Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Är. S

Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich L Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein L Vogler in Frankfutt a- M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc.; Rudolf Moss» in Berlin, Frankfutt a- M. rc-

Marburg, Dienstag, 12. Januar 1875.

ObcrhcMc Jalung.

X. Ichrgaug.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d- Blatte», sowie btt Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfutt a. M : Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M; Jnvalidendank, A. Rete- meytr in Berlin; Carl.Schüß- ler tn Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS LonntagSblatt" durch die Expedition lKoch'sche Buchdruckerei) bezogen 3'« Start, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mart 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Snnabm- von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.

^luf daS erste Quartal 1875 werden noch fort- ff* während BeftellvRge« bei allen Postan­stalten und bei der Expedition angenommen.

Tagesbericht.

In parlamentarischen Kreisen glaubt man nicht, daß der Reichstag schon in 14 Tagen geschlossen werden kann, wie «S beabsichtigt wird. ES liegen bereits eine so große Reihe von Gesetzen vor und täglich gehen noch neue Vor­lagen ein, so daß man wenigstens noch diesen ganzen Mo­nat hinzubringen meint. Namentlich werden das Bank- gesrtz und das Civilehegesetz allein schon eine nicht uner­hebliche Zeit in Anspruch nehmen.

Der Entwurf deS Gesetzes über die Beurkundung de« Personenstandes und die Eheschließung ist auf die Tage» Ordnung deö Reichstag« vom Dienstag gesetzt.

Dir Bank Commission des Reichstags nahm in der Freitag abgchalteneu Sitzung §. 24 unverändert an, ebenso §. 25 unter Ablehnung aller zu letzterem ge stellten, aus Beschränkung der Befugnisse de« Reichskanz­ler« al« Vorsitzenden abzielendeu Anträge. $. 26 wird mit einem von Lasker gestellten Amendement angenommen, wonach für dir Leitung der Bank in Verhinderungsfällen deS Reichskanzler» der Kaiser einen Stellvertreter ernennt. $. 27 wird mit dem Zusatz lebenslänglicher Anstellung de» Bank-Präsidenten gleichfalls genehmigt. In der folgenendrn Abendsitzung wurde §. 23 unverändert, die 34, 35, 36 und 37 mit rein redaktionellen Abände­rungen angenommen. §. 32 wurde mit einem von Lasker gestellten Anträge angenommen, wonach der CentralauS- schuß bri Festsetzung deS Maximal Betrages der anzu kaufenden Effecten und Lombard-Darlehen eine beschließende anstatt einer nur berathendeu Stimme erhält. Ebenso wurde zu $. 32 der Antrag Bamberger genehmigt, wonach auch die Vereinbarungen mit Privat-Bankea der Entscheidung M Ausschusses unterliegen.

DieNatioual-Zeitung" erfährt, daß eine stillschwei­gende Vertagung deS Landtag« gleich nach dessen Zusammen- tritt auf einige Wochen in Aussicht genommen ist, um eine Cvllission mit den Sitzungen deS Reichstage» zu vermeiden, der daS Bankgesetz nicht vor Ende Januar erledigen dürste. Die in Sachen der Reichsbank au» Frankfurt in Berlin ringe troffene Deputation wurde von dem Finanzminister, an den sich dieselbe zunächst gewendet hatte, an den Reichskanz­ler verwiesen, der die Mitglieder nach dem Empfang zur Tafel zog.

Die Bürgermeisterconserenz in Berlin zur Vorberathung deS Entwurfs der neuen Slädtcordnung sollte am letzten

Der Markrtrutzr».

< Erzählung von Hermann Kleinsteub«.

- (Fortsetzung.)

E« blieb indeß nicht immer so still in Schloß Lom- bey, wie wir e» bisher gefunden. Schon am nächsten Tage vernahm man in der Richtung aus Metz hin nicht blo« einzelne Schüsse, wie in der Regel des Morgen», sondern ein starkes Feuern. Größere Truppenmassen waren au« der Festung auSgebrochen und hatten sich aus unsere Vorposten geworfen. Während dort heftig gekämpft wurde, hatte auch da« kleine Detachement in Lombey einen blutigen Sttauß zu bestehen. Im Rücken des Schlosses und zu beiden Seiten desselben zeigten sich nämlich Rotten von Franktireurs und Mobilgarden, die sich wahrscheinlich unter dem Schutz der Nacht in den nahen waldigen Bergen gesammelt harten und nun wie auf Verabredung mit den Belagerten in Metz da» Schloß angriffen, um dem ausgebrochenen französischen Corp» Luft zu mache«.

Die Lage war sehr ernst. Da« Schloß, von den Un­seren zwar mit Schießscharten versehen und überhaupt in VertheidiguugSzustand gesetzt, hätte doch einem überlegkucn Feinde nicht lange widerstehen können; dazu war da» Häuflein der Besatzung zu klein. Aber die Unseren ließen eS gar nicht zu einer Blokade in dem Schlosse kommen. Schützenschwärme gingen ring« iu dem Parke vor und hielten durch ein wohlgezieltes Feuer die wenig diSciplinir- ten Feinde in respektvoller Ferne. Heinrich Wenk, der Bruder de» Marketenders, benahm sich hierbei mit einer bemerkenSwerthen Kaltblütigkeit. Er stand nebst anderen Schützen im Park, hinter einem Pflaumenbaumstarnme nothdürstig gedeckt. Am Boden lagen die schönen reifen Früchte mit dem blauen Duft so einladend umhergestreut. Unser Füsilier konnte der Luft nicht wiederstehen, sie aus- zuleseu und zu essen. So griff er denn immer abwechselnd

f Sonntag unter dem Vorsitz de» Ministers des Innern ihre erste Sitzung halten.

Wie derNeue evangelische Gemeindebote" vernimmt, ist der Finanzminister bereit, 1,500,000 Mark im nächsten preußischen Budget für die Aufbesserung der Pfarrgehäitcr zur Disposition zu stellen, so daß dann das Minimalgehalt der evangelischen Geistlichen auf 2400 Mark und daS der katholischen auf 1800 Mark gebracht werden könnte.

Der bleibende Ausschuß deS deutschen Handel-tageS hat sich in einer Vorstellung an den Reichstag gegen die Einführung der -Iprocentigen Notensteuern erklärt. Im gleichen Sinne soll sich auch die Berliner KausmannSschast aussprechen.

Deutsches Reich.

+ Berlin 9. Jan. Schoa vor Kurzem war von derNordd. Allgem. Ztg." auf die unziemlichen Angriffe der dänischen ZeitungDagbladet" gegen da« Deutsche Reich und den Reichskanzler aufmerksam gemacht. Aber eS scheint, al« ob jene Bemerkung gar keinen Eindruck auf die dänische Presse gemacht hat, vielmehr sährl gerade jenes Blatt unausgesetzt fort, in gleicher Weise gegen Deutsch, land zu Hetzen. In einer der letzten Nummern finden wir einm Artikel über Deutschland, in welchem dieses Blatt jedes AnstandSgefühl außer Augen setzt und in den rohen Ton der ultramontanen Presse fällt. So wird der Reichs kanzler der ReichStafchenspielcr genannt, die Demmisstons- affaire mit einem Claurenschen Roman verglichen. Endlich wird sogar den Lesern die Fabel aufgebürdet, daß Bis marckS Stellung untergraben sei, und sogar die deutsche Armee gegen BiSmarck sei. Dieses Blatt entblödet sich nicht, die DemissionSaffaire für eine Comödie, eine Harle kinade zu erklären, welche die wahre Krifi» verschleiern soll; denn Bismarck könne sich weder durch parlaptentarische Jammerscenen halten, noch daS Puvl»c.'M tahin bringen, daß es vergißt, welche Gefahren seiner Macht drohen. Man muß wirklich über diesen Blödsinn staunen. Bei den ultramontanen Blättern ist, wenigstens bei solchen und ähnlichen Lügen, der Zweck abzusehe»; aber wie ein Blatt, daS notorisch der dänischen Regierung nahe steht, wie daS Dagbladet", zu solchen Entstellungen der Wahrheit be­nutzt werden kann, ist wirklich unbegreiflich, oder sollten die Ultramontanen auch dort die Hand im Spiele haben? Wenn die Dänen sich durch solche Vorspielungen etwa zu der Hoffnung verleiten lassen sollten, sie könnten eine Re vanchepolitik aufnehmen, so würde man sie herzlich bedauern müssen. Wer nur einigermaßen den Gang der Ereignisse in den letzten Wochen beobachtet hat, wird sich davon überzeugt halten müssen, daß der Reichskanzler niemals

in die Patrontasche und gab einen selten fehlenden Swuß ab und dann auf die Erde, um eine Pflaume aufzuheben und in den Mund zu stecken und -daS Alles mit solcher Ruhe, daß er sich niemals vergriff.

He, Kamerad," rief ihm sein Nachbar lachend zu,die Pflaumen schmecken Dir wohl besser, wie neulich das Heu­bündel in unserem vorigen Quartier."

Nach einigen Stunden ließ da» Feuern vor der Fe­stung nach. In Schloß Lombey athmete daS kleine De­tachement wieder auf, denn eS hatte wirklich befürchtet, daß ein Durchbruch der französischen Armee aus Metz gelingen könnte. Aber auch heute zeigte eS sich, wie später noch öfter, daß um Metz eigentlich nicht ein eiserner Ring, ondern ein Gummiring lag, der nölhigenfallS einer starken Ausdehnung fähig war und sich dann doch wieder eng zusammenzog.

Unter der Mannschaft deS Detachements waren einige Verwundungen vorgekommen. Der junge Tambour, den wir in seiner Rolle als Koch kennen lernten, hatte leider gleich im Anfang deS Gefecht« einen Schuß in die Hand bekommen. Cr eilte nach dem Platze vor dem Schlosse, um sich verbinden zu lassen. Dabei verfuhr aber der Dottor dem Burschen etwas zu umständlich.Machen Se man," rief er ihm ungeduldig zu;ick habe keene Zeit jetzt. Wenn ick nicht die Signale gebe wer soll'S dann thun!" Und kaum hatte ihn der Arzt oothdürflig ver­bunden, als der brave Bursche auch wieder auf seinen Posten zurückkehrte.

Turner auS der bayerischen Pfalz, die unter dem Zei­chen deS rothen Kreuzes in's Feld gerückt waren, brachten von den Vorpostenlinien Verwundete herein, um sie weiter zu befördern. Sie trugen sie auf Bahren oder schafften sie auf kleinen Wagen fort. Ein weißes Tuch mit darauf gehefteten und auS Franzosenhosen geschnittenen rothen Streifen verkündete hoch an einer Stange im Winde flatternd den beiden Schlachtreihen ihre friedliche Absicht.

höher iu der Gunst des Kaisers, in der Achtung des Reichstages und der allgemeinen Verehrung des deutschen Volkes gestanden hat, wie jetzt, daß sein siegreicher Geist alle seine Feinde zerstreut hat und er mit kräftiger Hand und vom allgemeinen Vertrauen deS ganzen Volkes unter­stützt, die Angelegenheiten Deutschlands leitet und hoffent­lich noch lange leiten wird. Das Rundschreiben über die Papstwahl, welches kürzlich vomStaatsanzeiger" ver­öffentlicht wurde, erregte bekanntlich in der ultramontanen Presse die höchste Wuth und veranlaßte die Heersührerin derselben, dieGermania", jenes Circularschreiben in per­fider Weis« eine Stoß-inS-Herz-Dcpesche zu nennen. Da­gegen muß constalirt werden, daß kaum ein Erlaß so unbedingte Zustimmung und Anerkennung in der nationa­len Presse gesunden hat, als gerade dieses Circularjchreiben. ES wurde außerdem hervorgehobcn, daß diese Depesche an demselben Tage erlassen wurde, al« der Reichskanzler die denkwürdigen Worte sprach: Nach Canossa gehen wir nicht. Sehr angemessen beurtheilt dieSchles. Zeitung" dieses Actenstück, indem sie daraus aufmerksam macht, daß die kirchliche Politik deS Fürsten Bismark niemals den Cha­rakter der Offensive getragen, sondern fortwährend den Weg der Vermittelung und Verständigung zu betreten nicht verschmäht habe und auch diese Depesche diesen Cha­rakter der größten Reserve trage und einen freiwilligen Compromiß mit der Curie noch immer zu den Möglich­keiten rechne; allerdings aber auf der anderen Seite von dem Bewußtsein der Souveränität des Staat« dictirt sei und sich entschlossen zeige, im Einverständnisse mit den anderen Mächten dem gefährlichen Treiben der Curie die ultima ratio entgegenzuhalten.

Der CultuSminister hat durch eine neuerdings ergan­gene Verfügung an die Provinzial-Schulcollegien in Erin- ncrunfl gebracht, daß e» zur Beseitigung im Unterrichtöge- brauche befindlicher, sowie zur Einführung neuer Lesebücher seiner Genehmigung bedarf. Zugleich hat der Minister, um die augenblicklich vorhandenen Uebelstände zu beseitigen, und normale ZustaKdr .dauernd herbeizuführen, verfügt, daß die Sitzung der Provinzial-Sch ulcollegien, zu welcher die bei den Regierungen fungircnden Scylllräthe der Pro­vinz einberufen werden, in diesem Jahre vor dem K. Mai abgehalten, und daß dabei die Angelegenheit, der Lesebücher zum Gegenstände der Verhandlungen gemacht «erde« soll. Die Berichte über das Ergebniß der stattgefundeWn Be- rathungen und die in Folge derselben getroffenen Anord­nungen sollen vor dem 1. August eingesandt werLdn. Als Bücher, deren Beseitigung noch in diesem Jahre erfolgen müsse, werden in der Verfügung genannt: Grönig und Büscher, Lesebuch für die Oberklassen katholischer Schulen;

Einer von denjenigen Deutschen, die wir im Schloß Lombey verkehren sahen, war recht ärgerlich darüber, daß er, am Tage des Gefechts nicht hatte mit Hand anlegen können nämlich der Marketender Peter Wenk, der an diesem Tage gerade mit seinem Wägelchen nach der nächsten Eisenbahnstation gefahren war, um dort Proviant zu fassen, d. h. allerhand Viktualien in Empfang zu nehmen, die er sich zur Ergänzung seines Vorraths aus der Heimath hatte nachsenden lassen. Er war überall so gern dabei, wo eS nach Pulver roch und die militärischen Signale ertönten! Er machte sich dann irgendwie nützlich, indem er Verwun­dete auS dem Gefecht führte, tödtlich Getroffene aus seiner Feldflasche labte und ihre letzten Aufträge für die Ange hörigen daheim übernahm. Peter Wenk hätte, gleich seinem Bruder Heinrich, so gern selbst die Uniform angezogcn, aber bei der Aushebung war er zurückgewiesen worden, weil er am rechten Fuß eine Zehe zu viel hatte. Der soldatische Geist indeß, der nun einmal in ihm steckte, ließ ihm beim Ausbruch des Krieges keine Ruhe. Er zog als Marketender nach Frankreich weniger wegen des in Aussicht stehenden Gewinnes, als umauch mit dabei zu sein, wo c» waS gäbe."

Am Tage nach dem Gefecht nun, daS bei Lombey statt­gefunden, kehrte er von der Bahnstation zurück. Zuerst suchte er seinen Bruder auf, den kaltblütigen Pflaumenesser, und gedachte daun, mit Atmeten ein zärtliches Wiedersehen zu feiern.

Weißt Du schon, daß sie fort ist, da« gute Kind?" riß ihn aber sein Bruder auS dem erträumten Glück.

Annette? . . ," stotterte Peter erblassend.

Auf und davon," lautete die trostlose Antwott.

Unmöglich!" rief Jener und rannte spornstreichs nach dem Garte, Hause. Bald aber kam er mit verzweifelten Mienen wieder heraus und stürzte auf den Unteroffizier Herding zu, der, gemüthlich eine Cigarre rauchend, auf einem weichgepolsterten Sopha vor dem Schlosse rastete.