Hr 29a.
Anzeigen nimmt entgegen: feie Exvedttion d. Blattes, sowie bte Lnnoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leip» zig. Cöln rc.; Rudolf Moff» in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Marburg, Mittwoch, den 16. December.
Icilimg.
187a.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jägef sche Buchhandlung in Frankfurt a. M ; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; E. Schlotte in Bremen-
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Tagesbericht.
Se. Maj. der Kaiser hat unmittelbar nach der Sitzung des Reichstages am Freitag an den Fürsten Bismarck ein sehr huldvolles Handschreiben gerichtet, in welchem er für den Eifer dankt, mit welchem der Fürst für einige der ge sährdeten Positionen des Militair Etats eingetreten ist. Auch Se. Maj. der König von Sachsen hat dem Fürsten Reichskanzler für fein Eintreten bei der Resolution über die budgetmäßige Behandlung der Ausgaben für das sächsische ArmeecorpS (in derselben Sitzung des Reichstags) durch ein Telegramm seinen Dank ausgesprochen.
Die neue Bankgesetzvorlage zerfällt in zwei große Abschnitte: der erste über die Reichsbank, deren Noten con- tingentitt werden; der zweite über die Zettelbanken. Zu Gunsten der Zettelbankm wurden die Bestimmungen be züglich der Concesstonsvauer erweitert, die Ziffer der Pri- vatbauknvten hingegen im Verhältniß zur Vermehrung der Reichebanknoten reducirt. — In die ReichSbank-Ordnung werden, wie der B. A. hört, im Punkte der Aufsicht ganz ähnliche Bestimmungen übergehen, wie diejenigen, die in der bestehenden Preußischen Bankordnung enthalten sind: es soll ein Bankcuratoriuw eingesetzt werden, dessen Mitglieder auf den Vorschlag deS Bundesraths vom Kaiser ernannt werden, und dessen Aufgabe eS ist, die allgemeine Ober- Aufsicht deS Staates auszuübcn, ein ebenfalls vom Kaiser zu ernennender Ehef der Bank, der unter Verantwort luhkeit die laufende Comrole ausübt und ein Ausschuß der Meistbetheiligten zur Vertretung der Bank-Antheils- Eigner als Beiralh.
Die Berathung der Geschäfts-Commission des Reichstags über die Verhaftung deS Abg. Majunke blieb bei Ablehnung aller gestellten Anträge ohne Resultat.
Außer der „Times" (j. u. Berlin) erkennt die Mehrzahl der übrigen englischen Blätter die Berechtigung des Vorgehens gegen den Grasen Arnim an. „Wenn der öffentliche An klägrr, „sagt der Daily Telegraph," seine Behauptungen beweisen kann, wird man sich über die Strenge, mit der die Gerichtshöfe den vornehmen Diplomaten behandelt haben, nicht wundern und muß schließen, daß er in seinem Zorne gegen Fürst BiSmarck und in seinem übereilten Rachegelüste dru Kopf verloren hat." „Wir hatten guten Grund," lautet das Urtheil der Daily News, „früher darauf hinzuweisen, daß dem Grafen Arnim möglicher Weise unter dem Ein flusse deS Fürsten Bismark Unrecht geschehen sein könnte. Nun aber wird die öffentliche Meinung gründlich Umschlägen, und man muß sich nur hüten, nicht in das Gegentdeil deS früheren JrnhumS zu verfallen. Jedenfalls ist bereits ein gut Theil dessen, waS — namentlich von den ultramon tanen Blättern — über den Fürsten Bismark gesagt worden ist, widerlegt." Zn ähnlicher Weife sprechen sich die con servative« Blätter auS: So bemerkt dir Hour: „DieAn-
Ne«es Lebe».
Novelle von Max Alt (A. Mödinger und Sophie Verena). (Fortsetzung.)
„Ich war früher keine gute Krankenpflegerin, ich war zu lebhaft, zu fröhlich — doch das ist lange her, mir ist, als sei da« in meinem früheren Leben gewesen"; setzte sie leise und schwermüthig hinzu. „DaS Hinderniß der Fröh sichlest wird mir nicht mehr im Wege stehen."
„Und dennoch hatte ich darauf gebaut und auf Ihre Jugendfrische, um eine liebe, edle Frau, die manches Schwere erlebt, dies vergeffen zu machen, sie zurückzu gewinnen zu neuem Leben."
Dina sicht zweifelnd und zagend auf Warrstädt und steht still in dem Zimmer, in das er sie geführt.
„Ich möchte lieber wieder umkehren, ich fürchte, ich paffe nicht zu dem Amte, für das Sie mich bestimmt. Pflege und Tcheilnahme vermöchte ich w hl einer Leidenven und Betrübten zu geben — aber sie zu erheitern? Ich bin selbst zu traurig dazu;" und fast unwillkürlich glitt ihr Blick an ihren Trauerkteicern hernieder, und die blauen großen Augm füllten sich wieder mit Thränen. Der durch die Freude, daß die Mutter ihr nicht geflucht, zurückgedrängte Schmerz um deren vermeintlichen Tod, trat wieder in sein Recht.
„Alles Lebensglück gestorben, mein armes Kind, kann au» den Trümmern keine neue Welt erstehen?" sagte Warrstädt innig theilnahmsvoll, und dennoch wie mit einem Hauch leisen gutmüthigen Spottes, der Dina verletzte. „Kein Fünkchen Heiterkeit geblieben, — selbst nicht, wenn e« gälte — damit die Mutter zu gewinnen für ein neues Leben?"
„Die Mutter — welche Mutter — meine Mutter!?" Es war ein Schrei halb Weh, halb Jubel — denn im nächsten Augenblick lag Konravine zu den Füßen des
klageschrift wird alle Zweifel, bezüglich der Ersprießlichkeit deS eingeleiteten Verfahrens beseitigen. Die Anklagen sind klar und sachlich. Es giebt kaum für einen Diplomaten ein schwereres Vergehen, und in England würden für eine solche schwere Pflichtverletzung den Schuldigen die här» testen gesellschaftlichen Folgen, wenn nicht absolute Strafen treffen."
Von dem italienischen Gerichtshöfe zu Ravenna ist am 12. d. der Proceß gegen die Mörderbande der „Accolta terri" entschieden worden. Elf Mitglieder derselben wurden zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe und vier zu Zuchthaus von 7 bis 15 Jahren verurtheilt. Vier andere wurden sreigesprochen.
Deutsches Reich.
•• Berlin, 14. Dec. Wie auch im Proceß Arnim der Richterspruch fallen möge, dcm wir nicht vorgreifen wollen, die Proceßverhandlungen haben die öffentliche Meinung mit dem Gewicht des Rechtgefühls und der Moral bereits entschieden gegen den Angeklagten eingenommen; um ein gewiß nicht durch Parteileidenschaft beeinflußtes, sehr gewichtiges Organ der öffentlichen Meinung für diese Behauptung anzusühren, berufen wir uns auf die Times, welche erklärt die Ehre der ganzen Diplomatie aller civilisirten Staaten sei dabei betheiligt, daß ein so falsches Spiel, wie es hier, ein zur Vertretung der wichtigsten Staatsintereffen berufene^ Mitglied der Aristokratie und des höchsten Be amtenchumS mit seinen Pflichten getrieben, daß eine so flagrante Veiletzung der Subordination und des erwiesenen Vertrauens vorgesetzter Behörden nicht etwa, als berechtigtes Mittel der Seldstvertheidigung sanctionirt werde. Ein Ge webe von Lügen und Täuschungen wird von der Time» oaS Verhalten Graf Amims genannt, durch welches die höchsten Interessen, das Wohl und Wehe des Staats frevelhaft auf's Spiel gesetzt worden sei in maßloser Selbstüberhebung und Ehrsucht. Wir begnügen uns diese eine Stimme zu reproduciren; die Mehrheit ist bereits zum Durchbruch gekommen und wird keiner Hülse bedürfen um das kunstreiche Gewebe der Täuschung vollständig zu Nichte zu machm. — Die erfolgte Verhaftung Majunke'S soll im Reichstag wieder als willkommene Gelegenheit zu phrasenreichen Expeciorationen benutzt werden, ist indeß noch nicht auf die Tagesordnung gesetzt worden. Der Zeitverlust würde dabei zu bedauern sein, denn der klare Wortlaut der Verfassung ergiebt leicht, daß die Verhaftung gesetzlich vollständig begründet ist, und auf befondere Begünstigung unter Zurückietzung des RechtsstandpunkteS hat Herr Majunke doch gewiß am wenigsten Ansprüche. Die Vorschläge der Preuß. Regierung die Umwandlung der Kgl. Bank in die Reichsbank betr. haben im Bundesrath gün stlge Aufnahme gefunden.
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blaffen Weibes, das vor tiefer Gemüihsbewegung sprachlos im Seffel ruhte und mit den bleichen, zitternden Händen nur immer liebkosmd über daS geliebte Haupt ihres Kind strich.
Endlich zogen Elisens Arme die Tochter empor, und daS Kino, das geirrt und gefehlt, doch nicht verloren gegangen, es ruhte wieder an dem treuen Mutterherzen.
Warrstädt stand unfern von den Leiden, über deren Lippen sich halb erstickte Worte der Bitte, der Liebe und Vergebung drängten, die AlleS ringsumher vergeffen hatten in dem goitvegnadigten Moment. AuS deS starken Mannes Augen tropften heiße, schwere Thränen; was seine Stuft bewegte, war zu gewaltig für Worte. Endlich wurde es ihm deS Vergessenseins zu viel, er kam sich vor wie ein Ausgestoßener, und dennoch, gab eS denn zwei Wesen aus der Wett, die seinem Herzen näher standen, als jene Beiden dort?
„Habt Ihr noch ein wenig Liebe übrig für mich?" fragte er endlich.
Elise reichte ihm schweigend die Hand, ober über die blaffen Wangen ergoß sich ein leises Roth, in den erst so thränenmüoen Augen leuchtete ein Blick, der Warrstädt an jene goldene Jugendzeit erinnerte, als sie mit dem Korn Blumenkranz im blonden Haar glückselig an seiner Seite wandelte. Wie kam eS, daß deS Mannes Herz, welches jo kalt und starr in seiner Brust gelegen, daß er es erstorben glaubte, plötzlich schneller schlug, und eine Sette wieder tönte, die et längst zersprungen wähnte?
Doch wenn die Mutter schwieg und ihr Gefühl deS DankeS und der Liebe nur in einem Blicke kundgab, Dina chwieg nicht, war demonstrativer in ihren Versicherungen. Etwas von dem frühem, frischen „Dina Bergmann heiß ich" Wesen war in dem unendlichen Jubel, den nur der ermessen kann, dem ein theurer Totgeglaubter, Heißbe
Bon«, 13. Dez. Die hier erscheinende „D. B. C " schreibt: „Kürzlich war in der Bonner „ReichSzeitung" ein Klageartikel, vom Rhein batirt, zu lesen, in welchem die Mildthätigkeit der Gläubigen angerufen wurde für die gesperrten und verbannten Geistlichen. ES hieß in demselben weiter, unter Hinweisung auf das göttliche Strafgericht, daß solche Opfer des Glaubens mitunter selbst von ihren eigenen ConfratreS verstoßen würden. Hiernach scheint e» also, als ob die Märtyrersucht der geistlichen Herren bereits anfinge, befriedigt zu sein. Die, denen der häusliche Heerd noch glüht, scheinen ängstlich din Verkehr mit den Geächteten zu vermeiden, um nicht in Verdacht staatsfeindlicher Gesinnung zu gerathen. Gleichzeitig vernimmt man, daß die Versöhnlichen unter dem Clerus sich eifrig nach StaatSstellen umsihen, um so den Händen ihrer Bischöfe zu enttommen und unter die Alles zerdrückende Aegide des Fürsten Bismarck sich zu flüchten. Um diese bedenkliche Lockerung der Disciplin zu verhindern, hat jetzt der Erzbischof Melchers Geistlichen die Annahme von KreiSschul - Jnspectorstellen verboten. ES ist ein Fall bekannt, in dem eine solche, bereits vom Minister bestätigte Ernennung durch ein bischöfliches Edict wirkungslos gemacht wurde.
Wiesbaden, 14. Dezbr. Gestern ist der deutsche Gesandte in Petersburg, Prinz Neuß, nach beendeter Kur, die ihm sehr gut bekommen sein soll, von hier nach Bonn zu seinem Bruder Heinrich XIII. abgereift.
Meiningen, 10. Dec. Der Landtag hat die Berathung des JustizetatS zum Anlaß genommen, um sich über die künftige Justizorgsnifation auszufprechen. Nach einer längeren Debatte wurden folgende Wünsche zu erkennen gegeben: 1) Die künftigen Amtsgerichte sollen nach ben Bezirken bet jetzigen Einzelgerichte abgegrenzt werden; 2) bet Sitz beS Oberlandesgerichts soll thunlichst nach Jena kommen, und 3) die Landesgerichte sollen mit ben Nachbarstaaten eine cömbinirte Gerichtsgemeinschaft umfassen. — Die biesseilige StaatScasie ist mit einer Einzahlung zu bem Erfurt-Hofer Bahnproject, bas in Liquidation befindlich, engagtrt. Die Regierung, über das Schicksal dieser Einzahlung im Landtag interpeUirt, ließ nun erklären, daß der nach erledigter Reclamation noch verbleibende Rest der SlaatScaffe zurückgezahll würde, daß die gestellte Caution an die beteiligten Staaten verfallen fei, daß endlich die expropriirlen Grundbesitzer volle Ent- f»äbigung erhalten, die istreckenzeichner nach Möglichkeit Berücksichtigung finden würden.
Darmstadt, 14. Dec. Sicherem Vernehmen nach wird der für die Berathung der Kirchengejetze gewählte SpecialauSschuß der zweiten Kammer innerhalb Der vom Reichstag von Weihnachten bis nach Neujahr gemachten Pause zusammentreten, um übet die abweichenden Beschlüsse meintet juiütfgegeben ist im Leben — und wie Wenige haben solche Seligkeit erfahren, und ein unnennbares Etwas zog sie überdies zu diesem hohen, herrlichen Manne. Dem schnellen Impulse folgend, der Dina oft leitete, jchmiegte sie sich mit holder kindlicher Anmuth an seine Brust und sagte:
„Ein klein wenig Liebe habe ich noch für Sie und eS wird ganz von Ihnen abhäng.n, ob diese roo^en soll — riesengroß ', sagte Dina schelmijch. „Jetzt ist es der Dank, daß Sie mich wieder zu meiner Mutter brachten, und Dann ist es mir immer als müßten Sie meinen Vater gekannt gaben — ehe er von uns ging, um Dort in fernen Landen fein Glück zu suchen."
DaS war daS Märchen, welches man der äußerst wißbegierigen kleinen Dina erzählt, wenn sie nach ihrem Vater fragte, sie war mit seltener Beharrltchket! zu gewiss, n Zetten immer auf diesen einen sie auf« Höchste mtereffiunben Punkt zurückgekommen, bi« sie merkte, daß Die Mutier bei solchen Fragen immer noch trautger rouroe uno sie es Dann unterließ.
Wie kam sie jetzt roieDer auf Diesen Punkt zurück? War eS ein reiner Zufall — wat es eine Höhere Inspiration, bie aus Des Kindes Worten sprach? Hatte eine Ahnung Die Wahrheit Dina's berührt, uno wollte sie mit einem wett über ihre Jahre htnausgehenDen, rounoerbaren Herzenstakt eine schiefe Stellung klar uno eben machen? Dieser Frage wirD wohl nie eine Antwort, Dieses Rächsel nie gelöst meroen. Wer aber kann uhd will leugnen, Daß wir Menschen zuweilen, wenn auch nicht häufig, tu einer Art höherer Ergebung hanDeln unD vielleicht uns selbst unbewußt das Rechte tuffen Durch Wort oDer Thal, unüberwindlich scheinende Sa)wierigke>ten zu löfen.
„Was man mir auch später gegen meinen Vater gesagt Hal", fuhr Lina noch in ihrem Eiset fort, „ich weiß doch