sorgfalt und auf diesem Wege das verloren gegangene Tableau der! wandt."
Danderzüge deutscher Stämme gewissermaßen zu recon-I ----------- , '
formten. Wieweit ihm dies gelungen, das zu beurteilen |
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäge^che Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
ston zur Berichterstattung übergeben haben. Ein Präce- denzfall für die gegenwärtig dem Papste zngemuthete Verfügung wird in dem Deerete gefunden, durch welches Se. Heiligkeit vor 4 Jahren den heiligen Joseph zum Protektor der genannten katholischen Kirche ernannte. Bedeutungsvoller aber erscheint der gegenwärlige Wunsch, ein jesuitische» Symbol der gejammten katholischen Kirche auszuprägen. Die namentlich auf weibliche Gemüther berechnete Verehrung des in Flammen stehenden Herzens eines jugendlichen ChristuSbildeS ist bekanntlich in Frankreich er- wacht und nach langer Vergessenheit wieder zu hoher Blüthe gelangt. Der französische Stempel dürfte an diesem CultuS haften bleiben, wohin er sich auch verbreitet.
Als ein unzweideutiges Zeichen für die guten Beziehungen Belgien« und der Niederlande ist jedenfalls der Umstand zu betrachten, daß der König der Niederlande sich bei der bevorstehenden Hochzeitsfeier der Prinzeß Louise durch einen besonderen Botschafter, den früheren Finanzminister und jetzigen Oberkämmerer Graf Schimmelpfennia, certreter. läßt. M
Deutsches Reich.
werden, umur-e» sich darum Handels arit dem neuen Ge-, wird noch ausgeführt, daß die Durchführung der Selbst wehre zu manöveriren, Manöver, die höchstens vierzehn r-----'— ’ - 11 “ • ~ -
j£ur die Monate Februar und März werden 5 Bestellungen von allen Postanstalten angenommen.
Mit Anfang Februar beginnt eine höchst spannende Erzählung im Feuilleton.
Tage-bericht.
An die Abgeordneten deS Landtags kam am Montag der Entwurf der Provincialordnung zur Vertheilung. Bei- gegeden ist die bereits angekündigte Denkschrift über die Reorganisation der allgemeinen Landesverwaltung deS preu ßischen Staates. Die Bezirksregierungen werden aufge hoben, dem Regierungspräsidenten wird ein Bezirksausschuß, dem Oberpiästdenten ein Provinzialausschuß beigegeben. Mit Genugtuung wird der Gedanke ausgenommen werden, daß daS gesammte Schulwesen, welches früher von den Regierungen reffortirte, dem umzugestaltenden Provinzial- schulcvllegium unterstellt werden soll. Eine besondere Pro vinzialordnuug für Berlin wird verheißen.
Die Gerüchte von bevorstehenden deutschen Truppenzusammenziehungen auf dem linken Rheinufer, welche die stanzösischen Blätter alarmitt hatten, werden jetzt vom „Memorial diplomatique" dementirt. Dasselbe schreibt: „Mehrere stanzöstsche Zeitungen haben in jüngster Zeit Deutschland dargestellt, als ob es Truppenzusammenziehun- gen auf dem linken Rheinufer beabsichtige und Maßregeln getroffen habe, die minder oder mehr einen kriegerischen Charakter hätten. ES ist von Wichtigkeit, die öffentliche Meinung vor solchen Schwindelgerüchten sicher zu stellen, die jeden GmndeS entbehren. ES stehl auf daS Allerbestimmteste fest, daß Deutfchland nicht im Geringsten beabsichtigt, aus dem linken Rheinufer ein Lager zu errichten. Die Reserven der deutschen Truppen werden nur einberufen
Verwaltung in Gemeinde, Kreis und Provinz im innigsten Zusammenhänge mit der allgemeinen Landesverwaltung liehe, welche sich noch wesentlichen Modifikationen unter-- werfen müsse. Die gegenwärtige Vorlage beschränkt sich zunächst auf die 5 Provinzen, in welchen die Kreisordnung zur Durchführung gekommen ist. ES wird j-doch bei der allgemeinen Erörterung in der CornrnissionSberathung Gelegenheit vorhanden sein, eine Besprechung der Ausdehnung derselben über die westlichen Provinzen herbeizuführen. Dieies jetzt dem Abgeordnetenhause vorliegende Gesetz mit . . seiner einschneidenden Wirkung auf die Gesammlorganisation
Bischöfen und angeblich 3 Millionen Gläubigen aus ver- ver inneren Verwaltung wird schon allein die Zeit der Land- schiedenrn Ländern unterschriebene Petition deren Unter- tagSsefsion genügend in Anspruch nehmen. Außerdem find schristen in 30 Bänden gesammelt sind, übergeben. Diese gestern dem Landtage der Entwurf über die Bildung der Petition soll bezwecken, vom Papste ein Dekret zu erwirken, Provinz Berlin und der Gesetzentwurf über die Verfassung wodurch die gesammte kathvlrlche Kirche dem besonderen der Verwaltungsgerichte und die Bildung eines obersten Schutze des heiligen Herzens Jesu unterstellt und der be- VerwaltungsgerichtShose« zugegangen. Der Entwurf Über sonderen Verehrung deffelben geweiht wird, da man hier- die Dotation der Provinzialverbände, welcher die nothwen- durch ganz besondere Heilung für die gegenwärtigen Leiden bige Ergänzung der Provrnzialordnung bildet, hat daS der Kirche zu gewinnen hoffe. Der heilige Vater soll die Stadium der Ministerialberalhung durchlaufen und liegt Petenten sehr freundlich empfangen, indessen eine bestimmte dem Kaiser zur Genehmigung vor, die er ohne Zweifel Antwott nicht enheilt, sondern die Petition einer Commis- schon in den nächsten Tagen erhalten wird — Graf RaS