Marburg, Freitag, den 25. December.
1874
Mr. 802
MerhtMe Jritung
Deutscheö -tnch.
an.
keinem
»Za, sie ist Deine Lchle Tocht.r, Konrad, bejonoeid in letzt r Zeil fällt mir die AehNilchkeit immer mehr auf."
„Du hast sie doch aber deshalb nicht weniger lieb."
Wie feine Äugen auch so schelmisch biitzlen, war denn auch über ihn mit dem neuen Leben eine neue zweite Jugend gekommen?
Ob Dina ÄlleS ahnte. ES gab manche Tiefen in dem Charakter viesis seltsamen Mädchens, die nicht zu ermessen waren. Manches machie sie ichwcigend durch, üoerjbae zu sprechen geradezu unmöglich gewesen wäre. Indessen jene Beiden in ihrem schwer eikämpften, doch wunderbar fußen Glück geschwelgt, war ein Swrneizenssturm über Dina hingezogen, den eine weniger kräftige und gesunde Natur kaum so muihig bekämpft hätte.
Krieg! Daö bedeutete Gefahr, vielleicht Tod für Ihn! Und was Er ihr war, darüber war sie jetzt nicht mehr im Unklaren.
ÄuS Furcht, man werde kommen, sie zu suchen, werde sie in Thränen finden, hatte sie sich ermannt und trat nun wieder in cen Salon. Sie fah die beiden zujammenstehen — ein Blick genügte ihr, zu wissen, was gefchehen. Einen Moment stand sie still, in ihren Äugen war ein Ausdruck, der verrielh, sie verstehe solche stumme Herzenssprache. Dann eilte sie auf ihre Mutter zu unv mit einer ächt kindlichen, saft demüthigen Ehrerbietung kniete sie vor ihr nieder, vor ihr, die in ihrem Herzen ihre Tochter so viel größer und reiner fand, als sich selbst und diesen Tribut kindlicher Hingebung fast beichämt adwehrie. Doch Dina ließ sich Nicht beirren, ehrfurchtsvoll die Hand Elisens küsieno, sagte sie: „Du belle der Mütter, du bravste der Frauen, Du hast Dein Glück verdient. — Gott segne es Dir!*
Äber Warrstädt flog sie jubelnd an den Hals.
„Nun kann ich Sie — nun kann ich Dich wohl Bater
Herzen, tu denen «hbe wohnt, werden nicht alt; dtefe schlugen jung und frisch dem neuen Leben entgegen. Nach längerem Schweigen, denn ihre Gefühle litten nicht Worte, sagte Elise endlich:
„Und wann, wann kamst Du zu dem Entschlüsse, ist es eine plötzliche Eingebung, durch die drohenden Zeitver hältnifie hervorgerufen?"
„Bald nachdem ich Dich wiedergefunden, war es mit klar, daß ich Dich nicht von Neuern verlieren konnte, und in Dem Glauben habe ich in der Zwischenzeit schon Vieles gethan, unS unser künftiges Heim behaglich zu machen; doch Die ernste, Drohenoe Zeit hat den Entschluß früher zur Äusiührung gebracht. Der Gedanke, Dich und Dina so allein und undeschützt zurückzulassen, nicht so j»ie ich es nun können werde, für Eure Zukunft zn forgen, war mit schrecklicher, als der Gedanke an Gefahr und Tov; und in Diesem einen Falle bin ich Dem auSbrechenden Kriege Dankbar, Denn er hat mir früher zu rfiemem Glück verhalfen, wie sich auch alle Schritte zu unserer VerbinDung nun leichter unb schneller werben thun lassen."
„Wie aber werden wie uns Dina gegenüber benehmen," sagte Elise und ein Schatten legte sich über ihr leuchtendes Antlitz.
„Ich denke, wir sprechen zu Dina nur vom neuen nicht vom alten Leben," entgegnete Warrstädt. „Mir ist es, als ahne sie Alles, und Der Umstand, daß sie nie auch nur die leiseste Anspielung gemacht, nie eine Frage geihan, scheint mir Der Beweis, als »Helle sie meine Änstcht, daß manche Worte nicht gesprochen werden dürfen, daß <6 besser ist, manche Verhältnisse hinzunehmen, wie sie sich Dem Bucke der Welt zeigen. Mich Überrascht oft ein wunder barer Takt, ein über Ihre Jahre gehendes Verständniß an Dina."
Tagesbericht.
Der Justiz-Ausschuß des BundeSratheS hat die Zu stimmung des BundeSratheS zu dem aufgestellten Gesetzentwürfe über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung beantragt. Der Entwurf enthält allge- mein gültige Bestimmungen über die Erfordernisse der Eheschließung und begründet die ausschließliche Zuständig leit der bürgerlichen Gerichte in streitigen Ehe- und Vet- löbniß. Sachen. DaS Gesetz, welches sich im Uebrigen dem preußischen Gesetze anschließt, soll mit Neujahr 1876 in Kraft treten.
DaS Staats Ministerium trat am Montag und Dienstag zusammen. ES handelt sich bei diesen Berathungen vorzugsweise um Besetzung vacanier Stellen, Berathung der Mehrsotderung im Staatshaushaltsetat und die endgültige Feststellung der Gesetzentwürfe, die dem Landtage vorgelegt werden sollen.
Der „Prov.-Eorresp." zufolge wird der preußische Landtag vermuthlich aus den 14. Januar einberufen werten und etwa noch 10 Tage gleichzeitig mit dem Reichstage tagen.
Graf Arnim hat feine Kaution von 100,000 Thlr. zurückerhalten, hat aber 3000 Thlr. GerichtSkosten tragen müssen. WaS den Fall Majunke betrifft, so irren sich diejenigen Blätter gar sehr, welche berichten, der preußische Mtnister- rath habe sich schon geeinigt über eine dem BunoeSrath zu empfehlende Abänderung deS §. 31 der Reichsverfassung, wonach auch eine Verhaftung zur Strafvollstreckung nur mit Bewilligung deS Reichstags Statt finden könne. Nach der Stimmung unserer höchsten Kreise ist an eine solche
RetteS Lehe«.
Novelle von Max Alt (A. Mödinger und Sophie Verena).
lFortsetzung.) »
„DaS war auch etwas ganz Andere«," wie konnte man da« vergleichen? Einem Konrad Warrstädt die Treue zu galten, war nicht schwer."
Welch eine Fülle von Siebe birgt eine« echten Weibes Herz!
So dachte Warrstädt, Gott dankend, daß ihm solche Liebe geworden, laut fügte er hinzu:
„Eigentlich war es nichts AnvereS, Elise, doch lasten Wir da« ruhen, eS gehört der Vergangenheit an, unb wir beginnen ein neues Beben, da sollst Du eS mir nicht zu vorthun, an Liebe unb Treue, das glaube mir."
Aber Elise stand noch immer unschlüssig, ihr schwindelte vor der Fülle deS Glückes, eS schien ihr unmöglich, daß ihr solches deschieben fein könne, sie zweifelte, ob ihr dar Recht ustehe, eS anzunehmen.
Warrstädt las ganz klar, waS in diesem großen, reinen, selbstlosen Herzen vorging.
„Um Dina« willen!" flehte Warrstäbt enblich.
„Nein, Konrad, Du brauchst keinen Verbündeten, um Deiner, meiner selbst willen; da Gott so gnädig ist, mich besten werth zu halten, will ich glücklich, selig sein an Deiner Seite!"
Und mit der ganzen Gluth einer langzurückgedrängten, doch nie erstorbenen Leidenschaft, mit der vollen Hingabe einer großen Liebe, Die Den Kampf aller Wechselfälle Des Lebens überdauert, schlang sie ihre Arme um seinen Hals Unb ruhte an dem Herzen beS geliebten Mannes.
Ob sie wohl glücklicher damals gewefen, a S sie in dem Mai des Lebens durch Die blühenDen ©.fhae wandelten? Ich meine, ihr jetziges Glück war reiner und edler, und
gegenteilige Behauptung fei feiner Zeit erlogen genesen. Der Kaiser und der Kronprinz sehnten sich nach Frieden, und eine gleiche Sehnsucht habe daS Volk. Die Veröl- sentlichung der Aktenstücke sei dem Fürsten abgezwungen worden. — Auch über daS Verhältniß des Reichskanzlers zu dem Feldmarschall v. Manteuffel hat der Prozeß Aufklärung gebracht und zwar durch den im Prozeß zur Verlesung gekommenen Bries des Felvmarschalls. Jener Brief bezeugt, daß der Felbmarschall von Manteuffel sehr aufmerksam den Maßnahmen d<s Botschafters gefolgt ist und seiner Pflicht al« Staatsdiener sich bewußt, Dieselben er- a'ähnte, wo sie ihm eine für das Reich gefährliche Gestalt annahmen. Hieraus geht wohl zur Genüge heivor, daß Die Feindschaft zwischen dem Reichskanzler uno Felvmar- jchall von Manteuffel mehr auf Combinationen als auf wirklichen Thatsachen zu beruhen scheint. — Die von Der Bertheidigung auf Veranlassung DeS Grafen Arnim gegen den Botschaftsrat v. Holstein gemachte Verdächtigung, er habe über Den Botschafter Bericht erstattet, wurüe von Der öfteren, nachdem Der Staatsanwalt zur rechten Zeit und höchst wahrscheinlich zum großen LeiDwesen DeS Beschuldigten Die Ladung deS Botschaftsrats * beantragt hatte, 'reilich zurückgenommen. Für de» Beschuldigten Charakter kann aber unmöglich der Umstand ein günstiges Zeugniß ablegen, daß er, als der Bertheidiger seine von dem Angeklagten inspirirten Beschuldigungen zurücknahm, — schwieg. Dieses Schweigen deS Grafen spricht zu deutlich, daß es sich noch verlohnte, darüber Worte zu verlieren.
Stuttgart, 23. Decdr. Der Vorstand der Würt- t.mbergischen Bank, Fr. Graf, sowie die Procuristen Kühne und Blum sind gestern verhaftet worben. Gleichzeitig wurden sämmtliche Papiere und Bücher beS Instituts auf da« Stadtgericht verbracht. Der Grund der Verha tung ist unbekannt. Die Beamten der Bank wurden heute ge- richtlicberseits falarirt.
München, 19. Decbr. In verschiedenen Blättern wird über eine Unterredung des altkaiholischen Pfarrers Kühn mit dem Bischof Haneberg von Sp-yer berichtet, wobei Letzterer den altkatholischen Pfarrer ermahnte, zur „Einheit der römischen Kirche" zurückzukehren, sich daneben aber tadelnd aussprach über daS Gebühren der ultramon- tanen Presse, gegen daS ihm leider kein Mittel zu «Gebote stehe. Auch der „Deutsche Mercur", das Organ der Alt- katholiken, macht darüber folgende Bemerkung: „Die „Rheinpfalz" und in ähnlicher Weise die „Germania" (vom 9. Dec.) versuchen zwar durch halbe Dementis den Eindruck abzuschwächen, den der Berich» des Pfarrers Kühn über diese Unterredung auf unbefangene Leser machen muß; dies gelingt aber Nicht. D NN die von Haneberg beridneten Aeußerungen entsprechen allzusehr dessen allgemein bekanntem friedfertigen, aber zu weichen Charakter, uno
werben, unb wie eine osficiöse Correspondenz der wiener Montags-Revue sich auSdrückt: „Dergleichen wird nie accep- tirt werden, so lange die deutsche Kaiserwürde bei der königlichen Krone von Preußen ruht." Darüber kann gestritten werden, aber augenblicklich würde eS Thorheit fein, den Streit auf die Spitze zu treiben.
Die „Germania" versichert, Herr Majunke habe keineswegs beabsichtigt, sich um seine Hast zu drücken, vielmehr schon seine Wäsche für daS im Gefängniß zu verlebende Jahr sich angeschafft. Er hat daran sehr wohlgethan, Denn er ist bereits zum Gefängniß am Plö.ensee abge- sührt und wird voraussichtlich vor dem December 1875 nicht wieder herauskommen.
Die von Berlin aus englischen Blättern gemeldete Nachricht, daß die deutschen Kanonenboote „Albatroß" unb „Nautilus" aus Veranlassung ber angeblichen Be schießung beS deutschen Schiffe« „Gustav" durch die Carlisten Ordre erhalten hätten, an der spanischen Küste zu bkiben und Genugtuung zu fordern, ist vollkommen un begründet. Vielmehr bleibt e« bei den getroffenen Dispositionen und haben demgemäß die Kanonenboote Sa»» tanber bereits am 19. resp. 20. d. verlassen.
Die amtliche „Wiener Zeitung" veröffentlich daS sanc- tionirte Finanzgesetz für 1875, wonach bie Deckung bes Deficits von 82/io Millionen burch Renteverkauf zu erfolgen hat.
Die Diöcesan-Conferenz de« BiSthnmS Bafel beschloß bie Aufhebung des Domccpitels in Solothurn und Liquidation des Vermögens deS BiSthumS.
Nach einer der peruvianifchen Gesandtschaft in Pari« auS Lima zugegangenen Depesche vom 14. December sind die dortigen Insurgenten am 7. December vollständig geschlagen worden, ihre Anführer Pierola nach Bolivia geflüchtet und die Ordnung darauf wiederhergestellt.
ISfnfere geehrten auswärtigen Abonnenten er- ** suchen wir die Bestellungen der Höerh. Zeitung für das nächste Quartal baldigst bei den betreffenden Postanstalten machen zu wollen; da wir nur bei rechtzeitiger Bestellung im Stande sind vollständige Exemplare der Zeitrmg und des Zkvstrirtets Sountagsblattes liefern zu können.
Der AbonnementS-Preis bleibt der seitherige.
Die Exp. d. Oberh. Ztg.
yy I« nächsten Quartal wird eine sehr spannende Erzählung ans dem letzten deutsch - franzöfischen Kriege in der Oberh. Leitung zum Abdruck kommen, worauf wir ganz besonders aufmerksam machen wollen.
auch unumwunden
geraden Weg und ihm könne man auf'S Wort glauben; seine Grobheit unb Offenheit unterliegen keinem Zweifel. Sie ist der festen Meinung, daß Deutschland
— Berlin, 23. Dezbr. Der Prozeß Arnim hat die Veranlassung zum Umschwung der Stimmung in Frank reich gegeben. Die meisten Blätter wundern sich nut noch darüber, daß die Aktenstücke der Oeffentlichkei: Preis gegeben worben sind; sie erkennen das ober an unb meinen, Die Veröffentlichung fei jetzt vollstänoig und man laufe keine Gefabr, sie von dem Angeklagten und seinen Ver- theidigtrn tropfenweise und tendenziös zugestutzt veröffent licht zu erhalten. Die „Gazette de France" erkennt dies Sie meint, der Fürst gehe den
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blatte«, sowie Die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in staffel unb Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., BerlinWeip- jig, Cöln k. ; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a- M. re.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie Die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Go'. in Frankfutt a. M.: Jiiger'sche Buchhandlung in Frankfurta. M; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich anher den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal durch die Expedition (Äoch'fche Buchdruckerei» bezogen 22z Sgr., durch die Postämter des deutschen Reiches 25 Ser. (erd. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für bie gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in ber Expedition zu ertbeilenbe
Auskunft unb Annahme von Adressen werben 2j Sgr- berechnet.
Ausdehnung der Prärogative des Parlaments jetzt nicht
zu denken. Nach der dort herrschenden Auffaffung muß „.... .
bie Autorität des Gerichts Allem vorgehen; Die Reichs- keinen Krieg mit Frankreich anfangen wolle, — Das gehe tags-Abgeorbneten dürfen nicht über bas Gesetz gestellt auch auS den veröffentlichten Aktenstücken hervor. Die