ffr. 11.
Marburg, Donnerstag, 14. Januar 1875.
X. Jahrgang.
Anzeigen nimmt entgegen: feie Expedition fe. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein fc Bögler in Frankfurt a. M-, Berlm, Leip- zig, Eöln rc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a- M. rc.
([‘'brrlirllifdir Inliuig.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expeditton d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M; Jnvalidendank, Ä. Rete- rneyer in Berlin; Carl L-chüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erschein tfiglidb au^et den ^Bethagen nach Sonn-und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonntaasblatt" durch die Ervedition (ff n Buchdrucker-,) bezogen Mark, durch d.e Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark ÖV Pfg. (excl. Bestellgebüh^-'Trtionlgeblhr für die gesJene Zelle 1« P a
Für tn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 ®fa. berechnet. "
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Ihm folgte alsbald die alte Pitag. Die Rolle eines Gespenstes war ihr schlecht bekomme«. Die Aufregung oder auch eine Erkältung, welche sie sich dabei zugezogen, warf fie in ein hitziges Fieber, dem ste «ach wenigen Tagen erlag. Zu ihrem Glück, denn sie würde standrechtlia erschoflen worden sein, nachdem die Preußen eine sorgfältige Untersuchung angestellt und den ganzen säubern Plan >e- Hauptmanns und seiner Helfen« entdeckt hatten. Die kequisiten zu ihrer Vermummung, namentlich auch die TodtenmaSke hatte die Pitag übrigens dem Schuppen entnommen, in welchem wir ste kurz vorher verschwinden sahen, nachdem st« am Fenster des Gartenhauses die Unter-
Peter Wenk war nun der Held de« Tages. Der feinen Spürnase und unverdrossenen Wachsamkeit des Marketenders verdankten die Preußen in Schloß Lombey die Erhaltung ihres Lebens und die Sicherung ihrer Position. Er wurde dafür auch vom Stabsquartier belobt und belohnt.
Äuf das erste Quartal 1875 werden noch fort- a* während Bestellungen bei allen Postanstalten und bei der Expedition angenommen.
Tagesbericht.
Dem Reichstag wird in dieser Woche noch die bereits vom Bundesrath erledigte Vorlage über die Erwerbung des Radziwill'schen Grundstücks vorgelegt zu werden.
ES soll eine gemischte Commission aus Mitgliedern deS BundeSratheS und deS Reichstages eine Enquete über die Eisenbahntarifreform anstellen. Dieselbe soll daS Recht haben, zu ihrer Ergänzung Sachverständige aus dem Kreise der Landwirthschaft, deS Handels, der Industrie und der Eisenbahnverwaltungen hinzuzuziehen.
Die Bankkommission wird in ihrer Sitzung am 12. d. die erste Lesung deS Gesetzes beenden und hofft, bis zum Schluß der Woche mit ihrer Arbeit fertig zu sein, so daß am 21. d. MtS. die Plenarberathung beginnen könnte.
ES verlautet, daß im Reichskanzleramt ein wesentlicher Umschwung über die Bankfrage stattgefunden hat. In den Kreisen der Börse wird dieses Ereigniß mit großer Freude ausgenommen, da die erste Vorlage nicht unwesentliche Bedenken erregte; man hofft, daß auch andere Bestimmungen, die noch in der Vorlage geblieben stnd, vom Plenum amendirt werden, damit nicht eine zu große Verkehr«- beschränkung eintrete.
Die von verschiedenen Seiten behaupteten persönlichen Differenzen zwischen dem preußischen Finanzminister und dem Präsidenten der Preußischen Bank sind vollständig erfunden; vielmehr betrifft die Differenz der beiden Herrn lediglich eine verschiedene Auffaffung über die Einrichtung der Reichsbank.
Die Wahl der Mitglieder der parlamentarischen Zwi- schencommission für die Justizgesetze wird in den Abthei- lungen deS Reichstages erfolgen. — Der Gesetzentwurf, betreffend die Erwerbung der beiden Radziwillschen Grundstücke für das Reich, ist dem Reichstage in dieser Woche torgelegt.
Es liegt das achte Verzeichniß der bei dem Reichs tage eingegangenen Petitionen vor. Eine größere Anzahl (41) bezieht sich auf daS Bankgesetz (davon gehen 32 von städtischen Behörden aus, welche den Antrag abzulehnen bitten, daß die Reichsbank und ihre Filialen frei von Kommunalsteuer fein sollen). — Eine neue Kategorie von Petittonen wünscht, daß bei den bestehenden Maßnahmen zur Ausgleichung de» Telegraphen-DeficitS keine ausschließliche Mehrbelastung deS LoealverkehrS eintrete. — Die hygienische Sektion der 47. Versammlung deutscher Natur i forscher und Aerzte empfiehlt die gesetzliche Einführung , einet allgemeinen Leichenschau für das Deutsche Reich, i Eine generelle Vorschrift anderer Art und für die Leben- ।
sächsischen Gesandten und deS päpstlichen Nuntius wird dann auch gelöst werden, indem der König sowohl H v. Fasri als Msgr. Bianchi in besonderer Audienz enpfangen wird. ES mag vielleicht auch außerhalb Baiern für Manche von Interesse sein, über den Stand der Lehrerbildungsanstalten in Baiern offizielle Angaben zu erhalten. Nach amtlicher Zusammenstellung besitzt Baiern z. Z. 6 katholische-, 3 protestantische-, und 1 Simultan-Seminar (letzteres in Bamberg). Au denselben wirken 99 Lehrkräfte. Die Zahl der Seminaristen betrug 1864, 65 646 und stieg auf 845 im Jahre 1868/69, sank aber wieder auf 724 im Jahre 1873/74 herab. In Würzburg besteht ein israe- lilische« Lehrerseminar; in München und Memmingen sind seit einigen Jahren Lehrerinnenseminare gegründet. In Aschaffenburg wird demnächst eint höhere weibliche Bil- dungSanstalt, umfaffend eine höhere Töchter- und zugleich Präparandenschule, und hieran sich anschließend ein Seminar inS Leben gerufen. Präparandenschulen bestehen 35 nämlich 23 katholische, 11 protestantische, 1 Simultanschule, letztere in Neiden. Im November 1873 waren diese Anstalten von 1350 Schülern besucht. Die Zahl der Präparande« betrug im Jahre 1867/68 1577 und sank 1871/72 auf 1308 herab. An diesen Schulen wirken im Ganzen 177 Lehrkräfte. — Der Auditor der hiesigen päpstlichen Nuntiatur, Abb« Taliani, ist zur Nuniiatur in Paris versetzt und vorgestern dahin abgereist; sein Nachfolger dahier ist der Abate Luccandi, der früher, unter dem Nuntius Gizi, Sekretär der hiesigen Nuntiatur war. — Nach einstimmigem Beschluß des Curatoriums über die Verleihung der „Liebig-Medaille" ist dieselbe für das Jahr 1874 dem Gutsbesitzer Max Grafen von Seilern in Mü- hann, der sich um die Einführung der Liebig'schen Ideen in die land irthschastliche Praxis hervorragend verdient machte, verliehen worden. — Der Senat der Universität Würzburg hat das Gesuch der dortigen Altkatholiken um Mitbenutzung der UniversitätSkirche genehmigt. — Der hiesige Katholiken-Berein „Concordia" veranstaltet eine Serie populär-wiffenschaftlicher Vorträge, mit deren Aufzählung, wie z. B. über Judenthum, religiöse Orden, hl. Cäcilia, neueste Weltschmerzphilosophie rc. ich sie nicht behelligen will, sondern nur eine möchte ich auS der Reihe besonders herausheben, nämlich über „Louise Lateau" von Dr. Ant. Westermayer, geistl. Rath und ReichStagsabge- ordneter; der Herr geistliche Rath hat nämlich anläßlich einer Reise nach Berlin zu den Reichstagssitzungen bei der berühmten Lateau einen Besuch gemacht.
Würzburg, 9. Jan. Zu der an hiesiger Hochschule tattfindenden medizinischen Staatsprüfung haben sich ca. 100 Kandidaten angemeldet. — Der Senat der hiesigen Universität hat, der Bitte der Altkatholiken dahier ent; prechend, mit Stimmenmehrheit beschlossen, die Neubau- Kirche, w lche der Universität gehört, den Alikatholiken zum
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Milte de« früheren Schloßbesitzers hatte zu ihrem Vergnügen oft Theaterstücke aufgeiuhrt. Alles, was sie dabei gebraucht, war auf Befehl des Hauptmanns als Trödel in jenen Schuppen geworfen worden.
Er zog später mit vor Paris und machte sehr gute und einträgliche Geschäfte. Mit einem elenden Einspänner war er in Feindesland gezogen. Nach dem Waffen,till- stand kutjchirte er zweispännig nach Metz und von da nach Schloß Lombay zurück. Zu seiner unaussprechrichtten Freude fand er dort Annetten wieder. Sie war den FranctireurS, welche ste bei dem Uebersall auS dem Gartenhause hinweggeführt hatten, später glücklich entwischt.
Peter Wenk zögerte nicht, die wiedergefundene Geliebte vollständig in Form Rechtens zu annectiren. Das junge Paar siedelte sich in Lothringen an und bildete nun einen
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Der Markrtettfeer.
Erzählung von Hermann Kleinsteuber.
(Schluß.)
Die bleibt stumm. Ihre gespenstigen Flügel bewegen fich, wie von einer unsichtbaren Kraft.
„Na, mach nur keine Umstände! Zieh Dein Btttlaken ab, sonst werden wir Dich mit den Bayonneten ein Bischen kitzeln," ruft ein anderer Füsilier, ergreift feig Gewehr und richtet die Spitze deS BayonnetS auf die Erscheinung.
Diese verharrt aber ruhig in ihrer Stellung.
«Na, wirdS bald ?* . . . fährt der Füsilier ungeduldig fort, hakt mit dem Bayonnet an die Gewandung des Ge spensteS und zerrt wacker daran herum. Da kommen ein Paar Füße zum Vorschein. Ein anderer Füsilier greift nun mit den Händm zu, wickelt die Erscheinung aus dem Laken heraus und nimmt ihr die TodtenmaSke vom Rumpf. Die Füstliere bilden nun alle einen engen Kreis um die entpuppte Gestalt und schauen ihr neugierig in» Gesicht. Wer steht vor ihnen? ... Die alte Pitag!
,Na, siehst Du, wie Du bist!" lachte Heinrich Wenk und drehte die alte widerstrebende Hexe im Kreise herum.
„Also hier liegt etwas verborgen, was wir nicht totff en sollen! Darum diese Vermummung! Du wolltest unö bei der Arbeit stören. Du dachtest wir würden vor Dir ReißauS nehmen. Na, Du sollst unS schon Red' und Antwott stehen. Wir find nicht so abergläubisch, wie das dumme französische Landvolk. Da bist Du an die Unrechten gekommen."
Während die Aufmerksamkeit der Füstliere auf die alte Pitag gerichtet ist, poltert und kollert eS plötzlich hinter ihnen in oder neben dem aufgegrabrnen Loche. Mit einem
mächtigen Satze springt ein Mann heraus und flieht in. Haltung Peters und HeinnchS belauscht hatte. Die Faden Park hinein. — „Halt! Still gestanden!" ruft ihm v * £-Ät— '•< - -..... -
Heinrich Wenk nach, der sein Gewehr noch in der Linken hält. Da der Flüchtling nicht steht, legt der flinke Bursche auf ihn an — ein Blitz, rin Krach — und mit einem Schmerzensausruf sinkt der Flüchtling zu Boden.
„Das ist ja eine reine Fuchsjagd !" bemerkte einer der Füsiliere und eilte zu dem tödtlich Getroffenen hin.
ES war der Herr von Segur, der sich aus dem unterirdischen Gange noch zu retten gehofft hatte, während die Soldaten mit der Pitag beschäftigt waren. In feinem Versteck, das er der Verabredung gemäß in dieser Mitternacht wieder verlaffen wollte, war er durch den eben ge schilderten Auftritt und durch sdaS Abtragen deS HügeiS aufgeschreckt worden. Vielleicht hätte er noch im letzten Moment den Sprengapparat angezündet und unter den Trümmern des Schlosses sich seibst nebst den Leichen seiner Jnsaffen begraben, wenn er nicht noch gehofft, daß ihm die Flucht gelingen werde, die nun Heinrich Wenk durch seine Gewandtheit vereitelt hatte. So büßte der Frevler feinen heimtückischen Anschlag mit dem Tode.
zwar verschwindend kleinen, ober äußerst gesunden Kern zu Dem allgemeinen Germanifirungsprozeß, dem das neue Reichsland Elsaß Lothringen unaufhalisam entgegen geht.
Die Fittsch»ji«zerei an feer Sieg «bö in feer Prsfeinz Nassau.
Jrn November v. I. wurden zwei seither in Olpe wohnhaft gewesene Bergarbeiter verhaftet, weil sie falsche preußische 25 Thaler Banknoten verbreitet hatten. In ihrer ersten Vernehmung leugneten sie, aber die Widersprüche, in welche fie sich vnwickelt, noch mehr aber die gefunbentn
- den strebt Frau Radenhaufen in Altona an; sie petitionirt . um Verleihung deS allgemeinen und direkten Wahlrechts an die Personen deS weiblichen Geschlechts. Andererseits bittet Louis Spiegel zu Southampton den Reichstag, ein
’ Ausnahmegesetz dahin zu erlassen, daß selbst der Versuch auf daS Leben des Fürsten BiSmarck mit Todesstrafe i bedroht ist.
I Die Conferenzen des Minister« des Innern mit den Oberbürgermeistern von Berlin, Potsdam, Breslau, Dan
i zig, Magdeburg und Posen, über eine neue Städteordnung • sind bereits wieder beendet. Die „National Zeitung" glaubt, daß die Vorlegung des Entwurfs in der nächsten Session noch nicht erfolgen werde.
Deutsches Nttch.
□ Berlin, 12. Jan. Der Staatssekretär im Auswärtigen Amte, von Bülow, ist feit einigen Tagen unpäßlich. Aus diesem Grunde hat die Vorstellung des peruanischen Gesandten beim Kaiser durch Herrn von Phi- lippsborn stattgefunden. Einer amtlichen Mittheilung zufolge ist das Visa einer russischen Mission ober Consulats behörbe für Pässe, welche die in Rußlanb bereits sich aushaltenben Deutschen dorthin nachgesandt erhalten, zum Zweck deS Aufenthalts daselbst nicht erforderlich. Vielmehr ist ein solches Visa nur für diejenigen Personen, welche nach Rußland reifen, zum Ueberschreiten der Grenze nöthig. Selbstverständlich müssen aber auch die in Rußlanb woh nenben Deutschen, wenn sie von etwaigen Reisen nach Rußlanb zurückkehren, behufs Ueberschreitens der Grenze, ihre Pässe mit dem Visa eines russischen diplomatischen oder consularischen Vertreter im Auslande versehen lassen. Durch eine Verfügung deS Ministers de« Innern stnd nun die Provinzialregierungen veranlaßt worden, diese Bestim mungen zur Kenntniß der Behörden und des Publikums zu bringen. — Die ReichStagSbeschlüffe über die Naturalleistungen und zwar wegen der Erhöhung de« Verpflegungssatzes von 71/2 auf 10 Sgr. findet in den Kreisen deS BundeSratheS lebhaften Widerspruch. Man findet diesen Satz für zu hoch bemessen. — Die GewerbeordnungSno- velle wird gegenwärtig von einer freien Commission, bestehend auS den Abgeordneten von Unruh, Jacoby, Oppenheim, Schmidt, Blum, Ackermann einer Berathung unterworfen; diese Commission beabsichtigt gegenwärtig die Grundsätze über den Lehrlingsvertrag festzustellen.
Darmstadt, 8. Jan. Der Großherzog hat anläßlich des Todes des früheren Kurfürsten von Hessen eine Hoftrauer von drei Wochen angeordnet.
München, 9. Jan. Neueren Anordnungen zufolge wird der König noch bi« gegen Ende diese» Monats in Hohenschwangau verbleiben, dann erst wieder daS Hoflager in die Residenz hierher verlegen. Die vielbesprochene An gelegenheit deS bisherigen Richtempfangs dcS neu ernannten .