Vr. 12
Marburg, Freitag, 15. Januar 1875.
X. ZahrgWg.
ilung
zahirelche emhelmrsche, auch ferngerrebeneS Roggenbrod und I die nicht selten zu früh heimkehrenden Zugvögel, weil sie gekochte Kartoffeln sehr begierig annehmen. Zweckmäßig f einerseits bet rauher Witterung oft zahlreich zu Grunde
ist eS fodann auch, allerlei feingchackte Fleischabgänge ou$ der Küche, von denm alle Körnerfresser, namentlich aber auch die Wurmvögel, angelockt werden, auf dem Futter platz auSzustreuen. Zur Erhaltung hin gebliebener zarter Kerbthiersresscr sollte man die Kosten nicht scheuen, ihnen auch alltäglich eine Hand voll Mehlwürmer, trockener Ameisenpuppen und Flieder- oder Hollunderbeercn zu spenden. Für Drosseln, Dompfaffen und verwandte Vögel streut man auch trockene Wachholder- und, falls man sie aufbewahrt hat, Vogelbeeren darunter aus.
Die Kosten aller dieser Vogelfütterungen sind, namentlich wenn Vogelfreunde und Liebhaber fie selber besorgen, so verhältnißmägig gering, daß ste einerseits mit dem Nutz n der Vögel in gar keinem Verhältniß stehen und andererseits durch das gute Bewußtsein reichlich aufge-
Auch bei solcher zweckmäßigen Einrichtung und Fütterung wird man dennoch zuweilen die Erfahrung machen müssen, daß die Futterplätze wenig oder gar nicht besucht werden, trotz des hohen Schnees und der großen Kälte Ein vortreffliches Hülfsmittel für diesen Fall ist eS, daß man die Futterplätze einige Fuß hoch, aber ganz lose, mit dürrem Reisig bedeckt, wodurch die Vögel einigermaßen Schutz gegen Wind und Kälte, hauptsächlich aber gegen die sie verfolgenden Raubvögel'finden. Man wird daher gut daran thun, nicht allein den eigentlichen Futter platz in dieser Weise lose zu überdecken, sondern auch in seiner Nähe einen großen Haufen von dürrem Str-mch- werk recht lose aufzuthürmen. Ein Gleiche« ist neben jeder Quelle nothwendig, welche zur Tränke für viele Vögel dient und nicht von Gebüsch umgeben ist. Daß man die Futterplätze sorgfältig beobachten und Katzen und gestiertes Raubgesindel möglichst vertreiben, sowie Vogelfänger möglichst fernhalten muß, ist selbstverständlich.
Am allernothwendigsten ist die Fürsorge aber für
J gehen, und weil fie andererseits brkanntiich zu den für den Naturhaushalt gerade unentbehrlichen gehören. Sobald im eintretenden Frühjahr, al,o etwa von der Mitte oder dem Ende des Februar an, noch Frost und Schneeschauer sich einstellen und andauern, so versieht man die gewöhnlichen Futterplätze vorzugsweise mit feingchackten Fleisch- abgängen, vermischt mit geriebener Semmel, Ameisenpuppen und Mehlwürmern, getrockneten Hollunder Beeren, Mohnsamen und zerdrückten gekochten Kartoffeln. Hier finden sich dann allmählich Bachstelzen, Rothkehlchen, Staare auch Edelfinken und andere neben den Meisen u. s. bl ein. Auf den Feldern aber läßt man für die Heimkehren' den Feldlerchen hier und da einen Haufen von trockenem Dung hinfahren, kehrt daneben den Schnee fort und bestreut die Stelle dünn mit Haferstroh oder besser ungedroschenem Hafer und dem gemilchten Vogelfutter, dem man aber möglichst viel Mohnsamen zusetzi.
Wenn auf den Futteiplätzen sich krähenartige Vögel einfinden, so wolle man dieselben, mit Ausnahme der Elster und deS großen Kolkraben, ebenfalls als des Schutze« würdig erachten; nur wo man mit Mehlwürmern und dergleichen füttert, dulde mau sie nicht. Die anderen Vögel fressen neben oder nach ihnen ungestört, und auch sie verdienen die Fütterung, ja eben so ihrer Nü.lichkeit für den Naturhaushalt wegen als aus Mitleid mit ihrer Noth. *
nisse beschäftigt unsere politischen Kreise sehr lebhaft. Die ' jetzige Lage kann nicht andauern, da schon jetzt der Präsi - dent der Republik kein lebensfähiges, wenn auch nur präsen- . tableS Ministerium zusammenstellen kann. Man ist vor- i bereitet, daß erst wichtige thatsächliche Verhältnisse zu einer Neugestaltung und Consolidation führen können. Allen i Nachrichten aus Paris sieht man mit großer Spannung i entgegen.
Hirschberg, 12. Jan., Der frühere Kameraldirektor des Grafen Schaffgoifch, von Bergen in Warmbhunn, ist wegen wiederholter Unterschlagung ihm amtlich anvertrauter Gelder zu zwei Jahren Gefängniß und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurtheilt worden.
KariSuhe, 12. Jan. Die Strafkammer des Kreis- gerichis Qffenburg, welche zu den wenigen Gerichten gehörte, die eine abweichende Auffassung in der Angelegenheit der Neupriester geltend gemacht und auf Grund einer vermeintlichen Lücke des Kirchengefetzc« vom 19. Februar 1874 freigesprochen hatten, hat gestern (mohl in Folge des die Einheit der Rechtsprechung herstellenden Erkenntnisses des OberhofgerichtS vom 7. d. M.) zwei Neupriester, den einen zu 200, den anderen zu 100 M. wegen unbe- fugler Ausübung kirchlicher Functionen verurtheilt. — Der nach Heidelberg an die Professor der Mathematik berufene Professor Fuchs in Göttingen ist gleichzeitig zum Mitdirektor des mathematisch-physikalischen Seminars ernannt worden. Als Na^folger deS nach Berlin gehenden Geh. Raths Dr. Kirchhoff wird Professur Quincke aus Würzburg schon zum nächsten Sommersemester nach Heidelberg kommen. Ministerial-Präsident Geh. Rath v. Frey- dorf wird sich morgen wieder auf einige Zeit zu den BundeSrathS-Sitzungen nach Berlin begeben.
Ul«, 5. Jan. Mit dem Eintritt des Jahreswechsels ist auch di« schon längst beabsichiigte Umgestaltung der Festung Ulm ins Leben zu getreten. Die bisherigen beide Theile Neuulm (bairisch) und Altulm (württembergisch) ind als solche verschwunden und zu einer gemeinsamen Reichsfestung vereinigt worden. Der Kaiser ernennt den Gouverneur und der König von Baiern den Kommandanten der Festung.
München, 11. Januar. Das bekannte „Bayerische Vaterland" hat in seinem Kampfe gegen das Deutsche Reich unerwartet einen seltsamen Bundesgenossen gefunden — den Kaiser Karl, der mit seinen Rittern im UnterS- berg bei Reichenhall Hausen und stch in der letzten Neu- ahrSnacht durch großen Lärm im Innern deS Berges bemerkbar gemacht haben soll. „Es soll schrecklich zuge- gangen sein," schreibt daS genannte Blatt mit einem verständlichen Nebenblick auf Preußen, „das Schießen ist wie in einer wirklichen großen Schlacht gewesen; es schien, als wolle der Berg bersten und der alte Kaiser Karl seinen Austritt halten, um der bedrängten Christenheit seine Hülfe zu bringen gegen ihre Feinde, wie eS in der alten Sage vom Untersberg und dem Birnbaum auf der Walserhaide
Kogelfuttcrung im Wmtrr.
Ein Vogelfutteipiatz darf keineswegs an der ersten besten Stelle, etwa gar an einem, Störungen durch Menschen oder durch Raubthiere ausgesetzten oder den Vögeln aus anderen Ursachen widerwärtigen Ort angelegt werden, man wählt für ihn vielmehr einen von den Vögeln auch zu anderer Jahreszeit zahlreich besuchten Garten, eine gegen die rauhen Nord- und Ostwinde geschützte, also nach Mittag hin gelegene Abdachung eines Hügels, in der Nähe nneS Weges oder einer Quelle. Hier kehrt man den Schnee bis auf die bloße Erde fort und bestreut die ganze Fläche, etwa 2—6 Meter im Viereck, mit Spreu und Stubenkchricht. Darüber streut man stellenweise Pferdemist und füttert nun an dieser Stelle, welche nach jedem Schneefall wieder gesäubert werden muß, mit dem weiterain angegebenen Futter. Hier finden sich nun als die ersten Gäste Sperlinge, Goldammern und Haubenlerchen ein. Um aber Meisen anzulocken, bedarf eS außer der entsprechenden Nahrung auch noch eines Kunstgriffs. Dieser besteht darin, daß man rohe, also ungekochte Knochen gleichviel von welchen Schlachtthieren, vermittelst eines Beiles ein bis zwei Mal durchschlägt, so daß die Vögel zu dem Mark gelangen können und diese Knochen dann über den ganzen Futterplatz vertheilt.
Da« auszustreuende Futter muß in mannigfaltigen Sämereien, Hanf, Hafer, Rübsamen, Lein, Mohn u. s. w. bestehen. Bald wird man aber dir Erfahrung machen, i daß viele Vögel, selbst die sonst mit dem Menschen gar i nicht in Berührung kommenden nordischen Gäste, aber auch
Deutsches «etch.
*• Berlin, 13. Jan. Die heutige „Prov. Corresp." bespricht zunächst in ihrem leitenden Artikel daS Zusam- . mentagen deS Reichstags und des Landtags, die späte Berufung des Landtags, welche übrigens den Bestimmungen der Verfassung genüge, habe mit Rücksicht auf die Roth Wendigkeit einer vorgängigen ReichStagSsesston schon im
1 BorauS festgestanden. Das Zusammentagen der beiden 1 parlamentarischen Körperschaften werde sich hoffentlich nur auf kurze Zeit erstrecken. DaS halbamtliche Organ ent- hielt keine nähere Notiz, ob die Eröffnung des Landtags durch Sc. Majestät in Person erfolgen werde; eS scheint demnach noch nichts festzustehcn. Dem Landtag werde sogleich bei seinem Zusammentritt außer dem StaatshauS- haltSetat noch eine Reihe anderer wichtiger Vorlagen zugehen. Die Regierung beabsichtigt in der nächsten Session nur die Gesetzentwürfe vorzulegen, welche zur Vollendung der auf Grund der KreiSordnung begonnene Organisations- Reform nothwendig sind, wie die Provinzialordnung, der DotationSfond und die Reform der Verwaltungsgerichte. Es wird von dem Verlaufe der Verhandlungen und der Länge der Zeit abhängen, ob noch weitere Vorlagen eingebracht werden. DaS halbamtliche Blatt bringt ferner einen Auszug aus der Anklageschrift gegen den jetzt abgesetzten Bischof von Paderborn und füllt damit eine Lücke aus, da bis jetzt die Preffe bei dem großen Umfange der Anklageschrift noch keinen geeigneten Auszug gegeben hat und doch bei der großen Wichtigkeit der Angelegenheit eine möglichst genaue Information deS Publikums wün- schenSwerth ist. Endlich spricht die „Prov. - Corr." über den Zwischenfall bei Guettaria. Die deutsche Regierung hat zunächst genaue Untersuchung deS Sachverhalts vornehmen lassen und erst dann die Absendung des „Albatros" und „Nautilus" beschloffen. Die Verhöhnung des Völkerrecht» ist im vorliegenden Falle noch entschiedener al« bei der Erschießung des Hauptmann Schmidt. Dem Letzteren gegenüber wurde, wenn auch nur zum Schein und Vorwand ein angeblich kriegsrechtliches Verfahren vorgeschützt, während sich die Carlisten jetzt über jede Achtung völkerrechtlichen Brauchs Hinwegsetzen. „Die Regierung hat, so schreibt das halbamtliche Blatt, der Angelegenheit vom ersten Augenblicke die ernsteste Beachtung gewidmet und die erforderlichen Einleitungen getroffen, um volle Genugthuung sowohl für die deutsche Flagge wie auch Entschädigung für den beraubten Rheder zu erlangen. Sie darf hoffen, daß die jüngste Wendung der Dinge in Spanien die Erreichung dieses Ziels erleichtern werde." Daß das Blatt noch keine bestimmte Nachricht über die Anerkennung Alfons XIL , bringt, ist nach dem Stadium, in welchem sich die Vcr- s »ältuisse befinden, selbstverständlich. Sollten die Dinge in i ihrem bisherigen Laufe fortgehen, so dürfte dieselbe nicht i zweifelhaft sein. Die Bestätigung der neuen RegierungS- ' orm durch die CorteS wird nicht al» Bedingung betrachtet t werden. — Die Entwickelung der französischen Verhält i
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M-: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A-.Rete- meyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Anzeigen nimmt entgegen: die E)chedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfutt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfutt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Moss» in Berlin, Frankfurt a- M. rc.
zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet. $ $
luf daS erste Quartal 1875 werden noch fort- O* während Bestellungen bei allen Postanstalten und bei der Expedition angenommen.
Lage-bertcht.
Unser Kaiser hat — so schreibt die „Prov.-Corr." — in dieser, wie in der vorigen Woche seine Beachtung vorzugsweise den Vorarbeiten für die bevorstehende Landtags- sejston und der Prüfung der zur Allerhöchsten Genehmigung und Vollziehung vorgelegten wichtigen Gesetzentwürfe ge widmet und die Vorträge der einzelnen Minister über dieselben entgegengenommen.
Einige Blätter verbreite» die Nachricht, daß die Feststellung deS Staatshaushalts von Seiten des Staatsmi- nisteriumS im Laufe dieser Woche erfolgen werde, und sprechen die Besorgniß aus, daß die Vorlage desselben sich verzögere und dem Landtage daher nicht Gelegenheit gegeben werde, stch sofort mit dem so wichtigen Gegenstände vertraut zu machen. Diese Darstellung ist durchaus irrig; die Feststellung deS Etats hat bereits in voriger Woche stattgefunden und hat derselbe auch schon die Genehmigung de« König« erhalten, so daß die Vorlage sofort nach der Constituirung deS Landtage« erfolgen kann.
An den Berathungen, die im Ministerium des Innern über den Entwurf einer Städteordnung gepflogen worden sind, haben folgende Bürgermeister thcilgenvmmen: Hobrechl (Berlin), Beyer (Potsdam), Forckcnbcck (Breslau), von Winter (Danzig), Hesselbach (Magdeburg), Burfchcr (Stettin) und Kohleis (Pofen). Wenn in einigen Blättern behauptet wird, der Entwurf habe eine so wenig günstige Aufnahme gefunden, daß die Vorlage desselben wohl als vertagt anzujehen fei, so ist darauf hinzuweisen, daß die Berathungen überhaupt noch nicht beendet sind, indem noch eine Sitzung stattfinden wird, und daß es von vornhereitt zweifelhaft war, ob die Regierung den Entwurf sofort zur Vorlage beim Landtage bringen wird.
Die Arbeiten der Bankkommisston haben, wie bereit« erwähnt, einen erfreulichen Fortschritt genommen. Wenn auch die Majorität eine äußerst schwankende war, so ist die erste Lesung doch bereit« beendet und die Aussicht vor Hande», daß die Vorlage mit dem Beginne der nächsten Woche im Plenum zur Berathung kommen wird.
Der Oberprästdent von Elsaß-Lothringen, von Möller, beabsichtigt nach der „S. H. Ztg." aus seiner Stellung zu scheiden, die Eine» behaupten wegen geschwächter Gesund- heitSverhältnisse, die Andern führen politische Meinung» Verschiedenheiten mit dem Reichskanzler als Grund an.
Der Premierminister von Lippe-Detmold, ehemaliger i preußischer Landrath von Flottwell, hat von seinem aller I gnädigsten Fürsten unter Versicherung landesherrlicher Huld I in Gnaden seine Entlassung erhalten. Der Fürst von i Lippe — so verlautet — sieht sich zur Besetzung der Va ( canz nach einem benachbarten strammeren Lanvrath aus der alten preußischen Schule um.