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Marburg, Dienstags den 22. December.
Ur. 299.
Anzeigen nimmt entgegen: die Exvedition d. Blatte», sowie bie Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Aaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein L Vogler in Krankfutt a- M., Berlin, Leipzig, Cöln ic.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a- M. k.
ObcrhkUlhc Zcilimg.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d- Blatte», sowie die Ännoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M-; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M>; Jnvalidendank, A. Stete» rneyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C. Schlotte in Bremen-
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ufere geehrten auswärtigen Abonnenten ersuchen wir die Bestellungen der Höerh. Zeitung für das nächste Quartal baldigst bei den betreffenden Postanstalten machen zu wollen; da wir nur bei rechtzeitiger Bestellung im Stande sind vollständige Exemplare der Zeitung und des JKnstrirte« Sonntagsblaites liefern zu können.
Der Abonnements-Preis bleibt der seitherige. Die Exp. d. Oberh. Ztg.
Tagesbericht.
Die Kommission de» Reichstags, welcher der Entwurf eines BankgefeheS zur Borberathung überwiesen ist, hat am Freitag Vormittag wiederum eine Sitzung abgehalten, welcher der Präsident des Reichskanzleramts Delbrück, sowie mehrere BundeSkommiffare beiwohnten. Zu Beschlüffen gelangte die Kommission nicht, nahm vielmehr auch gestern noch Erklärungen der BundeSkommiflarien, namentlich des Präsidenten Delbrück darüber entgegen, in welcher Weise der BundcSrath die Durchführung de» Projektes der Reichsbank und ganz besonder» die Betheiligung des Pri- vatkapital» an derselben und die Abfindung der Rechte der jetzigen Aktionäre von der preußischen Bank für durch führbar machte. Am Sonnabend wollte die Kommission ihre Berathungen fortsetzen.
Daß e» jeder Begründung entbehre, was die Zeitungen fortgesetzt melden, daß nämlich der Justizminister an seinen Rücktritt denke, haben wir bereit» au» ganz zuverlässiger Quelle erklärt und wiederholen e» hiermit definitiv.
Der preußische Landtag wird zu« 14. Jan. k. I. einberufen werden und sind die bezüglichen Anordnungen be» reit» getroffen.______________________________________
Deutsches Stetch.
Berlin, 19. Dez. Es steht nunmehr fest, daß dem nächsten Landtag ein ÜnterrichlSgesctzentwurf nicht zugehen wird. Au» unterrichteten Kreisen hören wir, daß die Regierung der Ansicht sei, daß eine Verständigung über ein UnterrichtSgesetz nicht eher möglich wäre, al» bi» durch die gelungene Regelung der Gemeinde-, Kreis- und Provinzial- vrrhältniffe die unumgänglich nöthige Grundlage für dieselbe gewonnen sei. „Die Reform de» Volksschulwesens" — so wird argumentirt — „schließt die Frage der größeren Mitbetheiligung der Gemeinden und Kreise in sich. So lange hier daS Prinzip der Selbstverwaltung nicht zur Geltung gekommen, kann auch eine gute Schulgesetzgebung nicht zu Stande kommen. Denn es würde andernfalls air den für eine gute Schulgefetzgebung unentbehrlichen
Voraussetzungen, nämlich an einer festen und zugleich dem gegenwärtigen Stande der politischen, socialen und intel- lectucllen Bildung de» Volkes entsprechenden Organisation derjenigen LebenSgebiete fehlen, welche ihrer Natur nach mit dem Schulwesen organisch verwachsen sind." Es würden demnach vor Einbringung de» UnterrichtSgesetzent wurfs im Landtage folgende, der Reihe nach in Aussicht genommene Gesetzentwürfe zu erledigen sein: 1. der Entwurf einer neuen Kreisordnung für die Provinzen West falen, Rheinland und Heffen-Naffau, sowie der Entwurf einer Landgemeinde- und Städteordnung für diese Pro vinzen; 2. der Entwurf einer Krcisordnung für die Provinz Posen; 3. der Entwurf einer Provinzialordnung für die Provinzen Preußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien, Sachsen, Posen, Westfalen und Rheinland; 4. der Entwurf einer neuen BezirkS-Communal-Ordnung für die Regierungsbezirke Wiesbaden und Kassel; 5. der Gesetzentwurf betr. die Verfaffung und Verwaltung der neu zu bildenden Provinz Berlin; 6. der Entwurf eines Gesetzes wegen der Dotation der Provinzialverbände; 7. der Entwurf einer Kreisordnung für die Provinzen Schleswig - Holstein und Hannover; 8. der Entwurf einer Provinzialordnung für diese Provinzen; 9. der Entwurf einer Gemeindeordnung für die östlichen Provinzen, und 10. der Entwurf einer Gemeindeordnung für die Hohenzollernschen Lande. Die Entwürfe sub 1 bis incl. 6 sind bereits fertig gestellt und werden dem nächsten Landtage vorgelegt werden. Schließlich fei noch erwähnt, daß beabsichtigt wird, die Entscheidung über die Heranziehung zu Schulbeträgen, die Feststellung des Geldwerthe» der Naturalien und des Ertrage» der Ländereien bei Regulirung des Einkommens der Elementarlehrer und im Falle eine» Streits unter den Be- cheiligten und zum Theil auch die refolutsrische bezw. in tenmistische Entscheidung in streitigen Schulbaufachen den neuen Kreisausfchüssen zu übertragen.
Ikertd-burg, 19. Dezbr. Ein Auöschußbericht des Provinzial-Landtage» erklärt die offerirten 400,000 Thlr. für die Ausgleichung der schleSwig holsteinischen KriegS- kosten zur Beseitigung aller alten Ansprüche ungenügend und beantragt im Sinne des Beschluffes de» Abgeordnetenhauses vom 10. Mai eine Ausgleichungssumme, welche dem Betrage der Communal-Anleihen von 1849 und 1850 (drei Millionen Thal«) nahe komme.
Paderbor«, 19. Dez. Der Bischof Martin von Paderborn ist auf den 5. Januar nach Berlin vor den Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten grlad-n.
Bonn, 18. Dez. Die in Aussicht genommene Abänderung der Communal-Gefetzgebung der westlichen Provinzen, wobei u. A. der Wegfall der lebenslänglichen Amts dauer der Landdürgermeister beantragt wird, hat die Bürgermeister unserer rheimfch-n Landgemeinden dazu veran
laßt, eine Jmmcdiat-Eingabe an den König zu richten' worin sie bitten, daß ihre biSheran Übliche Wahl durch die Gemeinde aufgehoben werde, daß sie in Zukunft durch die Regierung ernannt würden, und daß ihre lebenslängliche Anstellung nicht alterirt werde. E» wird in der Eingabe behauptet: „ES fei nicht rathfam, in den jetzigen aufgeregten Zeiten durch die ganze Provinz hindurch eine voraussichtlich größtentheils staatsfeindliche Wahl-Agitation hervorzurufen." (Was nicht Alles herhalten muß, um einer wirklich liberalen Reform und dem Streben nach Selbstverwaltung möglichst hindernd in den Weg zu tret-n I)
Meiningen, 18. Dez. Der hiesige Landtag hat bei der Berathung des CultuS-CtatS auch über erhöhte Zuschüsse zur Universität Jena berathen. Diese Hochschule bezieh etwa 14,000 Thal« aus ihrem Grundvermögen, 30,877 Thal« steuert Weimar bei, Altenburg nur 8075, Coburg Gotha und Meiningen aber noch weniger, nämlich je 6061 Thal«. Der Landtag in Meiningen hat vor der Bewilligung eines höheren Beitrags erst Nachforschungen über den Bedarf anzustellen beschloffen. Inzwischen hat aber d« Curator der Universität, v. Seebeck, um feine Entlastung nacbgesucht.
München, 16. Dezember. Der König hat die dem hiesigen katholischen Casino für das J«hr 1874 ertheilte Bewilligung zur Vornahme von Sammlungen für den Papst durch Aufrufe in den öffentlichen Blättern auch aus das Jahr 1875 ausgedehnt. — Die Königin-Mutt« besucht jetzt allsonntäglich bie katholischen Gottesdienste, wobei mit den Kirchen abgewechselt wird. Von Seiten der ultra- montanen Bevölkerung wird ihr dabei eine zudringliche Verehrung «wiesen, welche ttotz ihres anfänglich schmeichelhaften Eindruckes bereit» unangenehm berührt haben soll.
Ätteieim.
Wie», 17. Dec. Die fröhliche Weihnachtszeit soll die Abgeordneten am häuslichen Heerd finden, den sie kaum vor dem 18. Januar wieder mit ihren Plätzen im Hause vor dem Schottenlhor vertauschen dürften. Der Aufgaben, die ihr« bann harren, sind iudeß noch so viele, daß die Session mindestens bis Ostern bau«n muß, um welche Zeit bann bie Landtage einzuberufen wären. Der Zusammentritt der Delegationen ist nicht dringend, denn taS gemeinsame Budget für 1875 ist bereit» bewilligt und die Regierung hat alle Ursache, die Votirung de» nächsten Budgets nicht unter dem Eindrücke ungünstig« ökonomischer Verhältniste geschehen zu lasten, keinenfalls indeß zu überstürzen. So sind den» auch alle die Mtllheilungen, die über den Zeitpunkt der Eröffnung der nächsten Delegationen und über Details der für dieselben vorbereiteten Regierungsvorlagen umlaufen, als verfrüht zu betrachten.
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Neues Lebcn.
Novelle von Max Alt (A. Mödinger und Sophie Verena). (Fortsetzung.)
„Dies« Takt, dieser Geist, diese Feinheit, bie aus dem Briefe sprachen — unb wahrlich, biefe» Beruhigen unb Bestätigen unb boch wieder das Verschweigen der näh«en Details war nicht leicht — eS ist ordentlich eine diplomatische Epistel, bie Jeben um ben Verstand bringen muß." — _ .
„Mich nicht; ich fühle mich selbst nach dem Lesen diese» ganz vorzüglichen Schriftstückes noch im Besitz meiner fünf Sinne, da» macht da» Alter. Sie aber smd arg verschosten, mein Sieber; so schlimm war c6 wohl nicht oft ?" ,
„Um Gotte» Willen vergleichen Sie nicht» Früheres mit diesem Gefühl! Brauchen Sie nicht solche banalen Ausdrücke, — ich — ich könnte sonst wüchend werden. Ich weiß nicht, weshalb Ihre Worte, so oft ich Ihnen von ihr spreche, stet» etwas Wehthuende» und Aufreizendes für mich haben, mich sogar an Ihnen irremachen könnten, Herr Baron; wenn nämlich Ihre Augen nicht eine ganz andere Sprache redeten. — In denen steht so deutlich, wenigstens lese ich e« heraus: „Komme nur immer zu mir, vertraue mir dreist, ich nehme Antheil an Dir!" baß es mich immer toieber hinzieht zu Ihnen. W« spricht nun die rechte Sprache, Augen ober Lippen?"
„Doch wohl bie Augen," entgegnete Warr stabt fast wib« feinen Willen, seine tiefe Bewegung blicken lastend, die durch be» jungen Manne» ganze» Benehmen gut ge- rechtfntigt «ar. , . .
„Sehen Sie wohl, baß ich Augensprache zu beuten verstehe, unb Einem muß tch e» aussagen, was mir da» Herz fast sprengt. Freilich «ar ich schon bei der alten Frau Müller, bei der sie gewohnt, da stürmte ich auch
hinein mit den Worten: „Mütterchen, Müllerchen! fk lebt,; und in meiner Herzensfreude nehme ich die gute alte Schachtel in meine Arme und gab ihr einen schallenden Kuß auf ihre alte welke Wange. Ob es die Freude über die Nachricht war, ober ber Schreck über ben Kuß — pardautz! da lag bie gute Alte in so tiefer Ohnmacht, daß sie gar nicht wieder zu sich kam. Erst nachdem ich einen Krug Wasser über sie auSgegoffen, sprudelte und schüttelte sie sich wieder etwas in» Leben zurück, unb hoffentlich halfen die Abschiedsworte, mit denen ich mich nach der Thüre zurückzog: „Müllerchen, wenn ich unser Fräulein wiedergefunven, wird Hochzeit gemacht, und Sie bekommen ein funkelnagelneues fckwarzseideneS Kleid von Gerson, eines vom schwersten Stoff, da» nur fo rauscht und von selbst steht," hoffentlich halfen diese TrofteSworte, sie wieder ganz zum Leben zu erwecken. Denn in dem Punkt sind sich die Frauen, ob jung, ab alt, alle gleich. Von dort bin ich hierher gestürzt, denn Fran Müll« war doch in keiner Verfaffung, meine Begeisterung recht zu würdigen; obgleich, wenn sie sich erst aus ihrem nixenhaften Zustande erholt haben wird, Niemand — ich ausgenommen — sich mehr freuen wird, daß Dina lebt und in Sicherheit ist. Die gute Alte hat sich ja genug gebeugt, denn sie hat Dina angebetet, wie es Jeder timt, der in be» Engels Nähe kommt. Lächeln Sie nur, Herr Baron, Ihnen würbe e» auch nicht bester gehen, ich möchte wenigstens nicht die Probe machen. Unb nun erbitte ich Urlaub für morgen unb fahre nach bem Dings ba, dem kleinen Neste, wo ber Mann mit bem schwarzen Sammetkäppchen ist; diesmal nehme ich keinen Extrazug springe auch nicht durch» Fenster, sondern gehe ehrsam durch bie Thüre hinein unb abennire mich auf 5 Jahre in ber Leihbibliothek, aber ich setze bem Alten Daumschrauben an, bi» er mir bie Adresse von Dina'» Mutter sagt, bie jetzt in ihrer
Freube, bie Tochter toieber zu haben, ihm solche unbedingt Mitgetheilt hat, und müßte ich ihn erdrosseln, ich weiche nicht eher vom Fleck."
„Gott bewahre, da wäre r» ja Schuldigkeit, den alten Herrn im Sammetkäppchen zu warnen," rief Warrstädt lachend. „Aber um nun endlich einmal vernünftig zu reden, sagen Sie mir Herr von Königsheim, gesetzt den Fall, Sie fänden das junge Mädchen wieder, was bann?"
„Was bann? Ich ginge mit ihr zu meinem Vater unb bäte ihn, uns feinen Segen zu geben — unb natürlich bas sich gebührend^ kleine unb große Gelb bazu."
„Unb Sie glauben wirklich, Ihr Herr Vater würbe feine Einwilligung zur Verbindung mit einem nicht nur ganz armen, auch namenlosen Mädchen geben, ba» ist viel verlangt, mit einem Mädchen, d-ssen Familie man gar nicht kennt, ba» vielleicht gar feine hat" —
„Ich will ja nicht bie Familie heirathen nur sie, und wenn sie keine hat, desto bester, da giebt eS weniger Rederei. Ha, ich glaube doch meinen Alten so gut zu kennen, daß wenn ich zu ihm sage: Vater, dies ist da» einzige Mädchen auf ber Welt, in besten Hand e» liegt, mich zu einem brauchbaren, tüchtigen und glücklichen Manne zu machen, bie Einzige, bie mir überhaupt ben Wunsch einge- stößt hat, mich zu verheirathen, er sich in bie Sache fügen wird, unb später, wenn er bann ba» holdselige Wesen steht er so gut ihr Sclave werden wirb, wie fein He« Sohn es schon jetzt ist. Das glaube ich."
„Verzeihen Sie, ich glaube e» nicht; ich kann mich so viel bester an bie Stelle ihres Herrn Vater» benken, obgleich ich nicht fo glücklich bin, einen Sohn zu besitzen, unb ich indne, zu solcher Heirath mürbe ich nicht gerne meine Einwilligung geben. Nebenbei ist es mir, als hätte ich gehött, die Ihrigen wünschten gerabe bie Verbindung