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!6r. 13

Marburg, Sonnabend, 16. Januar 1875.

X. Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: die Exveditton d. Blattes, sowie dre Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Cölnrc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a- M. rc.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expeditton d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.-JLgerssche Buchhandlung in Frankfurt a. M-; Jnvalidendank, A.-Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C- Schlotte in Bremen.

Bewegungen die

mixJi1 b r?t ei8entl*$ ,bie Hauptcauäle durch welch: der «dazu, die Verschändung der Männergestalt zu vollenden ® Kleidung geflossen ist. 'indem er sie von hinten einem Käserleib mit seinen Flüael-

Die Möglichkeit der Ofenrohrhosen wird nur verständ- decken täuschend ähnlich macht. Die Vorderansicht bat recht lebhaft vergegenwärtigt, daß das womöglich noch weniger Sinn. Da sind zwei Reiben Schönheit im wirklichen Leben seit der fran- Knöpfe, aber allerhöchstens von einer derselben kann mög-

»ösi Len Revolution uberbauvt aani hrrlnrpn a»aana-n tft _____

häßlichen Kleider auf's Empfind- sich aber nicht um kann mit mache

unserer Kleidung: die lange Hose (pantalon, im Gegen­sätze zu culotte) und der Cylinderhut, vulgo Cylaster, sind Erfindungen der Jakobiner, wurden sie ja doch nach der erstern alsSanscoluttes bezeichnet. Die Kopfbedeckung »ollen wir für diesmal an den Nagel hängen. Darin find wir schon etwa» freier geworden. Wir Kleinstädter wenigstens sind schon zu WodanS Schlapphut zurückge­kehrt und tragen die Angströhre bloS bei Leichenbegäng- nifien, um unser Fleisch zu kreuzigen. Nur der Groß städter ist noch immer dumm genug, beständig einen Thurm auf seinem Kopfe herumzuschleppen. Desto eingehender müssen wir unS mit den langen Hosen beschäftigen; denn

licherweise ein spärlicher Gebrauch gemacht werden. Da ist in breitem Umschläge die innere Seite nach außen ge­kehrt, zeigt aber, um dem Stylgefühl recht in'S Gesicht zu schlagen, daficlbe Zeug wie außen, ebenso der Umschlag deS Kragens. SuS der oberen Halsöffnung von Rock und Weste guckt ein papiersteifer, oft wirklich papierner Hemv- kragen hervor, desien schlimmste Seiten uns weiter unten noch beschäftigm werden. Um das Maaß des Lächerlichen voll zu machen, werden noch die Hände in bockledernc Futterale gesteckt eine Unsitte, die schon die allen Griechen an Persern und andern barbarischen Völkerschaften rügten

zöstschen Revolution überhaupt ganz verloren gegangen ist. Diese» Gefühl existirt nur noch in spärlichen Resten bei Betrachtung bildlicher Darstellungen, wo sich natürlich die beim Anschauen der Wirklichkeit heutzutage vorwiegenden GefichtSpunkte nicht geltend machen können. Wer sich von der Richtigkeit dieses Satze« überzeugen will, der führe einen Bildungsphilister durch eine malerische, aber enge mid schmutzige Straße einer unserer schönen alterthüm- lichen Städte. Er wird kalt vorübergehen. Zeigt man demselben Biedermann hierauf dieselbe Straße photogra- phirt, so wird er über die malerischen Effecte erstaunen

und vielleicht gar nicht merken, daß er soeben hindurchge­gangen ist.

Das Wortschön" in seiner Anwendung auf Gegen­stände des wirklichen Gebrauche», etwa auf ein Kleid, eine Zimmer-Einrichtung und dergleichen, hat beim civilisirenden Menschen der Gegenwart einen ganz anderen Sinn an genommen: es bedeutet nämlich so viel als reinlich, or­dentlich und haltbar, mit einem fürchterlichen Worte- elegant."

fassungsmäßigen Verhältnissen bedingt ist. Die augen- : blicklich herrschende Temperatur ist dem Monarchen nicht günstig und wollen die Aerzte nicht zugeben, daß derselbe sich den noch ungünstigen Einflüfien der Temperatur im Weißen Saale und der Schloßkapelle aussetzt. Au« diesem selbigen Grunde wird Fürst Bismarck, dessen Gesundheits­zustand nicht ganz befriedigend ist, die Eröffnungsrede nicht halten. Mithin soll, wie im vergangenen Jahre, der Vice- Präsident deS Staatsministeriums, Finanzminister Camp Hausen, die Thronrede verlesen. ES ist, um jedem parla. mentarischen Bedenken vorzubeugen, die Eröffnung deS Landtags auf 11 Uhr Vormittags festgesetzt, der, wie stets, auch dieses Jahr eine kirchliche Feier vorangehen wird. Heute Abend wird im Hotel deS Auswärtigen Amtes eine Ministettalsitzung stattfinden, welche sich in erster Reihe mit der Feststellung der Eröffnungsrede beschäftigen wird. Fürst Bismarck prästditt diese Sitzung. Gegenüber den ten­denziösen Nachrichten in Betreff deS Resultates der sogen. Bürgermeisterconferenz im Ministettum deS Innern wird mir aus unterrichteter Quelle angegeben, daß die Bespre chungen durchaus den projecirtten Plan, die Städtordnung zu ändern, um ein Bedeutendes gefördert haben. Man ist daher in Kreisen der höheren Verwaltungsbeamten voll­kommen zufrieden gestellt. Dem Bundesrath ist vom Reichskanzler ein Entwurf vorgelegt, welcher die Erweitc. rung der Umwallung Straßburgs beantragt. In den Motiven zu diesem Entwürfe wird hervorgehoben, daß bereits zu diesem Zwecke drei Millionen Mark aus den französischen Kriegskosten EntschädigungSgeldern festgesetzt worden find. Die Ausführung der Arbeiten in der Befestigung Straßburg« ist aber bis jetzt unterblieben, weil von der compctenlen Seite die Hinausschiebung der Umwallung Straßburgs als durchaus nothwendig erachtet ! ift. Es soll nun, nachdem alle Vorarbeiten beendet sind, 1 unttr Berücksichtigung der Wünsche der Bewohner Straß 1 burgS die Umwallung begonnen werden, zu deren Ausführung 1 werden über 20 Mill. Mark erforderlich. Die Deckung I der fehlenden 17 Mill, sollen durch Verkauf der durch die ! Hinausschiebung der Umwallung überflüssig werdenden militärischen Gebäude aufgelegt werden. Straßburg wird i diese Gebäude für 17. Mill ankaufen. - Man zollt im . Bundesrathkreise der beiden Commission große Anerkennung I für den großen Eifer, mit welchem sie sich der Arbeit unter- i ödgen hat. Wenn nun noch einzelne Differenzen zwischen i der Regierung und der Commission bestehen, so ist man I überzeugt, daß im Plenum des Reichstages dieselben aus- i

Es fehlte nur noch, daß man auch vor dem Gesichte eine Maske trüge, um die Demokratie der Häßlichkeit zu voll, enden. Um e« mit einem Worte zu sagen: unserer Klei­dung liegt vom Scheitel bis zur Zehe das absurde Pttnctp zu Grunde, daß der Schneider zur Hauptperson gemacht wird. Jede Falte oder Biegung ist durch Naht und Bügel­eisen unwiderruflich fest, während ein Kleid, das diesen Namen verdienen soll, erst von Dem, der eS trägt, in galten gelegt werden muß, die bei jeder Bewegung andere werden, die gleichsam zur Melodie der ~ harmonische Begleitung abgeben.

Tagesbericht.

Rach derN. A. Z." ist der StaatShauShalts-Etat für 1875, welcher dem Preußischen Landtage sosort nach feiner Eröffnung zugehen soll, bereit« von Er. Majestät dem Könige genehmigt morden.

Dem BundeSrath ist ein Gesetz Entwurf zugegangen, welcher den Reichskanzler ermächtigt, 17 Millionen Mark zur Erweiterung der Stadbefestigung Straßburgs zu verwen- den und zur Deckung der Baukosten die durch Hinausschiebung der Festungswerke entbehrlich werdenden und für die Reichsverwaltung nicht erforderlichen Grundstücke an die Stadt Straßburg für 17 Millionen Mark zu verkaufen.

Ueber die Anordnungen des Chefs der Admiralität bezüglich der Bereitstellung von Kriegsschiffen, welche der AffaireGustav" wegen ^möglicherweise in die spanischen Gewässer abgesandt werden, geht derWeser Zeitung" folgende Mittheilung von der Jademündung zu: S. M. CorvettenLuise" undVictoria" sind in die erste Re- serveclaffe gestellt und können somit binnen fünf Tagen nach Erlaß der JndienststellungSordre in See gehen. Zum Commandanten der ersteren ist Corvettenkapitän Zirzow, z. Z. Ausrüstungsdirektor in Wilhelmshaven, zum Com­mandanten derVictotta" Corvettenkapitän Dittmar destg ntrt. Beide Schiffe führen je 13 Geschütze (zu 17 Cen- timeter). S. M. CorvetteAugusta" (Kapl. v. d. Goltz) hat Befehl zur Rückkehr aus Westindien erhalten. Zu gleicher Zeit ist Befehl ergangen, drei der größeren Ka­nonenboote (30pferdige),Comet",Drache" undDel- phin," zur Indienststellung vorzubereiten.

DieDeutsche Allgemeine Correspondenz" meldet: UnS wird soeben telegraphisch mitgetheilt:

San tun her, 14. Januar. Heute Morgen 10 Uhr ist der Nautilu« von hier nach Guelatta abgesegelt, mit dem Auftrage Guetaria und Jarauz zu xecognosciren, sich aber jeder Feindseligkeit zu enthalten, ausgenommen wenn da« Kanonenboot von den Carlisten sollte beschoffen wer­den. Der Nautilu« wird dott auf der Rhede liegen bleiben und die übrigen deutschen Kriegsschiffe erwarten.

Und um will ich beweisen, daß die die wichtigsten physiologischen Funktionen lichste beeinträchtigen. Dabei handelt es einen bloßen Versuch, denn dieser Beweis malischer Strenge gefühlt werden.

Erstens hindert unsere Kleidung das Athmen, und zwar hängt dies mit dem ästhetischen Prinzip derselben zusammen. Da die Unterleibsgegend vom Oderkleid un­bedeckt bleibt, so müssen, damit Alles recht knapp sitzt, die langen, schweren, faltenlosen Ofenröhren durch Hosenträger stark hinaufgezogen werden. Dadurch kommt der mit einer Schnalle noch etwas festgezogene Hosengurt gerade auf die Gegend der unteren Rippen zu liegen. Besonders hoch steigt er beim Sitzen vorn hinauf, wenn bei der convexen Krümmung an der hinteren Seite von hier aus ein Zug am Hosenträger ausgcübt wird. Ganz an der­selben Gegend der unteren Rippen liegt aber nothwendig der enge Schluß der Weste, welcher auch durch eine -schnalle noch fester angezogen wird, wenn Alleshübsch Mjp- .f't&en soll. Nun besteht aber bekanntlich der MechamsmuS der Athmung darin, daß bei der Einath- mung durch Muskelarbeit der Umfang des Brustkastens vergrößert wird, und beim männlichen Geschlechte ist es gerade die Gegend der unteren Rippen, wo die größte Zunahme des Brustumfanges statlfinden kann. Der eng anschließende Hosen - und Westengürtel wirkt also den Einathmungsmuskeln gerade da entgegen, wo sie ihre größte Wirksamkeit entfalten sollten. ES ist wahrhaf

- geglichen werden würden. Seit dem letzten allgemeinen Telegraphen-Congreß hat sich vielfach das Bedürfniß heraus­gestellt, weitere Vereinbarungen zwischen den verschiedenen Telegraphenverwaltungen zu treffen; eS ist deshalb auch für dieses Jahr, etwa im Monat Mai oder Juni ein Congreß in Aussicht genommen. Die Vorschläge für den- selben muffen der Russischen Telegraphenverwaltung, da der Congreß in Petersburg stattfinten wird, eingereicht werden. Die Gesellschaften submariner Kabeln beobsichtiegn zu be­antragen, die Größe einer Depesche nicht mehr nach Worten sondern nach Buchstaben zu bestimmen, weil mit der Bildung und Zusammenziehung von Worten oft in kaum glaublicher Weise verfahren wird, wodurch die Zahl der Worte eine bedeutende Verminderung, die Arbeit deS Telegraphirens aber eine große Ausdehnung erhält. Die deutsche Tete- graphenverwaliung ist ebenfalls beschäftigt, ihre Lorsch läge zu formuliren. Den Vorsitz dieses Congreffes führt die Telegraphen-Verwaltung in Petersburg.

Darmstadt, 13. Jan. DasRegierungsblatt" ent­hält das Gesetz über daö Civilbiener-Wittweninstitut wo­nach die im Art. 11 des Gesetzes vom 22. Januar 1861 normirten Pensionen der Wittwen. und Waisen um ein Dattel erhöht und gleichzeitig in der Markwährung auS- gedruckl sind, und zwar mit der Wirkung vom 1. Januar 1873 ab. Ferner das Gesetz über die Theilnahme der Civtlbearntkn an Erwerbs-Genossenschaften nach Analogie des Reichsbearnten- und bezw. des preußischen Gesetzes gleichen Betreffs. v

Stuttgart, 14. Jan. Bei der heutigen Urtheils- verkundigung im Prozesse F. W. Brauer gegen sieben der verleumderischen Beleivigung Angeschuloigte wurden rm derselben unter dem Hinweis, daß nicht erwiesen stt daß sie daS Gerücht im Sinne des Gesetzes verbreitet hätten die übrigen fünf unter dem Hinweis, daß es nicht wider besseres Wissen gesprochen, somit mtliche Ängeschuldiate freigesprochen und die klägerische Firma in die Kosten der Bertheldigung verurtheilt.

München, 12. Jan. Die Befürchtung, e» möchten nach Einführung des neuen MünzsystemS in der weitaus größeren Anzahl der deutschen Bundesstaaten die noch beim alten verbleibenden von mehr oder minder schlechter, nach Jahresfrist außer Cours zu setzender Scheidemünze überschwemmt werden, ist, wie man von allen Geschäfts­akten hören kann, keine unbegründete gewesen. Schon nach Ablauf der ersten Woche macht sich das in bedenk-

Mit der Bekleidung der Beine wetteifert in der Ge­schmacklosigkeit die Bekleidung de« Rumpfe«. Da« Haupt­stück wäre wohl dem Ursprünge nach die Weste, als die unmittelbare Umhüllung der Brust. Es ist aber zu einem charakteristischen Curiosum zusammengeschrumpft. Hinten nämlich, wo man nicht« sieht, besteht es au« Calikot, nur! vorne sind ein paar Läppchen anständigen Tuches zur Schau gestellt. Ein ganz räthselhaftes Ding ist der Rock respective der Frack. Leider bin ich in der Geschichte der CostümeS zu wenig bewonbert, um die historische Entstehung dieses Gräuels ganz zu durchschauen. Man kann etwa vermuthen, daß er ein verkümmerter, mit Aermeln ver ehener Ueberwurf ist, wie er im sechszehnten Jahrhundert getragen ward. So wie er jetzt geworden ist, dient et

Deutsches Reich.

Berit«, 14. Jan. Die Eröffnung des Landtages wird, wenn Se. Majestät nicht noch im letzten Augenblick andere Dispositionen trifft, wie ich gestern schon andeutete, nicht durch den König erfolgen. Die diesmalige Session, wenn sie auch wichtige Aufgaben, zu erledigen haben wird, ist doch eine gewöhnliche insofern, als sie unter den ver-

Pla«»ereien eines Physiologen über die Mänuerkleiduag.

ES ist gewiß nicht zu viel behauptet, wenn man sagt: Die gegenwärtig in der ganzen sogenannten civilistrten Welt getragene Männerkleidung ist ein Monstrum, woran die ästhetische, physiologische und ökonomische Abgeschmackt­heit miteinander wetteifern. Sollte die Bevölkerung Eu­ropa« au« der Geschmack» Lethargie, in welche sie mit der französischen Revolution versunken ist, einmal wieder er­wachen, so würde man glauben, daß unsere Männertracht im Tollhause erfunden worben ist. Das ist auch eigent lich historisch richtig, denn die beiden allerdümmsten Stücke