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Warburg, Dienstag, den 8. December

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Anzeigen nimmt entgegen: -ie Expedition d. Blatte-, sowie btt Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in jtaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; naafenftein & Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin,Leip­zig, Cöln rc.; Rudolf Moss« « Berlin, Frankfurt a- M- rc.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expeditton d. Blatte-, sowie dte Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co,,in Frankfurt a. M-: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, 81. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quattal durch die Sxpeditton («och'fche Buchdruckerei) bezogen SSj Sgr., durch die Postämter des deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 6gt. Für in der Expedition zu ertheilende

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Deutsches »eich.

Berlin, 5. Dec. Die gestrige Sitzung des Reichs- kageS gehört zu den stürmischsten und aufgeregtesten aller Sessionen deS norddeutschen und deutschen Parlaments, Der Reichskanzler, welcher fast vor Beginn der Sitzung am Tische deS Bunde-raths Platz genommen hatte, konnte während der Rede Jörg'S der zu dem EtatspostenBun desraih und die Ausschüsse desselben" das Wort ergriffen hatte, in Folge besten maßloser Angriffe auf seine Politik, die er geradezu als Friedensstörern in Europa bejei Anete, seine innere Aufregung nicht mehr bemächtigen, sein Gesicht bedeckte sich allmählich mit einer Todtenbläste und man merkte seiner Aufregung an, daß er den Moment nicht Mehr ermatten konnte, um Herrn Jörg und besten Freunde in Centrum dienen zu können. Die Erwiderungsrede deS Fürsten, lasten wir bei dem großen Interesse, das dieselbe hat, hier wörtlich folgen: Bei aller Bereitwilligkeit, auf sachliche Anfragen bei Gelegenhett der BudgetdiScussion Auskunft zu geben, wird es mir in diesem Falle doch - schwer, weil der Herr Redner eigentlich eine Frage, auf die man antworten könnte, nicht gestellt hat. Er hat die ganze Weltlage und das ganze Ausland berührt, nament­lich in so weit es dem Reiche nachtheilig sein könnte und im Auslande unangenehme Eindrücke macht. Aber wonach er mich eigentlich gefragt hat ich habe sorgfältig auf gepaßt, aber eS nicht recht entdecken können; denn eine Budgetposttion, die hier diScutirt werden könnte, ist für tiefen Ausschuß nicht auSgeworfen. Mich in eine staats­rechtliche DtScusfion über die Auslegung der ReichSver- fastung, über die Competenz dieses AusschuffeS, über die Thättgkeit seiner Mitglieder, zu denen bekanntlich Preußen nicht gehört, mit dem Herrn Borredner zu vertiefen, das werden Sie mir hier nicht zumulhen Ihrer Zeit wegen, und ich würde eS meiner Zeit wegen auch an jedem an­deren Otte vermeiden. Die staatsrechtliche Erörterung dieser Fragen ist Sache der Bundesregierung und derer, die btt dem AuSschuste beteiligt find. Der Ausschuß be­steht in voller Wirksamkeit, er führt die achte Nummer der verschiedenen Ausschüsse und er besteht aus dem könig­lich baierische» Minister v. Pfretzschner, dem königlich säch­sischen Minister v. Friesen, dem württembergischen Ge­sandten v. Spltzemderg, dem großherzoglich badischen Mi­nister v. Freydorf und dem großherzoglich mecklenburg- schwcrinschen Vertreter v. Bülow; also daraus wird der Herr Abgeordnete entnehmen, was er wahrscheinlich schon ohne sie gewußt hat, daß der Ausschuß zu Recht besteht und zusammentrilh so oft eins der Mitglieder auf Berufung anträgt, resp. der königlich baierische Gesandte ihn beruft. DaS ist vielleicht schwierig, wenn der BundeSraih über­haupt nicht versammelt ist; gewiß wäre es auch dann thun- lich, und der Au-schuß wird zusammentrcten, so oft das Bcdürfniß dazu vvrliegt. Daß dieses Bedürfniß nicht häufig eintritt, dafür sorgt das auswärtige Amt, indem e« die verbündeten Regierungen durch metallographischc Abschriften der wichtigeren Depeschen und durch Mitthei lungen der Ergebnisse auf dem diplomatischen Gebiete weit über seine Verpflichtungen hinaus, und so viel ich zu er kennen im Stande gewesen, unter voller Anerkennung der verbündeten Regierungen, auf dem Laufenden erhält. Wir haben in unseren auswärtigen Beziehungen recht reine Wäsche und nicht sehr viel zu verbergen, wie Sie auch daraus ersehen, daß wir uns nicht daran kehren, ob die höchsten Beamten, die wir im auswärtigen Amte anstellen, gnade dem einen oder dem anderen Bundesstaate ange­hören. Wir haben zu allen Reichsangehörigen, so weit sie Nicht das Bettrauen durch politisches Verhalten verwirken, wir haben namentlich zu allen Reichsregierungen ein unbe- gränztcs Vertrauen. Der Präsident deS früheren baierische» EtaatS-MinistniumS befindet sich in einer Stellung, in der ihm wahrscheinlich nichts geheim bleibt, was im Reichs- bimste passirt. Dn frühere mecklenburgische Minister ist in der Stellung deS Staats SecretärS ganz genau in derselben Lage. Diese Idee also, als ob, wenn ein insgeheim sorg- siltig präparirin Krieg oder sonst eine Abscheulichkeit ge­plant würde, dieser Ausschuß, wenn er berufen würde, dem auf dir Sprünge kommen würde, ist ja ganz utopisch und eigentlich doch mehr für Romane und Kindnlesebücher bered)net. Im Jahre 1874 ist meines Erachtens gar kein bedürfniß gewesen, daß irgend eine AuSschußsttzung hätte Statt finden müffen, weil das Jahr 1874, was dem Herrn Vorredner, wie eS scheint, einen so erschreckenden Eindruck gemacht hat, in den dreizehn Jahren, die ich nunmehr an der Spitze deS auswärtigen Amtes von Preußen nach Deutschland stehe, eigentlich daS ereignißloseste gewesen ist, mir je vorgekommen ist. Ich ziehe daraus den Schluß, daß dem Herrn Vorredner alle Jcchre einen furchtbaren

und erschreckenden Eindruck gemacht haben, und daß ihm das letzte gerade im Gedächtniß geblieben ist. Wir, die wir wirklich im Geschäft leben, haben 1874 eigentlich diplomatisch weniger, ich will nicht sagen, weniger laufende Geschäfte, die giebt eS immer, aber sehr wenig Gemüths bewegungen gehabt. Durch die ganze Rede deS Vorredners zog sich derselbe rothe Faden leiser Verdächtigung der Reichsregierung, daß sie wohl damit umgehen möchte, selbst den Frieden zu stören, auch wenn sie nicht ange griffen würde, und der leise analoge rothe Faden, wie er neulich vom Abgeordneten Lasker mit vollem Recht in der Rede eines Mitgliedes derselben Partei gerügt wurde, als ob die Regierungen und die Vertreter der einzelnen Staa ten die Rechte ihrer Staaten nicht gehörig wahrnähme», damit diese Herren, wie der Abgeordnete Lasker sagte, mit einer schlechten Censur und leise angehaucht von dem Ver­dachte des nicht hinreichend eifrigen Schutzes der Landes Jntereffen 'und der HeimathS-Jnteressen in die Httmath zurückkehren, und so ist diese Karte, die hier auf der Tri­büne abgegeben wurde, wohl auch an die Adrcffe der baierischen öffentlichenMeinung gerichttt, nm der königlich baie- rischenRegierung denCredit imLande zu verderben und glauben zu machen als benutze sie die vorhandenen HülfSmittel nicht zu dem Baiern zustehenden Einfluffe; der jedem Staate im Reiche zustehende Einfluß wird demselben mit Wiffen und Willen niemals irgendwie verkümmert oder beneidet werden. Und wenn das der Fall wäre, so glaube ich, sind die Rc« gierungen selbst vollkommen tanti, das mit mehr Sachkunde geltend zu machen oder zu bekämpfen, als der Herr Vor­redner dazu im Stande war. Der Herr Vorredner hat außerdem eine Anzahl Thatsachen theils aus dem auswär­tigen, theilS aus dem inneren politischen Leben deS ver gangenen Jahres berührt, auf die ich noch kurz eingehen muß, um irgend welchen Entstellungen vorzubeugen. Von einer Intervention in Spanien ist bei uns nicht die Rede gewesen in dem Sinne, wie er uns der Jnterventionsgelüste in Frankreich anklagte, weil wir uns über die anfrührische Sprache französischer Bischöfe in Erlassen, die an deutsche Uittetthanen gerichttt waren, beschwetten. Es handelt sich da, juristisch genau genommen ich weiß nicht, ob der Herr Vorredner Jurist ist (Heiterkeit), nicht einmal um ausländische Bischöfe; denn die flagrantesten Thatsachen betrafen solche Bischöfe, die damals noch einen Theil der Diöcesen im Deutschen Reiche besaßen, und insofern auch der Jurisdiction des Deutschen Reiches unterlagen. Aber auch in Spanien handelt es sich um keine Intervention. Als ich die erste Nachricht von der Ermordung deS Haupt manns Schmidt erfuhr, so ist mein Gefühl gewesen: wenn das ein englischer Zeitungskorrespondent, ein amerikanischer, ein russischer, ein französischer gewesen wär, so wäre ihm daS nicht passirt. ES regte sich in mir die Erinnerung an alle alten Demüthigungen, die Deutschland durch seine Zer riffenheit früher zu erdulden genöthigt worden ist (lebhafter Beifall), und ich sagte mir, es ist Zeit, das Ausland daran zu gewöhnen, daß man auch Deutsche nicht ungestraft er­morden darf. (Sehr gut! Ruf: Zur SacheI) Und in diesem Sim« war ich allerdings entschlossen, den Vorgang nicht ungerügt und unbemerkt vorübergehen zu lassen. Wäre es den völkerrechtlichen Traditionen gemäß und geziemte es unS, auf eine barbarische, ich kann sagen henkermäßige Ver- fahrungsweise in ähnlicher Weise zu antworten, so hätten wir am ersten besten carlist sche» Hafen, den wir erreichen konnten, eine Landung gemacht, hätten den ersten besten carlistischen Stabsoffizier ergriffen und am Hafenthor er­hängt. DaS war daö, was sich dem natürlichen Menschen als Repressalie aufdrängte. (Heiterkeit.) Indessen, so han dein wir nicht, denn wir find eminent friedfertig. (Beifall! Gelächter im Centrum.) D-r Herr Vorredner vindicirt diesen Charakter für Süddeutschland hauptsächlich. Ich will ihm den ja nicht bestreiten, aber friedfertiger wie der Herr Vorredner bin ich jedenfalls (sehr gut!), da braucht man nur seine letzte Rede zu kennen, und wenn er mir als kriegerisch vorwirst, ich härte irgend einmal von einem Strahl kalten Wassers zur Beruhigung aufgeregter Gemüther ge­sprochen, so kann ich mich nur darauf berufen, daß kaltes Wasser ein eminent friedfertiges, abkühlende» Element ist. Ich würde dem Herrn Vorredner rathen, recht viel Gebrauch da­von zu machen. (Große Heiterkeit.) Demnächst lagen die Verhältniffe in Spanien nicht so, daß wir für diese an einem deutschen Offizier begonnene Morvthat die dortige Regie­rung hätten verantwortlich machen können; denn sie hatte dort die Macht nicht. Da wir nicht in der Lage waren, unS in einer menschlichen und für eine große Macht schick­lichen Weise Vergeltung zu nehmen, so haben wir uns gefragt: wie ist eS möglich, diesem Lande von so rühm reicher Vergangenheit und von so bedauerlicher Gegmwart

in seinem jetzigen Leiden einiger Maßen zu helfen? Ich habe mir gesagt, daS Richtigste ist, wenn man die Reste staatlicher Consolidation, die dort noch vorhanden find, da­durch stärkt, daß man sie anerkennt (Sehr gut), daß man den glimmenden Docht staatlicher Ordnung, .der dort noch ist, nicht vollständig auSlöschen läßt durch die Rivalitäten im Lande und etwaiger fttndlicher Mächte, die andere Jn­tereffen haben, daß man die faktisch noch vorhandene Macht dort, die von der Mehrheit des Volkes einstweilen getragen, ob innerlich anerkannt wird, weiß ich nicht, aner­kennt und dadurch zu kräftigen sucht, damit man einer künftigen staatlichen Ordnung wenigstens den vorhandenen Rest von Capital staatlicher Institutionen noch übergeben kann. Wir glaubten, daß das der beste Dienst wäre, den wir der spanischen Nation leisten könnten, ihr nachher Überlastend, die Institutionen die jetzige giebt sich ja für eine dauernde selbst nicht aus, sondern für eine über­leitende die Institutionen vollständig ihrer freien Wahl überlastend, die sie sich geben will. In diesem Sinne haben wir unsererseits die spanische Regierung, wie sie jetzt augenblicklich besteht, lediglich im Jntereste Spaniens und um unsererseits zu thun, was wir konnten, um ben Gräueln be« dortigen Bürgerkrieges ein Ende zu machen, anerkannt und haben diese Abficht so zu verfahren, sämmtlichen Mächten mitgetheilt, bevor wir so verfuhren. Dem Herrn Vorredner wird auch bekannt fein, daß mit unS fast sämmtliche euro­päische und der größte Theil der Überseeischen Staaten die jetzigen spanischeo Verhältnifle anerkannt haben. Die kaiserl. russtsche Regierung hat ihrerseits eS nicht in ihrem Inter­esse gehalten. Die Verhältniffe liegen für die russtsche Politik ganz anders wie für die unsrige. Rußland liegt um so und so viel Meilen wttter von Spanien (Heiter­keit), wird von den spanischen Verhältniffe» um so weniger berührt. ES ist kein russischer Officier dott umgebracht worden, das natitonale Gefühl also spielt dabei in seiner Erregung nicht mit; und außerdem so, wie wir Achtung für unsere Anstchten verlangen, achten wir die Mttnungen anderer Regierungen, die in der günstigen Lage sind, der theoretischen Auffassung der Sache zu folgen, weil sie von praktischen nicht berührt werden. Am allermttsten aber achten wir die Meinung der unS feit einem Jahrhundert und noch heute am intimsten unter den Mächten uns be­freundeten, der rusfischen Macht (Beifall), und wenn der Herr Vorredner geglaubt hat, mit seinen kleinen Pfeilen, dahin schießend, eine kleine Verstimmung zu machen, so er­regt daS nur unsere Heiterkeit. (Heiterkeit). Unsere Beziehungen dort stehen Gott sei Dank fest und thurmhoch über der Tragweite von dergleichen kleinen Versuchen. Wenn also der Herr Vorredner von meinem FiaSco iprach, so kann ich nur erwidern, daß ich mit dem {einigen, was er eben erlebt, doch nicht tauschen möchte (Große Heiterkeit). Der Herr Vorredner hat ferner in einer ttwaS gewagten Weise ich hätte an seiner Stelle doch lieber geschwiegen den Vorgang deS Kissinger Attentats erwähnt und hat dabei den Mörder als einen halboerrückten Menschen bezeichnet. Ich kann Ihnen versichern, daß der Mann, den ich selbst gesprochen habe, vollkommen im Besitz seiner geistigen Fähigkeiten ist. Sie haben ja auch weitläufige ärztliche Atteste darüber. Ich begreife eS, daß der Herr Vorredner jede Gemeinschaft in den Gedanken Anderer mit einem solchen Menschen scheut und ihn weit von sich weist. Ich bin auch überzeugt, daS wird auch vor dem Attentate des Herrn Vor­redners Absicht gewesen stt», und der Herr Vorredner wirb gewiß nie im Innersten seiner Seele auch nur den leisesten Wunsch gehabt haben:wenn dieser Kanzler einmal irgend­wie verunglücken könnte", ich bin überzeugt, er hat vaS nie gedacht. (Heiterkeit.) Aber mögen Sie sich loS- sagen von diesem Mörder, wie Sie wollen, er hängt sich an Ihre Rockschöße fest. (Beifall. Murren im Centrum.) Er nennt Sie seine Fraktion. (Große Unruhe und all- fettiger lebhafter Widerspruch im Centrum.) Ich erzähl« Ihnen ja nur die geschichtlichen Thatsachen; seien Sir doch entrüstet über die Momente, die dazu Anlaß gegeben ha­ben, daß so ttwaS geschehen konnte, ober nicht, wenn man Ihnen die einfachen Thatsachen erzählt, wohin ein zorniges, undurchgebildetes Gemüth kommt, wenn eS auf diese Weise gehetzt wird, wie dieser Kullmann in Salzwedel vom Pfarrer Störmann (Lebhafter Widerspruch im Centrum; Ruf: Alte Witze!), der nicht mehr am Leben ist; kurz und gut, ich beabsichtige ja nur und bin dazu bereit, sofern Str eS wünschen, das Gespräch über dieses Thema jederzeit wieder au,zunehmen, ich fürchte dasselbe nicht, aber ich habe es hier nicht angeregt; der Herr Vorredner hat eS angeregt. Der Man» hat bei der einzigen Unterredung, welche ich mit ihm gehabt habe, wo ich ihn fragte: Wenn Sie mich auch nicht gekannt haben, warum haben Sie