Är- 8.
Anzeigen nimmt entgegen: Me Lxvedittvn d. Blattes, sowie bte Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in jtoffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Boiler in Frankfutt a. M.,Berlin^Lech. iig. Cöln k. ; Rudolf Mofse in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
Marburg, Sonntag, 10. Januar 1875.
(!"'brrl)rffifd|r Jrilung.
x. Ichrgaiig.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M-: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M-; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C- Schlotte in Bremen-
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Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme ton Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Auf da» erste Quartal 1875 werden noch fort während bei allen Postan
stalten und bei der Expedition angenommen.
~~ Politische Wochcn-Uebersicht.
s: Unser Kaiser beging den diesmaligen Jahreswechsel 1874/75 — in erfreulichem Gegensatz zu dem vorigen — in bester Gesundheit und sprach bei den Gratulations- Empfängen wiederholt sein feste- Vertrauen auf die fernere Fortdauer deS Frieden- aus. Die Herstellung der Monarchie in Spanien durch Ausrufung de- König- Alfons XII. wird in Berlin eher al- ein dem Frieden günstiges, denn als ungünstige« Ereigniß betrachtet und Deutschlands Anerkennung wird nach erfolgter Anzeige schwerlich auf stch warten lasten. Die Beschießung der deutschen Brigg „Gustav" durch die Earlisten bei Guetaria ist nunmehr durch protokollirte Zeugnisse derSchist-leute erwiesen; in welcher WeiseEntschädi- gung und Genugthuung gesucht werden wird, ist wohl noch nicht festgestellt, wird aber irgendwie sicher geschehen. Fürst Bismarck hat wegen augenblicklichen Unwohlbefindens an der NeujahrScour im kaiserlichen Palais nicht theilnehuien können, doch vernimmt man, daß das augenblickliche Unwohlsein voraussichtlich von kurzer Dauer sein werde und mit den alten rheumatischen und neuralgischen Leiden nicht in Verbindung stehe. Inzwischen sind die vom Weihnacht- sestc unterbrochenen parlamentarischen Arbeiten bereits wie der ausgenvmwen. Mit dem 1. Januar ist im bei Weitem größern Theile von Deutschland (bi- auf Baiern und Württemberg) die einheitliche decimale Reichsmarkrechnung in« Leben gttreten. Nach den kleinen Unbequemlichkeiten erster Uebrrgangszeit wird der große und bleibende Gewinn an Bequemlichkeit bald gefühlt «erden, um so vollständiger, «en» dir reichlichere Ausprägung der neuen Münzen mit möglichster Beeilung fortgesetzt wird.
In Oesterreich ist der Prozeß Ofenheim da- Er- rigntß des Tage-, obgleich namentlich die guten Wiener längst mit Schmerzen erfahren haben, wie eS in der Welt der Gründer hergeht. Die handelspolitischen Verhandlung gen mit Rußland zeigen jetzt plötzlich einen rascheren Fortgang, daß zu Ende diese- Monat- schon die Schlußconfe- «uzen iu Wien beginnen sollen. In Pesth deutet die ReujahtSrede TiSza'S auf heftige Stürme bei der Finanzdebatte. Zwar rührten sich die Deokisten wieder, um den drohenden Kämpfen die Stirn zu bieten; aber Deak ist gebrochen und feine Fremde und Jünger sind den Ver- hältnisten nicht gewachsen. ... ,
Zwischen dem schweizerischen Bundespräsidenten und dem englischen Gesandten, Herrn Corbet, erfolgte am
-il- r '• Der Marketender. -Ji;;
Erzählung von Hermann Kleinsteubtr. '
.. . (Fortsetzung.)
In Kriegszeiten unb an Schauplätzen gewaltiger Kämpfe haben alle Neuigkeiten ei» kurze- Leben. Da werden die Schicksale der Einzelnen, und wenn sie qn stch noch so merkwürdig find, schnell vergesien und bald wächst Gras darüber. Die Geschichte geht eben mit eisernem Tritt zur Tagesordnung über. So dachte auch in Schloß Lombey kaum Jemand noch an den Tod und an die Beisetzung de- Herrn von Segur, obwohl seitdem erst wenige Tage in'- Land gegangen waren.
Da meldete sich ein junger, feingekleideter Herr bei dem im Schlöffe kommandirenden Lieutenant. Dieser ließ den Fremden sogleich vor und empfing ihn mit achtungsvoller Höflichkeit. Die chm hineingeschickte Bifitenkarte trug den Namen „Gaston von Segur."
„Mein Herr, ich bin der einzige Bruder unb Erbe de« Hauptmanns von Segur, des Befitzer- von Schloß Lombey!" hob der Fremde an, dessen bleiche« Gesicht sehr abgespannt au-sah, wie denn überhaupt seine ganze Erscheinung den Eindruck großer Niedergeschlagenheit machte.
„Ah, Sie wollen sich gewiß über die Zustände hier im Schlöffe unterrichten, da- also jetzt in Ihren Besitz übergeht," kam ihm der Lieutenant freundlich entgegen.
„Nein, mein Herr, Sie irren stch in dieser Annahme," entgegnete der Fremde etwas scharf, beinahe im Tone eine« Beleidigten, imbem er sich zugleich stolz emporrichtete. „Wenn das ganze Vaterland vor dem Einfall des Feindes gittert, denkt kein ächter Franzose zuerst an sich, an fein Hab und Gut; er hat nur einen Gedanken, der fein ganze« Wesen erfüllt: et ist der Kampf bi« auf’« Messer."
Der Lieutenant konnte sich eine- spöttischen Lächeln-
31. Dec. v. I. die Auswechselung der Ratificationen des kürzlich abgeschloffenen Auslieferungsvertrags.
Durch Herrn von Keudell wurde dem König Victor Emanuel von Italien da- Bildniß de- Deutschen Kaiser- überbracht nebst einem eigenhändigen Schreiben des Letzteren, worin derselbe den Wunsch au-spricht, Italien baldmöglichst besuchen zu können. Beim Neujahrsempfang betonte der König einer Deputatton der Kammer gegenüber da- gute Verhältniß zu allen auswärtigen Mächten, wie- aber gleichzeitig auf die einer durchgreifenden Verbesserung bedürftige, wenig befriedigende Lage im Innern hin. Der neuesten Umwälzung in Spanien gegenüber beschloß der Minister- rach sich genau an daö Verfahren der übrigen befreundeten Mächte anzuschließen.
Die französische National-Bersammlung nahm am 5. Januar in ihrer ersten Sitzung nach den Ferien mit 416 gegen 250 Stimmen daö Gesetz über die Aufrechterhaltung beö Belagerungszustandes in Algerien an. In der Sitzung vom 6. Januar wurve eine Botschaft Mac Mahons verlesen, worin er die Forderung stellte, der Gewalt, die et kraft de- Gesetzes vom 20. November besitze und nicht im Stiche lassen werde, recht bald die nöchige Ergänzung zu geben. Die National-Versarnrnlung beschloß, den Vcr faffnngs-Gesetzentwurf nach dem Gesetze über die Cadreö bet Armee auf die Tagesordnung zu bringen, das Senats gcsetz aber nicht vorangehen lassen, sondern zuerst daS Gesetz wegen Uebcrtragung der Staatsgewalt in Berathnng ziehen zu wollen. Der Ministerrach wurde in Folge dieser Abstimmung zum Abend berufen; ein Eabinet Ltoglie Fourtou wurde erwartet. Unter dey obwaltenden unklaren Verhältnissen waren die Empfänge, die am Sylvestertage im Elysee und am Neujahrtage in Versailles erfolgten,- ohne politischen Belang: der Marschall Präsident, der kein Redner wie weiland Napoleon III. ist, zeigte stch noch zugeknöpfter als sonst. Zn der auswärtigen Polltik hat die Alphvnsistische Erhebung keine Störung hetvorge rufen, und DecazeS wird, obgleich von den legitimistischen und ultramontanen Streitern für Thron und Alter von Gottes Gnaden angegriffen, voraussichtlich thun, was die übrigen Großmächte nicht lassen werden. Am 5. Januar sand die Einweihung der Großen Oper nebst dem Auszüge des eingelavenen LordmayorS von London statt.
DaS neue Jahr hat in Spanien eine neue Regierung begrüßt. DaS Pronunctarnienlo des Generals Martinez Campos in Sagunto, an der Spitze zweier Bataillone de- Brigadiers Dadan, fand alsbald sein Echo bei der Centrumsarmee, der Nordarmee und der Garnison von Madrid und andern Städten. Vergebens waren die Bemühungen beö Kriegsminister-, bie Truppen der Haupt-
nicht erwehren. Das Herrchen sprach und geftitulirte gerade wie ein Schauspieler.
„Unb nun, Ihr Begehren?" fragte der Preuße daher in kühlerem Tone.
„Ich weilte nicht allzuweit von hier auf dem Landsitze eines Freundes," berichtete Gaston von Segur. „Da erfahre ich denn zufällig, mein Bruder sei vor Metz tödtlich verwundet worden und bald darauf gestorben. Seinem Wunsche gemäß hat man die L iche hier in Lombey bei- gesetzt." —
Der Lieutenant bejahte es schweigend, bloS mit dem Kopfe' nickend.
„Sie begreifen, mein Herr, wie sehr mich diese Nachricht erschüttert hat," fuhr Jener mit lebhaftem Geberdenspiel fort; „und ich finde nur einigen Trost in dem Gedanken, daß mein tapferer Bruder auf dem Felde der Ehre fiel, und daß es nun an mir sei, die Lücke auszufüllen, welche sein Tod in die Reihen der VaterlandSvertheidiger gerissen hch. Ich werde mich daher auch sofort in die Mobilgarde aufnehmen lasten," fügte der Franzose mit einem brennenden Blick auf den Lieutenant hinzu, während er zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand die Spitze seines zierlichen SchnurrbärlchenS keck emporairbelte. „Dennoch möchte ich mich zuvor mit eigenen Augen über- ! zeugen, daß es wirklich mein Bruder ist, den man hier I begraben hat, und nicht etwa ein anderer meiner un- glücklichen LandSleute, da ja dergleichen Verwechselungen der Leichname im Kriege sehr oft vorkommen. ES ist mir nämlich auffallend, daß der Name meines Bruders noch in der osficiellen Verlustliste gestanden hat."
„Die Führung der Verlustlisten bd Ihrer mobilen Armee läßt bekanntlich viel zu wünschen übrig," warf der Lieutenant erklärend ein. „Wochen , ja monatelang bleiben Ihre Landsleute über daS Geschick ihrer Angehörigen in Ungewißheit, woran allerdings auch die schlechte Einrichtung der sranzöstschm Feldpost mit Schuld sein mag."
stadt zur Unterstützung der Regierung Serrano-Sagasta aufzubieten; eS überwog der im alphonfistischen Sinne auSgeübte Einfluß des Generalcapitäns Prirno de Rivera, und dem Ministerium blieb keine Wahl als einem unter dem Vorsitze von CanovaS del Castillo rasch gebildeten Regentschafts Ministerium den Platz einzuräumen, während der Präsident und Oberbefehlshaber Serrano die Nord- Armee verließ und französischen Boden aufsuchte. So ist nach einem Zeitraum von sechs Jahren die bourbonische Dynastie in Spanien ohne Blutvergießen wieder aus den Thron gesetzt worden.
Einen sehr bedeutenden Theil bet Spaltungen der e n g- lisch en Zeitungen nehmen Berichte über UnglsickSfälle und ausführliche Mittheilungen über den Brand des CoS- patrick ein; desgleichen wird das große Eisenbahnunglück bei Shipton viel besprochen. Leider sind die HivbSposten damit noch nicht zu Ende; man befürchtet, daß der Dampfer Amazon auf der Reise nach Japan untergegangen sei, dasselbe Schicksal hat Yen Dampfer Detphin mit Verlusten von Menschenleben an der Westküste von Südamerika betroffen. Im Uebrigen beschäftigen sich die englischen Blätter hauptsächlich mit den spanischen Angelegenheiten.
Die dänische Regierung hat das londoner Bankhaus Gebrüder Baring, mit dem über den Verkauf der Panzer- Fregatte Danmark verhandelt worden war, gerichtlich verklagt,^ um dasselbe zu zwingen, das Schiff, nachdem der Verkauf nicht zu Stande gekommen, dem Contract gemäß zu behalten. Seit Neujahr ist in ganz Dänei ark der Handel mit Phosphorschwefelhölzchen verboten und nur noch der Gebrauch der sogenannten schwedischen gestattet.
Die russischen Staatseinnahmen sind ' in steter Steigung begtiffey uns» neue Steuern durchaus nicht erforderlich. Der für geisteskrank erklärte, an Gehirnerweichung leidende Großfürst Nikolaus Konstantinowisch ist nach der Krim verwiesen worden, wo et unter steter Aussicht eines Arztes im Schlöffe Orianda wohnen soll.
Die türkische Regierung hat, um ihren Finanzpflichten nachkommen zu können, von der großherrlichen Bank wieder bedeutende Gelder erhoben.
Die rumänischen Kammern haben Weihnachts- Ferien gemacht bis zum 20. d. Mts. Das Budget von 1875 hat noch ein Minus von 3'/z Mill. FrcS.
Tagesbericht.
Se. Majestät bet Kaiser hat alsbald nach dem Eintreffen der Nachricht von dem Tode des vormaligen Kur- fülsten von Hessen ein Beileidstelegramm nach Horzowitz gesandt, während derKömglicheHofaus 14Tage die übliche Trauer für den Tabingeschiedenen als einen nahen Ver-
Gaston v. Segur zuckte geringschätzig mit Den Schultern er wollte nicht gerade zugeben, daß Frankreich — nach seiner Meinung natürlich das erste Land Enropa’s — in irgend welcher Beziehung hinter Deutschland zurückstehe, konnte aber auch die gerügten Mängel nicht offen bestreiten.
„Genug, Herr Lieutenant," ging er bann flüchtig über dessen letzte Bemerkungen hinweg, „ich hege den Wunsch, einmal in die Gruft hinabzusteigen. Obgleich es wohl dazu kaum Ihrer Erlaubniß bedurft hätte, da ich ja gegenwärtig Herr dieses Laiidgutes bin, so wollte ich Sie doch auS Höflichkeit zuvor davon in Kcnnlniß fetzen."
„Der Erfüllung Ihres Wunsches stehl meinerseits nichts (entgegen," versetzte der Lieutenant ohne Bedettken, da ja das Erbbegräbniß außerhalb des Schloffes im Park gelegen wat und zu der miluärifchen Position der Preußen hier in gar keiner Beziehung zu stehen schien.
Nachdem sich Gaston v. Segur mit einer leichten Verbeugung von dem feindlichen Offizier verabschiedet hatte, ging er zur Kapelle im Park hinab. Er fand die Gruft verschlossen und es zeigte sich auch Niemand, der ihm hätte berichten können, wo die Schlüffel zu der Gruft hingen. Wir wiffen fteilich, daß sie sich in den Händen der alten Pitag be|anben. Gaston schritt also auf das nahe Gartenhaus zu, wo Annette sonst gewöhnlich zu arbeiten und zu schaffen pflegte. Heute war sie indeß gerade nach einem benachbarten Ott gegangen, um eine arme Familie zu besuchen. Die Eltern lagen krank am Typhus barnieber, und Annette wollte einmal nach den hülslosen Ktndern sehen unb sie durch allerhand Gaben unterstützen.
Im Gaitenhause trafen GastonS Augen auf einiges Zimmergerälhe, das bestäubt in einer Ecke lag. Et beugte stch zu demselben nieder und wählte einen langen Bohrer, einen Hammer unb eine Zange aus, um mit Hülfe dieser Instrumente das Vorlege>chioß der Begräbnißrhüre gewalt- jam zu erbrechen. „Vielleicht", dachte er, „gebrauche ich