Mr. IO
Marburg, Mittwoch, 13. Januar 1875.
X. Mrgang.
Anzeigen nimmt entgegen: hie Sxveditto« d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & 60. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein k Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Lew» zig, Löln rc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
WerhtWe Ickung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; J/iger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.;Jnvalidendank, A. Rete» meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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FUr m der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf« berechnet 9P 3 10 Vf9'
ben Liefermigen eme überlegte Witthschafts- die kaisersich Leopoldinisch - Carolinische Le>c°llü'af^r rn^^nter^
DohtiE verfolgen. Der Kinerf tft den miA htr SR» mi.rk» k» u. .ku . J w _ MI1
Politik verfolgen. Der Zweck ist den auch seitens der Re Naturforscher wurde abgelehnt, da die Zahl ähnlicher Ge>
auf ,hn ankam, keinen Conflict mit dem Staate und seinen
scheu Prozeß in zweiter Instanz entschieden sehen, wird diese ihr Urtheil nicht fällen können, da bei der Appellation beider Interessenten durch die Beurkundungsschriften derselben erst erfolgen muffe, bevor der Referent weitere Beschlüsse resp. Anträge stellen kann. — Die Anerkennung des Königreichs Spanien durch die drei Kaiserreiche ist eist zu erwarten, jedoch noch nicht erfolgt, wie die „Köln. Ztg." berichtet. — Graf Perponcher, der Gesandte in Brüssel wird in diesen Tagen sich in Berlin melden, um seine Rückreise nach Belgien anzutreten. Es kann daher von einem ernstlichen Unfall, der denselben betroffen haben soll, nicht die Rede sein. Man hält in hiesigen politischen Kreisen die Lösung der MnisterkcisiS in Frankreich für sehr hoffnungslos und schenkt daher dm Zuständen daselbst die größte Aufmerksamkeit. — ES ist angeordnet, daß der Fahrplan für den Sommer am 15 Mai, für den Winter am 15. November publicirt werde.
Verlier, 10 Zan. Aus der gestrigen Sitzung de» BundeSrathes wird nachträglich bekannt, daß bezüglich der Kriegergrabstätten eine Vereinbarung zwischen Deutschland und Frankreich über die gegenseitige Verpflichtung getroffen ist, den Schutz und die Pstege der Gräber zu hüten. — Eine Abmachung über die Berthoilunz der ReichScaffen scheine ist vorläufig noch vertagt worden, weil noch mehr
giemng als nothwendig erkannten und durch jede stärkere Beschäftigung der Fabriken immer wieder aufgehaltenen Proceß einer allgemeinen Reduktion der Arbeitslöhne zu beschleunigen.
•• Berlin, 11. Januar. Es ist aufgefallen, daß der peruanische Gesandte nicht von dem Staatssekretär Herrn von Bülow Sr. Majestät vorgestellt ist. Dies hat aber seinen Grund nur in dem augenblicklichen Unwohl sein des Herrn von Bülow, der an einer Grippe leicht erkrankt ist. Man hofft jedoch denselben morgen wiederum im Amte zu sehen. — Mit Ausnahme des ReichScivilehe- Gesetzes und der Bankvorlage wird der Reichstag ver- muthlich in dieser Woche seine Arbeiten beenden können. WaS daS Bankgesetz anbelangt, so hofft man in Plenum auf eine günstige Stimmung für dasselbe; die Berichte, welche über die Verhandlungen in der Commission veröffentlicht werden, sind mehr oder weniger Auschauungen einzelner M-tglieder, die aber nicht gerne die Ansichten der Ma, jorität im Reichstage wiedergeben. — Der RegierungSrath Stephan von der Finanz-Direktion in Hannover ist an Stelle des nach Sigmaringen versetzten Reg.-Raths Greff nach Bromberg versetzt und zum Ober RegierungSrath er» nannt worden. — So schnell als die Blätter den Arnim'
DreSberr, 9. Jan. Der hier verstorbene Bischof i.p.i. Forwerk, apostolischer Vicar für Sachsen, der höchste kalho- luche Geistliche in hiesigen Landen, war im Ganzen ein
suche, welche die Unierstützung aus Reichsmitteln bean- spruchen, einen Umfang gewonnen hat, welcher die Gewin- nung einschränkender Grenzen nothwendig erscheinen läßt. — Die Berathungen deS Justizausschusses deS Bundes- eathS über die Novelle zum Postgesitz sind beendet und als ihr Resultat erscheint eine wesentlich verbesserte Fassung deS ursprünglichen Entwurfes. In der Hauptsache wird die bisherige Praxis des Verhältnisses der Eisenbahnen zur Reichspost durch das Gesetz festgestellt; die Eisenbahnen sind verpflichtet, mit jedem fahrplanmäßigen Zuge einen Postwagen, bezw. die denselben bedienenden Beamten, welche Die ReichSpost stellt, zu befördern. Für jede darüber hin» auS gehende Leistung wird eine Entschädigung gezahlt. Auch diejenigen Fälle, in denen die Haftpflicht die Eisenbahnen heranzieht, sind in Betreff der Postverhältnisse geregelt. Mit der Berichterstattung an daS Plenum deS BundeSratheS ist der großherzoglich sächsische Geh. Finanz rath Heerwardt betraut. Die Generalpostdirection wünscht die Erledigung der Novelle womöglich noch in dieser Neichstagsscsston, doch ist eS fraglich, ob diese Absicht ausführbar wird. — In Bezug auf die Ausschußverhandlungen wegen der Eisenbahntariffrage erfährt man noch, daß auch über den bekannten Art. 45 der Reichsverfassung, worin der Einpfennigtarif gleichsam als ein Grundrecht erklärt wird, diScutirt und dessen Bedeutung gerade jetzt, wo der Begriff des Pfennigs um 20 pCt. verschoben ist, allseitig betont wurde. Man zweifelt übrigens in bundes- räthlichen Kreisen, trotz der abweichenden Stellung deS Ausschusses, nicht an der Annahme der Vorschläge des ReichSkanzleramteS durch daS Plenum; man weiß, daß der Reichskanzler sich persönlich lebhaft für die Erledigung der Tariffrage im Sinne der bekannten Denkschrift und ihrer Vorschläge intercssirt. Mit ihrer Annahme würden dann ür alle Rohprodukte, land- und forstwirthschnftliche, wie Berg- und Hültenproducte, die möglichst niederigen Tarif- Stzc gesichert sein. Nur für Spiritus und Zucker, die die» auch am Ersten tragen können, dürfte nach den Anträgen des Ausschusses, welche sich nur auf die beiden Artikel, nicht, wie neulich durch einen Schreibfehler gemeldet worden, auch auf die übrigen landwirthschaftlichen Produkte beziehen, keine Frachtermäßigung, bezw Beibehal» tung niedriger Tarife eintreten. In der Bank Commission siofft man bis Dienstag die erste Lesung beenden und bis um Schluß der Woche die Berathungen erledigen zu können, so daß etwa am 21. d. die Plenarberathung beginnen können.
^Iuf das erste Quartal 1875 werden noch fort- während Bestellungen bei allen Postanstalten und bei der Expedition angenommen.
Tagesbericht.
Die Bank-Commission des Reichstages nahm §§ 38 und 39 ohne Debatte, ferner § 40, betreffend den Inhalt btf Bankstatuts, mit dem Zusatz an, daß -das Statut auch Bestimmungen über die Modalität der Actien-Ver- mehrung aufnehme. § 41 wurde mit einem Zusatzantrage Bamberger« genehmigt, betreffend die definitive Fixirung des Bankprivilegiums auf das Jahr 1891, falls nicht vorher eine Verlängerung beschlossen wird. Dir Bera- thung der §§ 42 und 43 wurde ausgesetzt. Zu § 44 spricht sich Michaelis für das durch den Entwurf statuirte indirekte Verfahren des BundeSratheS und gegen alle anderen vorliegenden Anträge au».
Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge entbehrt die Nachricht, daß die Aufhebung de» Bezirks-Präsidiums in Col mar beschlossen sei, jeder Begründung, und bemerkt das genannte Blatt dazu weiter: Da» Bezirks-Präsidium ist auf Wunsch bet oberelsässtschen Bezirkstages eingerichtet, ein Wunsch aber, dasselbe wiever aufzuheben, seitdem nicht kundgegeben worden. Die Maßregel würde auch tiefgreifende organische Aenderungen bedingen und eine nicht AmnschenSwerthe innere Trennung des Elsasses von Lothringen herbeiführen.
Aus Kiel werden folgende Dispositionen der Admiralität gemeldet: Die „Niobe," „Musquito" und „Cyclop" treten eine Fahtt nach China und Japan an; „Tiger" und „Renown" sind nach Wilhelmshaven beordert, „Drache" und „Delphin" werden im Monat Mai mit Vermessungs- Arbeiten beschäftigt; Mitte Mai wird ein UebungsGe schwader formirt; im Oktober geht die „Vineta" mit Ca- detten nach Japan; der „Comet" löst alsdann den Meteor" im Mittelmeer ab.
Dem Professor Rudolf von Raumer, bekanntlich einer Autorität auf dem Gebiet der deutschen Sprachforschung ist von der ReichSschulkowmisflon der Auftrag geworden, die Grundsätze einer deutschen Rechtschreibung zusammen- -zustellen.
Die Nothwendigkeit, die Arbeitslöhne bedeutend herabzusetzen, wenn die einheimische Industrie noch fernerhin mit der fremden soll ronkurriren können, wird allgemein in den industriellen Kreisen gegenwättig als unumgänglich nothwendig hervorgehoben. Wie der „Börsencourier" ver nimmt, soll der Handels minister mit der gegenwärtigen fache Schwierigkeiten, welche dem Bertheilunasmodu7entg"egen (»eiteren oder engeren) Ausschließung der nationalen Groß- stehen, zu beseitigen sind. — Ein UnierstützungSgesuch für
Der Rarkelentzer.
Stählung von Hermann Kleinsteuber.
(Sortierung.)
Unter derselben befindet sich ein kleiner Kanal; derselbe führt ebmfallS in den unterirdischen Gang. Ich habe Alle» persönlich genau untnsucht, bevor die Preußen vom Schloß Besitz nahmen. Wenn wir diese Platte aufheben, kann ich ebenfalls — wenn auch etwas unbequemer — in den Gang gelangen. Ich habe alleS Nöthige bei mir — auch Nahrungsmittel für einen Tag. Komm, Mutter Pi- tag, laß uns sofort an'S Werk gehen," drängte der Hauptmann. „Morgen um Mitternacht schiebst Du die Platte wieder fort von dem Eingänge, damit ich leicht und schnell herauSsteigen kann. Im Nothfall freilich, wenn Du abge halten wärest, die« zu thun, vermag ich auch selber von innen die Platte allein ewpvrzuheben."
„Ja, |aber wenn wir die mit Rasen bewachsene Platte bei Seite schieben, so wird die dabei aufgewühlte frische Erde die Stelle kennzeichnen, und die Preußen würden vielleicht zufällig aufmerksam darauf; denn die schnüffeln ja überall umher," warf die Alte bedächtig ein.
„Dagegen giebt'S ein Auskunft-mittel", flüsterte der verschlagene Franzose. „Ganz in der Nähe der Platte liegt viel alte» Geröll, das noch von den Klostermauern herrührt. Davon schaufelst Du einen Haufen zusammen, daß eS aussteht, wie ein Grabhügel. Derselbe muß aber neben die Platte zu liegen kommen, während diese selbst nur mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt werden darf, damit sie nicht unmäßig beschwett wird und leicht emporzuheben ist."
„Wozu aber der Grabhügel, Herr Hauptmann?" fragte die Alte, aufmerksam lauschend.
„Nun, ant» ortete Hauptmann Segur, damit die auf
gewühlte Erde nichts Auffälliges z.igt. ES giebt ja jetzt so viel frische Grabhügel im Park — einen mehr ober weniger — daS bemerkt Niemand. Und wenn Dich Je mand etwa beim Zusammenschaufeln betrifft, so antwortest Du einfach, Du hättest hier einem Franzosen ein ehrliches Grab bereitet. Du habest seinen bereits stark in Verwesung übergegangenen Leichnam erst jetzt in dem hohen Getteide- felde am Park aufgefunden. Bei diesem Geschäft wird man Dich gern ungestört lassen. Ohne Noth sinv
die Preußen keine Grabschänder. Niemand wird den Hügel aufwühlen. Jedes Grab flößt ja eine gewisse Scheu ein."
Schlau, wie sie von Natur war, begriff Mutter Pitag alle übrigen Instructionen, welche ihr der Hauptmann gab. Beide schritten nun leise nach der Stelle, wo die Bohlenplatte lag. Sie hoben dieselbe ohne große Mühe empor, der Hauptmann schlüpfte in die Oeffnung, welche unter derselben zu Tage kam, die alte schob die Platte wieder darüber und schlich dann nach dem Meierhofe, um eine Schaufel und eine Hacke zu holen. Alles das ging so geräuschlos vor sich, daß' der preußische Posten, welcher an dcr ziemlich entfernt liegenden Kapelle stand, nichts davon vernehmen konnte. Und wenn dies doch gewesen wäre, so hätte man bei etwaigen Nachforschungen die alte Pitag an einem Grabhügel schaufelnd gefunden und die Sache gewiß als eine harmlose, jetzt so oft vor kommende angesehen.
Am andern Tage gegen Abend lungerte die GättnerS- frau viel in der Nähe deS Schlosses umher. Bald saß sie, wie in Trauer oder in stilles Beten versunken, an den Stufen der Kapelle, unter welcher sich die Gruft befand, in der man ihren Herrn jüngst vergeblich bestattet hatte; bald auch trieb sie sich in der Nähe deö Gartenhauses umher, auf dem Blumenbeete mit dem AuSjSten von Un
kraut beschäftigt, kurz ihr ganzes Gehaben und Thun hatte eigentlich durchaus nichts Auffälliges. Nur Peter Wenk, einmal von Mißtrauen erfüllt gegen die Alte, beobachtete sie genau von den Fenstern des Gartenhauses aus und hatte dabei seine eigenen Betrachtungen. — „Heute Abend oder Nacht istS nicht geheuer l Sei auf der Hut 1" dachte der Bursche bei sich und ließ die Alte nicht mehr aus den Augen, ohne jedoch von ihr bemerkt zu werden.
Als die Sonne schon untergegangen war, verspürte fein Prüder Heinrich, der Füsilier, Appetit auf ein Gericht Pflaumen zum Nachtisch. Sie hatten ihm ja neulich, am Tage deS Gefechts, so ttefflich gemunbet. Da es seine freie Zeit gerade erlaubte, schlenderte er daher in den Park hinein bis an daS äußerste Ende, wo er die Obstbäume entdeckt halte. Viele reife Pflaumen waren inzwischen wieder herabgefallen. Er aß davon, so viel er konnte, und steckte sich dann auch noch die Taschen voll, um auch noch feinen Bruder mit den Früchten zu erfreuen. Auf dem Rückwege stolperte Heinrich an dem frischen Grabhügel vorüber, welchen Mutter Pitag hart neben der Platte und theilS über derselben zusammengeschaufelt hatte.
„Wer ist denn da wieder gestorben und begraben worden?" fragte er hernach — in Veranlassung dieses Umstandes — leinen Bruder Peter, intern er im Gartenhause die Taschen auSleerte und die Pflaumen auf den Tisch legte. —
„2öo denn? . . . ." fragte der Marketender, sogleich neugierig geworden.
»Ra, droben im Park sah ich eben einen neuen Grab» bügel, der gestern noch nicht vorhanden war," erklärte der Füsilier.
„Ich weiß nichts davon, baß dort seit gestern ein Todter bestattet .. orden ist", versetzte Peter kopfschüttelnd; „und doch habe ich immer auf der Lauer gelegen."