JRarÖUtg, Donnerstag, den 3. December.
283.
1874.
Anzeigen nimmt entgegen: die expcbttion d- Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Cq, in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie dir Annoncen-Burcaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Haasenstein & Vogler in ^ankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln re.; Rudolf Moff« in Berlin, Frankfurt a- M rc.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Ferettagen. Preis für das Quattal durch die Expedition (jkoch'sche Buchdruckerei) bezogen 221 Egr., durch die Postämter deS n. • !•.■■ ■ . deutschen Reiches 25 Tgr. (excl. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ettheilende
Auskunft und Annahme von Adressen werden 21 Sgr. berechnet. 1 '
Tagesbericht.
Es wird beabsichtigt, die Provinz Berlin au- einem greift Charlottenburg, einem Landkreise Berlin und dem Stadtkreise Berlin zu bilden. Den Kreis Charlottenburg sollen bilden diese ©tabt nebst den umliegenden Ortschaften, der Landkrei- Berlin wird bestehen au- den um Berlin liegenden Ottschasten.
> Der Bundesrath-au-schuß für Handel und Verkehr hat den BundeSrath ersucht, zu beschließen, den Reichs KtNiler zu ersuchen, den Entwurf eines Gesetzes über Feststellung des Feingehalts der zum Verkauf gestellten Stlbenvaaren, soweit ndthig, nach Vernehmung von Sachverständige« ausstellen zu lassen und dem BundeSrathe vorzulegen.
Der Abgeordnete von Kardorff beabsichtigt folgenden Antrag zu stellen: Der Reichstag wolle beschließen, dem Reichskanzler die Errichtung eines Reichsfinanzamtes zu empfehlen. -
s Die von verschiedenen Blättern gebrachte Nachricht, der Finanzminister Camphausen werde zurücktreten, entbehrt vollständig der Begründung. In gleicher Weise müssen wir die Nachricht, der Prozeß Arnim werde der Ocffent- lichkeit entbehre«, als unbegründet bezeichnen.
Die Peütions • Kommission des Reichstags beschloß gestern, daß eine Petition in Betreff der Eisenbahn-Tarif- Erhöhung zur Verhandlung im Plenum deS Reichstags ge -bracht werden soll.
Die Kommission für das RaturalleistungSgesetz Hal beschlossen, die Vergütung für die Naturalverpflegung pro Mann und Kopf auf 1 Mark zu erhöhen., wogegen sich die Herren RegiemngSkommiffare ablehnend verhielten.
Eine von der Wiener Preffe gebrachte Nachricht, daß Fürst Bismarck sich an die Curie gewandt habe, um eine Verständigung über die Frage der Anstellung der kaiho lischen Geistlichen herbeizusühren, wird von der „Magdcb. Ztg." mir dem Bemerken dementirt, daß Fürst Bismarck weder direkte noch indirekte Schritt« durch die Bischöfe in dieser Richtung in Rom gethan habe.
Der deutsche Gesandte in Madrid, Graf Hatzfeldt, wird, wie die „Elbf. Ztg." erfährt, demnächst einen Ur taub von etwa sechs Wochen antreten; während deffelben wird der LegationSrath Graf Berchem als Charge d’affaires fungiren. Graf Berchem, der zuletzt im Auswärtigen Amte beschäftigt war, ist übrigens nicht zur zeitweisen Verwendung, sondern dauernd nach Madrid beordert worden, wo er an Stelle deS Grafen Radolinöki zum LegationSsecretär ernannt ist.
DnltfcheS «eich.
•• Berlin, 1. Dez. Die Hoffnung, daß der Reichstag bis zu Weihnachten feine umfangreichen Aufgaben noch
«r»kS Lehe».
Novelle non Max Alt (A. Mödinger) und Sophie Verena. u.(Fortsetzung.)
ES war vor achtzehn Jahren geradeso gewesen, wie «» heute ist, und wie eS vermuthlich in wieder achtzehn Jahren sein wird. — Auch damals versuchten arme Mädchen tugendhaft zu bleiben, obgleich ste hübsch waren, und träumten dennoch, — oh! süßer Widerspruch!. — mit verführerischer Phantasie von dem Prinzen aus dem Märchen, von welchem alte Weiber in der Jugend ihnen erzählt hatten, — und deffen baldiges Nahen sie in späteren Jahren au- dem Kaffeegrund vorhersagten. — Und Conrad von Warrstädt hatte nur zu sehr Alles, was die Vor sehung zue Zierde eine« solchen Helden zu schaffen sich gefallen., — Er saß in seiner blauen Dragoneruniform, wie ein Gott auf seinem Goldfuchs, und ob er auch bei der Garde stand, er hatte nichts von jenem seltsamen Wesen, daS die Offiziere dieses bevorzugte« Corps oft haben zu müssen glauben. •— Seine Stimme war weich und schmeichelnd, unb eine gewisse Schüchternheit, über die er sich crröthend vergeblich durch Ungestüm hinwegzuhelfen suchte, stand ihm ach! nur zu verführerisch. — Und wie n seine Dichter kannte, wie er chre schönsten, der Gelegenheit entsprechenden Stellen durch den melodischen Klang feiner Sttmme verschönend belebte. — Gewiß, — er war ei» weißer Rabe, dieser gefühlvolle Gardelieutenant, — und weiße Raben haben niemals etwas von der unglücklichen Vorbedeutung ihres dunkelfarbigen Gelichters gehabt. —
Die arme kleine Elise! — Wer konnte es ihr wohl »erdenken, daß sie, wenn ihre fleißige Nadel hurtig das ftine Linnen durchflog, — an den blauen Prinzen dachte, der schon zweimal versucht hatte, sie anzureden, ober er»
bewältigen werde, ist noch nicht aufgegeben, obgleich allerdings der allseitig entschiedene Wille thunlichster Abkürzung der Debatten und strenger Vermeidung entbehrlicher oratorischer Leistungen dabei vorausgesetzt werden muß. Ueber die Möglichkeit das Bankgesetz soweit zum Abschluß zu bringen, daß die Zustimmung des Landtags in nächster Session noch eingeholt werden kann', gehen die Meinungen auseinander. Seitens des Reichskanzler-Amts fehlt eS nicht an dem guten Willen und entsprechenden Gnleitungen, indeffen ist schwerlich mehr erreichbar als eine allgemeine principielle Verständigung und auf Grundlage derselben vielleicht eine concrete Bestimmung über die Beschränkung des Notenumlaufs. DaS Staats-Ministerium ist durch die Fülle der legislatorischen Arbeiten für Reiche und Landtag hart bedrängt.
Frankfurt 1. Dec. Sicherem Vernehmen nach ist an Herrn Dr. Ebner dahier von Berlin aus das Ansinnen ergingen, den Rechtsanwalt Munkel in der Verlheidigung des Grafen Arnim vor Gericht zu unterstützen. Die Verhandlungen hierüber sind indeß noch nicht abgeschlossen. Wie telegraphisch gemeldet, ist eine ähnliche Anfrage um Unterstützung auch an einen Posener Advokaten ergangen und von diesem angeblich in bejahendem Sinne beantwortet worden.
Dillenburg, 30. Nov. Am 18. d. M. fand dahier eine Sitzung der hiesigen Handelskammer statt. AuS den Berathungen des an die königchliche Regierung zu erstattenden Quartal-BerichtS entnehmen wir, daß die Lage des Handels und der Industrie sich im letzten Vierteljahr nicht wesentlich verändert hat. In der Eisenindustrie ist zwar, mit Ausnahme des Roheisens, die Nachfrage etwas größer geworden, ohne indessen die Preise zu heben. Namentlich für Gußwaaren und Walzeisen war die Nachfrage so groß, daß die Hütten de« "DillkreiseS sich außer Stande sahen, den Bedarf zu liefern. Hinsichtlich des Bergbaues wurde erwähnt, daß in Folge der bisherigen gelinden Witterung und des verhältnißmäßig hohen Preises gegenüber dem der Steinkohlen sich auf den Halten noch bedeutende Vorrilhe an Braunkohlen befinden. DaS Ledergeschäft war bis Anfang September sehr lebhaft; die Preise gingen in die Höhe, sanken aber wieder nach der nach den Messen eingetretenen Stockung. Im Weiteren wurde beschlossen, die Regierung zu ersuchen, dahin wirken zu wollen, daß auch Herborn gleich Dillenburg und Hachenburg baldigst eine Reichs-Telegrapheu-Station erhalten. Ebenso wurde der Beschluß gefaßt, beim hiesigen KreiSgerichk die Vervollständigung der Handelsregister zu beantragen.
Schwerin, 30. Nov. Zur Theilnahme an der Feier der Kriegerdenkmals Enthüllung am 2. Dezember werden der General der Infanterie Freiherr von der Tann aus München, der Marine-Minister General von Stofch
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röthend stecken geblieben, und einen leisen Fluch zwischen den Zähnen zerdrückend mit seinem Säbel wieder abgerasselt war. — Wie oft stach sich das junge Mädchen wohl bei diesen Gedanken in die fleißigen Finger, und saugte dann erschrocken bett hervorquellenden Blutstropfen auf, mit Wangen, bie ihm gewiß nichts aachgaben in der pulfirenden Farbe des Lebens. — Als bet blaue Prinz es bann ein onber Mal nur zu glücklich herausgebracht hatte, was das atme Mädchen längst wußte, unb nicht wieder ab, — sondern neben ihr hertasselte, da wat der goldene Traum fertig, und sie träumten ihn wie ein Paar glücklicher Kinder, bis bi« Welt sich einmischte, und ihnen bewies, daß sie nicht das Recht hätten, ungestött in einem Paradiese zu leben, au« dem Alle, die eS vor ihnm bewohnt hatten, vertrieben worden waten.
Und es wat wirklich Zeit, daß die Welt sich einmischte, denn Conrad v. Warrstädt hatte ein weiche« Herz, bei einem poetischen Sinn, und Gott weiß, wer die Kugel im Rollen ausgehalten hätte, nenn der junge Mann seines Willens Herr gewesen wäre. — Er wat so glücklich, sobald er die bunte Uniform mit einer schlichten Jagdjoppe vertauschen konnte, um mit feinem kleinen Mädchen an Sonn- und Feiertagen durch Feld unb Wald zu streifen, — fo glücklich, wie er sich selbst dann nicht gefühlt hatte, wenn er auf irgend einem Hofball unter Hunderten bet Bevorzugte war, den eine Prinzessin zum Tanz befahl.— Wie er Elisens Lachen bann liebte, und ihr Lied; — wie ihre reichen blonden Flechten unter dem selbstgewundenen Kornblumenkranze hetvorquollen, und seiner Wange schmei chelten, — wenn er sich niederbeugte zu ihr. — Geärgert dadurch, daß et sich ihnen mehr und mehr entzog, neckten ihn die Kameraden; aber er achtete nicht darauf, und genoß seines Glücke«, da« ihm fein Leben in den gewohnten Kreisen schaaler und schaalet erscheinen ließ.
aus Berlin und viele höhere Offiziere heute unb morgen hier eintreffen.
W? «tu in gen, 25. Nov. Der Landtag hat gestern bie Etats-B et athung begonnen. Es wurde besonders da« Verhält- niß der einzelnen Steuergattungen zu einander und bie höhere Belastung des Grundbesitzers erörtert; auch die Erhöhung der Besoldungen fand Widerspruch. AuS der französischen Krieg« - Entschädigung erhielt Meiningen 1,284.900 fl, an Ersparnissen der inneren Verwaltung sind 1,763,840 fl. erzielt, dazu noch etwa 200,000 fl. für 1874 unb 35,040 fl. Tantieme bet Kreditbank. Werden hiervon 750,000 fl. Betriebsfonds der Staats-Verwaltung, 60,000 fl. Garantie bet Gera-Eichichtet Bahn, 324,000 fl. Antheil an bet Saalbahn unb 70,000 fl für bie Erfurt-Hofer Bahn abgerechnet, fo bleiben immer noch 782,000 fl. für bas Extra-Ordinarium unb als Ueberschuß verfügbar. Sonach sind wir finanziell seht gut gestellt.
Karlsruhe, 1. Dec. Bei bet gestern hier stattgehabten Wahl dreier Mitglieder der katholischen Stiftung«« Commission, woran bie Römisch-Katholiken unb bie Alt- Katholiken sich beteiligten, wurden bie Candidaten der Letzteren gewählt.
Straßburg, 26. Nov. „Nach bem für bas Jahr 1875 für die kaiserliche Tabak-Manufactut aufgestellten Betriebsplan ist ein Ueberschuß von 693,640 Mark zu erwarten. Derselbe soll jedoch zur Deckung bet bem Unternehmen gewährten Vorschüsse verwendet jwetdeu. In den Iahten 1870 bi« 1872 sind nämlich im Hinblick auf die beabsichtigte Veräußerung der Manufactur die Tabaks- bestände um 3,304,418 Kilogr. vermindert worden; ein Theil dieser Bestände ist an die deutsche Armee geliefert worden, der andere Theil ergab durch Veräußerung der Landeskasse eine baare Einnahme von 4,800,000 Franken. Die Tabaksbest Lude der Manufactur waten hierdurch am Schlüsse de« Jahres 1872 weit unter das zum Fortbe- triebe erforderliche Quantum gesunken. Nachdem der Versuch deS Verkaufs der Anstalt gescheitert war, mußten, um den nicht nut ans finanziellen, sondern auch aus volks- wirchschastlichen Gründen gebotenen Fortbetrieb bet Anstalt zu sichern, bie Tabaksvorräthe auf ben normalen Bestand ergänzt werden. Die« ist in ben Iahten 1873 unb 1874 geschehen, unb es würben hierzu au« bet San« descasse der Anstalt 1,640,000 Ft. Vorgeschosse«. Da bet nach wie vor noch in Aussicht genommene Verkauf bet Anstalt in bet nächsten Zeil wegen bet gegenwärtig beste- henden ungünstigen Conjuncturen nicht möglich sein wirb so soll bie Deckung dieses Vorschusses an bie LanbeScasse aus den Uebetschüffen der Jahre 1874 unb 1875 bet Anstalt erfolgen.
AuSlaxd.
Bern, 27. Nov. Die Ausgaben bet eibgenöfsischen
Conrad« Vater hatte al« ein alter tüchtiger Edelmann sei« Vermögen mehr al« einmal butchgebtacht. Als et mit feinem eigenen fertig geworden, heirathete et eine« reichen Kaufmann« Kind, und dichtete sich fo glücklich ein, daß an bem Tage, wo er starb, seiner Wittwe nicht viel mehr übrig blieb, al« ihr adeliger Name, und ein lockiger Knabe, mit dem ste in das HauS des Vaters zurückkehrte, dem nun ein älterer Bruder Vorstand. Dieser nahm sie mit Freuden auf; et versprach ihr, als sie starb, väterlich für ben Knaben zu sorgen, und bie Mutter schied in Frieden, denn ste hatte de« Bruders Plan, fein einziges Mäbchen ihrem Sohn zu vermählen, erkannt, unb sie sah in dem Wunsch, ben adeligen Namen für bie Familie erhalten, zu sehen, bie Zukunft ihre- geliebten Knaben gesichert.
Der Konsul Katbo hatte sich wirklich in ben Kopf gesetzt, e« noch einmal zu versuchen, ob nicht ba« gute Katbo'sche Geld mit dem guten Warrstädt'schen Blute auf die Dauer zu verschmelzen sei und eS hatte ihn die beruhigende Uebetzeugung dabei geleitet, daß es ebenso unwahrscheinlich fei, zwei Verschwendet in einer Familie auf einander folgen zu sehen, als zwei Geizhälse. — Und er hatte ganz richtig kalkuttrt. Konrad hatte, feit er beim Militär Äand, feiten besonders heftige unb unerwartete Angriffe auf ben Geldbeutel seines OnkelS gemacht. Ein paar Tausend Thal» halbjährlich waren wohl extra eingelaufen, — aber was war das ,fir den Mann, bet deS Konsul Katbo einzige Tochter heitaihen sollte. — Ja noch mehr, — feit vier Monaten hatte et nicht ein einziges Mal um Geld geschrieben, unb um ba« Wunder zu einem vollendeten zu machen, ersah der Konsul aus bet Abrechnung feine« Bankier« in Berlin, daß bet Baron, fein Neffe, auch dort seit fünf Wochen ben ihm fest ausgesetzten Zuschuß nicht eingezogen hatte. — Ein so seltsames Benehmen war