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JUarßurg, Sonntag, 3. Jannar 1875.

X Mw

ObcrhcUchc Jcitung

anerkennend über j dem Jahre '1874 folgenden Rückblick;

Wenn wir beim

Don Alphonso, der Bruder des Don Carlos, läßt in den „konservativen" Kreisen WienS mit großer Ostentation erklären, daß er nichts weniger als gesonnen sei, sich von der Sache dcS legitimen Königthums und der Religion loszusagen, und daß lediglich Gründe zwingendster, aber privatester Natur ihn veranlaßten, zeitweise vom Schau­platz der unmittelbaren Aktion abzutrctcn. So viel ist gewiß, daß die Vorbereitungen für seinen Aufenthalt in Graz contremendirt und eingestellt sind.

Das Memorial des Großherzogthums Luxemburg pub hcirt ein vom 26. Dezember datirteS Dekret, durch welches die Demission des Staatsministers und Präsidenten der ^oßherzoglichen Regierung Gervais angenommeu wird. Ein zweites Dekret nennt an seiner Stelle den Baron v Slochhausen.

Die „Indische Times" vom 7. Dezember berichtet °°b die gerichtlichen Behörden, welche den Auftrag haben! Nena Sahib zu verfolgen, sich beinahe überzeugt haben, daß der Gefangene nicht der richtige Nena Sahib ist. Man vtrd ihn deshalb nicht veruriheilcn können, daß er einen falschen Namen führt, weil dies nach indischen Gesetzen nicht strasbar ist. ®

Sie starrten die kahle, mit rothen, gebrannten Back­steinen aufgeführte Mauer kopfschüttelnd an.

„Und doch befindet sich eine Oeffnung hier," fuhr jener mit deveutungsvoller Miene fort. -C ' ~ ~

„Aber wie wollen Sie Pulver und Sprenggeschosse hierher schaffen?" warfen sie nach kurzem Besinnen ein.

»Zch hoffe, daß sich auch dazu Mittel und Wage finden "*'"'** c‘—' „Dieser Gang, der noch

Der Marketender.

Srrlthlung von Hermann Kleinstenber.

(Fortsetzung.)

Unten in den hochgewölbten Räumen angekommen, klopf-en und rüttelten die beiden Offiziere an den auf lan­gen Gestellen liegmden Stückfässern.

„Alle find leer!" äußerten sie dann zu einander.

„Ah, lasten Sie das, meine Herren I" rief ihnen der Hauptmann mit gedämpfter Stimme zu „Das ist ja nur Nebensache. Zch suchte blo» einen Borwand, um auf un verdächtige Weise in den Keller zu kommen. Lassen Sie uns zunächst nachsehen, ob sich auch Niemand hier ver» birgt und ob wir ohne Zeugen mit einander reden können."

Nun wurde der Keller sorgfältig untersucht. Die Osfi- ziere leuchteten unter die Weinlager und durchstöberten alle Winkel. Niemand war zu entdecken. Der Hauptmann betrachtete inzwischen eine Stelle an der schmalen Seite des Kellers mit aufmerksamen Blicken: jetzt winkte er seine Begleiter zu sich heran.

„Entdecken Sie hier eine Oeffnung?" fragte er sie

ordnung abgeben soll. Während man nämlich früher da­mit umging, nur für die 3 westlichen Provinzen eine neue Städteordnung vorzulegen, hat man sich jetzt entschlossen, diesen Entwurf auf sämmtliche 8 alte Provinzen des Staates auszudehnen. Ausgenommen sind vorläufig nur noch von den alten Landesiheilen Vorpommern und Rügen, von den neuen die Stadtgemeinde Frankfurt, Hannover und Schleswig-Holstein.

Bon Seiten der Seminarlehrer werden Vorstellungen wegen der GehaliSverhältniste dieser Lehrerklaste vorbereitet. Zn den parlamentarischen Kreisen, welche sich vorzugsweise mit den UnterrichtSangelegenheilcn beschäftigen, werden diese Klagen allerdings für begründet gehalten.

Zn polnischen Blättern werden alle Diejenigen, welche dem in Ostrowo inhastirlen Grafen Ledochvwski zu Neu­jahr gratuliren wollen, daran erinnert, daß die Gratula- tionSfchreiben bei Zeiten adgefendet werden müssen, wenn ste rechtzeitig an ihre Adresse gelangen sollen, da die Posten sich wegen des großen Schneefalles häufig verspäten. Zugleich sprechen die Blätter den Wunsch aus, daß auch an den in Koschmin inhastirlen Weihdischof Janiszowki Neujahrs- Gratulationen eingefcnbet werden möchten. — Ein im Ganzen unschuldiges Vergnügen. —

ES wird uns mitgetheilt, daß der Kaiser von Rußland aus den ihm vom Reichskanzler gelieferten Beweisen auf­richtiger Friedensliebe und Freundschaft für Rußland den Anlaß genommen hat, in einem eigenhändigen Schreiben an Kaiser Wilhelm seinen Dank auszusprechen. Auch

die von dem deutschen Reichskanzler befolgte Politik, wie ste sich durch die vertraulichen Depeschen, die im Prozeß Arnim verlesen worden sind, charakterisirt, ausgesprochen haben.

Bezüglich der Angelegenheit der Rostocker Brigg „Gustav" sind Erhebungen zur Feststellung der thatsäch- lichen Vorgänge angeordnet worden. Nach deren Abschlu wird die Reichsregierung sich mit der Angelegenheit weiter befasten. Wie mitgetheilt worden, soll anläßlich deö Ar nimschen Prozesses das Auswärtige Amt eine Archiv Instruction für die deutschen Gesandtschasten auSarbeiten lassen. Die Nachricht ist unbegründet, weil in dieser Maß­regel das Eingeständniß liegen würde, daß die bisherigen Vorschriften nicht ausreichend seien.

Der bisherige deutsche Minlsterresident und General Consul bei den Bereinigten Staaten von Columbia, Dr. Schuhmacher, welcher bekanntlich zum Generalkonsul in Ncwyork ernannt wurde, ist bereits auf seinem neuen Posten eingetroffen. In Bagota Hal der k. Großbritan nische Ministerresident, Mr. Robert Bunch, einstweilen die Leitung der Geschäfte der t Deutschen Mission über­nommen.

Tagesbericht.

Dr. v. Holleben, welcher seit der Beurlaubung des Reichsgesandten in Peking, Herrn v. RehfueS, als Ge­schäftsträger sungirt, hat die einstweilige Wahrnehmung der Stelle deS Geschäftsträgers in Japan übernommen. Die Versetzung des Herrn v. Holleben von Peking nach Jokohama steht mit der schon seit längerer Zeit in Aus­ficht gestellten Ernennung des bisherigen Ministerresidenten in Japan, Brandt, zum Reichsgesandten in Peking im Zu­sammenhang.

Die Appellation in dem Graf Arnim'schen Prozeß ist am 29. v. MlS. Abends zu später Stunde Seilens des Grafen noch angemeldet worden. Auch der Staatsanwalt Teflendorf hat gegen das erstrichterliche Erkenntniß am 29. v. M. appellirt.

Zum 7. Januar sind die Oberbürgermeister von 7 größeren Städten von dem Minister des Innern nach Berlin geladen, um einer Vertrauensmännerversammlung beizuwohnen, welche ihr Gutachten über eine neue Städte-

DeutscheS Reich.

Berlin, 31. Decbr. Die „Prov.-Corresp." widmet

etwa mannShohm Gang führte. Die Außenseite deS Ber- schlagS oder der Thür, welche dem Keller zugekehrt war war genau so angestrichen, daß sie sich in Nichts von der Wanbfliche unterschied und ganz dasselbe AuSfehen trug, wie die übrige Mauer. Daher entging diese Oeffnung den Blickm Desjenigen, der hier nicht Befcheid wußte.

„Dieser Gang kann uns von großem Nutzen sein," hob zetzt der Hauptmann von Neuem an. „Wenn eS zu einer förmlichen Belagerung von Metz kommt, wie et sehr wahrscheinlich ist, so bildet mein Schloß eine wichtige

Stellung in den Außenlinien der Belagerer DaS Schloß beherrscht nämlich bas Thal und die Straße, welche durch "5" Thaleinschnitt auf Metz hinführt. Der Feind wird die Wichtigkeit dieser Position bald erkennen und daher nicht verfehlen, das Schloß militärisch zu besetzen. Dann aber, fuhr der Hauptmann mit einem teuflischen Grinsen fort, „dann liegt es in unserer Hand, die Besatzung deS Schlosses in die Luft zu sprengm. Und bedenken Sie, meine Herren, welche mannigfache Voriheile wir bei Ge­legenheit dieses Handstreiches erringen können! Aus der um Metz gespannten eisernm Kette würde plötzlich ein Glied herausgerissen, dabei wäre eine Verwirrung in den «tnien der Belagerer unvermeidlich, und wenn sich gleich­zeitig eine Truppe der Unseren in den nahen Wäldern sammelte und von außen her auf diesen Punkt stürzte, so könnte ste sich mit einem anderen Corps, das zu derselben Zeit in der betreffenden Richtung einen Ausfall aus der gestung machte, die Hand reichen."

Die Oifiziere gaben durch ein lebhaftes Kopfnicken zu erkennen, daß ihnen die Bedeutung dieses Planes vollkom- men einleuchte.

«Oll dem Erbbegräbniß aber läuft ein anderer unterirdischer Gang bis an das Gartenhaus, das auf derselben Stelle erbaut ist, wo früher ein Kloster stand. Durch die V.r- bindung dieser beiden Gänge konnte man also unbemerkt in den Keller gelangen und alles Nöihige vorbereiten, um im gegebenen Augenblicke ven Herren Preußen, die sich hier eingenistet, daS Vergnügen einer Luftfahrt zu machen!"

n3°- Ja> köstlich! Diese Barbaren, die mit einer so affenartigen Geschwindigkeit marschicen, können es dann auch einmal im Fliegen versuchen!" lachte einer der

Schluffe des Jahres 1874 den Verlauf desselben noch einmal überschauen, um die politischen Ergebnisse für das preußische und deutsche Vaterland zusammenzufaffen, so erwacht zunächst die Erinnerung an die schweren Sorgen um die Gesundheit des Kaisers und Königs, welche beim vorigen Jahreswechsel das gefammte Volk bewegten, und wir preisen es als einen ersten großen Segen des Jahres 1874, daß der ehewürdige Fürst, mit besten Namen das erhebende Bewußtsein der wieder errungenen Größe und Kraft des Deutschen Reiches und zugleich das Bewußtsein der hehren Aufgaben destelben innig verknüpft ist, sich seit den ersten Wochen dieses Jahres von der vorüber­gehenden Schwäche in wunderbar raschem Aufschwünge wieder zu alter Kraft und Frische erhoben hat und diese neugestärkte Kraft wieder mit gewohnter Hingebung der weiteren erfolgreichen Erfüllung seines erhabenen Berufes widmen konnte. Schon im April war es dem Kaiser möglich den Reichstag persönlich zu schließen mit dem Ausdrucke des Dankes gegen Gott, der ihm dies nach ernster Krankheit gestattet habe. Zm weiteren Verlaufe des Jahres aber konnte der Kaiser, nachdem er an den altbewährten und ihm liebgewordenen Heilquellen vollends Stärkung gewonnen, sich aufs Neue mit bewunderungs­würdiger Ausdauer der Abhaltung der großen Heerschauen widmen, welche von jeher für die Entwickelung unseres Heerwesens von großer Wichtigkeit waren, in dieser Zeit aber eine noch erhöhte für die Vollendung der äußeren und inneren Einheit des deutschen Heeres gewonnen haben.

DaS hohe persönliche Ansehen des Kaisers, das Ver­trauen und die Verehrung, welche ihm im deutsche,: Volke gewidmet werden, hatten sich auch bei den wichtigen Ver­handlungen über die endgültige Feststellung der deutsche» .neereseinrichtung in wirksamer und wahrhaft bedeutunaS- voller Weise bethätigt.

Der Reichstag war am Beginn deS Jahres neu ge­wählt worden. Die Wahlen hatten die Stellung und Stärke der Parteien in der Versammlung erheblich verän­dert; das Schwergewicht, welches früher in der Vereini­gung der konservativen unv der gemäßigt liberalen Par- teien rührte, war jetzt fast gänzlich in Die liberale Partei rerlegt. Die große Mehrheit war unzweifelhaft uno auS drucklich zur Unteistützung der Regierung bei Den nächsten und wichtigsten Aufgaben der ReichSpolitik gewählt, und es bestand grundsätzlich kein Zweifel darüber, vaß eS eine bet vornehmsten dieser Aufgaben sei, die Grunblagen Der einheitlichen deutschen Macht namentlich auch in militäm

Beziehung dauernd sicher zu stellen. So sehr jeooch in dieser Beziehung Einverständniß innerhalb der Retchs-

! O fiziere, während sich der andere vor Vergnügen vie Hände rieb. °

Aus daS hagere, scharfgeschnittene Gesicht deS Haupt- mann« mit der großen Avlernase fiel ein matter Kenzen- schimmer, und das boshafte Grinsen, der tückisch aufleuch, lende Blick gaben ihm ein unheimliches Aussehen.

Der Hauptmann schloß nun den Verschlag sorgfältig wieder und wandte sich hierauf an ferne Begleiter mit den Worten:

„Kommen Sie, meine Herren, helfen Sie mir jenen Flaschenschrank vor die Thür ziehen, damit dieselbe um so sicherer vnborgen bleibt."

Die Drei rückten nun an die betreffende Stelle einen leichten Schrank, welcher mit ofsinen Fächern versehen war und der sonst zur Aufbewahrung der feineren ab­gezogenen Weine gedient hatte. Das Werk war bald vollendet und die drei französischen Militärs traten den Rückweg an.

Auf der Hausflur trafen die Franzosen wieder mit dem Maltheser zusammen.

„Im Keller ist gründlich aufgeräumt! rief ihm der Hauptmann zu, indem er jedoch keinen Augenblick die Würde deS vornehmen ManueS verlor.

„Die Unseren sind unschuldig daran," versicherte der Vorsteher. „Wir trafen den Keller schon leer. Wenn Die« u'cht der Fall gewesen, würden wir uns nur erlaubt haben, so viel von dem Weine zu verwenden, als zur Stärkung unserer Kranken nothwendig gewesen wä,e. Uebrigens er­zählte die Wirthschafterin drüben im Gaitenhause, daß der K'Uer von Ihren LanbSleuten auSgeplündert worcen ist. Nicht weit vom Schlöffe, aut einem ehemaligen Lage,platze der Franzosen, sieht man auch noch zahllose leere Wein- Pa{$en umherliegen. Wenn Sie stw hinausdemühen wollen mein Herr, so können Sie leicht seststeuen, ob bte Flaschen auS Ihrem Keller herrüh,en."

Der Hauptmann beantwortete diese Aufforderung mi*

Sei bieien‘K0„UeK 2?"“ ."@£bc" ®ie Acht!" lassen", erklärte der Hauptmann. ' „Dieser Gang,"der noch

UNV .6 that fhfctC” bff>6cf(ll|tr öu - e,nc .unsichtbare Feder, I aus alten Zeiten henührt, führt in das Erbbegräbniß der und es that sich ein Verschlag auf, der in einen schmalen,!Familie, von welcher ich daS Schloß kürzlich aefauft habe etwa mannShohm Gana tnhrt, <ni» . .. ? rurzuch getauft habe.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leiv» zig, Cöln ic.; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte- sowie Die Annoncen-Bureauz von G. L. Daube & Co. ir Frankfurt a. M.; Jäger'sch« Buchhandlung in Franksutta M-; Znvalidendaick, A. Rete- meyer in Berlin; Earl Schüß. ler in Hannover; C. Schlotte

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