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Mr 303

IRdCßutg, Dienstag, den 29. December.

1S74

Anzeigen nimmt entgegen: tztr (gpebition b. Blattei, sowie bie Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Franksurt a. M.; Haasrnstein L Vogler in zranksurt a. M., Berlm, Leip« zig, Cöln rc.; Rudolf Moss« «Berlin, Frankfurts. M. rc.

(Obctl)rflifd)r Jeitung.

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedttion b. Blattei, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube «L Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schuß­ler in Hannover; C- Schlotte in Bremen-

«rschomt täglich außer den Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis fite das Quartal durch die Sxpedttion (Koch'fche Buchdruckerei» bezogen LLj Lflr., durch bie Postämter bei beutschen Reiches 25 Egr. (excl. Bestellgebühr). Jufertionigebühr fite bie gespaltene Zeile 1 Sgr. Für in bet Expedition zu ertheilende

Auskunft und Annahme von Adressen werden Lj Sgr. berechnet.

«nsere geehrten auswärtigen Abonnenten er­suchen wir die Bestellungen der Höerh. Zei­tung für das nächste Quartal baldigst bei den betreffenden Postanstalten machen zu wollen; da wir nur bei rechtzeitiger Bestellung im Stande find vollständige Exemplare der Zeitimg und des JSvftrirte» Tonntagsblattes liefern zu können.

Der AbonnementS-Preis bleibt der seitherige. Die Exp. d. Oberh. Ztg.

igr I« nächsten Quartal wir» eine sehr spannende Grzählnns au» »em letzte» »rutsch - französischen »riefle ix »er Oderh. Zeitung zum Abdruck kommen, worauf wir Sanz besonder» aufmerksam machen wollen._____________

LageSbericvt.

Der Reichskanzler hat bei dem BundeSrath bie Er­mächtigung zum Abschluß eines Auslieferungs-Vertrages zwischen dem Deutschen Reiche und den Vereinigten Staaten von Nordamerika nachgesucht. ES handelt sich dabei um Ausdehnung der bisherigen Verträge, bei denen Vaden und die Reichslande nicht betheiligt waren. Die amerikanische Regierung hat stch bereits damit einverstanden erklärt.

Der Civilehe-Gesetzentwurf ist auS dem Justizausschuß de» BundeSraths an den letzteren gelangt. Der Entwurf zerfällt in 8 Abschnitte und 78 Paragraphen. Abschnitt I umfaßt die allgemeinen Bestimmungen; II Beurkundung der Geburten; III Erfordernisse der Eheschließung (Ehe- mündigkeit bei Männern mit vollendetem 18., bei Frauen mit vollendetem 14. Lebensjahre). Die Ehe ist ver­boten zwischen Verwandten in auf und absteigender Linie, voll - und halbbürtigen Geschwistern, Stiefeltern und Stiefkindem, Schwiegereltern und Schwiegerkindern jeden Grade», Adoptiveltern und Kindern, zwischen einem wegen Ehebruch« Geschiedenen und seinem Mitschuldigen, in letz­terem Falle ist Dispensation zulässig und zwar durch den Staat. Witwen und geschiedene Frauen dürfen erst nach 10 Monaten nach der früheren Ehe wieder heirathen (auch hier ist Dispensation zulässig). Abschnitt IV betrifft Form und Beurkundung der Eheschließung. Abschnitt V Beur­kundung der Sterbesälle. Abschnitt VI Beurkundung des Personenstände« der aus See befindlichen Personen. Ad schnitt VII Berichtigung der SiandeSregister. Abschnitt VIII Schlußbestimmungen. Hier werden Ehestreitigkeiten ausschließltch vor die bürgerlichen Gerichte verwiesen, die geistlichen Ehegerichte also aufgehoben und angeordnet, baß, wo bisher auf Trennung von Tisch und Bett erkannt wurde, aus LSsung der Ehe zu erkennen ist. Das Gesetz tritt am 1. Januar 1876 in Kraft.

Neues fielen.

Novelle von Rax Alt (A. Möbinger unb Sophie Verena).

(Fortsetzung.)

In diesem Augenblick trat ein Diener herzu und meldete:

»Herr Lieutenant von Königsheim wünschen ihre Auf­wartung zu machen" und unmittelbar ihm auf dem Fuße folgend, erschien der junge Offizier.

Es war kein Ausweichen mehr und Warrftädt zitierte vor den Folgen, war überzeugt, daß Otto in Elise Dina erkennen müffe. Doch das Gefürchtete geschah nicht.

Für Warrftädt war die Sehnlich keil größer, da ihm Elisens Bild auch noch aus der goldenen Jugendzeit vor schwebte, und wie hätte der junge Offizier in dieser eie ganten, vistinguinen Dame die einfache, schl chle Frau, für welche er DinaS Mutter hielt, vermuthen sollen, wie konnte er ahnen, diese als Baronin Warrftädt wieder zu finden ?

Nachdem der Baron seine» jungen Freund seiner Ge­mahlin vorgestellt und mit Genugthuung gesehen, welchen angenehmen Eindruck Beide auf einander machten, fiogen seine Gedanken zu Dina. Wenn sie nicht krank gewesen, so wäre wohl schwerlich ein längeres Verbergen möglich geblieben, aber daß die Umstände dieS Zusammemreffen verhinderten, schien Warrftädt ein Zeichen, daß eS noch nicht gerathen sei, den Schleier zu lüften.

Ich habe nur wenig Zeit. Herr Rittmeister, sagte Otto bald, morgen rücken wir aus, doch ich konnte nicht gehen, ohne von Ihnen Abschied zu nehmen; nun habe ich «n zweifaches Glück gehabt, da Sie mich der Ehre wür big hielten, Ihre Frau Gemahliu kennen zu lernen. In die wilde, wirre Zeit, in die ich nun hineingehe, wird die Erinnerung an die Heimalhsftätte des Glückes und des

E« bestätigt stch, daß dir preußische Regierung den Besitzern preußischer Bankantheile zu Neujahr 1876 deren B-theiligunz bereit- gekündigt Hai. DemReichsan­zeiger" zufolge hat der Kais« dem CultuSminister Falk den Stern zum rothen Adlerorden verliehen.

Anläßlich der im Ministerium deS Innern in Vorbe­reitung begriffenen Landgemeindeordnung für Rheinland und Westphalen wird In nächster Zeit eine Broschüre des Professors v. Sybel in Bonn erscheinen, welche die Ab sicht der Regierung bekämpft, den rheinischen Gemeinden die Wahl der Bürgermeister ohne Einschränkung zuzuge- ftehen. Prof. v. Sybel sucht den Beweis zu führen, daß dieses Zugeständniß nur da« Resultat haben würde, der ultramontanen Partei zur Herrschaft über die Landge­meinden des Rheinlandes zu verhelfen. Dem B-schof Johann Bernard von Münster ist angekündigt, daß die GehaltSrate für den 1. Januar 1875 ihm gesperrt sei. Es verlautet, die Sperrung sei auf Antrag deS Oberpräsi- denten der Rheinprovinz wegen Nichtbesetzunz der Pfarrei Xanten erfolgt.

DieReue freie Preffe" schreibt:ES ist noch nicht überall bekannt, wovon denn eigentlich die dreizehn kirchen- politischen Erlasse handeln, welche in dem Arnim-Prozeffe nur in gcheimer Verhandlung verlesen wurden, weil man von ihrer öffentlichen Kundmachung eine Störung des konfesston llen Frieden« in Deutschland befürchtete. DaS Erkenntniß stützt das über Arnim verhängte Strafmaß lediglich auf diese Stücke, während alle übrigen nach er­folgtem Beweisverfahren au« dem Kreise der Verhandlung ausgeschieden wurden. Jene dreizehn Piecen nun betreffen ausschließlich die SediSvacanz des päpstlichen Stuhles und zeichnet die Stellung vor, welche bei Dem Tode Pio Nvnos vaS Deutsche Reich zur Wahl eines neues Papstes zu nehmen gewillt ist. Auch zu ihnen machte Arnim die wunderlichsten Gloflen in der burschikosen Art, wie er einige andere der bekannt -gerwrdenen Piece» umränderte. Wann diese Stücke in die Oeff.ntlichkeit gelangen werden, das bildet vielfach den Gegenstand der Berliner Conjeklu- ralisten. Viele behaupten, daß man mindestens btS zu irnimS Tode werde warten muffen, da, auch wenn von seiner Seite die Publikation jemals geplant worden sein sollte, die verständliche Warnung deS Staatsanwaltes mit dem LandeSverrathS > Paragraphen jede derartige Absicht unterdrückt haben dürfte. Andererseits meint man, daß der Tod des zeitigen Papstes daS Siegel deS Geheimnisses von diesen Piecen lösen möchte. Dann werde kein Grund sein, diese Aktenstücke noch länger in Gewahrsam zu hallen und die Regierung werde selbst die Veröffentlichung der­selben veranlassen. In beiden Fällen ist, wie man steht, ein Wechsel auf lange Sicht ausgestellt; aber wenn, wie zu errathen, die Tendenz dieser Papiere auf Säuberung

Friedens als ein freundliches Bild mich begleiten. Es ist schön zu wissen, daß es überhaupt noch Glück flieht auf der Welt."

Das wird auch Ihnen nicht fehlen, Herr v. Königs­heim," sagte Elise mit tiefbe egt er Stimme, denn eine wunderbare Sympathie zog auch sie zu dem jungen Manne." Kehren Sie nur erst wieder gesund und frisch heim Gottes Segen geleite Sie!"

Ja, Gott sei mit Ionen!" sagte Warrftädt, den jun­gen Mann durch den Park begleitend.Und wenn Sie wiederkehren und jene« Bild noch in Ihrem Herzen lebt, bann müssen wir den Flüchtling suchen und loUlett wir die Welt umkehren, ich helfe dabei, und wir werden ihn finden." Warrftädt suchte unter den halb scherzenden Wor­ten seine tiefe Bewegung zu verbergen. Er drückte den jungen Mann an sein Herz und geleitete ihn dann in den Schloßhof, in welchem man sein edles Roß umherführte. Der junge Offizier schwang sich in dxn Sattel, noch ein­mal einen Gruß mit der Hand, einen flüchtigen Blick über ba« schöne Schloß unb bann, einem jungen KriegSgotte gleich, sprengte er von bannen.

U ib er sah sie nicht bie weiß? Gestalt, sah nicht Dina, bie halb von ben Vorhängen verborgen, mit brennenden, sehnsüchtigen Augen an ihm hing unb alle Siebe bieses jungen reichen Herzens in bem einen Blick konzentrirle unb Gottes Segen auf bas geliebte Haupt beradries unb bann war'S der Tod, der tarn, sie dieser Welt zu ent­rücken.

Und er sprengte dahin 1 O, wenn er geahnt, daß nur eine Thür, eine Mauer ihn von ihr trennte, die er so un ablässig gesucht und deren Bild mit ihm zog in Kamp' und Tob hinein wenn erS geahnt.

Als die Eltern tarnen, um nach dem theuren Kinde zu sehe«, als Warrftädt ihr einige ^beglückende Worte zu-

deS Stuhles Petri von bem Einflüsse der Jesuiten reali« firt wirb, so möchte Niemandem bie Zeit zu lange währen, bi« der Inhalt derselben der gerechten Neugier aller Frei- hettSsreunde preisgegeben wird."

Der neue Bezirkspräfident v. Puttkammer ist in Metz eingetroffen und ließ sich mehrere höhere Beamte voistellen.

DaS deutsche KanonenbootAlbairoß" ist, von San­tander kommend, in den Hafen von Plymouth eingelaufen.

Einer Petersburger Depeiche zufolge find die Nach­richten über die Fortsetzung der Brüsseler Conferenz, na- men lich über den Zeitpunkt sür die Eröffnung der Con­ferenz unbegründet. Die russische C>rcularb>pcsche ist noch nicht einmal von allen Regierungen beantwortet.

Der schweizerische Nationalrath und Ständerath haben sich bis zum 8. März 1875 vertagt.

Die Nationalversammlung Hit am letzten Donnerstag bie Anleihen für Marfeille im Betrage von 16, für Paris im Betrage von 220 Millionen genehmigt. Die Sitzungen stnb bis zum 5. Januar vertagt.

DerAgence HavaS" wird aus Bayonne gemeldet, daß stch die Carlisten bereit erklärt hätten, das deutsche bei Zaranz auf den Strand gelaufene SchiffGustav" gegen Bezahlung der Douanekosten wieder fretzugeben. Dem gegenüber sind in Berlin Nachrichten aus Madrid eingetroffen, zufolge denen man dort noch keine offiziellen Nachrichten von der Beschießung der deutschen Brigg Gustav" durch die Carlisten hätte. Die telegraphisch nach Madrid gelangte Naa»richt derKöln. Ztg." über Die An­gelegenheit hatte dort ein begreifliches Aufsehen gemacht. Die Meldung der Pariser Agentur Havas, daß die Car- listen eine Entschädigung der Douane für da» Schiff ver­langen, das durch ihre Schuld gestrandet ist und schwerlich Waaren auSgeschifft hat, erscheint bi« auf Weiteres un­verständlich und wird in den politischen ftretjen Berlins als kaum ernsthaft behandelt. --j* - < _ -

Der spanische General Soma ist von seiLtzp Verwundung wieder hergestellt.

Am Donnerstag hat bei Shipton auf der englischen Ostbahn ein großer Eisenbahnunfall stattgefunden. Ein Expreßzug entgleiste und stürzten mehrere Wagen in den Canal. BIS halb 10 Uhr waren 30 Tovte gefunden wahrscheinlich sind aber noch mehr umgekommen und viele Passagiere verwundet worden. Zn den Kohlengruben von Cronell-Hill in der Grafschaft Nord Staffordshire hat eine GaSrxplosion stattgesunden, wodurch 20 Menschen getödtet wurden.

DnUsche» Nrtch.

Berlin, 26. Dec. Auf der nächsten Tagesordnung des Reichstag s stehen u. A die Petitionen, welche die Frage der Eilenbahntarife betnffen. Dazu ist von dem

flüstern wollte, fanden sie zu ihrem Schrecken die weiße Gestalt langausgestreckt leblos auf dem Boden liegen. Es war doch zu viel geworben, die schon geschwächten Kräfte der Leidenden hatten nicht mehr vermocht die Anspannung und Selbstbeherrschung zu tragen. Der Stolz der nicht zeigen wollte, wie sie litt, war endlich doch nicht mehr siegreich gewesen. Die weinende Dienerin berichtete,die junge Herrin habe sie, nachdem sie stch erfuubigt, wer so schnell in den Schloßhof gesprengt, forlgefchickt, mit der Weisung, sie wolle schlafen, möge sie Ni-mano stören."

AIS Dina auS langer tiefer Ohnmacht erwachte, barg sie ihr Haupt an WarrstädiS Brust, wie ein müdes Kind, das Schutz sucht am Herzen des Paters und flüsterte ihm zu:

Ich habe ihn gesehen er geht in den Tod und ich habe ihn so lieb, so lieb 1*

Nicht in den Tod, so Gott will kehr er heim zu neuem Leben!"

21.

Die Kriegserklärung hatte in gewissen Kreisen der Hauptstadt kaum eine größere Sensalion hervorgedracht, als bie Kunbe von WarrstäbtS Vermählung. Wie eine Bombe war sie in die Gesellschaft hernievergefallen, manäse süße Hoffnungen, ehrgeizigen Erwartungen grausam zerstö renb. Die Gerüchte, wie HauS Warrstäst aufs Herr­lichste hergerichlet werbe, hatten auch bie Kreise bet Resi­denz erreicht, und manches junge und ältere Herz schneller schlagen gemacht in dem Glauben, nun werbe endlich die Entscheidung kommen und das gewünschte Ziel erreicht sein. Daß Baron War, stöbt selbst nichts gethan, solche Erwar- mnren zu wecken unb zu täuschen, erhellte am Besten ba- raus, baß jede der Prätendentinnen auf bie Hand des all­gemein beliebten unb liebenswerthen Mannes einem halben Dutzend ihrer Freundinnen anvertraute:es sei doch gar