Einzelbild herunterladen
 

Ur 281.

JRarÖurg, Diestnag, den 1. December.

187».

Anzeigen nimmt entgegen: hie Gxoeditton d. Blatte«, sowie bie Ännoncen-Bureaux oon Th. Dietrich & Co. in -afsel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Cöln ic.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. M. ic.

Olmhcjsiiihc Jritung.

Anzeigen nimmt entgegen: die e^ebttiou d. Blatte«, sowie bie Annoncen-Bureaux von @. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhanblung in Frankfurt a. M; Jnvalibenbank, A- Stete- rneyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C-Schlotte in Sternen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Soim- und Feiertagen. Preis für da« Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Sgr., durch die Postämter deS deutschen Reiches 25 Egr. (excl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Egr. Für in der Expedition zu ertheilende

Auskunft und Annahme von Adressen werden Egr- berechnet.

Tage-bericht.

Der JustizauSschuß de» BundeSraths hat sich jetzt auch mit den Anträgen bezüglich dcS Reichscivilehegesetze« be­schäftigt. lieber den Antrag Baiern«, Bestimmungen über tzhehindernisse, Scheidungen u. s. w. in das Gesetz auf­zunehmen, wurde ein Beschluß noch nicht gefaßt. Die Sntscheidung ist von der Führung deS Nachweises abhängig, daß ohne eine Abänderung des materiellen Eherecht« die Einführung der obligatorischen Civilehe in Baiern nicht möglich ist.

Da« CultuSministerium bereitet außer dem Gesetz über die BermögenSverwaliung katholischer Kirchengemeinden noch einen zweiten Gesetzentwurf vor. Derselbe stellt die Aufsichtsrechte deS Staats über die Kirchengemeinden beider Confesstonen fest, also die Ausführung des Artikel 15 unserer Verfassung in seiner im Mai 1873 veränderten Gestalt. Beide Gesetzentwürfe sollen dem Landtag gleich im Januar zugehen.

Nach eingehender und lebhafter Debatte beschloß die erste Nbtheilung de« Reichstages auf den Antrag des Re fronten Struckmann (Osnabrück) mit 24 gegen 10 Stim­men die Wahl des Adg. Feldmarschall Gras von Moltke für den Wahlkreis Memel-Heydekrug für gültig zu er­klären; gegen die Gültigkeit ootirten die in der Abtheilung anwesenden Mitglieder der Fortschrittspartei und des Centrum«.

In der Provinz Posen werden nach polnischen Blättern sämmtliche Dekane in Sachen de« Delegaten gerichtlich ver­nommen und haben Termin«vorladungen erhalten. Bon den bereit« Vernommenen haben einige theil« unter Angabe von Gründen, theilS ohne jede Erklärung eine Antwort verweigert, andere haben um eine Vertagung de« Termins gebeten. ,

Der Lippe'jche Landtag ist auf den 9. Dezember ein- berusen, um die zum Bau der Eisenbahn Detmold. Herford erforderlichen Geldmittel zu bewilligen. Es steht nicht zu erwarten, daß die Rechtspartei um diese«, wenn noch so erheblichen materiellen Bortheil« willen, den RechtS- boben verlassen, und der Einladung Folge leisten wird.

Deutsche» Reich.

- Berlin, 28. Nov. Der Inhaber eine« öffentlichen Versammlungsorte« (Gasthauses rc.), welcher Glücksspiele daselbst gestattet, wird nach §. 285 de« R. St. G. B. mit Geldstrafe bi« zu 500 Thaler und der Bankhalter nach §. 350 Nr. 14 de« R. St. G. B. mit Geldstrafe bi« zu 50 Thaler bestraft. In Beziehung auf diese beiden strafrechtlichen Bestimmungen fällte da« Obertribunal in seiner Sitzung vom 20. Oktober er. ^mehrere ebenso wich tige, wie intereffonte Entscheidungen. Der Gastwirth L. hatte im Lause de« Jahres 1873 in einem ihm gehörigen Zimmer, da« mit seinem allgemeinen, Jedermann zugäng­lichen Gastzimmer durch eine Thür verbunden ist (söge-

nannte«Gastzimmer für geschlossene Gesellschaften," Glück« spiele gestaltet, bei denen Sekretär K. die Bank gehalten hatte. Auf Grund der eben erwähnten Paragraphen des St. G. B. angeklagt, wurde der Gastwirth in zweiter In­stanz zu 50 Thaler Geldstrafe, event. einmonatlicher Ge- fängnißstrafe und der Bankhalter zu 10 Thlr. Geldbuße, event. einer Woche Haft verurtheilt. In der von den An­geklagten gegen dieses Erkenntniß eingelegten Nichtigkeits­beschwerde behaupteten dieselben unter Anderem, daß gegen keinen Mitspieler die Strafe des §. 284 Str. G. B. (Wer au« dem Glückspiele ein Gewerbe macht, wird mit Gefängniß bis zu zwei Jahren bestraft" u. s. w.) erkannt, daß nicht festgestellt fei, daß auf Seite der Spielenden, oder des Wirthes Gewinnsucht obgewaltet, ober ein Ver mögensvortheil gesucht worden und daß das Lokal, in welchem K. beim Tempelspiele die Bank gehalten, kein öffentliche« gewesen sei. Die Nichtigkeitsbeschwerde wurde jedoch vom Ober-Tribunal zurückgewiesen, und da« Er kenntniß der zweiten Instanz bestätigt, indem es ausführte: Die Anwendbarkeit de« §. 285 des St. G. B. ist aus den Inhaber eines öffentlichen Lokals, wie der Wortlaut ergiebt, nicht dadurch bedingt, daß ein in demselben veran­staltete« Glücksspielgewerbsmäßig" (§. 284) und ebenso wenig, daß e« von einem oder etlichen Theilnehmern auS Gewinnsucht" getrieben worden fei, auch verlangt §.360 Nr. 14 in Beziehung auf den Bankhalter den besonderen Nachweis der Gewinnsucht nicht. Wa« die weitere Be­schwerde, daS Nichtvorhandensein eines öffentlichen Lokal« betrifft, so wird dieselbe durch die Feststellung deS zweiten Richter« widerlegt, daß das Spiel in einem zum Geschäfte des Kaufmanns und GastwirthS L. gehörigen, nut dem allgemeinen Jedermann zugänglichen Gastzimmer durch eine Thür verbundenen Zimmer getrieben worden fei, da der Richter ohne Rechtsirrthum hieran« so, wie er gethan, auf die Oeffentlichkeit des Lokals schlichen konnte.

Die Ernennung de« Grafen Georg Arnim zum Flügeladjutanten de« Kaiser« wird hier vielfach gänzlich unberechtigter Weise mit der Angelegenheit de« Grafen Harry Arnim in Verbindung gebracht, und sucht man au« derselben ein für den Letzteren günstiges Symptom heraus­zudeuten. E« bedarf wohl nicht der Versicherung, daß in Den maßgebenden Kreisen derartige Conjecturen einfach al« müßige Erfindungen bezeichnet werden. UebrigenS dürfte schon die Thatsache, so schreibt dieEibf. Zig.", daß der erwähnte Flügeladjutant und der ehemalige Botschafter in einem äußerst weitläufigen Verwandtschaftsverhältniß stehen, zur Genüge beweisen, daß Gras Harry Arnim hierbei in keiner Weise in Betracht kommen kann. Graf Georg Arnim stammt aus der älteren Linie Arnim, während Graf Harry bekanntlich zu einem Seitenzweige der jüngeren Linie Armrn- Boytzenburg und zwar zu dem Hause Sukow gehört. Die Familie des Grafen Georg Arnim steht den Verwandten aus der jüngeren Linie Arnim außerdem sehr fern. End­

lich gehörte Graf Georg Arnim seit langer Zeit zu den Offizieren, welche vermöge ihrer persönlichen und «niliti- rischen Qualitäten zu der Stellung eines Flügeladjutanten defignirt waren.

Der deutsche Gesandte in Brüffel, Graf Perponcher, hat einen mehrwöchigen Urlaub angetreten, während dessen LegatiouS - Secretär Stumm die Geschäfte der Gesandt­schaft führt.

Die Gesammt - Ausprägung von Reichsmünzen be­läuft sich bis zum 14. November auf 874,580,500 M. an 20 -M. Stücken, 217,308,350 M. an 10-M.-Stücken, 415,145 M. an 5 M.-Stücken, 29,645.550 M. an 1-M.- Stücken, 8,563,604 M. an 20-Pfg.-Stücken, 4,428,034 M. 10 Psg. an lO-Pfg.-Stückm, 1,102,643 M. 10 Pfg. an 5 - Pfg. - Stücken, 1,523,398 M. 44 Pfg. an 2 - Pfg.- Stücken, 602,133 M. 95 Pfg. an 1 Pfg. Stücken.

Die industriellen Etablissements für Eisenbahnbe­darf sind, wie aus nachstehenden Notizen hervorgeht, auch in diesem Jahre zur weiteren Ausrüstung der preußischen Eisenbahnen mit Betriebsmaterial stark in Anspruch ge­nommen. Vom 1, Januar bi« zum 1. Oktober wurden 787 Lokomotiven, 1150 Personenwagen und 12,605 Gü­terwagen gegen 563 Lokomotiven, 784 Personenwagen und 7416 Güterwagen im Vorjahre abgeliefert, bi« zum Jahre«- schluß sollen noch geliefert werden: 309 Lokomotiven; 343 Personenwagen und 3129 Güterwagen. Für da« Jahr 1875 sind bereit« bestellt: 443 Lokomotiven, 186 Personenwagen und 2171 Güterwagen. Die Summe die­ser drei Posten ergiebt: 1549 Lokomotiven, 1679 Personen- wagen und 17,905 Güterwagen und repräsentirt einen Geldwerth von 53,752,340 Thalern. Hiervon kommen 892 Lokomotiven, 1133 Personenwagen und 12,072- wagen mit einem Geldwerth von 33,192,700 Thalern auf Die unter Staatsverwaltung stehenden Eisenbahnen und werden bi« auf 30, beschleunigter Lieferung halber auslän­dischen Bewerbern überladene Lokomotiven, lediglich au« deutschen und zwar überwiegend au« preußischen Fabriken bezogen. ,

29. Rovbr. In der von dem Magistrat und dem Conflstorium den Altkatholiken bewilligten hiesigen evange­lischen neuen Kirche fand heute Vormittag 8 Uhr der erste altkatholische Gottesdienst statt. Professor Weber au« Breslau hielt die Meffe und Communion. In feiner Pre­digt über Römer 13. hob er hervor, daß die alt- katholische Bewegung bezwecke, dem Staate zu geben was des Staate« und der Kirche wa« der Kirche fei. Dem Gottesdienst wohnten 300 Personen, der Communion 20 Mitglieder der Gemeinde bei.- Der russische Großfürst Thronfolger wird morgen früh auS Paris hier eintreffen, im russischen Botschaftshotel absteigen, Vormittag« die Majestäten und die Mitglieber der Königlichen Familie besuchen, Nachmittags an der Familientafel des Kaiser«

Durchlaucht i» Nöthen

Vor einiger Zeit hatte sich imHotel Royal" in Ber­lin ein Herr einlogirt, dessen äußere Manieren und noble Passion auf eine Person von hoher Disttnction schließen ließen. Nachdem der fremde Herr einige Tage im Hotel verlebt hatte, wurde ihm dem Usuß gemäß das Fremden­buch vorgelegt und schrieb er sich in dasselbe al« kauka­sischer Prinz Demetry Tschavt-schawadje ein. Nur bei Nennung de« unaussprechlichen Namen« flogen die Kellner au« allen Ecken herbei, um Se. Durchlaucht nach allen Richtungen hin mit Accurateffe zu bedienen, träumten doch die dienstbaren Geister von den Imperials, welche der vornehme Prinz ihnen beim Abschied al« Douceur zu- kommen lasten würde. Hier suchte der Prinz einen Kam­merdiener zu engogiren und auf die von ihm erlassenen Annoncen hin meldete sich bei ihm der Sohn de« bei der englischen Botschaft angestellten Haushofmeisters A. Mit großer Liebenswürdigkeit und Herablastung empfing der Prinz den A., welcher, nachdem er nach Wunsch des Kaukasier« gute Atteste von der russischen Botschaft bei­gebracht hatte, in den Dienst desselben genommen wurde. Der Prinz eröffnete seinem neuen Leporello sofort, daß er i» Wien mit einer bedeutenden Summe an (Selb, Werth papieren und Pretiosm bestohlen worden sei, legte zur Bekräftigung seiner Aussage die betreffenden Zeitungen und Papiere, welche de« Diebstahl« Erwähnung thun, vor und freute sich, endlich nach langem Suchen einen treuen Diener gefunden zu haben. Der Prinz verließ in Beglei­tung de« neuengagirten Kammerdieners Berlin und begab sich nach Wiesbaden. Hier lebte er einen vollen Monat auf fürstlichem Fuße, die prachtvolle Equipage, daö groß «ttige Leben deS Kaukasier« machte in Wiesbaden Auf­

sehen. Au« Wien erhielt der Prinz große GelDsendungen von einem Herrn R., er erzählte seinem Kammerdiener, Daß er sich binnen Kurzem mit einer reizenden Wienerin, Der Tochter eine« mehrfachen Millionärs, verloben werde, jedoch befürchte, daß seine dem russischen Kaiserhause nahe­stehenden Verwandten nun und nimmermehr feine Serbin bung mit einer Bürgerlichen zugeben würden Se. Durch­laucht verließen Wiesbaden und reiften mit dem treuen Diener nach London ab; hier wurde die erste fashionable Etage de« Langharn-Hotel« gemietet, um nach einiger Zeit dieselbe mit einer Wohnung im Grand-Hotel zu vertau­schen. In London trieb der Prinz noch einen weit grö­ßeren Aufwand al« bisher, die Themsestadt sprach von nichts Anderem, als von dem abenteuerlichen kaukasischen Prinzen, besten eigenthümliche, von Gold strotzenve Uni form überall begafft wurde. Dem Prinzen gelang es, in bie feinsten Gesellschaften unb Cercle« zu gelangen, selbst bei Hofe wurde er empfangen und war deS Oefteren bei der Herzogin von Edinburgh, der Tochter de« russischen Kaisers, zur Tafel gezogen. Im Grand Hotel lernte er eine holde unb schöne Madame L. kennen und gab dieselbe für seine Verwandte aus. Auch Madame L. huldigte dem großen Leben; sie hielt sich einen Reitknecht und zwei Reitpferde, sie machte bie eleganteste Toilette unb erregte auf den Straßen durch ihr Gespann allgemeine Aufmerk­samkeit. Jnbeffen der Krug geht so lange zu Master, bis er bricht. Der Credit de« Prinzen war längst erschöpft; Madame 8. gerieth in große Geldcalamitit unv sah sich genöthigt, ihre Schmucksachen im Leihhause zu Selbe zu machen. Bevor jcboch ber Kammerdiener da« in Erfahrung gebracht hatte, telegraphirte der Prinz an den Vater des Dieners nach Berlin, verlangte erst 100 und nach zwei

Tagen wiederum 200 Thaler als Darlehen und versprach dem Haushofmeister die Summe binnen kurzer Zeit mit Dank zurückzuerstatten. Acht Tage vor dem bezeichneten Termine erhielt der in Berlin wohnende Vater de« Prinz« lieben Kammerdiener« einen Brief, in welchem ein Schuld­schein über 1200 Thaler ausgestellt sich befand, mit dem Bemerken, daß Herr A. denselben zur Eincassimng einem Londoner Bankhause übermitteln sollte; Herr A. kam der Aufforderung nicht nach, da ihm die ganze Sache etwa« sehr befremdlich erschien. Mittlerweile erhielt Herr A. von seinem Sohne einen Bries, daß der Prinz in London von einer Russien die Summe von 300 L. geliehen hätte, um mit derselben nach Pari« reisen zn können. Jetzt drang der Kammerdiener in seinen prinzlichen Gebieter seinem Vater bi« 300 Thal« endlich zu bezahlen. Der Prinz versprach, ihm das Geld in Paris sofort zurück­zahlen zu wollen, da er daselbst in der russischen Bot­schaft große Posten Geldes erheben werde. Unmittelbar vor der Abreise nach Paris richtete ber Prinz an seinen Diener bie Aufforberung, nach Berlin zu reißen unb ihn, daselbst auf seiner Durchreffe nach Petersburg zu erwarten, er rnüffe schleunigst nach seiner Heimath, ba sein Urlaub abgelaufen fei. Der Kammerdiener weigerte sich, ohne Geld abzureifen; indeß daS eindringliche Zureden beS Prinzen, welcher fein Ehrenwort für sofortige Zahlung verpsänbete, brachte es fertig, daß ber Diener in ba« Garn ging unb bie Rückreise nach Berlin antrat. Unmittelbar nach ber Reise borgte ber Prinz auf OtfizierS Ehrenwort von einem Rusten 200 Franc«, welcher sich auch jetzt brieflich an Herrn A gewendet hat, um die prinzliche Adreffe in Erfahrung zu bringen. Nach den bei ber hie- |lgen russischen Botschaft angestellten Recherchen erfuhren