Sr. 18
Marburg, Freitag, 22. Januar 1875.
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Tagesbericht.
Deutsches »eich.
lieber ein Rundschreiben des Fürsten Bismarck über die Gustav Affaire erfährt man, daß dasselbe den Datum deS 8. Januar trägt. Fürst Hohenlohe theilte den Jnhall derselben dem Herzog von DeeazeS am 14. d. MtS. mit. «m 8. d. MtS. erging auch der Befehl an die Jnbienst Stellung der Kriegsschiffe.
Der BundeSrath hielt am 18. d. M. in dem SitzungS saal im Reichstagsgebäude eine Plenarsitzung unter dem Vorsitz deS Staatministers Delbrück ab, welche von etwa IV2 stündiger Dauer war. In derselben wurde von den vereinigten Ausschüssen für das Landheer und die Festungen und für Rechnungswesen mündlicher Bericht erstattet über den Gesetzentwurf betreffend die Erweiterung der Umwallung der Festung Straßburgs. Der Gesetzentwurf ist mit nur geringen Abänderungen der ursprünglichen Vorlage nach den Vorschlägen der vereinigten AuSschüffe vom Plenum angenommen worden.
Geschäftsträgers; jenen Titel aber nicht. — spruch des ^kaiserlichen Generalkonsuls auf eine Gleichberechtigung ist aber nicht den Collegen, sondern, wie das den Verhältnissen entspricht, gerade der serbischen Regierung gegenüber zur Sprache gebracht. Die Regierung hat ablehnen zu müssen geglaubt, dem deutschen Generalkonsul den ihm gebührenden Rang einzuräumen, und derselbe hat bann, um feinem Rechte bei dem vor einigen Tagen stattgehabten Neujahrsfest in Belgrad nicht- zu vergeben, eine Urlaubs- Reise angetreten. Nähere Berichte fehlen noch; doch haben bereits mehrere Regierungen anerkannt, daß völkerrechtlich jener Titel auf den Rang der Vertreter untereinander Einfluß nicht auSüben tonne]
Anzeigen nimmt entgegen: die Sxvedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Diettich & Co. in Löffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cölnrc.; Rudolf Moff« in Berlin, Frankfurt a- M. rc.
(Bettete! und Sekretär.
Eine vaterländische Geschichte.
(Fortsetzung.)
Der Sngeredete warf sich in die Brust.
»Euer Exzellenz! ich bin ja geheimer EKebieut beim Finanzkollegio."
»Ra, das freut mich,' versetzte der General freundlich. »Er scheint mir auch ein braver Kerl zu sein, Er mag »ohl feine fiebentehalb Fuß messen. Ra! setz Er sich und schreib Er gleich. Ich soll dem König berieten, was er von Pommern haben kann, und dabei muß Er mir helfen."
»Zu Befehlen, Euer Exzellenz," sagte der Schreiber Mit einem Katzenbuckel.
Darauf fing er auch sogleich an, den Eingang des Berichtes aufzusetzen, Datum uub die Titulaturen an den König niederzuschreiben. Der General sah chm aufmerk fern und verwundert zu.
„Was macht Er da? fragte er den Schreiber.
»Zch schreibe die gewöhnlich« Formalien."
„O, Er ist ein schmucker Kerl, nur man weiter."
Der Schreiber hatte iudeß seine Feder niedergelegt und sah Blankensee erwattungSvvll an, desgleichen thal auch der General.
„Esel!" schnaubte der General, indem er auf den Er- chrockeneu lossprang und den angefangenen Bericht zerriß. Dabei machte er eine Bewegung mit dem Stock, deren Erfolg der Schreiber nicht weiter abwartete. So schnell eine Beine dies gestatteten, entfloh er aus der Nähe des Gefürchteten. Noch ganz erhitzt von diesem Auftritte, eilte Blankensee zu dem König.
„Nun, mein lieber Blankensee!" tief ihm dieser gnädig entgegen, „seid Ihr schon fertig mit der Arbeit?"
»Na, Eure Majestät," versetzte kläglich der ©eneral. -Son all den Kerls im Finanzkollegio kann Keiner nichts.
/t. cm - v"‘j der Lorenz kommen darf.
Maß, aber er weiß Alles auf ein
„D mein Gott, mein Gott," jammerte er. „Ich bin so ein alter Kerl geworden und nun soll ich zu Schanden werden. Was wird der König sagen, wenn Blankensee nicht vor ibm besteht und sich blamirt ? O Lorenz, Lorenz I Wärst Du nur hier, Du würdest mir aus all meiner Noch Hessen. Das ist ein Kerl, der kann noch Was." '
Indessen hatte der Schreiber nichts Eiligeres zu thun, als dem Befehle de« Generals nachzukommen. Wörtlich schrieb er die komische Klage desselben nieder. Blankensee der chn jetzt erst wieder ansah, bemerkte wa« er that.
-Kerl!" schrie er ihm zu, „was untersteht er sich?"
-Euer Exzellenz!" stotterte der Beamte, „ich schreibe nur, wa« Sie mir diktireu."
» fetTJU lctntn; Er schickte auch fogleich eine ©taffette nach Pommern ab, mit dem Befehl, ihm Loren, augenblicklich nach Berlin zu spediren. Der bescheidene Sekretär war nicht wenig von dieser Botschaft überrascht Er raffte seine Akten und Berichte zusammen und begab mt‘ klopfendem Herzen nach der Resivenz. Sobald er angekommen, wurde dies dem König gemeldet Dieser gab den Befehl, daß er mit Blankensee den geforderten Bericht auSarbeiten und dem König Vortrag hatten sollte Betde wurden außerdem zur königlichen Tafel eingeladen'
Der General war äußerst erfreut, seinen alten Loren, wiederzusehen. 6
"unterer Laune, „was bist Du glücklich. Du sollst morgen bei dem König essen."
-Unmöglich!" versetzte verlegen der arme Secretär »Ich muß noch den Bericht unfertigen und damit werde ich kaum fertig, wenn ich auch die ganze Nacht aufbleibe. Außerdem kann ich nicht bei Hofe erscheinen. Ich besitze nur den alten blauen Rock, in dem Sie mich hier sehen." y
-Das hat Nicht« zu sagen," meinte der Gönner. Der Schnetder soll Dir gleich Maß nehmen und Dir ein Galla- kletd bl« morgen unfertigen, in dem Du Dich wirft sehen lassen können. Aber jetzt setze Dich und schreibe, damit wir mit Ehren vor dem König bestehn."
Der «Lhueider wurde gerufen und nahm Lorenz Maß U einem Kleide, welches auf Befehl des Generals reich mtt goldenen Treffen besetzt werden sollte. Gegen Abend war dasselbe bereits fertig Der Sekretär mußte es anpro- bireu, und weil er keinen Augenblick bei jeiuer Arbeit ver- Iteren durfte, zog er den Gallarock nicht mehr aus, sondern
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.-Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, A.-Rete- meyer in Berlin; Carl Schuß, ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
gflr in der Expedition zuetthettende Auskunftund9C,PaUene 3c,le 10
Berlin, 20. Jan. Die heutige „Ptov.-Cortesp." schreibt unter der Ueberschrift: „Die Civilehe und die Stol- gebühren" : Die Provinzialsynoden, welche in den nächsten Wochen zusammentreten, werden sich unter Anderem mit einer Fruge von der größten prkrischen Bedeutung für die äußeren Verhältnisse der evangelischen Kirche, mit der Frage wegen Aushebung der Stolgebühren zu beschäftigen haben. Dieselbe ist durch die Folgen Gesetzes über die Eivilehe, durch die Einwirkung deffelben auf die von den Stolgebühren aufkommenden Einnahmen der kirchlichen Beamten in den Vordergrund der Erwägungen getreten. Diese Einnahmen bilden in den östlichen Provinzen einen erheblichen Theil, öfter den Hauptbestandtheil der Besoldung, auf welche die kirchlichen Beamten für ihren Unterhalt an gewiesen sind. Wenn diese Einkünfte durch die Aenderung der StautSgefetze zunächst hinsichtlich der Gebühren für die bisherigen KirchenbuchSzeugniffe in Frage gestellt wurden, 0 war es unvermeidlich, daß hierdurch die Subsistenz der Kirchenbeamten in Gefahr gefetzt und damit auch die inneren kirchlichen Verhältnisse nach verschiedenen Richtungen hin ehr wesentlich geschädigt werden mußten. Die deshalb schon während der Berathung über die neue Gesetzgebung geltend gemachten Bedenken haben den Erfolg gehabt, daß in das Civilehegcsetz selbst gewisse Bestimmungen ausgenommen worden sind, welche sich mit der Fürsorge wegen der Folgen des Gesetzes in Bezug auf die kirchlichen Amts- Einnahmen beschäftigen. Inzwischen haben die Wirkungen der CivilftandSgejetzgebung in Bezug auf die Nachsuchung der kirchlichen Akte in der kurzen Frist, daß die neue Or ganisation in« Leben getreten ist, eine für Viele unerwartete Ausdehnung angenommen, und es ist dadurch die allgemeine Frage, ob die Stolgebühren nicht gänzlich aufzuheben feien, in den Vordergrund getreten.' Diese Frage war schon durch den im Civilstandsgesetze angenommenen Grundsatz der Gebührenfreiheit der wichtigsten standeSamt lichen Akte nahe gelegt. Wenn der staatlich nothwendige 1 Akt gebührenfrei wurde, daneben ober die rechtlich nicht 1
DieZBankgesetzvorlage wird vor Montag schwerlich zur Berathung im Plenum kommen, weil die Feststellung des Berichts sich verzögert und weil doch jedes Mitglied erst einigermaßen orienttrt fein mnß, waS bis zum Freitag nicht möglich ist.
Die „Provinzial Correfpondenz« bemerkt zu der Ver theidigung de« politischen Mordes, den die „Germania" in ihrer Wochenschau bringt: Dieses freche Hervortreten der Theorie de« politischen Mordes ist von größter Be beutung für bie sittliche Charakteristik ber ultramontanen Partei; — aber noch größer ist bie Bedeutung für die praktische Würdigung der Lehren und Grundsätze, welche der Masse des katholischen Volkes in den Zeitungen und Vereinen, aus welchen allein sie ihre geistige Nahrung erhalten, eingeprägt werden.
Ueber bie in Ausrüstung begriffenen Kriegsschiffe wird mitgetheilt, daß die Corvetten Louise und Victorie je 230 Köpfe, zusammen 460 Köpfe, die drei Kanonenboote je 64 Köpfe haben, die in Ausrüstung begriffenen Schiffe haben zusammen 652 Köpfe und 28 Kanonen. Außerdem sind noch die bei den Kanonenbooten Nautilus und Albatros mit 190 und die Corvette Augusta mit 230 Mann; bie Gejarnrntzahl ber für bie spanischen Gewässer bestimmten Kriegsschiffe beträgt demnach 3 Corvetten unb 5 Kanonenboote mit zusammen 46 Kanonen unb 1072 Mann.
Heben ben Conflict be« deutschen Generalkonsuls in Belgrad theilt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sol gende Aufklärung mit: Der Generalkonsul Rosen ist be redjtigt und verpflichtet, nach bem Alter seiner Ernennung zum Generalkonsul unter seinen Collegen in Belgrad zu tangiren, mögen diese den Titel eines „Politischen Agenten" führen ober nicht, denn biefer Titel, ben selbstverständlich lebe Regierung verleihen unb jede Regierung anerkennen : kann, ist für ben internationalen Rang der Vertreter gleich gültig. Al« biplomatischen Rang verleihend, kennt bas 1 Völkerrecht nämlich nur bie Würde unb ben Titel eines '
Botschafter«, eine« außerorbentlichen Gesandten und bevoll I mehr unumaänalicke kircklicke fSanbhmn ,
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-'»treten. Diese Versuchung durch Aufhebung der Stolge- buhren mit Einem Schlage au« dem Wege zu räumen I drängte sich dem Kirchenregimente von vornherein als eine 1 s° gebieterische Pflicht auf, daß nur die Unmöglichkeit mit einer so tiefgreifenden Maßregel allein von Seiten der , Kirchenregierung vorzugehen, unb die Nolhwendigkeit, für 1 den entstehenden, überaus bedeutenden Gesammtausfall an - den zur Subsistenz der Geistlichen unentbehrlichen Mitteln 1 vorher einen gesicherten Ersatz zu schaffen, davon zurück- halten konnte. Bet der Erwägung ber Frage, inwieweit bie Wirkungen der bürgerlichen Eheschließung und Standes- buchfuhrung im kirchlichen Interesse die Aushebung der Stolgebührenpflicht empfehlen, kommen zunächst allerdings die Tauftn und Trauungen, aber in gewiss, m Umfange auch die Beerdigungen in Betracht. Daß bei Eheschließungen unb Geburten feit Durchführung der neuen Gesetzgebung «ne erhebliche Zahl von Fällen hervorgetreten ist, in denen bte Trauung unb bie Taufe nicht begehrt worden, daß in großen Orten, und vor Allem in Berlin, diese Verabsäu- oiung der kirchlichen Akte eine erschreckende Ausdehnung angenommen hat ist zuverlässig bezeugt. Nun wird eS zwar bedenklich fein, au« den Erfahrungen der eisten Monate, in denen bie Neuheit ber- eingetretenen Orb- nungen Vielfältig das Unheil verwirrt, und namenilich d« M°fle de« Volke« das richtige Berständniß über bie Absicht ber staatlichen Gesetzgebung unb das Verhältniß ber bürgerlichen und kirchlichen Akte zu einander noch keineswegs durchdrungen ist, einen Schluß auf gleichmäßige 'Lbtt ^kunft zu ziehen. Indessen soviel st jebenfaa« nicht zu bezweifeln, daß auch künftig die Unterlassung der kirchlichen Handlungen, zunächst in den froßen Städten, aber auch in kleinen Orten und auf dem ^a»0o m beträchtlichem Umfange erwartet werden muß Daß hierbei die Verpflichtung, Gebühren für die kirchlichen Akte zu zahlen, zwar nicht die allein bestimmende, aber eine wesentlich mitbeftimmenbe Bedeutung hat, ist nicht zu ver- tennen. Denn wenn von entschiedener Feindschaft gegen die Kirche abgesehen wird, hinsichtlich deren die Gebühren- reihett ohne Einfluß ist, fo wird für alle diejenigen, welche nur mehr ober weniger gleichgültig gegen die Segnungen oer Kirche sich verhalten ober deren Unheil über bie Be- beutung der bürgerlichen Akte noch befangen unb unklar ift, namentlich in ben ärmeren Klaffen beö Volks, da« Bewußtsein, baß bas Begehren ber kirchlichen Handlung »och einen besonderen Kostenaufwanb mit sich bringt, leicht zu dein Entschluffe führen, die kirchliche Handlung 7u untertaffen ober, wie man zunächst meint, einstweilen zu verschieben. Nicht minder aber wird ins G-wicht fallen daß die bestehenbe Gedührenpfllcht ber seelsorgerischen Em^ »irfung auf biefem Felde bie erheblichste Hinderung be* rettet. Diese Einwirkung kann auch bei nicht Unvermögen:
»a warum treibt 6r benn nicht fort?« fragte biefer. uu vcll Ätlw lHl
-Zch erwarte, baß Eure Exzellenz mir biftiren wollen." I Erlauben Euer Majestät, baß
aem'ffiüJ ~ General mit grimmiger hat zwar nicht ba« Maß, ab« « weig Alles auf ein
SS' 61 $r"be" femL schreibe Haar. O, da« ist ein Kerl, an bem Euer Majestät Ihre
vr, ober Ihn soll gleich — Freube haben werd«.'
Ts«- in erschrockene Beamte griff sogleich »lebet zur Feber. Blankensee rühmte nun bem König bie Fähigkeiten L" ®Th "”»"*"*•* - L------ fd«« -<>-«!> Io I-»,. d-i Mf« m Ä rh.k7«,L
R l,würbe, einen solchen AuSbunb von Gelehrsamkeit unb