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Marburg, Freitag,: 8. Januar,1875.

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X Jahrgang.

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WerheMt Zeitung

Anzeigen nimmt entgegen: bie ®x»ebition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Saffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc-; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a- M. rc.

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5ür in der Expedltion zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg herechnet " vl8-

Anzeigen nimmt entgegen:

: die Expedition d- Blattes, sowie 6ie Annoncen-Bureaux von G- L. Dgube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche ' Buchhandlung in Frankfurt«.

M.; Jnvalidendcknk, A. Rete- mqger in Berlin; Call Schuß­ler in Hannover; C- Schlotte .. in Bremen-

u.«

Gegenwärtig beschäftigt man sich im landwirthschaftlichen Ministerium mit der Bearbeitung eines Waldschutzgesetzes. Die Veränderung der StaatSdomainen sollen im Abgeord­netenhause von liberaler Seite zur Sprache kommen. Es ist anzunehmen, daß man in dieser Beziehung mit den Maaßnahmen der Regierung sich einverstanden erklären wird; denn als Grundlage des Credilö sind in gegenwär wärtiger Zeit schwerlich noch die Domänen nöthig. Dagegen steigt durch die Veräußerung auf jeden Fall die Reniabi

Der Kaiser hat zur Vollendung des zur hundertjährigen Geburtsfeier Ernst Moritz Arndt's auf Rügen begonnenen, aber durch den Krieg im Bau unterbrochenen Denkmals 3000 Mk. bewilligt. Es ist sehr zu wünschen, daß das öffentliche Interesse, welches seither durch Sammlungen für Denkmäler, welche sich auf die neuesten Ereignisse be­ziehen, in Anspruch genommen war, sich wieder dem An­denken deS Mannes zuwende, der sein Leben hindurch das angestrebt und für das gekämpft, was jetz. erfüllt ist und der es prophetisch ausgesprochen worauf der Kaiser bei dem ersten Empfang, der ihm bei der Rückkehr aus Frankreich bereitet worden, und zwar am Rhein, aufmerk am gemachtDer Rhein, Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze."

Das Handbuch über den Preußischen Hof und Staat ür das Jahr 1875 hat mancherlei Verbesserungen und Erweiterungen erfahren. Manche Jrrthümer und Lücken inv beseitigt, die Rechtschreibung der Namen verbessert, auch sind neue Ergänzungen hinzugekommen. Wir heben nur hervor das Bureau für die Landestriangulation, den Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten, die Commission

He, wer ist denn das?" murmelte auf einnal der Corporal Herdtng, indem er sich aus feiner bequemen Lage auf dem roihen Plüschdivan etwas emporrüttette und auf­merksam nach dem breiten Hauplwege hinschaule, welcher in gewundenen Linien den Park burchichnirt und bann auf das Schloß zuiührte.Ich glaube gar, 's ist die alte Pitag!" .... setzte er nach einer kurzen Pause hinzu. Was will denn die schon wieder einmal hier! Die Alte mit ihrem widerlichen Gesicht und ihren giftigen Blicken

wächst, -außerdem aber fällt dem -Staat auch noch das Steuererträgniß zu.

Man wirft jetzt schon vielfach die Frage auf, ob der Landtag unmittelbar nach seinem Zusammentritt und der Constituirung des Vorstandes eine vollständige Pause in seiner parlamentarischen Thätigkeit eintreten lassen wird, um dem Reichstag den freiesten Spielraum für die Er­ledigung seiner dringendsten Aufgaben zu gönnen. Jeden- ialls werden sofort nach den Vorstandswahlen Vorlagen von Seiten der Regierung an den Landtag gebracht wer den, und falls derselbe die Ueberweisung an Commissionen beschließen sollte, so würden wenigsten« die letzteren wäh­rend des durch die Verhältniffe gebotenen Interimistikum« ihre Thätigkeit beginnen können.

Blunschli hat in derGegenwart" ein Gutachten über das Urtheil in dem Prozeß Arnim veröffentlicht, das keineswegs sehr günstig für das Gericht ausgefallen ist. Der berühmte StaatSrechtSlehrer hebt ganz besonders her­vor, daß die juristische Methode der Gesetzesauslegung dem allgemeinen Rechtsgefühl in diesem Falle nicht entsprochen habe. Auch stimmt er nicht damit überein, das mau diplo malische Actenstücke nicht als Urkunden habe gölten lassen wollen. Schließlich kommt er zu dem Ergebniß, daß jede unbefangene Prüfung die bedenklichen Mangel der juri­stischen Methode und des juristischen UrtheilS aufdecken muffe.

Der Marketender.

Erzählung von Hermann jtleinftcuber.

(Fortsetzung.)

Unter diesen Gedanken war Peter Wenk die etwas morschen Stufen der Bodentreppe hinaufgestolpert.

AlS er oben seines Bruder« ansichtig wurde, der im tiefen Schlafe lag und noch den Heubüschel zwischen den Zähnen hatte, ries er lachend:

Sapperment, ist'« hier schon so weit gekommen mit der HungttSnoth, daß Du armer Kerl Heu fressen mußt, gerade wie ein Schimmel I ... Na, da wird« wahrhaftig die höchste Zeit, daß wir auf'« Schloß hinausrücken, wo Jungfer Annette schon besten« für unsere Verpflegung sorgen wird. He, Heinrich, steh' aus," schloß er, diesen heftig rüttelnd;« wird abmarschirt und Du sollst meinen Schimmel erst noch futtern, darfst ihm aber b-« Bischen Heu nicht etwa wegnehmeu und e« selber verzehren I"

E« dauerte lange, ehe sich Heinrich vollkommen er- munterte. Al« die« endlich geschehen, mußte er ein wahres Schnellfeuer von Witzraketen aushalten, welches die Kame­raden wegen seine« gräulichen Schnarchen- und wegen de« dagegen angewandten Mittel« gegen ihn losließen.

Der Abzug nach dem Schlöffe Lombay halte übrigens dm Marketmder so heiter gestimmt, daß er sich außer- ordentlich sreigiebig zeigte. Er holte an« seinem Koffer ein Bündel Cigarren hervor, jenes so viel begehrte (St nußmittel unserer Soldaten in Frankreich, und reichte jedem Soldatm ein Stück davon. Die Leute waren darob seines voll, zumal sie sich gleich überzeugten, daß die geschenkten Cigarren recht rauchbar waren und nicht et >a zu jener 1 schlechten Sorte gehörten, welche der Soldatenwitz später Gambettacigarren" taufte, weil dieselben eigentlich nur i im Luftballon zu rauchen {eien. ,

inanen auf dem nächtlichen Marsche nach dem Schlosse Lombey. Wohlgemuth schritten sie dahin, die wackeren Männer, denen keine Strapaze zu groß, keine Mühsal zu schwer war, wenn eS dem Dienste deS theurea Vaterlandes galt. Ob eS Tag oder Nacht, ob der Weg gut oder Ichlecht, ob _ sie selber hungrig oder gesättigt, ob sie müde oder schlafdürftig, Alles galt ihnen gleich im Bewußtsein der heiligen Pflicht, welche sie zu jeder Anstrengung, auch der schwersten, befähigt und ihnen noch dazu einen heiteren Sinn, eine nie versiegende Fröhlichkeit verlieh.

Dem Zuge voraus schrill Mutter Pitag, hinter ihr her der Coeporal Herding, behaglich gesättigt von dem Pferdefleisch, Beefsteak, dessen Zubereitung dem jungen Tambour und angehenden «och doch endlich in höchst be­friedigender Weise gelungen war.

E« war ein sonniger warmer Nachmittag. Diesen be­nutzten verschiedene Füsiliere von den beiden Corporalschas- ten, die jetzt in Schloß Lombey lagen, dazu, ein wenig im Freien zu weilen, zu plaudern und zu rauchen. Sie satten sich behaglich au-gestreckt auf dm im Garten stehen den Möbeln, und eS gewährte einen eigenthümlichen An­blick, wie diesebösen Barbaren" mit ihren lehmigen Stiefeln ganz seelenvergnügt auf den seidenen Sopha'S, auf dm Lehnstühlen mit kostbaren Ueberzügen der Ruhe pflegten. Wer wollte es ihnen verdenken! . r . Lag e« sich doch da weit besser als auf dm harten Dielen oder auf dem feuchten Erdboden, wo sie seit Eröffnung deS Feldzugs so oft hatten kampiren müssen.

»0, Monsieur de Segur caput I« jammerte die alte, indem ihr Thlä.ien auf den gefurchten gelben Wan­gen niederperltm.Caput, caput!" wiederholte sie schwer seufzend und ihre fleischlosen Finger in einander ringend.

»Herr v. Segur ist tobt?.. . Nun, wie ist denn da« ^gegangen?" fragte der Unt.roffizier.

Die Alte gab ihm durch einen Wink zu verstehen, daß er ihr folgen möge. Herding erhob sich zwar nur ungern und mit einem gewissen Widerstreben von seinem bequemen Lager; aber er erleichterte eS sich durch folgende

Alle warm feelenbergnügt Ein lustiges Singen hob «:Franzos, Franzos, Du mußt retiriten, retititen" u. f. ».

Vinnen kurzer Zeit befanden sich die beiden Corporal.

kommt mir immer vor, wie eine Nachteule, die ein Ungiücks- haus umkreist. Sapperment, aber heute sieht sie ganz be- jonbei« feierlich au«; sie hat ja eine richtige Leichenbitter- mtene angenommen.

Während diese« Selbstgespräch« war jene Gestalt näher gekommen, welche HerdingS Aufmerksamkeit erregte. Die scharfen Augen des Uniero fizters hatten sich nicht gelauscht. E« war wirklich Mutter Pitag, die alte Gärt nerSiran; er hatte sie schon von ferne erkannt, obwohl sie sich heute in einem anderen Anzuge, wie gewöhnlich, zeigte. Statt des buntfarbigen Tuches hatte sie ein schwarzes um ben Kopf gewunden; auch die etwas nach vorn gebeugten schultern bedeckte ein Ueberwttrf von gleicher Farbe.

Na, heute ist hier nichts mehr von Gemüse zu holen!" rief ihr Herding entgegen.Wir haben Alles aufgespeift, da eS uns selbst an Lebensmitteln zu mangeln begann trotz der eifrigen Sorge, mit welcher sich die Wtrthfchaf' terin, Mademoiselle Annette, unserer Verpflegung annimmt. Du hättest Dir also dm Weg ersparen können, Mutter Pttag! Ohnehin darfst Du ja jetzt wohl nicht mehr nach Metz hinein, da die Absperrung viel strenger gewor- den lst."

Die Alte schnitt ein gor klägliche« Gesicht, i »dem sie zugleich mit den knochigen Händen eine abwehrende Be­wegung machte.

Also Gemüse willst Du nicht! Was denn aber sonst!" forschte Herding weiter.

1 st'tut, die geologische --Landesanstalt, die neugebilbetc 5. Abtheilung deS Handelsministeriums, das Departement für das Jnvalidenwesm, die Inspektion für das Militär-Bete- ' nnärwesen, die Cmtrallandfchaflm für die Preußischen Staaten, daS neue brandenburgische Cteditiiistitut, der ka­tholische Bischof Dr. ReinkenS, und die neuerrichteten Eisenbahnkommissionen. DaS Buch ist in Folge dessen um mehrere Bogen vermehrt-

Sehr bezeichnend für die ultramontane Ueberheiung-ist folgender Passus au« der römischen Correspondenz des Kuryer Poznanski". Am vergangenen Sonnabend (am 19. Dezember) -hatte da« politische Kollegium gleichzeitig mit dem deutschen (coltegium germanicum) eine Audienz beim heiligen Vater. Als der Papst in den Saal trat, nef er fröhlich au«: Endlich ist doch-einmal Deutschland und Polen einig. Hierauf entgegnete bei Pater Serne- nenfo: Sie sind immer einig, so oft sie vor Christus (!) stehe». Am Schluß feiner Ansprache äußerte der Papst unter Bezugnahme auf die jetzige furchtbare Zeit (!) Man muß die Feinde der Kirche zertreten, ober wie kann man dies ohne gute Sohlen? , .>

Nach derPosener Zeitung" sind wegen verweigerter Zeugenaussage in Sachen des päpstlichen- Delegaten in-dm letzten Tagen wieder die Dekane Kuklineki von. Kosten, Basinski von Pieschen und Michalak von Olobok in tze- richtliche Haft genommen worden. «

®er Magistrat in Thom hat gegen feie Bestimmungen der Vorlagen de« BundeSratheS -über die Retchsdank, in welcher e« heißt:Die Reichsbank und ihre Filialen sollen in allen Bundesstaaten frei von Einkommen- und Gewerbe­steuern und zwar sowohl gegenüber dem Staat, al« auch 6en Cornmunen fein," bei dem Reichstage pettücnirt mit Rücksicht darauf, daß durch diese Bestimmung der Stadt Berlin und bett Städten, in welchen sich Bankfittalen be« l"den, eine nicht unerhebliche Einnahme- an Cominunal- steuer entzogen werden würde, und er hat auffetcetn Ma giftrate der interessirmden Städte ersucht, sich ver Petnion anzuschlichen. '

Deutsches Rnch.

Berli«, 6. Jan. Die heutigeProv -Corr.« schreibt tn ihrem LeitartikelDer kirchenpolitische Kamps im Jahre 1874": Je mehr die deutsche Regierung durch vas ge- ammte Auftreten der ultramontanen Partei sich in der Ueberjcuguag bestärkt sah, daß sie eS nach dem Geiste und Streben der Führer mit einer revolutionären Partei zu hun habe, welche nicht blos vorn Auslande her geleitet wiib, sondern auch ihre Stütze und Hülse von cen Er

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ftuf bafi erste Quartal 1875 werden noch sort- C* während Bestellungen bei allen Postan­stalten und bei der Expedition angenommen."

Tagesbericht.

Wie dieProvinzial-Korrespondenz" miltheilt, wird die Eröffnung be« Landtags voraussichtlich durch Se. Majestät den Kaiser Allerhöchstselbst am Donnerstag, 14., erfolgen.

Am Dienstag wurde in bet Plenarsitzung be« Bundes- rathS eine Vorlage über den zu Brüssel am 24. Dezember v. I. unterzeichneten AuSliesemngSvertrag mit Belgien den Ausschüssen überwiesen, ferner tarn die erfolgte Ueberweisung ber Vorlagen üvm ben Auslieferungsvertrag mit den Ver­einigten Staaten von Amerika an den Justizausschuß, so­wie ein Gesetzentwurf über die Erwerbung des Ravziwill- schen PalaiS zur Mittheilung. Die längste Zeit nahm die Be- rathung be« Gesetzentwurf« über die Beurkundung be« Personen stanbe« und die Eheschließung nach den Anträgen bes Justiz- ausschusse« ein. Der BundeSrath nahm die Vorlage an und überwies sie sosort an den Reichstag, bei welchem sie schon am 11. b. M. zur Berathung kommen wirb.

Das Markttenberwesen im Kriege soll einer eingehenden Regelung unterzogen werden, am den mancherlei Unord­nungen, die in dieser Branche im letzten Kriege vorgekom men sind, vorzubeugen. Es sollen in Zukunft nur zuver­lässige Leute auS dem beurlaubten Stande genommen werden. Ihr Verhältniß, sowie ber Preis ihrer Maaren soll ton- tractllch geregelt werden.

Der im Ministerium des Innern ausgearbeitete wich­tige Gesetzentwurs über die Verfassung der Verwaltungs­gerichte und daS Verfahren bei Verwaltungsstrettsachen ist in ben letzten Monaten zunächst Gegenstand der Ver­handlung zwischen den einzelnen Ministerien gewesen. Ans Grund derselben ist vom Minister des Innern eine weitere Verarbeitung des Entwurfs vorgenommen und derselbe nunmehr dem Staatsministerium zur Beschlußnahme un terbreitet worben.

litte de« Boden-, so daß dadurch der allgemeine Wohlstand! für pharmaceullsche «ngel^e'nhei^ baS geobäsische In-