Mr. 304
Marburg, Mittwoch, den 30. December.
1874
Anzeigen nimmt entgegen: »te Exveditton b. Blatte-, sowie btt Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & 60. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M ; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M-, Berlin, Leipzig, Cöln rc-; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt«. M. rc.
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kDer AbonnementS-Preis bleibt der seitherige. Die Exp. d. Oberh. Ztg.
H3T 3*t nächsten Quartal wird eine sehr spannende Erzählung au» de« letzten deutsch-französischen Kriege in der vderh. Zeitung zu« Abdruck kommen, worauf wir gan, besonder- aufmerksam machen wollen._____________
Tagesbericht.
Die ReichSkanzlerkrists findet noch immer in denBlät lern nacht, Lgliche Betrachtungen. Nachdem die „Prov. Corr." hervorgehoben hat, dich nur allein die Abstimmung über die Hoverbeck'sche Resolution und die dabei zu Tage gekommene Unzuverlässigkeit der ReichStagSmajorität die eigentliche Ursache gewesen, weßwegen der Reichskanzler seine Demission ejngereicht hat, wird nun von allen nativ nalen Blättern die Nothwendigkeit eine- engen ContacteS der ReichStagSmajorität mit der Regierung anerkannt. Die „Nationalzeitung" bemerkt namentlich über diesen Punkt, daß die gegenseitige Verständigung im Interesse der Regie run, und deS Reichstages liege. Sie hebt sehr richtig hervor: Wird ein Schritt gegen die Regierung unternommen, so braucht der Fall kein schwerer zu sein, und er kann dennoch den Reichskanzler veranlasien und berechtigen, sich die ernstliche Frage vorzulegen, ob das Beschreiten diese« Weges, ob die Einführung dieser Sitte nicht unver sehens seine Stellung unhaltbar machen kann? Denn jeder Beschluß deS Reichstages gegen die Regierung ist eine Niederlage der letzteren und jeder erfolglose schritt deS Reichstage- kann ober wird die Folge haben, den Reichstag zu verstimmen.
Die Arbeiten, welche der Reichstag noch zu bewältigen hat, sind noch recht umfangreich. Zunächst hat er das Bankgesetz noch einmal zu berathen. Alsdann tritt als neue Vorlage das Civilehegesetz hinzu, überdies noch die beiden Gesetze über Einnahmen und Ausgaben des Reiches. Ob alle diese Arbeiten bis zum 14. Januar werden beend« werden Wunen, hängt lediglich davon ab, yb die Ultramontanen ihre aggressive HinziehungSlaktik mäßigen werden.
Da der prmßische Landtag zum 14. Januar einberufen ist, so treten schon jetzt die Vorlagen für denselben in den Vordergrund. Eine ganze Reihe äußerst wichtiger Gesetz-
gtexeS Lehr».
Novelle von Max Alt (A. Mvdinger und Sophie Verena). (Fortsetzung.) ;
Der Pfeil, spitz und scharf, hatte getroffen, eine böse Zunge war wenigsten- momentan zum Schweigen gebracht.
„WaS ist sie eigentlich für eine Geborene, Herr von Kinig-Heirn?"
„Entweder habe ich den Namen nie recht gehört, gnädige Frau, oder er ist mir entfallen, in dieser Zeit gewaltiger Aufregung hat man ja kaum die Gedanken beisammen. Baron Warrstädt theilte mir in einigen ganz flüchtigen Zeilen mit, daß er vermählt und sehr glücklich sei. Karten wurden nicht geschickt und die Anzeige in der Zeitung habe ich wohl nicht gesehen. Aber aus bürgerlichem Stande ist die Frau Baronin."
„Sage, Otto," rief einer der jungen Männer, welche das Wortturnier herbeigezogen, die Baronin soll ja schon graues Haar haben."
„Schneeweißes sogar, Weltheim. Schneeweiße Locken. Da- macht sie gerade s» entzückend, stellt sie als ein Uni cum bin unter dm Damen meiner Bekanntschaft, ich habe noch nie, und sei sie siebenzig Jahr, eine Dame mit weiß m Haar gesehen." Wieder ein kleiner Pfeil, gejchick. adge schnellt. „Ich habe wohl öfter von solchen weißen Locken bei Rosenwangen und Jugendfrische gelesen, sie aber nie gesehen. Die Wirklichkeit übertrifft jedoch jede Vorstellung — nach meinem Geschmacke wenigstens. Es ist eigener Zauber, der da waltet —"
„Wenn es nur nicht ein neuer Kunstgriff ist, wenn die Locken nur echt sind."
„Dies Haar ist echt, gnädige grau, es ist auch nur in solcher Fülle vorhanden, die man früher schön fand, als noch die Form des Kopfe- zu erkennen war."
entwürfe für die innere Verwaltung steht demselben bevor. Wir heben daran- nur die Provinzialordnung, die Einrichtung der BerwaltungSgerichtShöse und das Verfahren vor denselben, die Grundzüge der neuen Behördeneinrichtung und die Kreis- und Gemeindeordnung für die westlichen Provinzen hervor. Wenn dieselben auch bereits vollständig von dem Minister deS Innern ausgearbeitet sind, so muffen sie doch noch die Minlsterconserenz passiren. Außerdem aber müfien auch noch die beiden kirchenpolitischen Gesetze im Plenum deS Ministerium- genehmigt werden, so daß die Minister bis zum Zusammentritt des Landtages noch sehr viel zu thun haben.
Im Staatshaushaltsetat pro 1875 ist wiederum eine wesentliche Verbesserung der Lehrergehälter in Aussicht genommen. Dieselben sollen um 3 Millionen Mark erhöhi werden. Man hofft dadurch daS Durchschnittseinkommen Der Elementarlehrer auf 900 Mark zu bringen.
Die Gerüchte von Ministerentloffungen und Veränderungen sind nun endlich, als jeder Begründung entbehrend, wieder verstummt. Unter Anderem hieß es auch, daß der Kultusmimster Dr. Falk die Stelle deS Justizministers einnehmen wollte. Welch unbedingtes Vertrauen aber gerade dieser Minister bei Sr. Majeität dem Kaiser besitzt, hat die Auszeichnung bewiesen, die ihm dieser Tage zu Theil geworden ist, indem ihm der Stern zum Rothen Aolerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub verliehen worden ist.
Unmittelbar nach Neujahr werden die drei Bezirkstage von Eliaß-Lothringen zur Wahl der Mitglieder in den Landesausschuß zusammen berufen.
TnüscheS Reich.
Berlin, 28. Dez. Der Kultusminister hat in einem Circular-Erlaß die sämrntlichen höheren VerwaltungSbehör Den davon in Kenntniß gesetzt, daß sich zur Zeit noch «ich übersehen läßt, in welcher Weise die Durch Die Ausführung deS Reichs-JmpsgefetzeS vorn 8. April d. I. entstehenden Kosten künftighin bereitzuftellen fein werden. Wahrscheinlich werde diese Frage im Wege der Gesetzgebung gelöst werden rnüffen. Da inbeffen, ohne den geregelten Fortgang deS JmpfgeschästeS zu erschweren, die mit Kosten verknüpfte Beschaffung der Jmpfformulare nicht bis zu diesem Zeitpunkt ausgesetzt bleiben kann, so hat der Kultus Minister die Behörden gleichzeitig ermächtigt, die erforderlichen Formulare vorerst in derselben Weise, wie bisher gefchehen, zu beschaffen. — Wie die hiesigen Blätter melden, empfing am Donnerstag Mittag 1 Uhr Graf Hany v. Arnim persönlich auf der Deposttenkasie deS Stadtgerichts in der Züdenstraße die für ihn hinterlegte Kaution von 100,000 Thlr. zurück. Der Graf hatte dem Gerichte angezeigt, daß er die Kaution durch seinen Levollrnäch-
„Wo sie nur die erwachsene Tochter gelassen Haven mag — sahen Sie die?"
„Sine erwachsene Tochter, von der habe ich noch nichts gehört, ste noch viel weniger gesehen," erwiderte der junge Offizier erstaunt.
„O, die wird ste wohl in eine Pension gesteckt haben, ste wird sich hüten, sie zu präsentiren; neben wirklicher Jugendfrische steht e- denn doch mit jener anoerea Frische schlimm aus."
Otto von Königsheim erwiederte nicht-, k in Pfeil flog au- seinem Köcher — er war zerstreut und entfernte sich bald. Ihm folgte die nichi erfreuliche Meinung, daß ei sich sehr zu seinem Nachtheil verändert habe, gar nicht mehr so nett und zu jenem Scherz und Spott wie sonst aufgelegt sei, sondern leicht gereizt und sakarstisch sei, ja felst zum Moralistren hinneige — er, sonst der keckste und floitejte von allen O fizieren! Kurzum es sei eine totale Umwandlung mit ihm vorgegangen, 'die.wahrlich nicht zu seinem —
„Nachtheil ist," sagte die eine der Damen, Warrstädt'« Freundin, welche au- dem ganzen Kreise wie eine Rose unter Disteln hervorieuattete. „Ja, eine Umwandlung, Die sich feit seinem Verkehr mit Baion Warrstädt vollzogen hat und mir den jungen Mann unendlich viel werther und tntereffauter macht."
Die anderen theuren Mitschwestern schüttelten die Köpfe darüber, daß man so offen seine Vorliebe und Bewunderung für einen Mann zu bekennen vermöchte, der so ganz .Unempfänglich dafür gewesen.
„Eine erwachsene Tochter!" dtzchte Otto sinnend, „seltsam, daß Warrstädt nicht von ihr gesprochen. Aber es war ja Alles so im Fluge; wenn ich Warrstädt wieversehe, will ich ihn doch fragen." Uno Der junge Mann hatte nicht Zeit, weiter den Gedanken sortzuspinnen, Denn Die
tigten, den Dr. Vogelsang, erheben lasten würbe, doch a-aib ihm der Bescheid, daß das Geld ihm nur persönlich aus- gehändigt werden könne. — Nach einer Uebeifiebt über den Geschäftsbetrieb der Aichungsämter in Preußen und den angeschlvstenen GebietSthttlen (Sachsen - Meiningen, Sachsen Koburg Gotha, Anhalt, Lmendurg, Schwarzburg Sondershausen, Waldeck, Schaumburg-Lippe und Lüd.ck) für die Jahre 1870 — 73 sind bei den Staats - und Kommunal - Aichungsämtern aichamilich behandelt worden 2,138,000 Flüssigkeitsmaße, 4,441.000 Handelsgewichte auS Eisen, 2,976,000 Handelsgerichte aus anderem Metalle, 232,000 Handelsgewichte in Einsatzform, 679,000 Fässer rc.
Pose», 24. Decbr. Dem römischen Jesuitenblatt „Voce della Verita" entnimmt die „P. Ztg." einige noch nicht allgemein bekannte Mittheilungen über die Lage und die Verhältniste des in Ostrowo inhaftirten früheren Erzbischofs Grasen Levochowski. Nach diesen Mittheilungen hat die Lage destetben sich in letzter Zett in vieler Hinsicht angenehmer gestaltet, als sie früher war. Er bewohnt gegenwärtig im GefängnißgebSude zwei ziemlich geräumige und nut den nöthigen Möbeln versehene Zimmer, bereit Fensterseite nach dem Garten zu liegt. Seit Drei Wochen ist ihm ein Gesängnißwärter zur Beoienung beigegeben, Der ihm auch zu der von ihm im Nebenzimmer täglich gelesenen Messe bient und ihm polnische und deutfche Z.itungen voi- lie)t. Dem Gefangenen ist der Gebrauch eines LieiftifteS gestattet, mit dem er auf die von ihm zu Souvenirs bestimmten Heiligenbilder seinen Namen schreibt, isr empfängt viermal wöchentlich seinen Kaplan und Sekretair Megrzynski und andere Besuche. Seine Gemüthsftimmung i|t eine ruhige und fast heitere. Das ihm seinem vollständigen Wortlaute nach vom Gerichtshöfe für die kirchlichen Angelegenheiten zugesanbte, feine AmtSenisttzimg auSfprechende Erkennttiiß hat er ungelesen und uneröffnet an Den genannten Gerichtshof zurückgesandt. Unlängst wurde er, wie im heutigen Mittagsblatte bereits mitgethttlt, vorn Pvfener AppellationSgericht benachrichtigt, daß ihm von feiner zweijährigen Gefängniß,träfe wegen der von feinem früheren Gehalt ihm einbehaltenen 6000 Thlr. 4 Monate nachgelassen sind, so baß er nur noch 9 Monate zu verbüßen und Anfang« Oktober k. I. seine Fieilastung zu erwarten hat.
Tchweri», 28 Dez. Das Regiernngsblaik pubiictrt heute einen Erlaß; durch welchen der mecklenburgische Landtag auf den 10. Februar nach Malchin einbeiufen wird. Gegenstände der Verhandlung flno: die landesherrlich schwerinische Proposition betreffs der ordentlichen und außerordentlichen Kontribution, die Fortsetzung Der Verhandlungen über Den Entwurf einet Verfafsungö Aenverung u.iD Beralhung einer Vorlage betreffs der Aussteuer der Großfürnin Marte von Rußland.
Marschorvte tarn »och schneller, als zuerft deitimuit; fchon in der Nacht brach ein Theil Der Truppen aus. Nun erfaßten Die Wogen des Ledens, die Stürme oeS Krieges den jung.n Offizier; weroen sie ihn wieset heil und gesund in den Pott de- Friedens fuhren, wie ein Hetz jo innig es von Gott erfleht, oder wird er in fremoer Erde jein letztes Bett finde» ?
22.
Wochen sind dahin gegangen, für Viele dahingeflogen, für Andere, die aur Nachricht harren, in bangen Zweiieln schweben, ilt die Zeit gefchlichen. SiegeSnachrichle», voch ach wie schwer erkauft, waten schon heimgegangen. Die Lazarethe füllten sich.
In Schloß Warrstädt war Alle- eitel Geschäftigkeit und Eifer. Der Plan des Schloßherrn, im Lotse in einem schönen, noch leerstehenden Haufe ein Lazareth ei i- zunchten, war von den Frauen mit wahrer Begeisterung ergriffen worden; und besonders Dina, die zur Freude Aller wieder vollständig genesen war, gab sich mit Feuereifer und rastloser Thitigkeit Dem Unternehmen hm. Es war, als könne ste in vem Guten, welches sie jeoem Verwundeten that, zugleich ihm, dem Einen etwas Liebes erweisen. Im Stillen sah ste in jedem Krieger einen Freund und Kameraden deS Geliebten und behandelte ihn demgemäß. Wenn sie auch nicht zu den eigentlichen Pflegerinnen gehörte, was WarrstäDt nicht gestatten wollte, so gab es doch für sie zu thun aller Orten. Briefe zu schreiben für Die V.rwundeten, ihnen votzulesen, ihnen Muth unb Gebuld zuzusprechen, ba» war so recht ihr Amt. Wo ste erschien mit einem Blumeiiittauß als Gruß aus Walo und Feld dr ußen, mit einer Erquickung, mit irgend etwas, das sie sich erfonnen und das gerade immer bas Rechte war, da- der Leibende sich gewünscht, Da wirkte sie wie ein Bote Gottes. Selbst der grämlichste und düfterste Der Kranken