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ür. 21.

Marburg, Dienstag, 26. Januar 1875.

X. Jahrgang.

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/ür die Monate Februar und März werden Bestellungen von allen Postanstalten ange­nommen.

Mt Anfang Februar beginnt eine höchst span­nende Erzählung im Feuilleton.

Anze gen nimmt entgegen: dir Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Saasenstein & Vogler in Frankfurt a- M., Berlin, Lech» zig, Cölnrc.; Rudolf Mosse in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.- Jäger>sche Buchhandlung in Frankfurt a. M-; Jnvalidendank, 21. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Tagesbericht.

Die Mittheilung mehrerer Blätter, daß der Finanz Minister Camphausen seine Entlastung zu nehmen beabsich- tige, findet in unterrichteten Kreisen durchaus keine Be­stätigung. Gerade jetzt, wo die Finanzpolitik des Finanz- minister» durch die Vorlage des Budgets und die Darlegung der ausgezeichneten Finanzzustände Preußens einen allge­meinen Triumph gefeiert hat, findet man dieses Gerücht im höchsten Grade unwahrscheinlich. Auch die Gründe, die ihn dazu bewegen sollen, seine Demission zu geben, werden nicht als zutreffend angesehen. Gerade in der Bankfrage und speciell in der Contingentirung der Noten und der ein- und sünsprorcntigen Steuer soll sich der Finanzminister in vollständiger Uebereinstimmung mit dem Präsidenten des Reichskanzleramtes Delbrück befinden, so daß die Behaup­tung, daß seine Austastung in der Banksrage im Reichs- kanzleramt Außstoß erregt habe, lediglich als eine Erfin­dung zu betrachten ist. E» ist auch deßhalb dieses Gerücht unwahrscheinlich, weil auf die innere Uebereinstimmung des Ministerium» ein so großes Gewicht gelegt wird, und weil gerade dieses Ministerium in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung sich des allgemeinen Vertrauens der Ma­jorität in den Vertretungskörpern und der überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung erfreut. An diesem Vertrauen besitzt der Finanzminister einen nicht unbedeutenden Antheil. Seine Finanzpolitik hat sich bisher in der glänzendsten Weise gezeigt und dem Lande eine financielle Lage geschaffen, wie sie in gleicher Weise kein Staat in Europa aufzu- wrisen hat.

Der Bundesrath hat am Sonnabend im Reichstags grbäude eise Plenarsitzung gehalten; der Ausschuß für Handel und Verkehr trat Nachmittags im Reichskanzleramt zu einer Sitzung zusammen.

Der General Tclegraphendirector v. Mayoam ist am 23. d. Nachmittag» gestorben.

Die Anträge mehrerer Privatbahnen auf Erhöhung der Personentarife dürfen als definitiv abgelehnt gelten. Nur einzelne kleine Parifcorrccturen werden genehmigt.

Bezüglich der zwischen dem Deutschen Reich und der

spanischen Regierung gewechselten Noten ist die Times in die Lage gesetzt Folgendes mitzutheilen: Auf die offiziell der spanischen Regierung mitgetheilten Beschwerde über die Gustav-Affaire erklärte das spanische Cabinet, es acceptire die Entschädigung im Princip und sei bereit, eine maritime Demonstration gegen den von den Carlisten occupirten Küstenpunkt zu unternehmen, welcher der Schauplatz der Schimpfung der deutschen Flagge war. Die spanische Note fügt jedoch hinzu, man halte e« nicht für geeignet, daß bei dieser Demonstration der spanischen Schiff- gleich­zeitig deutsche Schiffe mitwirkten.

DaS am 3. d. den auswärtigen Vertretern in Madrid übergebene und von bett sämmtlichen Mitgliedern des pro­visorischen CabinetS unterzeichnete Rundschreiben über die Bildung der neuen Regierung enthält bezüglich der Stel­lung derselben zu der religiösen Frage folgende bemerkens- werthe Stelle:Diejenigen, welche in dem religiösen Princip die große Triebfeder unserer nationalen Geschichte erblicken und sich verletzt fühlen durch die Frevel, welche nach dieser Richtung die Revolution begangen hatte, setzten selbstverständlich ihre Hoffnungen auf Jenen (Alfons), der, ein würdiger Erbe katholischer Monarchen, am Glauben seiner Väter unerschütterlich festhielt, ohne dadurch aus demselben ein Werkzeug und Banner seiner politischen Ziele machen zu wollen."

In der montenegrinischen Angelegenheit unterstützen, wie dieMagdeb. Zeitg." hört, die Großmächte in Con- stantinopel den Vorschlag des Fürsten NicolauS, daß die Pforte Delegirte nach Cettinie schicken möge, um die Ab urtheilung der des Mordes türkischer Soldaten angeklagten Montenegriner beizuwohnen. Die Annahme des Vor schlage» seitens der Pforte ist wahrscheinlich.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. Januar. Dem Reichstage ist unter dem 21. Januar vom Reichskanzler der Entwurf einer Konkursordnung und eines EinführungSgesctzeS zu derselbe« zugegangen. Im Letzteren wird in § 3 gesagt, daß die den Konkurs betreffenden Vorschriften der Reichsgesetze durch die Konkursordnung nicht berührt werden, daß aber, wie § 4 wieder ausführt, die Vorschriften der LandeSgcsetzc über Konkursverfahren und über da» Konkursrecht, soweit nicht in dieser neuen Konkursordnung bestimmt ist, daß die Vorschriften nicht tangirt werden, ausgehoben sind. Ebenso werden die Strafvorschriften, welche hinsichtlich des Kon kurseS in den LandeSgesctzen enthalten sind, aufgehoben;

dagegen bleiben unberührt die landesgesetzlichen Vorschriften welche über Lehen, Stammgüter und Fideicomiffe von Fa­milien sprechen. Unter demselben Tage hat der Reichs­tag erhalten den Entwurf eines Gesetzes, betreffs die Kontrole deS Reichshaushalts und deS Landeshaushalts von Elsaß Lothringen pro 1874. Nach diesem Entwurf soll die Oberre-bnungskammer unter der Benennung deS Rechnungshofes des Deutschen Reichs die Kontrole führen. Dem Abgeordnetenhause hat der HandelSminister den Entwurf eines Gesetzes vorgelegt, betreff, die Leinwand- leggen. Dieses Gesetz berührt die Provinz Hannover, den Regierungsspiel Minden und Caffel. Das Gesetz verlangt die Auflösung der in jenen LandeSiheilen bestehenden Leggen- Anstalten je nach Bedürfniß. Die Auflösung soll der Mi­nister de« Handels aussprechen, nachdem der Kreistag resp die Amtsversammlung ihr Gutachen abgegeben. Die Legge- ordnung für die Kreise Bielefeld, Halle und Herfor d mit Anschluß der Aemterverbände zu Rödinghausen wird durch dieses Gesetz ohne Weiteres aufgehoben. Ferner haben der Minister deS Innern und der Finanzen dem Abgeord- netenhause den Entwurf eines Gesetzes, welcher die Aller­höchste Ermächtigung vom 20. Mai 1874 trägt, vorgelegt, welcher die Befähigung für den höher» Verwaltungsdienst ordnet. Dieses Gesetz dient zum Reglement für das Re­gulativ vom 14. Februar 1846 über die Befähigung zu den höheren Aemtern der Verwaltung uud deS Gesetzes vom 6. Mai 1869 über die juristische Prüfung.

Königsberg, 19. Jan. Der Senat der Universität Königsberg hatte von der Redaction derSt H. Ztg " die Aufnahme eines Artikels verlangt, den er für eine Berich­tigung ansah, während die Redaction dieberichtigende" Eigenschaft deS Aussatzes nicht zu entdecken vermochte und deshalb die Ausnahme ablehnte. Der Senat klagte, und der Polizei-Richter veruttheilte den verantwortlichen Re dacteur zu einem Thaler Geldstrafe oder einem Tage Haft. D'kser appellirle, und die zweite Instanz hat ihn von Strafe und Kosten freigesprochen. Für die gesammte TageS-Preffe, die oft mitBerichtigungen", die keine find, incommodirt wird', ist die Entscheidung des Königsberger Gerichts als ein erfreuliches Ereigniß zu registriren.

BteSldtt, 23. Jan. Bei den heute eröffneten Vor- standswahlen der schlesischen Provinzialsynode siegte die strengkirchliche Partei über die vereinigten Parteien der freieren Richtungen, v. Rothkirch Trach wurde gegen Graf Rlttberg mit 50 gegen 44 Stimmen zum Präsidenten ge­wählt.

conen alfonststischer Häuser wurden die Stichworte mit Aegide dem Land? rasch 7^e chäffen^ o ist ein! schw^ beonderem Nachdruck ausaeaeben 1 ?,nc

seincm Elfinder Ros genannt in der Rechten, grüßte beständig nach rechts und links und schien nur in einigen nniMtlan CV..L _< C. n n «r « "

Eine große Menge Neugieriger harrte natürlich der ganzen Länge deS Weges vom Bahnhofe bis zur Plaza del Oriente entlang. In den Fenstern uud Balconen standen die Schau­lustigen Kopf an Kopf; die alfonststischen Damen mit zahl reicher Munition von Blumen Kronen und gereim ten und ungereimten Poesien ausgerüstet. Der Extra­zug mit dem Könige legte in anderthalb Stunden den Weg von Aranjuez nach der Südstation zurück. Noch knirschten die Bremsen, als der junge Fürst bereits aus dem elegan­ten Waggon auf den Perron sprang; Stadträthe, der Graf v. Toreno an der Spitze, Minister, Justizbeamte, Militärs und was zum ersten Empfange zum Bahnhofe gekommen war, drängten sich eilig hinzu, und in einem I brausenden Vivat erstickte das Heulen der Lokomotive. Alle Glocken von Madrid läuteten zusammen; der König nahm die ersten Huldigungen alter Freunde seines Hauses ent gegen und bestieg sodann daS weiße Roß, deffcn edle Art sich unter einem wenig ansprechenden Aeußern verbarg. Die Minister und der Stadtrath begaben sich nach dem Palaste an der Plaza de la Armeria, während die Generale und Minister den König nach der Atochakwche begleiteten. Dort stand die hohe Geistlichkeit, der Cardinal-Erzbischof von Valladolid, der das Eoncordat wieder haben will, der Weihbischof von Madrid und andere kirchliche Würden» träger bereit, ein Tedeum und ein Ave singen zu lasten; der König bttete an einigen Gräbern und trat sodann den Aug durch die Straßen von Madrid an, vor sich berittene

Gendarmerie und Adjutanten, im nächsten Gefolge den Kriegsminister Jovellar und den General Capitän von Madrid, Primo de Rivera, mit einem brillanten, von ge- sticklen Uniformen und Orden strotzenden Generalstabe.

Zwei hinter diesem lglänzenden militärischen Gefolge einherfahrende Wagen, der eine von Handwerkern, der zweite von einigen aristokratischen Jünglingen Madrids gestellt, mögen einen etwas karnevalistischen Eindruck gemacht haben. Den langen Schluß bildeten die Truppen und sonstigen militärischen Corporationen Madrids, die alte Bürgerwehr, berittene Nationalgarden, Infanterie, Artillerie mit Kanonen und Cavallerie. Der Empfang von Seiten der Zuschauer war freundlich; der junge Mann machte einen persönlich angenehmen Eindruck und von den Bal-

Momenten, wo der Jubel besonders stürmisch wurde, ein wenig die Fassung zu verlieren. Am Palaste der Plaza de la Armeria angelangt, begab er sich zum Thronsaal und nahm, neben dem Thronsessel stehend, die Minister und Granden Spaniens zur Rechten, zur Linken'die ehe­maligen Palastdamen, die Huldigungen der Abgeordneten Madrids und der Provinzen entgegen. Diese Ceremonie wurde wegen der vorgerückten Zeit etwas abgekürzt und der Köni, begab sich wieder hinunter auf fein Roß, um die Truppen an sich vvrbeiziehen zu lasten. Gegen Abend, al« in den Straßen Madrids sich eine ungeheure Men- schenmenge drängte, um die Illumination zu betrachten, lag der königliche Park, von wenig Lämpchen beleuchtet, scheinbar in tiefer Ruhe.

besonderem Nachdruck ausgegeben. Die Gesandten bet fremben Mächte befanden sich auf dem breiten Balcone des Mtnisteriums ber innem Angelegenheiten. Von vielen Fenstern regneten Blumen, Kronen und beschriebene Zettel hinunter; die Jugend aber ließ Tauben und Spatzen fliegen, und an einigen Stellen machte sich daS Schauspiel recht hübsch. Alfons, in der Uniform eines GeneralkapitänS, Daö goldene Vließ umgebunben und den Czako nach

A«S Spanien.

(Schluß.)

Der schönste von allen, in elegantem maurischen Stile und in blendender Polychromie vom reichen Banquier Campo gestiftet, befinbet sich außerhalb des Weges, den ber Zug nehmen sollte, ähnlich wie viele Brücken in Spanien, unter bcnen kein Wasser herläuft. Ein von ben Damen be« Rothen Kreuzes gestifteter war in römischem Triumphbogenstil aus geführt, ein dritter, ebenfalls von einer Damengesellschast aufgerichteter bestand au« zwei leichten Pilastern mit den Emblemen deS König» und der friedlichen Gewerbe, die mit einem recht realistischen Humor zusammengeftellt waren.

rige Aufgabe gelöst, um gleich darauf einer noch unendlich schwierigeren Platz zu machen: der Constituirung des Lan­des und die Consolidirung ber Verwaltung unter konsti­tutionellem Scepter. Die scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten biefer Aufgabe werfen bereits ihren Schat­ten in die erste Siegesfreuve der royalistischen und alfon- sistischen Partei hinein; man hätte gern die Person deS jungen Königs ganz au» dem Spiele und außerhalb deS Landes gelassen, bis die wichtigsten Probleme der neuen Verfassung und Verwaltung gelöst gewesen wären. Aber Gründe, die den Führern der Bewegung entscheidend zu sein schienen, hatten diese Maßregel der Vorsicht unmöglich gemacht. Die Persönlichkeit deS neuen Monarchen ist un­rettbar in den Streit der Gegensätze, die demnächst auf­einander platzen müssen, hineingezogen; der Wunsch, den Königmit dem Oelzweige" nach ausgefochtenem Kampfe einziehen zu lassen, konnte nicht erfüllt werben. So gehen wir denn einem neuen verhängnißvollen Akte der spanischen Geschichte entgegen, einem Acte, den meine alfonsistischen Reisegefährten mit einem unwillkürlichen Schlagworte sehr treffend charakterisinen:Es ist die letzte Karte, die wir ausspielen."

So verlief in Madrid der 14. Januar des Jahres 1875. Die Spanier haben über Nacht wieder einen König bekommen, einer der abgehauenen bourbonischen Stämme ist in einem neuen Wurzeltriebe noch einmal auf­gelebt. DaS ermüdete Spanien ist der unerwarteten Re­volution widerstandslos zugefallen. Es hat den neuen konstitutionellen Monarchen freundlich aufgenommen wie denn das Land überhaupt gewöhnt ist, die Feste zu feiern wie sie fallen. Im langen, fruchtlosen Ringen um eine dauernde Organifirung des Landes, im Elende ber canto- nalen Aufstände und ber carlistifchen Erhebung hat die Leidenschaft der Parteien für einen Augenblick ihre Schärfe verloren; Friede ist der allgemeneine Wunsch des Landes Glückt es dem jungen König, diesen Frieden unter feiner