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Marburg, Dienstag, 5. Januar 1875.

St. 3

x Jahrgang

Q">bfrl|flTifd|c Jritung

Anzeigm nimmt entgegen: Me Exvedition d. Blatte», sowie die Ännoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfutt a. M-; Haasenstein L Vogler in Frankfutt a. M-, Berlin, Leip- lig, Cöln rc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a- M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d- Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfutt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

— Wo bleibt da die Menschlichkeit,

Nachreden und ihnen nicht zur Hand gehen, obwohl sie hier unsere verwundeten Soldaten eben so gut pflegen,

gern die barmherzige Schwester und willst, so fändest Du anderswo —

B. hier auf der Meierei das unS die französischen Soldaten auch davon laufen uito es ve»'

doch nur unseren Feinden zu wenn die Preußen hier nicht

sich gehalten.

In Weßpreußen soll durchaus das polnische Element dominiren. — Ein abgesetzter Kreisrichter von LySkowSki

„Nun, wirds bald!". . . donnerte der Hauptmann von Neuem.

Annette schüttelte indeß einfach das hübsche Köpf­chen und fuhr in Bereitung der Butter gelosten fort.

Zornfpcühenden Blicks sah sich der Schivßbesitzer um, ob sich etwa einige seiner Mannschaften in der Nähe be­fänden, denn er wollte jetzt das trotzige Mädchen unter Anwendung von Gewalt forlführen lasten.

Während er aber so den Rücken wandte, gab der Mar­ketender Annetten durch ein listiges Augenzwinkern zu verstehen, sie möchte nur noch kurze Zeit bei ihrer Weige­rung ausharren, denn die Preußen seien im Anzug.

Er wußte nämlich letzteres ganz genau, weil er bei der ersten Annäherung Der Franzosen aus eigenem Antriebe vom Schlosse fortgeeilt war, um die nächsten preußischen Borposten zu ollarmiren und sie von der Anwesenheit deS Feindes in Lombey in Kenntniß zu setzen. Annette nickte verstohlen, inoem sie dem Burschen einen freundlichen Blick zuwarf. Sie begriff fihr wohl, wa« ihr Derselbe hatte audeulen wolle«.

Der Marketender

Erzählung von Hermann Kleinsteuber.

(Fortsetzung.)

’ Der Besitzer deS Schlosses, Herr von Segur traf im Gattenhause drüben die Wirthschasterin Annette damit be- chäftigt, Butter zu machen. DaS emsige Mädchen hatte sich durch den unerwarteten Besuch in ihrer Hantirung nicht stören lasten, eS war, als ob es für sie keine Kriegszu­stände gäbe.

„Du behauptest, daß der Weinkeller von unlerm Mi­litär auSgeplündert worden ist?" fuhr der Hauptmann sie im barschem Tone an.

„Ich habe damit nur die Wahrheit gesagt, gnädiger Herr, und glaube deswegen keine Vorwürfe zu verdienen," entgegnete Annette ruhig, indem sie ihre hellen blauen Au­gen kaum einmal zu dem Hauptmann empor richttte.

„ES zeugt eben von keinem Patriotismus," seinen Landsleuten UebleS nachzureden," schalt dieser weiter, „wie eS mir denn überhaupt sehr mißfällt, Dich noch hier zu finden und zu hören, daß Du den Feinden unsere» Landes allerhand Liebesdienste erweisest! Warum hast Du bei

indem sich auf seiner Stirn drohende Falten zusammen- zogen. „Packe Deine paar Sachen augenblicklich zusammen und komme mit nach Metz hinein," schloß er, indem er mit der Hand nochmals gebieterisch nach der Thür winkte.

Hier lauschte feit wenigen Minuten ein Mann, dessen blonder Kops und Anzug den Deutchen verrielhen. Es war der Marketender Peter Wenk. Bei seinem kurzen Aufenthalt in Frankreich hatte erS zwar noch nicht so weit gebracht, die französische Sprache zu verstehen; aber er besaß genug natürlichen Verstand, um auS den brohendm G-derben des HauptmannS auf Das schließen zu können, was hier vorg ng. Hinter dem Rücken desselben deutete der Bursche eifrig mit den Händen aus den Boden und sah dabei die Wirthschasterin herzlich bittend an, als ob er sie zum Bleiben bewegen wolle.

als ihre eigenen?

die Gerechtigkeit!"

„Wenn Du so Samariterin spielen

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn, und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt" durch die Expedition iKoch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnserlionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annabme ron Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

gehaltenen Wählerversammlung versteigerte er sich sogar zu der Behauplung, daß, da die Gefahr für die polnische Nationalität sehr groß fei, die Pflicht, diese zu verthei Digen, um so größer sei. Man müsse Vereinen beitreien, welche die Erhaltung der polnischen Nationalität bezwecken. Dergleichen Recepte haben diese Apostel schon viel 6er schrieben, aber genutzt haben sie nicht in dem Sinne, wie dies die Agitatoren wollten. Und warum? Weil sich diese Volksbeglücker niemals um das Volk kümmerten, bis sie dasselbe zu ihren Zwecken erst bedurften. Der polnische Bauer hat ein gutes Gedächtniß und weiß sehr gut, wi> ihn früher der Adel behandelt hat.

Der Kreis Wetzlar will von der Rheinprovinz getrennt und zu Hesten-Nastau gelegt werden. — Eine politische Bedeutung hat diese Forderung natürlich nicht.

In Elsaß Lothringen macht ein unsichtbares Etwas die Leute zur Auswanderung nach Brasilien geneigt! Die Sache hat bereits die Aufficht der Behörden erregt und dieselben zu officiösen Warnungen veranlaßt.

AuS Bayern werden ganz merkwürdige Dinge gemeldet. Dort soll eine hochadelige Deputation den König Ludwig um eine Berufung eines ultramontanen partikularistischcn Ministeriums gebeten haben. Der König soll geantwortet haben: Wenn eine große ultramontane Majorität im Land­tage ein solches Ministeriums fördern sollte, so müßte dieses jedenfalls von vornherein auf eine Aenderung der Stellung Bayerns zum Reiche verzichten. Ueberdies würde es für die Herren und die Würde ihrer Partei ersprießlich fein, sich öffentlich von der Schmutzpresse loszusagen, wenn sie für Bayern wirken wollten." Die Herren zogen sehr enttäuscht ab, und die Partei fand sich bewogen, auf an­zügliche Fragen hin die Anwesenheit einer Deputation bei dem König zu leugnen, konnte jedoch nicht bestreiten, daß einige Vertrauensmänner ihr Glück vergebens versucht hätten. — Mit diesem Verfall wird auch das Auftreten des Herrn Jörg im Reichstage in Verbindung gebracht. Der Letztere war übrigens auch nicht viel glücklicher, da der Reichs tangier ihn gebührend abfertigte

Deutscher Reich.

Berlin, 3. Jan. Die ,N. Allg. Zig " schreibt: Die neueste Wendung der Dinge in Spanien tritt nicht unvor hergesehen ein. In der Reichstagssitzung vom 4. v. M. äußerte sich Fürst Bismarck u. A. folgendermaßen: „Ich habe mir gejagt, das Richtigste ist, wenn man die Reste staatlicher Konsolidation, die dort noch vorhanden sind,

in dem Gebiet, wo die Franzosen noch die Herren find — in Metz ober sonstwo leicht Gelegenheit dazu," erwiderte der Hauptmann mürrisch.

„Ein jeder bleibe an seinem Platze, wo ihn Gott hin- gestellt hat," sagte daS resolute Mädchen in ihrem schlichten

bet Annäherung bet Preußen nicht ben Hof unb bie Meierei verlassen, wie eS bie Andern gethan haben?"

„Weil ich keine Angst vor den Preußen hatte," ent« gegnete Annette ruhig.

„Nein, ich will eS Dir sagen", brauste Herr v. Segur auf; weil Du Dein Vaterland nicht liebst — weil Du keinen Haß empfindest gegen bie Feinbe Frankreichs."

Da schien bem Mädchen doch die Geduld auszugehen. Sie warf zornig einen Butterklumpen, den sie in den Händen formen wollte, in den Kübel zurück, so daß das weißliche Waffer dann hoch aufspritzte und selbst den Hauptmann traf. Während er sich mehrmals mit der Hand über das magere gelbe Antlitz wischte, stemmte An­nette die runden vollen Arme in die Hüfte und sagte keck: „So, ich soll also die Preußen Haffen, chnen alles Schlechte

finden, was fie nun einmal noihwenvig gebrauchen, so n.hmen sie eS anderswo — bei unfern Nachbarn," warf Annette sehr richtig ein.

„Over sie lernen eS entbehren," bemerkte der Haupt mann fpöttifch. „Man muß diejenigen für Verräther

Verstände. „Wer soll z. wenige Vieh besorgen, daS gelassen haben? Soll ich hungern taffen?"

„Du stehst, eS kommt gute!“

„Aber, gnädiger Herr,

nicht vollständig auslöschen läßt durch bie Rivalitäten im Lande und etwaiger feindlicher Mächte, die andere Inte- ' reffen haben; baß man die faktisch noch vorhandene ' Macht dort, die von der Mehrheit deS Volks einstweilen getragen — ob innerlich anerkannt wird, weiß ich nicht anerkennt und dadurch zu kräftigen sucht, damit man einer künftigen staatlichen Ordnung wenigstens den vorhandenen * 1 Rest von kapital staatlichen Institutionen noch übergeben ' kann. Wir glaubten, baß daS ber beste Dienst wäre, ben wir der spanischen Nation leisten könnten, ihr nachher überlaflenb, sich ihre Institution — die jetzige giebt sich ja für eine dauernde selbst nicht auS, sondern für eine überleitende — die Institution vollständig ihrer freien Wahl überlassend, die sie sich geben will. In diesem Sinne ha­ben wir unsererseits die spanische Regierung, wie sie jetzt augenblicklich besteht/ lediglich im Interesse Spaniens und um unsererseits zu thun, was wir konnten, um ben G.äueln des borticen Bürgerkrieges ein Ende zu machen, aner­kannt . . ." Die Gestaltung, welche sich gegenwärtig in Spanien zu vollziehen scheint, entspricht ber in jener Rede deS Reichskanzlers ausgesprochenen Erwartung. Es wird damit die Hoffnung erweckt aus eine Konsolidation der Dortigen Verhältnisse. Mit derselben Achtung vor der Frei­heit der Entschließungen der spanischen Nation, wie bisher, verbindet sich in Deutschland ber aufrichtige Wunsch, daß jene Hoffnung in Erfüllung gehen möge. Sie stützt sich, wie wohl angenommen werben darf, nicht am Wenigsten Darauf, daß die jetzt angebahnte Ordnung der Dinge an Zustände anknüpft, welche bereit» in Spanien Beftano ge­habt haben und allgemein anerkannt waren.

— Man sollte eS kaum für möglich halten, daß ein Correspondent im Stande wäre, einem von ihm beoienten Blatte so etwas aufzubinden, wie es der hiesige Corr-spon- 6ent eine« Frankfurter Blattes gethan. Derselbe schreibt dem genannten Blatte in Bezug auf den beabstchtigten An­kauf des Grundstücks für das lanDwirthschafiliche Mini­sterium, daß der Minister Dr. Friedenthal zu dem Kauf­preise auS eigenen Mitteln die Summe von 75,000 Thlr. zugeben würde. Selbst wenn Dr. Friedenthal, der ja notorisch ein reicher Mann ist, die Absicht hätte, seinerseits 75,000 Thlr. zu dem Ankauf beizutragen, so wäre es gar nicht möglich, dies zur Ausführung zu bringen; höchstens böte der Weg dazu Gelegenheit, wenn Dr. Friedenthal persönlich die Grundstücke Leipzigerplatz Nr. 9 und 10 von den bisherigen Besitzet n gekauft und sie 75,000 Thlr. unter seinem Einkaufspreise an den Staat ablassen würde. Dies ist aber nicht der Fall, vielmehr ist die Punktation mit den bisherigen Eigenthümern im Namen des Mini-

Halten, die freilich den Feinden Alle» entgegenbringen, was dieselben wünschen ober was ihren Zwecken dienen kann. Darum befehle ich Dir auch, die Meierei unb baS Gar- tenhaus sofort zu verlassen!" fuhr ber Hauptmann mit strenger Mime fort unb machte dabei eine gebieterische Bewegung mit ber Hand, al» ob er entschlossen fei, im Nothfall Gewalt anzuwenben.

Annette ließ sich aber dadurch keineswegs aus der Fassung bringen, sondern setzte dem Beseh! die Worte ent- gegen: „ber gnädige Herr möge eS mir verzeihen, ich werde hier ausharren, so lange als möglich."

„Du stehst in meinen Diensten, freche Dirne, unb Du wirst sofort gehorchen!" polterte ber Hauptmann hervor,

dominiren. — Ein abgesetzter Kreisrichter von LySkowSki dadurch stärkt, daß man sie anerkennt, oaß man ben glim macht dieserhalb Reisen unb in einer jüngst in Cobon ad- s menben Docht staatlicher Ordnung, der dort noch ist,

Auf das erste Quartal 1875 werden noch fort- e* während Bestellungen bei allen Postan­stalten und bei der Expedition angenommen.

Tagesbericht.

Der „Nationalzeitung" zufolge hat der Kaiser bei allen Erwiderungen auf officielle Ansprachen bei bem Neujahrs empfang seine Genugthuung über die friedliche Lage aus gesprochen und die Aufgabe de» deutschen Reiche» be­tont, in erster Reihe auf die Erhaltung de» Friedens hinzuwirken.

Der „R.-Anz." veröffentlicht das Gesetz vom 25. De­zember v. I. betreffend bie Festsetzung de» HauShaltsetatS fftr Elsaß-Lothringen.

Roten der preußischen Bank zu 100 Mark werden vom

1. Januar d. I. ab zunächst bei der Hauptbank ausgegeben werden. Der „ReichSanz." publieirt eine detaillirte Be­schreibung derselben.

Es war längere Zeit zweiselhaft, ob die Vormund­schaftsordnung unb bie damit zusammenhängende Deposita! Ordnung nicht durch die Faktoren de» Reichs erneuert wer­den müßten. In letzterer Zeit ist diese Ansicht jedoch zu- rückgetrtten und man hat beschlossen, dem fühlbaren Be- dürfniß durch die preußische Gesetzgebung abzuhelfen. Das Justizministerium hat den in der vorigen Diät des preuß. Landtags nicht mehr zur Erledigung gekommenen Entwurf eines Gesetzes über das Vormundschaftswesen vollständig ««»gearbeitet und hat den solchergestalt geenterten Ent­wurf den AppellationSgerichten zur Begutachtung unter­breitet. Nach Eingang dieser Gutachten wird ber fragliche Entwurf einer nochmaligen Prüfung unterworfen und dem­nächst bem Landtage vorgelegt werden.

Der von dem Cultusminister fertig gestellte Gesetz entwurf betreffend die Aussicht über das Kirchenvermögen wird allem Anscheine nach nicht zur Vorlage an den Land­tag gelangen. Man hält es für ausreichend, daß ein Ge setz über die Verwaltung des Kirchenvermögens erlassen werde und ein dahin zielender Entwurf wird auch zur Vorlage an den Landtag gelangen.

Im Posenschen mehren sich die Stimmen gegen die unbekannte Agitation unb sogar Geistliche, freilich noch vereinzelt, stellen sich auf Seiten ber Regierung. Der­gleichen hätte aüerbing» vor sechs Monaten kaum für mög