Einzelbild herunterladen
 

Vr 284

JTlarfiurg, Freitag, den 4. December.

1874

Mcrhejlislhc Zeitung

Tagesbericht.

Ebenso tote in Preußen soll der OuittungSstempel in Elsaß Lothringen aufgehoben werden. Dem Reichstage ist ein darauf bezüglicher Gesetzentwurf bereits zugegangen.

Die Wahl deS Regierungspräsidenten in Gumbinnen von Puttkammer für den Wahlkreis Lyck ist von der ersten Sbtheilung de« Reichstags mit 21 gegen 3 Stimmen be­anstandet worden.

Abgeordneter v. Bockum-DelffS ist der Vereinigung beigetreten, die sich im vorigen Jahre bei Gelegenheit der Militairfrage durch Austritt von elf Mitgliedern aus der Fortschrittspartei gebildet hat.

Die Interpellation deS Reichstags-Abgeordneten Frei- Herrn Nordeck zur Rabenau über die Erhöhung der Per sonen Tarife auf der Main-Weser-und der Main Neckar-Bahn und darüber, ob der Reichskanzler dazu seine Zustimmung ertheilt habe, wird in der DonnerstagS-Sitzung deS Reichs­tages zur Verhandlung kommen.

In der am 29. Rov. abgehaltenen Sitzung des preußi­schen Staatsministeriums ist, wie man derWes. Ztg." schreibt, die Beschlußfassung über die Bedingungen erfolgt, unter denen die preußische Regierung in die Umwandlung der Preußischen Bank in eine Reichsbank einzugehen bereit ist. Diese Vorschläge sollen seitens des ReichskanzleramtcS zunächst an den BundeSrath gelangen.

Dir Berathungen der Provinzial-Ordnung innerhalb de« Staat-Ministeriums sind ihrem Abschluß nahe und durch die Vorlage derselben an den Landtag in gewisser Aussicht.

Im Wahlkreise^ Münster-CoeSfeld ist der RegierungS rath von Heermann wieder gewählt worden.

Der kaiserliche Botschafter in Paris, Fürst zu Hohen- lohe-SchillingSfürst, hat daselbst mit dem 27. v. MtS. die Geschäfte der Botschaft wieder übernommen.

DieAgenee HavaS" stellt alle Gerüchte über Mei nungS-Berschiedenheiten innerhalb des Ministeriums bezüg­lich der Frage btt Organisation der Gewalten in Abrede und theilr mit, daß die Botschaft heute früh im Minister- rathe in ihrem Wortlaute festgestellt wurde und daß die­selbe morgen in der Rational-Berfammlung verlesen wird.

der ihre Liebe besaß und war überzeugt, daß eS nur ein abgekartetes Spiel sei, eingrleitet, um sie zu täuschen. Aber sie stand allein in dem ungleichen Kampfe, der sich ent­spann; denn was ihr naturgemäß zur Stütze hätte dienen sollen, das schlug sich in sklavischer Anbetung König Mam monS auf die Seite des Versuchers. Und immer trüber wurde es in der noch vor Kurzem so frohen jungen Brust. Wochen vergingen, und wieder Wochen, und keine Antwort hatte er für sie auf alle Briefe, die sie geschrieben. Ihr Herz zog sich krampfhaft zusammen, und matter, immer matter wurde ihr Widerstand. Seiner Liebe gewiß, würde sie Alles getragen haben, Alles! auch die mit­leidslose Härte der Welt. Seit der Zweifel sich in ihr Herz geschlichen, war ihr bange, und sie schlug erbleichend die Au-en nieder.

Konnte es noch fraglich sein, nach welcher Seite hin der Sieg sich endlich neigen mußte?

6.

Länger als drei Monate hatten sie.Conrad v. Warr- städt von Berlin fern gehalten, und als er endlich dahin zurückkehrte, war er ein Anderer geworden. Das frische, frei- müthige, sonst enthusiastisch« Wesen, das chn vor den meisten seiner Kameraden «»gezeichnet hatte, war ver­schwunden, ohne daß btther entschieden hervorgetrcten wäre, welch' ein Charakterzug an seiner Stelle nun in ihm dominiren würde. Bald schien er ein düsterer Träumer, bald ein skeptischer Spötter, um sich gleich darauf in den enragirten Lebemann zu verwandeln. Jedenfalls be­fand er sich aus dem besten Wege, sich zu blastren. Auch er hatte gezweifelt so lange es möglich war, denn er kannte ja bester als das arme Mädchen die Jnteresten, welche wachgerufen, sich verbunden hatten, eine Trennung herbeizuführen. Aber fein harmlos ehrlicher Charakter hatte sich nicht erheben können zu der denkbaren Möglich-

DeutfcheS «eich.

Berit», 2. Dec. Zur Reichstagssession schreibt die heutigeProv. Corr.": Die größere Hälfte deS Zeitraums, auf welchen die diesmalige ReichStagSseffion zunäbst be­rechnet war, ist vorüber, und immer lauter lasten sich die Zweifel vernehmen, ob eS möglich sein »erde, die noth-

Reue» Lcbr».

Rtzvelle von Max Alt (A. Mödinger) und Sophie Verena. (Fortsetzung.)

Der gute Alte machte deshalb nicht viel Federlesens. Er sagte gar nicht-, sondern handelte, und eS waren noch nicht zwölf Stunden seit der Besprechung mit seinem Resten verflosten, al- eine Ordonnanz den Lieutenant von Warrstädt zum Obersten beschied, wo ihm die Mit- theilung wurde, daß er in einer halben Stunde auf Re- monte nach Ostpreußen zu gehen habe. Der arme Junge merkte ganz deutlich, woher der Schlag kam, aber er war Soldat genug, um zu wisten, daß es keinen Widerspruch gab. ES blieb ihm kaum Zeit genug, u« das Nothwendige in einen Mantelsack zu werfen, dann war die Droschke schon vor der Thüre, die chn mit seinem alten Wachtmeister zur Eisenbahn führte. &n Paar Zeilen hatte er dennoch flüchtig zu Papier gebracht, und man kann denken, daß sie die Bestimmung hatten, Elise zu benachrichtigen und ihr un­nütze Sorgen zu ersparen. DaS junge Mädchen erhielt st» nicht, denn der Bursche war bestochen; und eben so wenig kamen die später von beiden Seiten abgehenden Briefe an ihre Adreffe. Der Plan des alten Karbo war eben so einfach als hübsch, obgleich er sich gewiß nicht alle Msehr durch Neuheit auSzeichnete. Er war der gut- Dnkel und das arme Mädchen that ihm mit ihrm unstill­baren Thrinen von Herzen leid. Konrad war ein Tauge- uichts, der nicht zum ersten Mal solch eine kleine Komödie aufführte, eS ließ sich nicht fortleugnen, die Sache fing an, ihn zu langweilen, er hatte e« offen bekannt, und sicht svrtschicken lastm, um dem guten Onkel freie Hand zu geben 'n seinen Unterhandlungen. DaS trostlose Mädchen hbrtr ihn an und antwortete mit einem traurigen Kopf- vhütteln. Sie stand fest in ihrem Glauben an den Mann

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie bte Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Sov in Frankfurt a. M.: JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Juvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Earl Schütz. ler in Hannover; E. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: ic Expedition d. Blatte«, sowie bte Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Raffel unb Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Bögler in Frankfutt a. M.,Berlin,Letp- zig, Cöln rc.; Rubolf Moss» in Berlin, Frankfutt a. M. rc.

Erscheint täglich autzer ben Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für baS Quartal burch die Expedition («och'fche Buchdruckerei) bezogen SSj 6gr., durch die Postämter deS deutschen Retches 25 Sgt. (erd. Bestellgebühr). Jnserttonsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Egr. Für in der Expedition zu ertheilende

Auskunft und Annahme von Adressen werden 2z Egr. berechnet.

> rathungtn der Budgetkommisston eine erfreuliche Bestäti- - gung gefunden, und es wird daher die schließliche Fest- - stellung de« Reichshaushaltes auch auf diesem Gebiete keine 1 erhebliche Verzögerung erfahren. Es frägt sich nun, wie viele und welche von den übrigen gesetzgeberischen Arbeiten neben dem Reichsbudget in der gegebenen Zeit noch zum Abschluste gebracht werden könnm: daß es nicht alle sein können, liegt auf der Hand, wohl aber dürste es gelingen, alle unbedingt dringlichen Vorlagen (wie die in Bezug auf Elsaß Lothringen), sowie eine Anzahl wichtiger @efey= Entwürfe, über welche die allseitige Verständigung in­zwischen bereits gesichert ist (wie das Landsturmgesetz u. a.) neben den Etatsberathungen noch zu vereinbaren. Wenn hiernach der rechtzeitige Abschluß der Session mit Bezug auf den allgemeinen Stand der parlamentarischen Bera­thungen bei der unermüdlich energischen Thätigkeit des Reichstages wohl in Aussicht genommen werden kann, bleibt es nur zweifelhaft, wie es mit der vvrbrhaltenen Lösung einer der wichtigsten Fragen der Session, der Bank­frage, alsdann werden kann. Dieselbe ist bekanntlich nach der ersten Berathung einer Kommission überwiesen worden, deren Aufgabe es ist, eine Lösung der Frage auf erweiterter Grundlage nach den im Reichstage hervorgetretenen allgemei­nen Gesichtspunkten imEinvernehmen mit der Regierung vorzu­bereiten. Die Verhandlungen darüber sind anscheinend in hoff- nungSvollemGange, aber eS ist bei den großen fachlichenSchwie- rigkeiteu, welche dabei auszugleichen sind, nicht abzusehen, wie bald die Sache zur weiteren parlamentarischen Ver­handlung, zumal schon zu voller Erledigung reif sein kann. Bei dieser Lage wird eS wohl unvermeidlich sein, die Er­wägungen in Betreff der Bankfrage, ohne die unmittelbare Dringlichkeit irgend vie auS dem Auge zu verlieren, von den sonstigen Erwägungen der parlamentarischen Oekonomie zunächst zu trennen, und demgemäß den Schluß der Reichstagsarbeiten zu Weihnachten in Aussicht zu behalten, vorbehaltlich der besonderen Maßnahmen, zu welchen die weitere Entwickelung der Bankfrage Anlaß geben wird.

Der Kaiser und die Kaiserin haben au« Anlaß der in Bamberg Statt gehabten Enthüllung der vom Profeffor Zumbusch in Wien gefertigten Kolossal-Büste deS Professor» Schönlein an die Tochter de« Verstorbenen, die Gräfin Etha Pückler zu Bamberg, nachstehende Telegramme ge­richtet. DaS Telegramm deS Kaiser« lautet:Heute, wo die Büste Ihres Vaters enthüllt, ist e- Mir Bedürfniß, Ihnen mitzutheilen, daß Ich der großen Verdienste de« Verewigten um die Wissenschaft und die leidende Mensch­heit, so wie seiner Meinem in Gott ruhenven Bruder und Meinem Hause geleisteten so treuen Dienste mit Dank- barkeit gedenke. 30/11. Wilhelm." DaS Telegramm der Kaiserin lautet:Ich erfahre theilnchmend die Feier, dir morgen Ihrem edlen Vater gilt, und kann mir nicht keit besten, waS sie an Lug und Trug Aufgeboten hatten, um ihr trauriges Ziel zu erreichen. So sagte er sich end­lich zürnend:Warum verttaute sie mir nicht?" und al« er zurückkehrend hörte, daß sie Berlin mit ihrer Mutter verlasten habe, als er trotz alles Mühens nicht heraus­bringen konnte, wohin ste stch gewendtt, so widersprechend waren die Anskünfte, die ihm wurden, da meinte er höhnisch aufzulachen, wo er doch nur fühlte, daß seine Augen sich trübten, und er wandte stch um und hielt sich für einen alten, mit dem Leben fertigen Mann.

Aber die Natur will ihr Recht haben, zu allen Zeiten; und so trank auch er bald mit vollen Zügen an« dem Becher, den sie ihm bis dahin vergeben« kredenzt hatten, weil sein Inhalt ihm schaal erschienen war. Auf dm flüchtigsten Schaumwellcn jmes bevorzugten Leben«, da­rr früher bespöttelt hatte, glitt er nun in jugendlichem Uebermuth dahin, und wenn es ihm nicht genügte im Be­ginn, so täuschte eS ihn wenigsten« nicht. Im Fluge den trügerischen Schein deS Glücke- zu erhaschen, war seine Aufgabe nun, und er machte stch zum Helden manches Abenteuer«, das fast unglaublich klang. Glücklich war der überseeische Consul eine ganze Zeit nun, so fleißig mußte er zahlen jetzt; bis ihm eines Tage« der unheim­liche Gedanke aufdämmette, daß die Natur vielleicht doch, ihm zur Strafe, zwei Vttfchwender in einer Familie auf einander folgen lastm könne.

Doch zur rechten Zeit noch, wo e- am wenigsten er­wartet wurde, kam das Bestere in Konrads Natur zur Einkehr. Er hatte ihnen zeigen wollen, daß er leicht leichtsinnig und oberflächlich sein könnte, wie sie eS ver­langten, daß er es selbst bester könnte al- Alle. Aber da e« ein Spiel nur war für ihn, da die Lei­denschaften ihn in Wahrheit nicht knechttten, so ermü­dete es ihn nur, uns eine- Tages nahm er feinen Ad­

der Bundesregierungen, wie der hervorragenden Führer im Reichstage, daß man es als dringend wünfchenswerth er­kannte, diesmal dem Preußischen Landtage seine bevorstehende wichtige Session nicht durch gleichzeitige Thätigkeit deS Reichstages zu beschränken und zu erschweren, und wenn die Berufung deS Landtages allerdings spätestens erst zum 15. Januar erfolgen muß, so war man doch darüber einig, die Arbeiten des Reichstages so zu fördern, daß nicht, nach der nothwendigen Vertagung über Weihnachten und Neu jahr etwa eine nochmalige Versammlung deS Reichstages im Januar auf wenige Tage erforderlich, sondern daß der wirkliche Abschluß der unerläßlichen Arbeiten bis Weih nachten erreicht würde. In solcher Absicht wurde der Ge« schästSplan für die Session von dem Präsidium entworfen und unter augenscheinlicher Zustimmung unb bereitwilligem Entgegenkommen Seitens der Parteiführer in- Werk ge­setzt. Für die glückliche Durchführung kam eS vor Allem auf die richtige Vertheilung der Arbeit zwischen den Kom­missionen und dem Hause selbst an, und eS ist nicht zu verkennen daß bei der Entscheidung darüber der Reichstag stch mehr als je nur von der Rücksicht auf die leichtere Erledigung der einzelnen Aufgaben hat leiten lasten. Wird nun aber aller gute Wille und alle Umsicht der Geschäfts leitung das erstrebte Ziel erreichen lassen? Der Blick auf die bisherige Arbeit einerseits und auf die noch zu erfüllen den Aufgaben andererseits scheint die Hoffnung auf daS Gelingen zu bestätigen denn im Lause der jüngsten vier Wochen ist eine der bedeutendsten Aufgaben der Session bereits zu vorläufiger Lösung gebracht; fast alle übrigen Aufgaben aber sind durch die Vorberathung und theilweise durch vertrauliche Verständigung zwischen den Bundesregie­rungen und dem Reichstage einer schließlichen befriedigen­den Erledigung wesentlich näher geführt. Die großen Justizgesetze sind nach einer feierlichen ersten Berathung auf den Weg geleittt, welcher für eine sachgemäße Behänd- lung im Voraus als der allein angemessene in Aussicht ge­nommen war. Der Reichstag hat hiermit auf diesem Gebiete seine unmittelbare Aufgabe für diese Session erfüllt. Die dringendste unb absolut unerläßliche Arbeit ist nun­mehr die Feststellung des Haushalts Etats für 1875, unb daß diese Arbeit rechtzeitig, d. h. vor Beginn deS neuen Jahres beendigt werde, dafür bürgt einerseits di« ernste Auffaffung der DerfastungSbestimmungen Seitens der großen Mehrheit deS Reichstage-, andrerseits der Stand der Vorarbeiten für die schließliche Budgetbera- thung. Dieselben find durchweg soweit gediehen, daß die _ . . . entscheidende Beschlußnahme im Reichstage im Verlause

«endig gegebenen und unaufschiebbaren Aufgaben der Ses- der nächsten drei Wochen gewiß wird erfolgen können, fion in der noch übrig bleibenden Frist zu bewältigen. Die Erwartung, daß auch die erste Durchberathung deS Es beruht« auf einer übereinstimmenden Würdigung der Reichs Militäretat« in feinen Einzelheiten nicht zu tief politischen und parlamentarischen Verhiltniste auf Seiten greifenden Schwierigkeiten führen werde, hat in den Be-