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JTlnrßutg, Freitag, den 18. December.
1871
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc-; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M- re.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d- Blattes, sowie btc Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M-; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Auskunft und Annahme von Adressen werden 2t Sar. ber«6m>t.
Tagesbericht.
Der Gerit^shof für kirchliche Angelegenheiten wird in der ersten Hälfte des kommenden Monats zusammentreten, um über die Amtsentlassung des Bischofs Conrad Martin von Paderborn zu entscheiden.
Der Generalkonsul Dr. Blau in Odessa ist mit Urlaub in Berlin eingetroffen. Der LegationSsecretair Stumm, zuletzt bei der Gesandtschaft in München, ist mit der Vertretung des deutschen Gesandten am belgischen Hofe, Grafen Perpvncher, betraut worden, welcher mit Urlaub in Schlesien weilt.
Mit Rücksicht auf das am 1. Januar k. I. bevorstehende Inkrafttreten der Reichswährung hat der Finanzminister unterm 30. v. M. für alle Nachgeordneten Behörden und Kassen eine Anweisung erlaffen, in der es der ,Ä. Z " zufolge heißt: 1) Einem Beschlüsse des BundeS- ratheS gemäß, ist im amtlichen Verkehr bet Abkürzungen des Wortes „Mark" als Zeichen ein M. zu gebrauchen. 2) Die Anordnung, nach welchen in den Kassenbüchern und so weiter zwei Rubriken „M." und „Pf.- anzulegen sind, wird dahin ergänzt, daß die Pfennige in ihrer Rubrik stets al» Dezimalen der Mark aufzufnhren find, so daß den Zahlen von 1 biS 9 der Pfennige eine 0 vorangefitzt wird. 3) Indem vom nächsten Jahre ab die Zahlungen nach der Markrechnung geleisttt werben, find alsdann gemäß Art. 15 Nr. 3 des ReichSmünzgesetzeS vom 9. Juli v. I. die in der Zwölftheilung deS Groschens ausgeprägten Einpfennigstücke zum gleichen Werlhe wie die Pfennige bet Reichswährung tu Zahlung zu nehmen und zu geben. Das Mehr, welches sich mit Beginn deS nächstes Jahres in den Beständen der Kaffen dadurch herauSstellt, daß die Thalerpfennige zum Werthe der Reichspfennige verwendbar find, ist zu den Extraordinarien zu vereinnahmen. 4) Schon von jetzt an find die in den Kaffen vorhandenen und noch bei denselben eingehenden, auf der Zwölftheilung beS Groschens beruhenden preußischen Zwei- und Vierpfennigstücke, sowie die Zwei-, Vier-, Achthellerstücke kurhesstschen Ge- prägS nicht wieder auszugeben, sondern an die Regierungs- Hauptkassen abzuliefern, welche diese Geldstücke nach den Sortm getrennt, bis auf Weiteres zu bewahren haben.
Wie die „Voss. Ztg." hött, wird der Etat des Cultus- MmisteriumS pro 1875 eine Summe zu Ruhegehalts zufchüffen und Unterstützungen für emeritirte Elementarlehrer und Elementarlehrerinnen enthalten. Die gesetzliche Regelung der Dolirung der emeritirten Schullehrer soll gleichzeitig mit bem Erlaß des Unterrichtsgesetzes beabsich tigt fein.
Durch Cabinetsordre ist der Contre Abmiral Helot zur Dispofitton gestellt unb Capitain zur See Werner zum Chef bet Marinestatioa bet Ostsee ernannt morden.
Sämmtlichen preußischen Staatsbeamten ist ein Circular
zugegangen, worin dieselben mit den Bestimmungen des Gesetzes vom 10. Juni b. I. betreffend die Betheiligung der Staatsbeamten bei der Gründung und Verwaltung von Actien-Commandit» und Bergwerksgesellschaften bekannt gemacht und darauf hingewiesm werden, daß den unmittelbaren Staatsbeamten die Mitgliedschaft im Vorstände, Aufsicht-- oder VerwaltungSrathe verboten ist, wenn die selbe mit einer Renumeration ober sonstigen Vermögens vortheilen verbunben sei. ES können jeboch bie vor der Publikation jenes Gesetzes bereits ertheilten Genehmigungen noch bis zum 1. Januar 1876 in Kraft belassen werden, wenn Seitens bet Betheiligten eine GenehmigungSbestäti gung nachgesucht wirb. Im anberen Falle hat die Riebet legung beS Amtes sofort zu erfolgen.
Deutsche» Reich.
Berlin, 16. Dezbr. Der ReichSmilitäretat, schreibt bie „Pr.-Corr." ist in d'r jüngsten Woche in zweiter Lesung im Reichstage durchberathen worden: seit fünfzehn Jahren der erste Militäretat, welcher wieder im Einzelnen parlamentarisch betathen und vereinbart wird. Von 1861 bis 1866 war es in Folge deS MilitärconfliktS in Preußen überhaupt zu keiner ordnungsmäßigen Feststellung deS Budgets gekommen; im Norddeutschen Bunde aber und demnächst im Deutschen Reiche war bisher eine Pansch summe nach der Kopfzahl der Friedensstärke deS Hems an tote Militärverwaltung gezahlt worden, und nur der Nachweis der Ausgaben wurde dem BundeSrathe und dem Reichstage zur Kenntnißnahme und Erinnerung alljährlich vorgelegt. Mit dem 31. Dezember 1874 läuft dieser einstweilige Zustand ab, und die Ausgaben der Militärverwaltung werben nunmehr, ebenso wie bie aller Civilverwal- tungen, von Jahr zu Jahr int Einzelnen mit bem Reichstage festgestellt. Durch baS im vorigen Frühjahre vereinbarte Reichsmilitärgesetz ist für biese Feststellung bie sichere Grundlage gegeben: bie für baS Deutsche Reich anerkann ten grundsätzlichen Bestimmungen der gesammten HeereS Organisation bilden zugleich bie unabweiSlichen Voraussetzungen und Bedingungen der Budgetbewilligung. Die zuversichtliche Erwartung, welche bei ber bamaligen Vereinbarung gehegt würbe, baß bie unwiberrufliche Anerkennung aller wesentlichen Grunblagen ber HeeteSeinrichtung sich auch als sicheret Halt für die jährliche Feststellung bes HeereShaushalteS erweisen würbe, hat sich jetzt vollauf bestätigt. Die eingehenden Kommissionsbetathungen haben in allem Wesentlichen zur Annahme der Aufstellungen der Militärverwaltung g führt, und wenn in einzelnen Punkten auch in einigen, aus welche bie Regierungen Welch legten bte Verstänbigung nicht erreicht worben ist, so verschwinden doch die schließlichen Differenzen gegenüber bem Gesammt ergebnifse, welches im Vergleiche mit früheren Kämpfen auf
diesem Gebiete, Zeugniß flieht von ber tiefgehenden lieber» emstnnmung deS Reichstages mit bem Streben und Schaffen der Heeresleitung und Verwaltung. Der Berichterstatter der Kommission (Dr. Wehrenpfennig) wies beim Begin« ber Berathung barauf hin, baß bie ©efammtfumme ber vorgeschlagenen Absetzungen sich im Verhiltniß zum Ge- sammtbetrag beS Etats in engen Gränzen halte, — baS fei in ber Natur der Sache begründet; denn einerseits seien ^trch das Reichs-Militärgesetz bet EtatSberathung eine feste Grunblage gegeben und auf eine ganze Reihe von Iahten große grundsätzliche Fragen ausgeschlossen; — andererseits fei in bet Kommission von allen Seiten anerkannt worben, daß bie Militärverwaltung sich in ben Ausgaben eine Selbstbeschränkung auferlegt habe, welche baran hindern wüste, größere Abstreichungen vorzunehmen. Je mehr man stch uiil bem Militär-Etat beschäftige, desto mehr werde man dahin kommen, schließlich über ihn, wie über alle anderen Zweige des ReichshauöhaltS in vollstänbigster Ruhe und ohne Leibenschaft zu betathen, was zum Heile bes Ganzen erwünscht sei. Die Berathung im Reichstage selbst ließ eine nachträgliche Verständigung noch über einzelne, tn ber Kommission beanstandete Punkte erzielen; lebhaftere Erörterungen mit Beimischung politischer Gesichtspunkte landen nur bei einigen Punkten statt, bei welchen auch ber Reichskanzler Fürst Bismarck sich an ber Berathung beteiligte. - 7 °
(»Wiesbaden, 16. Dezbr. Die wiederholte Wahrnehmung, baß Ellern des Erwerbs wegen Schulversäurn» nisse ihrer Kinder veranlaßten ober begünstigten, indem das seitherige ganz geringe Slrafmaß kein zureichendes Gegenmittel bot, hat die kgl. Regierung dahier veranlaßt, eine Verordnung zu erlaffen, nach welcher für diejenigen strafbaren Versäumnisse eines Schülers, welche während vesselbm Semesters die Zahl fünf übersteigen, die Strafe für jeden Tag bis zu 20 Sgr. gleich 2 Mark erhöht werden kann. Hierdurch wird einem wahren Bedürfniß abgeholfen, wofür insbesondere alle Schulsteunbe der oberen Schulbehörde volle Anerkennung zollen werben.
Hervor«, 14. Dez. Mik oem Bau eines evangeli- schen Vereinshauses hierseldst, scheint es wirklich Ernst zu werden. Das erste Drittel der für diesen Zweck gezeichneten Gelder soll bereits bis zum Jahresschluß eingezahlt werden. — Auch die bisher vacante Stelle eines Reise- Predigers für den Dill-Kreis ist nunmehr wieder besetzt. Ob ber jetzige Inhaber derselben sich ebenfalls wie sein Vorgänger den AmlS-Titel „Evangelist" beilegt, haben wir noch nicht in Erfahrung bringen können.
Metz, 11. Dezbr. Es wurde vor etwa Jahresfrist, als bie rcichsiänoischen Abgeordneten den bekannten Protest beim Reichstage einbrachten und die „Augen von ganz Europa" auf die Protestler gerichttt waren, von verschie-
ÄcucS Lebe».
Novell« von Max Alt (A. Mödinger und Sophie Verena)- (Fortsetzung.)
Wie so anders jetzt. War es plötzlichMber Nacht Frühling geworden auch in diesem Menschenleben? Welche neue Welt war entstanden, wie stürmte, rauschte, keimte und sproßte eS in ihm, als sei er noch einmal jung geworden; wie reich, wie voll war jetzt fein Dasein, welche Pläne beschäftigten ihn, wie halte er kaum Zeit Alles zu bedenken, und auSzusühren, und wie warm schlug sein Herz das so lange kalt und still in der Brust gelegen. Noch hieß eS meist: Um Dina'S willen geschehe Alles — war eS allein um sie? Unb trotz beS innerlichen Gefühles ber Jugend bemühte sich Konrad Warrstädt weniger als sonst jung zu erscheinen im Aeußeren. ES kommt bieS in kleinen Zügen beutlich zu Tage. Sein Friseur wußte, baß ber Baron es liebte, sein an ben Schläfen sich entfärbendes Haar von Woche zu Woche etwas nachdunkeln zu (affen. Auch am Ende der letzte» Sitzung nahte sich ber Haarbüschel mit ber Zauberbürste feinem Äunben, um bie ver- räthische Spur ber Jahre zu verwischen. Wer den Baron in diesem Moment gesehen, würde mit einem Blicke durchschaut haben, . daß er in einem Wendepunkt seines reichen Ledens angekommen sei. Mit einer ganz einfachen Handbewegung schob er den Friseur zur Seite und sagte ruhig:
„Lasten Sie — eS ist gut so — eS wird Zeit."
Eine neue Art von Würde war über ihn gekommen wit dem Ausfinden ConradinenS.
Während Warrstädt an jenem FrühlingSabend am Fen fitt steht unb all jene Gedanken und Gefühle sein Herz bestürmen, während er sich selbst als einen vollkommenen Anderen anerkennt, wir ihm der Lieutenant Otto v. Kö bigSheim gemeldet. Er hat den jungen Mann seit jenem
Abend, dem ersten Zusammentreffen mit ihm, nicht wieder gesehen, aber oft genug mit Interesse unb nicht ohne eine «Irt Verlegenheit seiner gedacht, auch jetzt ist er befangen, rote er ihm gegenüber stehen soll, mit bem Geheimniß auf feiner Seele. Doch ber junge Offizier überhebt ihn jeher Verlegenheit. Ganz ohne Ceremoniel stürmt er hinein, wirft die Mütze auf ben Tisch, und inbem er wie ein Ser zweifeltet: im Zimmer umfährt, ruft er:
»Sie ist fort — fort!"
„Wer ist fort ?"
»Sie! — Ach, ich vergaß — doch Sie waren ja gegenwärtig, als mich die Fiorina mit jenem blonden Mädchen neckte. Dies ist fort!"
„Das freut mich!
»Herr Baron!" Wie grollend die Stimme de» jungen Mannes klingt, wie seine Augen blitzen 1
»34 sage noch einmal, eS freut mich — Ihretwegen; e» spart ihnen unendlich viel Unannehmlichkeit später, wenn fit gewünscht Haden würden — sie wäre fort."
„Sie sprechen, als sei von einer jener LiaisvnS die Rede, bie — bie —*
»Wie kann ich glauben, baß von etwas Anderem bie Rede ist bei einer Geschichte, in der ein junger, sehr flotter Lieutenant und eine junge, blonde Dame, mit ber man! ihu «inst viel gesehen, die dann aber gar nicht mehr sicht bar war, bie Hauptfiguren find."
»Sie Haden Recht — dem Anscheine nach, Herr Baron, und doch wie Unrecht. Wenn Sie sie gekannt, ein reinere-, stolzeres Wesen hat wohl kaum je gelebt. — Ginst freilich, ganz im Anfänge, habe auch ich geglaubt __
Schmach über mich, solchen frevelnden Gedanken Raum zu geben!"
Der junge Mann schwieg, wie überwältigt von seinem
Empfinden, während Warrstädt'S Augen gespannt an ihm hingen. 7
»Herr Baron," begann er endlich von Neuern, „ich kam her in der Angst meines Herzens, ich sehnte mich, Jemand zu haben, mit dem ich sprechen konnte von dem, was mein ganzes Innere bewegte; unter ben Kameraden gtebt es nicht einen, dem ich mich onoertrauen konnte, eS hätte mich keiner verstanden, vor kurzer Zett würde ich mich ja selbst kaum verstanden haben. — Sie ist an Allem Schuld, und ich wollte die Wandlung segnen unb bas Verständniß, wenn ich, ohne bte Hoffnung, fie wieder zu finden, jetzt nicht noch elender werden müßte in dem alten Leden."
„Das wird sich finden, junger Mann, solche tugendhaften Regung-n habe» wir Alle wohl gehabt, sie verfliegen wie Champagiterrausch." ”
Otto v. Königsheim griff nach seiner Mütze, eisig kalt sagte er: ™
»Herr Baron," ich habe mich in Ihnen geirrt, eS roar ein Wahn, der mich zu Ihnen zog als zu einem jreunbe, einem Manne, bem ein Herz im Busen schlug unter ber kalten Hülle der Konveuienz. Verzeihen Sie daß ich Sie belästigt — ich sehe meinen Jrrthnm ein."
Warrstädt hätte den jungen Offizier umarmen mögen, unb tn ganz anderem Tone sagte er:
„Gemach, gemach, mein junger Herr! Sie haben sich nicht geirrt, wenn Sie in mir einen Freund vermutheten unb einen Mann, ber eine Herzensgeschichte verstehen unb rourbtgen kann, doch müssen Sie selbst einräumen, bei meiner Unkenntniß von bet ganzen Sache, bei bem Ruse, feil Sic Frauen gegenüber haben."
»3a wohl, Sie ftnb im Recht bei Ihrer Annahme, bodj hier handelt e« sich un Anderes, — hier wird bie Geschichte meines Lebens wohl anSerzählt sein. Sie hatte