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Mr 305

Marburg, Donnerstag, den 31. December

1874

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie bre Annoncen-Bureaux von Th. Diettich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein &. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin^Leip- zig, Cölnrc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a- M. rc.

(!Dbd)f|Tird)r Jfitung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie btt Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M ; Jnoalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Lchüß- ler in Hannover; 6- Schlotte in Bremen

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition tKoch'Iche Buchdruckereil bezogen 22 i Egr., durch di« Postämter des deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 1 Sgr. Für in der Expedition zu ertheilende

Auskunft und Annahme von Adressen werden 2i Sgr. berechnet.

LageSbertcht.

DetStaatSanzeiger" publicirt das Gesetz, belreffend die Ausgabe von Banknoten, und das Gesetz, betreffend die geschäftliche Behandlung der Entwürfe eines GerichtSver fassungSgefetzeS, einer Strafprozeßordnung und einer Civil- prozeßordnung, sowie der zugehörigen Einführungsgesetze.

Am Sonntag hat ein Ministerrath statlgesunden, welcher sich vermuthlich mit Feststellung der Oidenslisten beschäf­tigte, nachdem dem Staatswinisterium die bezüglichen Vor­schläge au- den verschiedenen Refforts zugegangen waren.

Wie verlautet, haben am vorigen Donnerstag Nach­mittag im auswärtigen Amte unter Zuziehung des mecklen­burgischen Bundesdevollmächtigten Bcraihungen Mit Bezug auf den neuesten Carlistenstreich gegen die BriggGustav" stattgesunden. Uebrr etwaige Beschlüffe dringt noch nichts in die Oeffentlichkeit, doch kann milgetheilt werden, daß zufolge neuestens hier eingetrcffenen Nachrichten von der Bemannung der BriggGustav" der Capilän, ein Steuer mann und zwei Matrosen sich in den Händen der Carlisten befinden.

Die Zurückberufung der beiden deutschen Kriegsschiffe Nautilus" undAlbatros" aus den spanischen Gewässern hatte nur ihren Grund in den W'tterungsverhälkniss.n Wie man hört, wird der Ueberfall des deutschen Schiffes durch bit Carlistenbanden sicher nicht ungeahndet bleiben. Es finden darüber an geeignetem Orte bereits die ersorder- lichen Erörterungen statt. Daß man sich nicht damit be­gnügen wird, von dem Marschall Serrano Genugihuung zu fordern, wie dicS von einigen Seiten mitgetheilt worden war, liegt auf der Hand.

Die Meldung mehrerer Blätter, daß der Oberbürger- isskister von Berlin, Herr Hobrecht, von der Stadl Paris eingeladen sei, der Einweihung der neuen Oper beizuwoh­nen, ist dem Vernehmen nach unbegründet.

Sicherem Vernehmen nach wird in dem Prozeß Arnim Seiten« der Staatsanwaltschaft Appellation eingelegt wer­den. Die Frist zur Einlegung läuft am 29. d. M. Nachts 12 Uhr ab. (S. TelgrammBerlin".)

Seiten- der straßburger Behörden ist in Berlin der 11. Januar für einen Zusammentritt der Bezirkstage zur Wahl von Deputirten für den Landesausschuß in Vorschlag gebracht worden.

DieMeuse", daS liberale Blatt in Lüttich, sagt: Der Brief de« Arbeiter« Duchesne in Bezug auf ein Attentat gegen Bismarck, dessen dieN. A. Z." Erwähnung lhut, fei in der That geschrieben worden, aber im Zustande der Trunkenheit und in Folge einer Fopperei Seiten« seiner Kameraden. Da« Blatt verspricht weitere Mittheilunge».

NeurS Lebe«.

Novell« von Max Alt (A. Mödinger und Sophie Verena).

(Schluß.)

Warrstädt lachte hell aus:

Mein lieber Dito, daS müssen freilich sehr dunkle Stunden sein, die ihnen sogar die gesunden fünf Sinne umnachlen. Sie ein Krüppel! zum Tanzen wird es vielleicht nicht wieder so schnell gehen mit dem Beine, da wird Dina sich möglicher Weise einen anderen Parmer suchen müssen; aber zusammen tanzen und zusammen leben ist doch zweierlei, da« steht meine vcr ändige Tochter ein, wenn sie am Ersten genug hätte, könnte sie Herrn von Kösteritz erhören, der freilich ein famoser Tänzer ist."

Wiel er hat e« gewagt, um sie zu werben der Anmaßende!" rief Otto aufwallend.

Gewagt! Ja, jedes Werben fft eine Art Wagniß, wegen der Ungewißheit de« AuSgange«, doch ein Wagen, wie Sie e« meinen, nenne ich e« nicht. Ich halte e« nie für Anmaßung, wenn ein Mann sein Liebste« und Bestes, wa« er hat, seinen Namen und sich selbst einer Frau darbringt."

Und wa« hat Dina geantwortet?"

DaS weiß ich nicht, Sie müssen Sie selbst fragen, wenn Sie da« wagen, denn hierzu gehört nach meiner Ansicht mehr Muth."

Aber Otto ist sichtlich zerstreut und unruhig; al« bei einer Wendung des Weges die Paare wieder zusammen­treffen sagt Warrstädt mit seinem liebenswürdigen Humor:

Changez les dames!" Herr Commerzienralh und nimmt dessen Arm.

Dina ist augenblicklich an OttoS Seite sie gehen langsam dahin ein herrliches Paar; sie versteht es, ihn zu stützen, so gut wie kaum ein Anderer; sie ist keine Ge­stalt, die zu zerbrechen droht bei der geringsten Berührung, diese prachtvolle blühende Mädchengestalt.

Sie gehen dahin ganz still, nur da« leise Flüstern in den Blättern ist hörbar und daS Klopfen ihrer Herzen,

Die Wiederaufnahme der Offensiv-Operationen gegen Hemani Seitens der spanischen Regierungstruppen steht, den eingetr offenen Meldungen von der Grenze zufolge, bevor.

Deutsche- Reich.

Berlin, 29. Decbr. Der heutigeStaatsanzeiger" bringt folgende Miltheilung: Die ungewöhnlichen Um­stände, durch welche die gerichtliche Verfolgung des Wirk­lichen Geheimen Rathes Grafen von Arnim hcrbeigeführt wurde, haben diplomatische Actenstücke an die Oeffentlichkeit gebracht, welche zu strenger Geheimhaltung bestimmt waren. Für die Zulassung der öffentlichen Verhandlung über die selben war unter Anderem die Erwägung maßgebend, daß die Hand, welche sie dem Archiv entzogen, voraussichtlich stückweise und willkürlich daraus mittheilen und bekannt machen würde, wogegen die volle und ganze Kundwerbung allerdings zu anderen aber zu minder schwer wiegenden Bedenken Anlaß bot. Die Richtigkeit dieser Auffassung findet schon jetzt bezüglich der sekretirten Akten ihre Be stätigung. Das Königliche Stadtgericht zu Berlin Hal bekanntlich eine Reihe von Dokumenten ausgeschieden und der Oeffentlichkeit Vorbehalten, weil nach Ansicht des Ge- richishofes von dem Bekanntwerden derselben eine Gefähr­dung deS Friedens zu besorgen sei. Diese Sekretirun^ und deren Beweggrund dient nun schon einer mehr und mehr um sich greifenden Verdächiigung als Anhalt. Mit Recht hat daS Stadtgericht jene Aktenstücke kirchenpolitifchen Inhalts fekretirt. Denn mit wenig Ausnahmen handelt es sich dabei nicht um unser, sondern um fremde» Amts geheimniß. Dem Inhalte nach hat nichts davon das L>chi des Tagen zu scheuen. Wenn aber säst alle auswärtigen Regierungen in Folge diesseitiger Anregung und in dem bisher nie getäuschten Vertrauen auf deutsche DiScretion sich in Betreff eines bedeutungsvollen Gegenstandes geäußert haben, wenn hervorragende Staatsmänner deS Auslandes aus ihrer berechtigten Zurückhaltung ebenso vertrauensvoll herausgelreten sind, bann wird die Rücksicht diplomatischer Verschwiegenheit unumgänglich. Ohnedies muß der Credit Der Regierung, da eine jede für daS Verhalten ihrer Or. gane verantwortlich ist, darunter leiden, daß einer ihrer vornehmsten Funktionäre vertrauliche Aeußerungen fremder Cabinelte und Diplomaten, die ihm durch feine Regierung zu feiner amtlichen Information zugänglich gemacht »or­ten, im Reiiekoffer mit sich im Lande umherführen, allen GasthofSchancen aussetzen, oder solche Aktenstücke gelegent lich einem Advokaten zur Bestellung an einen Untersuchungs­richter mit auf den Weg geben konnte! De» itemoen

denn sie sind zum eisten Mate allein in all der Heil uno sie ahnen, daß der eine Moment gekommen, der über zwei Bebensschicksale entscheiden soll.

Wozu auch eigentlich hier der Worte, diese Liebe hat doch wohl ihre Probe bestanden.

Und dennoch treten sie endlich über seine Lippen so heiß, so zart, so innig sehnsuchlSvoll; und dazwischen wie­der der ängstliche Einwurf, ob eS nicht selbstlucht sii, sie, die in Kraft, Schönheit und Gesundheit Prangende, an sein gebrochene« Leben zu fesseln vielleicht zu einer Krankenwärterin zu machen. Zuerst lächelte Dina nur zu dem ihr seltsam Scheinenden, dies Bangen wäre ihr nie gekommen, dann als ste wirkliche Angst in feinen Augen steht, sagt sie, und o mit welcher Innigkeit:

Wozu dies Bangen, diese Frage Otto? Und wenn Du gelähmt und ein Krüppel wärst, ich glaube, ich fände Kraft Dich zu tragen ;o liebe ich Dich."

Goltgesegnele Worte, Die sich für alle Zeit in sein Herz legen, als Perle dort werthgehaiten, die immer leuch, tet, auch wenn einmal dunkle Tage kommen, an Denen e« in keines Menschen Sebert fehlen wird.

Als sie wieder daher kommen, die Beiden mit bem! Leuchten auf dem Antlitz, das so wohl verkündet, wie sie einen Blick in jene Welt geihan, ein neues Beben ihnen aufgegangen ist, sagen beide Väter wie au» einem Munde: Gott segne unsere Kinder!"

Und bringe sie mir bald heim, Otto," bittet dessen Baler, später, nachdem auch Elise mit frohem Herzen ihren Segen ertheilt,eS ist öde und düster dort, mich verlangt nach einem Sonnenstrahl. Du wirst Deinem allen Baier doch etwas gönnen von der Fülle deS Lichtes uno des Glückes, daS über Dich gekommen unverdient ge kommen l"

Ader ich kann doch nach und nach dessen würdig »erden, Vater!" sagte Otto mit einem frönen B.ick,und das soll mit gelingen. Schmeichelnd lehnt der Sohn sein Haupt an deS Vaters Brust. Zwischen Beiven hat stets

Cabinetten gegenüber haftet die deutsche Regierung auch für den Mißbrauch, der, nach bisherigen Erfahrungen zu ur« theilen, mit zurückbehaltenen Abschriften Der conft eniillen Mittheilungen derselben getrieben werden kann. Die Re­gierung selbst kann sich keinensalls ermächiigt halten, ver­trauliche oder geheime Mittheilungen anderer Regierungen der Oeffentlichkeit zu übergeben, wenn sie auch die Verant­wortung dafür zu tragen hat, daß sie einen kaiserlichen Botschafter in solche geheime Mittheilungen im Jnieresse deS Dienstes glaubte einweihen zu können. Soweit eS sich um daS Intimste, daS nur Deutschland angeht, handelt, kann Alles an das Licht gezogen werden, ohne unsere aus­wärtigen Beziehungen zu schädigen, geschweige denn den Frieden zu gefährden. Die Basis zu dem ganzen der Oeffentlichkeit vorenthaltenen FaScikel bildet eine Circular­depesche des Reichskanzlers vom 14. Mai 1872, die künf- tige Papstwahl betreffenb; an sie schlossen sich die Rück- äußerungen fast sämmllicher andern Regierungen, die Dem Botschafter in Paris vermöge seiner amtlichen Stellung mitgetheilt worden. Die letzteren bleiben, soweit die Macht Der Regierung reicht, geh.im gehalten; das deutsche Circular, worauf dieselben sich beziehen, lautet foliendermaßen:

Vertraulich Berlin, den 14 Mai 1872.

Die Gesundheit des Papste« Pius IX. ist nach allen uns zukommenoen Berich en eine durchaus befrieDigenoe und keine Symptome einer baldigen Aendeiung DarbietenDe. lieber kinz oder lang ober muß eine neue Papstwahl immer eintreten; und der Zeiipunkt entzieht sich der mensalichen Berechnung und Voraussicht. Die Siellung des Ober­hauptes der katholischen Kirche ist für alle Regie,ungen, innerhalb deren Länder diese Kirche eine anerkannte Stel­lung hat, von solcher Bedeutung, daß es geboten scheint, sich die Folgen eines Wechsels in der Person d s Papstes rechtzeitig zu vergegenwärtigen. ES ist schon früher aner­kannt worden, daß Die Regierungen, welche katholische Un.erthanen haben, Dadurch auch ein großes unD unmittel­bares Interesse an einer Papstwahl haben, sowohl an Der zu wählenden Persönlichkeit selbst, als besonders auch daran caß die Wahl von all den Garantien in formaler und materieller Beziehung umgeben sei, welche es den Regie­rungen möglich machen, sie al« eine gültige und allen Zweifel ausschließende auch für sich und den Theil Der katholischen Kirche in ihren Ländern anzuerkennen. Denn baß die Regierungen, ehe sie dem durch Wahl tonftituirien Souverän, der berufen ist, so weitgreifende, in vielen Siücken nahe an die Souveiänität grenzende Rechte in ihren Bän­dern auszuüben, diese Rechte faktisch zug> stehen, verpflichtet sind, gewissenhaft zu erwägen, ob sie die Wahl omrtennen

ein herzliches Beihäiinlg gewaltet, daS noch inniger ge­worden, nachdem Dieter sein Sieblingssohn Dem allen Königs­heim wieder geschenkt wurde, Dem Tove entrissen, in jecer Art ein Neuerstandener.

Ich gehe nun voraus, Euch DaS Haus einzurichten, Da« Heim zu schmücken, in welchem Der Herr Rittmeister a. D. seinen Kohl bauen wirb als ehrsamer SanDjunter, und Dann hole ich Dich gleich nach, Du, maue Tochter, mein HerzenSkinD!

24.

Und wie er ihnen die künftige Heimath geschmückt, wie herrlich! E.neS seiner schöntten Güter hat et dem jungen Paare geschenkt, daS nahe gelegen Der StaOt, in welcher Der alte rüstige Herr selbst noch wirkt und schafft und Die Millionen" mehrt, wie Fama sagt, Damit er oit zu ihnen kommen kann au« seinem stilleren, vereinsam en Hause, sich zu erlaben an ihrem Glück, sich zu sonnen in ihrem Licht, sich von Dem Sonnenstiah.e neu beleben zu lassen.

Al» Otto nach der in aller Stille in Warrstädt ge­feiert n Hochzeit Die junge Gattin einfuhrte in diese statt­lichen Räume de» Schlosses, das fortan ihre Heimaihs- stäite fein soll, ist selbst Dina fast geblenba von der fürstlichen Pracht, aber wir wissen ja, daß sie ein beion- veres Talent hat, sich in die Verhältnisse augenbi.ck.ich zu­recht zu finden, seien sie noch so reich uno glänz,no; und als Elise und Waristäot nach einiger Zeit kommen. Den Kindern ihren Besuch abzustatten, ist die Muuer wieder ausS Höchste überrascht, zu seh.n, wie Dina sich zwanglos, ruhig und sicher, SIS sei sie e» nie anders gewohnt gewe­sen, auch in diesen Verhältnissen bewegt, Die Elisen ent­schieden zu großartig, fast beorücke-id sein würden, trotz aller Behaglichkeit, Die nicht ausgeschlossen ist.

Wie eine junge Fürstin!" sagte Warrstädt, Dina lächelnd nachsehend, Die aus Oer Eltern Zimmer schwebt, in Denen sie selbst Die Hand angelegt, es Den G-liebten recht traulich zu machen, uno in Die sie Die Eltern all-