1874
Marburg, Dienstag, den 15. December.
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Staatsanwalt habe sich die Ausdehnung der Anklage gegen sämmtliche Personen Vorbehalten, bezüglich Deren sich ergeben sollte, daß sie an einzelne der von Ofenheim verübten BetrugSacte theilgenommen. Der Borde-
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Ausgaben möglichst zu verringern. Von einem größeren Erfolge scheint der jetzt angestellte Versuch des telegraphischen
aus zu benutzen. Der Versuch ist jetzt seit 6 Wochen auf der Berlin-Frankfurter Telegraphenlinie im Gange und hat zu Resultaten geführt, welche erwarten lassen, daß das Gegensprechen allgemein angewendet werden kann. Der Versuch soll nun auch auf die Linie Berlin-Hamburg ausgedehnt werden. Nach dem bisherigen Versahren können mit dem Morse'schen Apparate stündlich ungefähr 25 Depeschen von je 20 Wörtern auf einem Drahte befördert werden. Bei den jetzigen Versuchen deS Gegensprechens ist man dahin gelangt, daß auf einem Drahte pro Stunde durchschnittlich wenigstens 40 Depeschen expebirt werden können. Man kann eS für wahrscheinlich halten, daß schließlich die Zahl bis auf 50 gebracht wird. Der Vor- theil bei dem Verfahren des Gegensprechens liegt einzig darin, daß an Leitungen gespart werden kann und ein Kapital für neue LeitungSdrähte auf eine Reihe von Jahren nicht verwendet zu werden braucht. Jedoch der Vortheil ist ein bedeutender, da auch bann, wenn erst wieder alle Drähte einer Linie durch den telegraphischen Bei kehr besetzt sind, nur die Hälfte neuer Leitungsanlagen erforderlich sein wird, als unter den jetzigen Verhältnissen. Je größer die Zähl der Leitungen auf einer Linie wird, je fester muß der Bau der Stangen werden, an welchen die Drähte befestigt werden. Bewährt sich also das System des Gegensprechen- völlig und wird es eingeführt, so würde auch eine umfangreiche Ersparmß an Stangenmaterial eintreten, die um so beachtenswerther ist, da die Aufstellung der Stangen mit allen Nebenabgaben sehr kostspielig ist. An' Beamtenkräften kann bei dem Gegensprechen nichts erspart werden, da jede Depesche dieselbe Arbeitskraft wie jetzt in Anspruch nimmt.
flR6«4>ett/ 9. December. Aus Niederbayern »erben wieder zwei hübsche Culturstückchen gemeldet. Im Pfarrdorf Asbach wollte ein Bauernmädchen, das Zöpfe trug, die Communion empfangen, wurde aber vom Plärrer Mit dem Bemerken, daß er sie mit ihrem Haarputz nicht com- municiren könne, vom Communiontische vor der ganzen Gemeinde zurückgewiesen. Am Kopfputze des so öffentlich beschämten Mädchens war übrigens nicht das mindeste Auffällige bemerkbar. — In Hunderdorf drangen ein paar rohe Leute in die Schule ein und haben den Lehrer thätlich
der Schulgehülfe mußte flüchten, eben so die denen mehrere stürzten und verletzt wurden.
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Nrnrtz Leben.
Novelle von Rax Alt (A. Mödinger »nd Sophie Verena).
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/ „Sie schweigen — da» sagt mehr al« Alle« — meine Mntter starb, ohne mfc zu vergeben — starb vielleicht mir fluchend, ich — ich habe sie in'« Grab gesenkt! Mein Gott wie kann ich weiter leben I*
Ein Schauder schüttelte die junge Gestalt.
.Nein — nein, sie hat Ihnen vergeben, vollständig »ergeben, ste segnete Sie, und ich soll ihnen diesen Segen bringen." — „ __
Ein Jubelrus entrang sich der Brust des langen Mad chen«. Warrstädt «ar zu chr herangetrelen, hatte ste em» Pvrgezogen, einen Moment hielt er ste fest an feinem Herzen — er hätte e« nicht lassen können um die Welt nicht — dann seine Hände auf ihr Haupt legend, sagte er ernst und friedlich:
„Gott segne Dich, mein Kind!"
Dina blickte zu ihm auf, die klaren Thränen hingen noch an den langen dunklen Wimpern, doch in dm blauen Augen lag ein seliges Leuchten, ihre Sprache war ein Dankgebet.
Eine schwere Last «ar ja von dem pingen Herzen genommen, eine Last, welche daS hellste Leben verdüstern und eleno machen kann. Statt der Mutter Fluch »ar nun ihr Segen auf ihr Haupt gelegt
Eine unenvliche Rührung durchzitterte das Herz des Manne». AuS diesen Augen seiner Tochter blickte ste ihn an, sie, seine einzige wahre Liebe — er «ar wieder jung, er wandelte an ihrer Sette durch die lachenden Gefilde, und jndeih ll, mit dem Kornblumenkranz in dem blonven Haar, hing sie an seinem Arme. Jener seelig leuchtende Tankes blick in Dina's Augen hatte diese Visston herauf- beschworen. Als er jetzt wieder hinschaule, fand er noch
12. Deebr. Die „Presse" erfährt bezüglich De» Prozesse» Ofenheim au« authentischer Quelle: der
Anzeigen nimmt entgegen: die bitten b. Blatte», sowie die Amioncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M-, Berlin, Leip» zig, Cöln ic.; Rudolf Stoff« in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
Anzeigen nimmt entgegen:' die EichedUion d. Blatte», sowie bie Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'fche Buchhandlung in Frankfurt a. M-; Jnvalidendauk, 31. Rete- rneycr in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
bie Au fcn seiner Elise? In Bläue und Tiefe und dem entzückenden feuchten Schimmer waren eS dieselben und doch wieder nicht dieselben. Mehr Stolz und Festigkeit, nicht jene grenzenlose Hingebung lag in dem Ausdruck von Dinas Äugen; Warrstädt, ein tiefer Menschenkenner, la« durch diese Augen in der Seele des Mädchens, und er erkannte, sie war nicht Eine, die Alle« hingab um Liebe. Und ob auch da» Herz oeS Geliebten die« vielleicht als einen Fehler anerkannt, da« Herz de« Balers jubelte, dieser eine tiefe Blick in die Augen seines KinoeS hatte ihn gelehrt, daß ste geirrt, gefehlt, doch nicht eine Verlorene war.
Schweigend war dieser Weihemoment an dm beiden Menschen vorübergegangm. WaS in dem Herzen deS Mannes vorging, haben wir versucht darzulegm, — aber welche Ahnungen und Regungen in DmaS Seele keimten, vielleicht wird eine spätere Zeit e« zum Lichte bringen, möglich, daß e» ewig verschlossen bleibt in der jungfräulichen Brust. ,
Warrstädt hatte sich abgewendet, als könne er so bester die tiefe Rührung bemeiftern, deren tr sich fast schämte. Dina brach zuerst daS Schweigen.
„Sprechen Sie, erzählen Sie mir von meiner Mutter!" bat ste dringend.
„Später. Sagen Sie mir lieber, wie Alle- gekommen, was geschehen, seit Sie von ihr gingen. Doch nein, auch ich will mich bescheiden mit meinen Fragen und später um Auskunft bitten."
Denn in Warrstädt erstieg bie Angst, Otto v. Königs heim könne kommen und durch sein Erscheinen alle Pläne" die er schon gebildet, umfloßen, wenigsten« Alle« so viel verwickelter machen.
„Dina, Sie muffen mir augenblicklich folgen, ich spreche an Stelle Ihrer Mutier — mästen brechen mit dem gan-
zen bisherigen Leben, dürfen Niemand, der Ihnen in letzter Zeit nahe gestanden, wiedersehen!"
Die Stimme, welche Anfang« eine entschiedene Autorität ausgedrückt, wurde weich und leise bei den letzten Worten. Waiistädt hatte noch nicht vergessen, wa« e« heißt, wie e« thm, Herzen auseinander zu reißen.
Bei dem letzten Gebot: „Dürfen Niemand, der Ihnen in dieser Zeit nahe gestanden, Wiedersehen," wurde daS schöne blasse Antlitz vor ihm noch einen Schatten bleicher, die Augenlider senkten sich und dennoch richtete sich bie schlanke Gestalt höher empor, al» Dina sagte:
„Zu dem Entschlüsse war ich schon gelangt, — ich wäre gegangen, auch ohne Ihre Mahnung, nur wußte ich nicht wohin — bort liegt mein Brief — lesen Sie! Ich habe bie halbe Nacht geschrieben unb immer bas Geschriebene wieder zerstött — e« ist so schwer, das postende Wort zu finden, so schwer." — Ein tiefer Seufzer hob vielleicht unbewußt des Mädchen« Brust, und in die Augen trat ein Blick, Der Warrstädt zeigte, auch dies Herz, wenn es auch vielleicht noch nicht eine große Leidenschaft kenne, fei nicht mehr unberührt von der Siebe. • -
„Lesen Sie!" wiederholte Dina, „biefer Brief muß abgehen, ich kann keinen anvern schreib«,." ,
„Er ist auch gut, sagt vollkommm genug!" rief Warr- stäbt und mußte sich Gewalt anthun, nicht zu rufen: „Du braves, herrliches Mädchen, wa« wirb Deine Mutter sa. gen!" Ich werbe den Brief flegeln, inbeffen Sie Hut und Mantel nehmen." , - <
„Aber wohin soll ich mich wenden?" fragte Dina plötzlich innehaltend. „Werden Sie mir Helsen eine Stelle zu verschaffen, wo ich mich nützlich machen — mein Brod verdienen kann?"
Ein Hauch von Bitterkeit lag in den letzten Worten, vielleicht dachte sie der glänzenden Hoffnungen, mit denen
Sttcheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal durch bie Expedition (Kochstche Buchdruckerei) bezogen LLj 8gr., durch di« Postämter des i. deutschen Reiche» LS Sgr. (extt. Bestellgebühr). - JnsertionSgedühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ertheileude
Auskunft und Annadme von Adressen werden Sz Sgr. berechnet.
gegen ihn rechtskräftig gewordenen einjährigen Gesängniß- strafe verhaftet worden. DaS Haftmandat, welches ihm vorgezeigt wurde, ist vom StadtgerichtSdirector Reich unter zeichnet. Herr Majuncke wurde mitten au« feiner Redak- tionsthätigkeit abgeholt, während seine Kollegen im Reichs- tage ihre heutige Sitzung, zu welcher er eben gchen wollte, bereits begonnen hatten. Morgen wird er nach Plötzensee übergesiebelt."
Deutsche» Reich.
— Berlin 12. Dec. Mit immer erneuter Spannung folgt daS europäische Publikum den großartigen Verhandlungen, die der Proceß Arnim bietet, und obwohl noch mehrere Tage vergehen werden, bevor das Urcheil gesprochen werden wird, so haben die Verhandlungen doch schon jetzt das allgemeine Urtheil wesentlich fixirt. Die Zeitungen, welche bi« dahin Arnim verherrlichten, sind recht kleinlaut geworden, denn eS muß auch heute dem blindesten Auge klar geworden sein, daß allerdings eine Jntrigue von Arnim gegen den Reichskanzler gesponnen worden ist und vaß dazu Graf Arnim die Presse in auSgiebigem Maaße benutzt hat. Der Antheil, den die Wiener Blätter an Dieser Jntrigue genommen haben, liegt jetzt klar vor aller Augen. Es find allerdings sehr schwerwiegende Gründ«, welche die Herren bestimmt haben, die Partei deS Grasen Arnim zu ergreifen. Gewonnm hat aber der Exbotschafter vurch die Verbindung mit jenen Literaten nicht«, deren voll-' itändige Corruption wieder ausS Neue zu Tage getreten ist. Um so glänzenDer und großartiger tritt aber der Reichskanzler auSbcn Enthüllungen hervor, die bei diesem Proceste zu Tage gefördert sind. Gegenüber den oberflächlichen und einseitigen politischenUrtheilen deS Grafen Arnim tritt die ganze Größe der politischen Anschauung deS Reichskanzler« unverhüllt her vor. Jene Actenstücke, welche bei dem Proceste zur Verlesung kamen, zeigten einen Scharfsinn und eine Klarheit Der politischen Auffassung von Seiten de« Reichskanzlers, bie für bie deutsche Politik nicht blo« für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft maßgebend sein werden. Mit Recht kann man jetzt sagen, weich' ein Unheil würbe e« für Deutschland gewesen fein, wenn Arnim« Jntriguen von Erfolg begleitet gewesen wären und er mit Kiner be schränkten und unklaren politischen Auffastung den Mann hätte ersetzen wollen, besten großartige politische Auffastung wieder auf'« Neue glänzend bocumentirt worben ist.
— Die Telegraphen-Verwaltung hat bisher nicht ohne Zuschüste von Seiten des Reiches bestehen können unb hat deshalb vielfache Versuche gemacht, bie ihr obliegenden
Nach den bestehenden Vorschriften sind jährliche Staats» beihülfen oder Bedürsnißzuschüste, welche ergänzungSweise zur Besoldung von Lehrern oder Lehrerinnen gewährt «erben, jederzeit widerrufli und, um die Nothwendigkeit derartiger Unterstützungen je nach dm konkreten Verhältnissen deS Einzelfall« nach Verlauf einiger Zeit von Neuem zu prüfen, event. entbehrlich werdende Beträge anderweit bestimmungsgemäß verwenden zu können, au« geschäftlichen BerwaltungSrücksichten mit bestimmten BewilligungSperioden bis zu zehn Jahren zahlbar zu machen. Letzteres schließt nicht auS, solche StaatSunterflützungen auch innerhalb der BewilligungSperioden ganz ober theilweise zurückzuziehen, wenn sich inzwischen ergiebt, baß bie zur Befrievigung der Schulbedürfniste Verpflichteten in den Stand gelangt sind, die gedachten Beträge ganz oder theilweise au« eigenen Mitteln zu bestreiten. Zur Vermeidung von Unzuträglich- keiteu hat der Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten den BezrrkSregierungen diese Grundsätze mit der Bestimmung in Erinnerung gebracht, nicht nur fortan bei jeder NeuöewiÜignng von Bedürfmßzuschüffen der in Rede stehenden Art letztere stets ausvrücklich als „jederzeit widerrufliche Staatsdeihülfen" mit einer bestimmten Bewilli gungoperiode zu bezeichnen, sondern auch hinstchttich schon bewilligter Bevürsnißzufchüffe dm Betheiligten ht geeigneter Weise zu erkennen zu geben, daß diese Bewilligungen jeder zeit widerruflich seien.
Der Reichskanzler hat dem BundeSrache eine Denkschrift de« Reichreisendahnamtes vom 3. Decbr. überreicht bett. Reform und Erhöhung der Eisenbahntarife und befürwortete Anträge be« ReichSeisenbahnam S, wonach die AuS führung d«r BundeSrathSbeschlüsse vom 11. Juni bett, bie zu Neujahr beabsichtigte Einführung be« Uebergangs taris-SystemS flstirt, bie provisorische Tariferhöhung, au« genommen für Vieh, Spiritus unb Zucker, bi« auf Weitere« gestattet »erb, unb spätestens zu Neujahr 1876 ein btt Retchsversassung entsprechende« einheitliches und ein fache« Tarifsystem eingeführt werden soll.
Dem Reichstage ist jetzt ber Gesetzentwurf, betreffenb die geschäftliche Behandlung der Entwürfe eine« Gericht«- versaffungSgesetzeS, einer Strafprozeßorbnung und einer Zivilprozeßordnung, sowie btt zugehörigen Einführungs- Gesetze, zugegangen. Nach 8 3 deffelben wird jedem Mit gliede der Komnüfston für den bett-.ffenben Zeittaum freie Fahrt auf ben deutschen E.senbahnen und ein B trag von Zweitausend vier Hundert Mark an« der ReichSkasse gewährt. - c • • 9 J
Die „Germania" schreibt an der Spitze ihre« Blatte«: „Unser Chefredakteur, Herr Majunke, ist heute (Freitag) .... , . „. „ ....
Vormittag kurz nach 11 Uhr auf bas hiesige Polizeiprä- GegensprechmS begleitet zu sein. ES handelt sich hierbei fidium eingelaben und dort zur Verbüßung ber bekannten darum, gleichzeitig denselben Draht von beiden Endpunkten