Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Sr. 4

Jllatßurg, Mittwoch, 6. Januar 1875.

x. Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: di« ExvedUiou d. Blattes, sowie bie Annoncen-Bureaux von Th- Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leip­zig, Cölnrc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Mcchrjsislhc Ieilung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes sowie dl« Aimoncen-Bureaur von G. L. Daube & Co. ir Frankfurt a. M.-Jäger'schr Buchhandlung in Frankfurt a M.; Juvalidendank, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schuß­ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint "glich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirtes Sonntagsblatt" durch die Expedition «Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2l< Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gefpaltene Zeile 10 Pfg

Für »n der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Bundesrath noch sehr eingehende Berathungen und Arbeiten

mutig darüber in den leitenden Kreisen eine sehr ernste sein, zur Folge gehabt. ES mußten mehrere Abschnitte einer Anträgen auf Amtsemietzung von Geistlichen baS Plenum Ucber die Angelegenheit selbst ging uns gestern Abend noch > genauen Durchsicht und theilweiscn Umänderung unterworfen j beS obersten LandeSgerichlS" (nicht einen SpeziaigerichtS-

jlitf das erste Quartal 1875 werden noch fort- während Bestellungen bei allen Postan­stalten und bei der Expedition angenommen.

werden. Einzelne Veränderungen mußten noch von den Regierungen genehmigt werden. Die Hauptarbeiten hatten die Referenten^ des BundeSrathSauSschusfes, der kaiserliche Ministerial-Rath von Riedel und der Geh. Rath Dr. Michaelis. So entstand eine ganz neue Vorlage, welche nach einem früher genommenen Abkommen nicht durch den BundeSrath sondern als Verbesserungsvorschlag deS Ab­geordneten Harnier an die Kommission ging. Diese Vor­schläge liegen nun bereits gedruckt vor, halten sich aber strenge an die vom Bundesrath ausgestellten Grundzüge. Das Gesetz selber zerfällt in fünf Abschnitte. Tit. 1. Allgemeine Bestimmungen. Tit. 2. Reichsbank. Tit. 3.

Privatnotenbanken. Tit. 4. Strafbestimmungen. Tit. 5. Schlußbestimmungen. In dem letzten Abschnitt sind die Bestimmungen ausgenommen, nach welcher die Preußische Bank in eine RetchSbank umgewandelt werden kann.

Darmstadt, 3. Jan. In der gestern stattgehabten, von sämmtlichen Ausschußmitgliedern, dem Präsidenten der zweiten Kammer, dem Ministerpräsidenten Hofmann und dem Director des Ministeriums des Innern, Frhr. v. Starck, besuchten Sitzung des für die sogenannten Kirchengesetze gewählten Ausschusses zweiter Kammer wurde nach mehr als zweistündiger Beralhung völliges Einverständniß unter den Mitgliedern deS Ausschusses und den Vertretern der Regierung erzielt und damit daS schwebende Gesetzeswerk seiner endgültigen Lösung um einen brmcrkenSwcrthen Schritt näher gebracht. In einer Reihe von Punkten wird der Ausschuß dem Plenum der Kammer Beitritt zu den Beschlüssen erster Kammer, in anderen Beharren auf den früheren Beschlüsien empfehlen. Wir heben in diesen beiden Richtungen, weniger bedeutende Punkte außer Acht gelosten, Folgendes hervor: Bei dem Gesetz, die rechtliche Stellung der Kirchen- und Religionsgemeinschaften im Staate betreffend, hatte die zweite Kammer beschlossen, die Publikation dieses Gesetzes von dem Inkrafttreten der drei folgenden Gesetze abhängig zu machen, was die erste Kam­mer nach Anleitung des RegierungsenlwurfeS ablehnte. Der Ausschuß beantragt jetzt Fallenlasten des früheren Vorbehalt«. Bezüglich der Gefetze betreffend den Mißbrauch der geistlichen Amtsgewalt hatte die zweite Kammer die Zulässigkeit derFreiheilS'sttrafe als DiSciplinarstrasmittel (entgegen dem Regierungsentwurf) verneint. Die erste Kammer war bei dem Regierung entwurf verblieben. Der Ausschuß beantragt jetzt Annahme der Regierungsvorlage bezw. Beitritt zu dem Beschluß erster Kammer. Auch wird Beitritt zum Beschluß erster Kammer beantragt, welcher bei

Tagesbericht.

Die neuesten Vorgänge in Spanien scheinen in den maßgebenden Kreisen hier bereits vorausgesehen zu sein. Einer Brsorgniß, als ob durch dieselben der Friede gestört werden könne, begegnet man nicht. Se. Majestät der Kaiser gab am Neujahrstage gleichfalls der zuversichtlichen Hoff­nung Ausdruck, daß der Friede gesichert sei.

Man versichert, daß der Kaiser in seinem Schreiben an Victor Emanuel den Wunsch ausgedrückl habe, daß es ihm bald vergönnt fein möge, demselben in Italien seinen Besuch zu erwiedern.

Der Kaiser Hal dem Comite für das ArndtS-Denkmal 3000 Mark als Weihnachtsgeschenk überweisen lassen.

Das in der BundeSrathssitzung vom 21. December beschlossene Fahrpolizcireglement für die Eisenbahnen Deutsch­lands ist am 1. Januar in Kraft getreten, währens die Signalordnung mit dem 1. April Gültigkeit erhalten wird.

Die französischen Legitimisten, an ihrer Spitze Herr von NedaillaS, der Präfect der untern Pyrenäen, sollen in sehr eindringlicher Weise Don Carlos den Rath ertheilt haben, den Besitzern der bei Guetaria gestrandeten mecklen­burger BriggGustav" Ersatz für jeden erwachsenen Scha­den zu leisten und ihnen womöglich auch die Ladung un­versehrt zurückzusteüen, da man Repressalien der deutschen Regierung befürchte, welche dem Carlismus leicht ein Ende machen könnten. Auf alle Fälle solle man die Angelegen- heit vertuschen und durch offiziöse Berichte den unangeneh men Eindruck, welchen dieselbe aufs Ausland gemacht, zu verwischen suchen. Die Angelegenheit selbst wurde bis dahin von der offiziösen Presse mit großer Vorsicht be- handelt, weil die Regierung erst genauere Erhebungen über den Thatbestand erhob. Ueberhaupt faßt daS Auswärtige Amt nur auf Grund amtlicher Berichte Entschlüsse und läßt selbst die glaubhaftesten Privatnachrichten unberück­sichtigt, da dieselben zu leicht von momentaner Erregung beeinflußt sind. Ein derartiger amtlicher Rapport soll der Reichsregierung erst in den allerletzten Tagen zugegangen sein, was durch das im Norden Spanien herrschende Un­wetter, sowie die Unterbrechung aller Comunicalionen leicht erk ärlich ist. Nunmehr soll sich die Reichsregierung an» gelegentlich mit der Affaire beschäftigen und soll die Stim-

folgendes Telegramm zu, daS nur in einem Theile der gestrigen Nr. zum Abdruck gelangen konnte: Die Beschießung der Rostocker HandelsbriggGustav" seitens der Carlisten ist nunmehr durch die erfolgte Vernehmung der Matrosen deS Schiffes festgestellt; ebenso ist constatirt, daß die Mann­schaft durch die Beschießung verhindert wurde, ein dritte« Anker auSzuwerfen. Die Beschießung hat folglich den Schiffbruch mit herbeigeführt.

Der Entwurf de« CivilehegesetzeS liegt jetzt den Regie­rungen zur Begutachtung vor, Anstände sind, soviel wir hören, bisher von keiner Seite erhoben worden. Entgegen­gesetzte Gerüchte sind grundlos. Der BundeSrath wird in den nächsten Tagen eine Plenarsitzung abhalten und sich über den Entwurf schlüssig machen, der am Sonnabend oder Sonntag schon in den Händen der ReichStagSmit» glieder sich befinden soll und dann auch ganz bequem die erforderlichen drei Sitzungen passtren kann.

Dem Vernehmen nach werden Seitens deS Staate« mit Rücksicht darauf, daß die Staats-Klassensteuer auf 14 Millionen Thaler (42 Millionen Mark) jährlich contin- gentirt ist, die Einschätzung indeß im ganzen Lande eine höhere Summe ergeben hat, die Sätze dieser Steuer für die einzelnen Stufen im Jahre 1875 nicht im vollen Be trage erhoben werden. Wieviel Procent der Normalsätze sortfallen können, steht indeß bi« jetzt noch nicht fest.

Die braunschweigische SuccesstonSfrage ist in letzter Zeit wieder in Anregung gebracht und zwar wie wir ver­nehmen von Braunschweig auS. Die verschiedenen Projekte, welche bisher erörtert wurden, haben allerdings noch nicht zu einem definitiven Ergebniß geführt, aber man ist in den entscheidenden Kreisen schon jetzt zu der Ueber- zeugung gelangt, daß eine befriedigende Lösung der Frage bei dem beiderseits bekundeten guten Willen mit Sicherheit zu erwarten sei.

Die Zurückziehung der bayrischen Gesandtschaft beider Curie soll in kürzester Zeit bevorstehen und dem päpstlichen Hof bereits oificiell mitgetheilt sein.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Januar. Fürst Bismarck leidet seit un­gefähr 14 Tagen an den Folgen einer Etkältung, die sich aus den letzten Sitzungen deS Reichstages herschreibt. Der Kanzler hütet da« Zimmer; wiederholte Versuche, sich der Luft auszusetzen, find von keinem günstigen Erfolg begleitet gewesen. Der Bankgesetzentwurf hat in dem

Der Marketender.

Erzählung von Hermann Äieinfteuber.

(Fortsetzung.)

Annette warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu, denn sie merkte wohl, daß in dem Burschen eifersüchtige Ge­danken auffttegen. ES wäre verzeihlich gewesen, denn aller­dings mußte eS befremden, daß Herr v. Segur mit solcher Leidenschaftlichkeit auf Annettens Entfernung bestanden hatte.

Uns freilich kann das nicht Wunder nehmen, da wir wiffen, welchen ruchlosen Plan er verfolgt.

Der unterirdische Gang mündete in dem Gartenhause au«, das zeitweilig a-s kleine Meierei diente, weil das eigentliche Gebäude derselben ganz baufällig geworden war. ES mußte also dem Hauptmanne, wenn er Mittelst jenes Ganges feine teufliche Absicht ausführen wollte, vor allen Dingen daran liegen, au« dem Gartenhause eine Person zu entfernen, die durchaus keinen fanatischen Deutschenhaß zeigte, die vielmehr mit den Preußen aus freundschaftlichem Fuße lebte und dieselben daher gewiß warnen würde, wenn ihr etwas verdächtig erschiene.

Wenn Schloß Lombey mit deutschen Kriegern belegt wurde, wollte sie der Hauptmann mit dem Schlosse in die Luft sprengen.

Dergleichen Schandthaten sind bekanntlich im Laufe des Feldzug« vorgekommen, und sie wurden von der ge- wiffenlosen Zeitungspreffe in Frankreich al« patriotische Heldenthaten gerühmt. Aber nicht Haß und Rache allein gaben dem Hauptmanne jenen heimtückischen Plan ein. Er hatte daS alterthümliche Schloß erst vor Kurzem käuf­lich erworben. Daffelbe war indeß, wie die dazu gehörigen WirthschaftSgebäube in sehr vernachlässigten baulichen Zu­stande. Die dringendste Nothwendrgkeit gebot, dieselben niederzureißen und von Grund au« neu aufzuführen. Da­zu aber fehlte dem neuen Besitzer, Herrn v. Segur, da« Geld, da sein Eigenthum ohnehin übermäßig verschuldet »ar. Er rechnete nun so:

Wenn du den allen Steinhaufen be« Schlosses mit der etwaigen preußischen Besatzung in die Lust sprengst, so wird man dies als eine patriotische Heldenthat, als ein großartiges Opfer deinerseits pt eisen, und die Re­gierung wird nicht verfehlen, dir als Belohnung und Ent schäbtgung dafür eine Summe zu zahlen, mit der du das Schloß und die WirlhschaslSgedäude in prächtiger Weise wieder aufbauen kannst. Dann bist du mit einem Male au« der Verlegenheit; dich umgibt der Glorienschein eine« guten Patrioten und du hast auch ein ganz neue« nach deinem Geschmack erbaute« Schloß; kurz, es bringt dir Ruhm und Voltheil."

Ruhm und Voriheil sind ja die beiden Dinge, nach denen die meisten Franzosen jo hungrig schnappen. Sie waren auch die Beweggründe, welche den Hauptmann bei seinen Absichten leiteten. Die Energie und Entschlossen heil seines Charakters drängten ihn, den einmal getagten LteblingSplan auszuführen und jedes Hinderniß zu beseiti gen, welches sich ihm etwa in den Weg stellte. Mit List oder Gewalt hoffte er auch noch Annetten au« dem Gar­tenhause zu entfernen.

2.

Die drei gewaltigen Schlachten bei Metz waren vor­über und der Plan Moltke'S vollkommen zur Ausführung gebracht: Lazaine'S Armee mußte in die Festung zurück. Die Einschließung derselben begann. Da entfaltete sich denn ein eigenthümliches Leben in dem den deutschen Cer- nirungSlinien.

ES war in einem kleinen Dörfchen. Die Corporal- fchaft einer Füsiliercompagnie lag auf einem Booen über einem Pferdestalle, für dessen Lüftung hinreichend gesorgt war durch Löcher im Fußboden unv im Dache, durch Lucken an allen Seiten, die nicht verschtoffen werden konnten, und durch den Zug, welcher die Treppe herauskam.

Bei den damals kalten Nächten war das allerdings gerade kein sehr behagliche« Quartier; dennoch befanden sich die Insassen deffelben in der heitersten Laune. Obwohl

die Sonne erst im Untergehen begriffen war, so legten voch schon einige der Füsiliere ihre Nachtkleidung an, weil eS hier nur am Tage Licht gab.

Der Anzug sür die Nacht war folgender: drei Paar Hosen übereinander, Strümpfe und Stiefel, Rock, Mantel mit darüber geschnalltem Lederzeug, Brodbeutel, Flasche und Feldmütze. Der Helm wurde recht« neben den Tornister gestellt, der al« Kopfkissen diente. So war man im Nu marschfertig, wenn e« etwa Allarm gab. Zu Denjenigen, "eiche sich, auf diese Weise angethan, nüberlegten, gehörte auch Heinrich Wenk, der Bruder de« Marketenders, dessen Bekanntschaft wir bereit« gemacht haben.

Andere waren noch mit Putzen beschäftigt, indem sie dabei eine Kleiderbürste gebrauchten, die zugleich als Stiefel», Gewehr- und Knopsbürfte diente. Ein blutjunger Tambour, der hier als Mundloch fungirte, bereitete für ben Corporal ein Beefsteak, inbem er mit der blanken Säbelklinge unermüdlich auf ein zähes Stück Pferd°fleisch loshackte. Al« er damit fertig war, benutzte der brauchbare Mensch den Griff seines Säbels dazu, für den nächsten Morgen Kaffee zu mahlen; er zerquetschte die Bohnen ober zerklopfte sie vielmehr mit dem breiten Griff. Dann that er den klaren Kaffee in fein reinliches Schnupftuch, welches dem erfinderischen Burschen zugleich als Kaffeeteichter ober Filtrirsack diente.

-He Tambour hast Du mein Abendessen fertig ?" fragte der eintretende Corpora!.

Nein, 'S wird wohl eine Weile dauern", versetzte der Angeredete kleinlaut.

Aber warum denn? Mein Magen knurrt gewaltig!" rief bet Corporal etwas aufgebracht.

«Na, heut' ist eine Ausnahme," erklärte der Mund­koch.Unser Wirth liegt nämlich mit seiner Frau schon lange am Typhus krank. Und da wird ihnen eben unten im Karnin ein heilsamer Trank gekocht; '« giebt aber nur nen einzigen Kamin im Hause, und da mein ich, man