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ffr. 1.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein L Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc.; Rudolf Most« in Berlin, Frankfurt a- M. rc.

Marburg, Freitag, 1. Januar 1875. -Stifoää \

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» X. Iahrgaiig.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M ; Znvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C-Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchenilichen BeilageJllusttirtes Sonntaasblatt" durch die Erveditinn «nck-icke Buchdruckererl bezogen 24 Mark, durch die Postämter des Deutscheu Reiches 2 Mark 50 Pfg. <excl. Bestellgebühr,^ JnsertionSgebühr für die gefpaUene Befle 10 Pia $ $

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annabm ron Adressen werden 25 Pfg. berechnet. PO v'

Zeugen gegen den Angeklagten waren vier polnische Wirthe auS Prussinowo erschienen, einer von ihnen erklärte, der Angeklagte hätte u. A. geäußert, der preußische König unterdrücke dermaßen die Polen, daß eS deren nur noch Wenige im Posenschen gebe. Früher hatten die polnischen Bauern kaum gewagt, ein solches Zeugniß abzule.,en.

Wir haben bereits früher die für den Landtag be­stimmten Vorlagen aufgeführt; wir können j.tzt gegenüber anderslautenden Nachrichten bestimmt mittheilen, daß das Staatsministerium sich mit dem Gesttz über die Bildung der Provinz Berlin vollkommen einverstanden erklärt hat; ebenso mit der Provi-izialordnung und den Grundzügen der gesammien VerwallungS Reorganisation, so daß meh­rere dec großen Gesetze und jedenfalls das wichtigste, die Provinzialordnung, dem Landtage sofort beim Zusammen­tritt vorgclegt werden. Einzelne Details unterliegen aller­dings noch weiterer Vorberathung zwischen den einzelnen Ministern^ doch werden auch diese bald ihren Abschluß finden. Schon seil Wochen ist das Staatsministerium mit der Feststellung der gedachten Gesetzentwürfe be­schäftigt, so daß der Landtag gleich reichliche Arbeit er­hallen wird.

Der HandclSminister hat die Handelskammer angewiesen, in ihre Jahresberichte auch die Zahlungseinstellungen von ÄciilNgrsellschatten und anderen Unternehmungen im vorigen Jahre, ihre Gründe und Veranlassungen, ihren Verlauf und AuSgang auszunehmen.

Der Landtag für Schwerin ist jetzt auf den 10 Fcbr. 1875 nach Malchin ausgeschrieben Außer den gewöhn­lichen Steuern wird in den Prop. siiionen die Fortsetzung der Verhandlungen wegen Mooification der tust benden Landesverfasiung und die erbvergleichmäßig- Prinzessin- Aussteuer für die jetzige Frau Großfü.stin Marie von Rußland intimirt. z

DaS alte und daS arur Zahr.

Noch wenige Stunden sind es von dem Augenblick an wo wir diese Zeilen schreiben und daS Jahr 1874 gehört der Vergangenheit an, auS dieser jüngsten Vergangenheit aber, können wir einen freudigen Blick in die Zukunft werfen, denn nirgend« zeigen sich am politischen Horizonte gefürchtete schwarze Punkte, und die Botschaft des heiligen ChristfestesFriede auf Erve" wird den Völkern Europas auch bet der Jahreswende mit neuen, flammenden Zügen entgegenstrahlen. Seitdem Frankreichs letzter Kaiser un- geahnt und unbewußt auS jenem unheilvollen Kriege süi seinen Thron und für sein Reich, daS deutsche Reich er­blühen mußte sehen, ist der Schwerpunkt Europas von der Seine in diese» neue Reich verlegt. Mit dieser Verschie bung tritt aber auch der große Unterschied zwischen den Machthabern Frankreichs und der Regierung Deutschlands zu Tage. Während Jene stets bemüht waren, allen inter­nationalen Fragen eine Lösung im egoistisch nationalen Jnterefie auszudrücken, will Deutschlands Regierung diese Fragen auf ihr eigentliches Gebiet nur beschränken, und durch ihre Localistrung sie für den allgemeinen Frieden unschädlich machen. DaS haben wir auch im scheidenden Jahre erlebt und Gott erhalte unserem Kaiser und seinen Räthen die Macht, daß eS im neuen Jahre so bleibe. Wohl hat daS deutsche Reich seit seiner Gründung einen VertheidigungSkampf gegen die Feinde dks Friedens zu führen, aber so viel stärker die Macht dieses Vertheidigers ist, als die seiner Angreifer, um so mehr Sicherheit ist für den Fortbestand der Ruhe Europas vorlanden. Durch dir rechtzeitige Anerkennung der spanischen Regierung i|t denen daS eigne Land so verheerenden Bürge, kriege die Befürchtung, eine europäische Verwicklung uöchtc auS ihm entstehen, genommen. Ebenso ist durch dr gemeinsame Politik Deutschlands, Rußlands und Oesterrechs die sonst leicht spukende orientalische Frage in den Hiltergrund ge­treten, und genügt ein Wink dies-r drei Reich, Zerwürf- nifie der Türkei mit ihren Vasallenstaaten z, beseitigen, statt sie zu internationalen Fragen sich ausspiele, zu lassen. Getrosten Blicke- können wir auch dem inneen Frieden de» Deutschen Reiche- im neuen Jahre entgegensehn. Ihren Höhepunkt hat die ulttamontane Partei int kircheinolitischen Kamps« tm ablaufenden Jahre überschritten, denn hr Drän­gen und Treiben zurRevolution" hat in einigen vtraßen- aufläufen und einem Kirchenskandal nur grgip'elt. Um so festerer und sicherer geht die Staatsgewalt ihren Ziele entgegen und eS leuchtet jedem Unbefangenen ein, laß die Zeit nicht mehr fern liegt, wo dieser Streit sein Ende «reicht. Auch die social-demokratischen Agitationen haben h den

Köpfen der Agitatoren wohl noch eine Zukunft, der ver­nünftige Aibeiler wendet ihnen mehr und mehr den Rücken, da er von den vorgeschwindellen Worten kein Heil verspürt hat. Mag denn nun die Zukunft auch noch manchen Kampi in sich bergen, sie findet den Schützer des Frieden«, das mächtige deutsche Reich, gerüstet mit den Waffen des Geistes wie der Gewalt den Störenfried ni.derzuschmettern, daß diese Kraft zu solcher Rüstung dem gesammten deutschen Volke aber im neuen Jahre und zu allen Zeiten innewohne, das walte Gott!

Tage-bericbt.

Am Neujahr, Nachmittags 3 Uhr, trifft die Kaiserin von Rußland, aus San Remo über Paris zurückkehrend, in Berlin ein, steigt im russischen Botschaftshotel ab und reist am 2 Januar, Abends 7 Uhr, nach Petersburg weiter. Vor ihrer Abreise wirb sie in SanERemo noch den Besuch veS König- von Italien empfangen.

Dem Reichstag« wird jedenfalls in der näcbflen Session ein Gesetz über die gewerblichen Hül'-kassen vorgelegt wer­den. Der betreffende Entwurf war den Regierungen zur Begutar-iung zugegangen, von diesen aber mit so vielen und etheblicheit Rückäußerungen an daS Reichskanzleramt gelangt, daß eine völlige Umarbeitung ersoroerlich geworden ist. Diese ist nunmehr erfolgt und sind jetzt erneute Re­cherchen angestellt.

Die Petittonsverzeichnisse des Reichstage- führen eine große Anzahl von Petitionen unter der Rubrikbetreffend die Abänderung der Gewerbeordnung" auf. In Wahrheit kommen hierbei fast zwei Drittiheile sämmt icher P titionen in Betracht, welche alle die Bestrafung dcS Contractbruchs betreffen und von denen nur der kleinste Theil gegen die- felbe gerichtet ist.

Der Geheimrath Krätzig hat fein ^Mandat zum Ab georbnetenhause für Laubau in Folg« seiner Ernennung zum Cameraldirector de- Grafen Schaffgoisch nieber.ielegt.

Gegen die Domvicare in Posen, welche früher Const ftorialbeamte gewesen, ist jetzt die Disziplinar-Untersuchung eingeleitet, weil sie sich weigern, fernerhin ihrem jetzigen Borgesetz en von Maffenbach Gehorsam zu leisten.

Daß di« polnischen Bauern recht gut preußisch sein können, beweist nachstehender Vorfall: Der polnische Lhrer Goniecki au« dem Kreise Birnbaum, welchen mehrere pol nische Bauern auS dem Dorfe Prusinowo bei der Staats­anwaltschaft beuuncirten, weil er sich in gehässigen Aus drücken gegen die Regierung vergangen hatte, ist dieser Tage vom Kreisgerichte in Schrimm zu 25 Thlr. Geld büße, eveni 3 Wochen G.sängniß, veru-theilt wöroen. Al«

Deutsche« Reich.

Berlin, 28. Dec. Die nachfolgende Miltheilung über die traurige Lage, in welche deutsche Arbeiter, die sich mittellos und ohne sichere Aussicht aus ein b-stimmteS Unterkommen Behufs Erlangung von jlrbeiteroemenft nach Frankreich begeben hatten, geraten sind, möge den Gewerbe treibenden und der übrigen Arbeiierbevölkerung zur Warnung dienen: Zuverlässigen Nachrichten zufolge ist die -zahl der in Frankreich und besonders in Pa>is eintr. ff. oben, Arbeit suchenden jungen Deutschen seit einiger Zeit in bedenklicher Zunabrne beguffen. Diese Leute, von denen viele ebne Existenzmiitel und kaum der französischen Sprache mächtig nach Paris kommen, fallen gtößwmh.ils schon nach wenigen

Der Marketender

Erzählung von Hermann Klernsteuber.

1.

Der große Reichlhum Frankreichs ist unserer stegeeicen Armee in nicht« immer und immer wieder so deutlich dr Augen getreten, alS in der Vortrefflichkeit der Betten, dm Bilderschmuck der Kirchen und in der Anzahl der über d« ganze Land hin verbreiteten Schlösser. An dieser letztere Thatsache wird dadurch nichts geändert, daß unsere links rheinischen Nachbarn mit der BezeichnungSchloß" aller­dings etwas freigebig umgehen; denn wenn auch Tausende von diesen Schlöffern gestrichen werden, so bleibt doch immer noch ein stattlicher Rest, welcher sich durch Pracht und Schönheit auSzeichnet.

Zu diesen gehörte wenigstens in früheren Zeiten unstreitig auch Lombey in Lothringen, nicht weit von Metz gelegen. Thünne, Zinnen und Erker, meist Üppig mit Epheu umrankt, ragten hoch empor über die grünen Wipfel der Bäume, welche den umfangreichen Park be schatteten. Wie friedlich sah e« um die Mitte August 1870 in diesem Schloßgarten aus! Da waren die Wege so sauber, die blühenden hochstämmigen Rosenstöcke, daS zier­lich an den Wegen entlang gerankte Zwergobst, die wunder­lich geschnittenen Sträucher und die wohlg,pflegten Beete: AlleS vereinte sich zu einem köstlichen Bilde geschmackvoller Ordnung. Nur der Eingang zum Gartensaale bot einen wirren, ja schrecklichen Anblick, da lagen Waffen bunt durcheinander; Chassepots und Zündnadelgewehre, die noch gestern wider einander waren, lagen .heute auf einem Haufen zusammen, Säbel, Tornister, Brodbeutel, Mäntel, Uniformen, namentlich aber blutige Wäsche, ausgeschnittene Hosen und Stiesel bildeten einen fast mannshohen Hügel, welcher den E ngang sperrte. Wie diese Kleidungsstücke den Verwundeten vom Leib« gezogen ober geschnitten warm, so hatte man sie vor die Thür geworfen. Leiter« war eingeschlagen und zur Nacht notdürftig mit Bretter iugesetzt.

Hchiog Lombey ciente feit wenigen Tagen unserer erneu Armee als Fe blazareth. Es war gegen Abend. Einige Aerzie, Heilgehülfen, Civilkrankenwärter und leichtverwun­dete Oifiziere hatten sich im Gattensaale versammelt, um rauchend und plaudernd die Abendstunden zu kürzen. Einern Piaiiino, welches im Saale stanv, wußte der musikalische Oberarzt die angenehmsten Weisen zu entlocken. Die Os fiziere, welche umher saßen und standen mit weißen Tüchern um den Kopf, mit Heftpflastern in den manialischm Ge- sichlern, den Arm in einer Binde tragend, mit hohen Stiefeln, an denen noch der weiche Lehmboden von ihren Märschen her bis hoch hinauf klebte sie bildeten in der lhat eine malerische Gruppe und stimmten kräftig mit ein «nn eS zum Singen kam:fest steht und treu die Wacht d' Wacht am Rhein," und bad Lied wurde da draußen -ich mit ganz anderen Gefühlen gesungen, als daheim.

Plötzlich wurde die« harmlose Vergnügen gestört: In derF.rne hallten einzelne Schüsse. Alsbald wurden die­selbe häufiger und kamen zugleich näher. Endlich hörte cum mch laute Commandoruie. Alle Anwesenden fahren empo drängten sich an di« Fenster de« Saales und lausch­ten -.mehr mit düsteren, als erschrockenen Mienen.

Äs sind Feinde, welche unsere schwachen Vorposten durchbrchen ober umgingen!" lief e« von Mund zu Mund, und nu zu bald wurde diese Veynuthung beftätut; denn schon beatm eS roth durch die Bäume des Park« zu schimmert und im nächsten Augenblick rückte eine Com- fjagnie Ftnzosen in geschloffenen Reihen unter Führung eines Hax»mannS auf da« Schloß zu.

Der Lrsteher des Lazareth«, em Maltheserritter, wollte ihnen entgetneilen und sie um Schonung des LazarethS er­suchen. Kam aber war er vor die HauSthür getreten, al« die im hrtenfaal Versammelten einen Franzosen hinter den Bäum nzewahrten, der zu einer ansgeschickten Seitenpatroute gehörend auf den Maltheserritter anlegte.

»Zeigen Qe Ihr roth«» Kreuzl" riefen unser« Osfi-

>e demselben hastig zu, um ihn von der drohenden Ge­fahr zu benachrichtigen Der Vorsteher zog aucv blitzschnell sem n grauen Ueberzieher aus und deutete auf bas rothe Kreuz an feinem linken Arm. Da li.ß jener Franzose die Flinte sinken und nun ging der Maliheser dem feindlichen Hauptmann entgegen.

Mein Herr, hier befindet sich ein Feldlazareth," redete er denselben nach kurzem, aber freundlichem Gruß in fran­zösischer Sprache an.Unsere Kranken und Verwunoelen, unter denen auch mehre.« Ihrer Nation angehören, dürfen gewiß auf alle jene Schonung und Rücksichtnahme rechnen, welche uns solchen Leidenben gegenüber das menschliche Mitgefühl eingiebt, und die auch durch das Völker,echt geboten sind."

»Wenn dem so ist, wie Sie sagen wenn sich nur Personen hier finden, die sich den Werken der Liede und deö Frieden« widmen, so haben «-ie von uns durchaus nichts zu befürchten," erwiderte der Hauptmann und schritt, von zweien feiner Offiziere begleitet, über die Schwelle des Schlosses, an dessen Eingänge sofort ein französischer Wachiposten ausgestellt wurde.

Ueberzeugen Sie sich selbst, mein Herr, von der vollen Wahrheit dessen, was ich gesagt," bemerkte der Maliheser. indem er mit einer einladenden Hanodewegung dem Henn vorausging.Hier sind nur Kranke und das zum Laza­reth gehörige Personal."

Ich schenke Ihrer Versicherung Glauben," entgegnete der Hauptmann mit vornehmer Kälte.Ich bin übrigen« der Besitzer diese« Schlöffe-,' fügte er in nachdrücklichem Tone hinzu,und Sie begreifen daher, daß mir viel daran liegt, bei dieser Gelegenheit einmal nach meinem Hab und Gut zu sehen."

Der Maliheser verbeugte sich zuvorkommend, indem seine Mienen einige Uederraschung verrieihen und sagte dann im Tone des Bedauerns:Viel Erfreuliche« werden Sic da freilich nicht finden. E« sind eben Kriegszustände," fügte er mit einem entschuldigenden Achselzucken hinzu;