Einathmung der englischen Nebellust zu vermehren, ist sie nicht einmal nach Windsor gegangen. Es ist daher leicht wSglich, daß sie kein sehr entsprechendes Bild des englischen Lebens mit sich fortträgt. Der Herzog von Edinburg, die beiden Großsürsten und der russische Botschafter Graf Schuwalow begleiteten die Zarin weiter, der Großfürst Thronfolger überhaupt, die Uebrigen nur bis Dover, von wo die Kaiserin an Bord der kaiserlichen Jacht Etendard, Capitin Lazarow, um 10 Uhr 30 Min. nach Calais ab- segelte. Der Großfürst AlexiS bleibt als Gast des Herzogs voa Edinburg noch einige Zeit hier.
Petersburg, 24. Nov. Der Reichskanzler Fürst Gortschakow, der recht gekräftigt durch seine Cur, aus dem SuSlande hierher zurückgekehrt ist, hat seit vorgestern wie der seine Functionen angetreten. Gerüchtweise verlautet hier een großen Reorganisationen, dem unser Zollwescn unterworfen werden soll, als sicher steht eine in Kürze zu erwartende Reform des Zollverhältnifses zwischen Finnland und Rußland bevor.
Belgrad, 23. Nov. Aus Montenegro wird gemeldet: „Fürst Nikolaus hat sich die Ueberzeugung Der schafft, daß die Türken die Montenegriner nur Hinhalten und die angeordnete Bestrafung der Schuldigen nicht vollziehen wollen. Die Aufregung ist groß; der Fürst hat die Cvnjuln in Skutari aufgefordert, zu interveniren. Zn Cetlinje ist ein fremder General eingetroffen.
Konstantinopel, 25. Nov. Aus Kleinasien wird gemeldet, daß daselbst ein heftiger Frost eingetreten sei; man bejürchte, daß in Folge dessen der Nothstand in den der HungerSnoth unterworfenen Bezirken vergrößert werden möchte.
Massel, 26. November. Während des Fackelständ- chenS, welches unserem Kronprinzen vorgestern Abend gebracht wurde, ließ sich derselbe die Führer des Zuges vorstcllen und trug ihnen auf, seinen herzlichen Dank den Bewohnern Kassels für den freundlichen Empfang und die Serenade auszusprechen. Im Verlauf der Unterhaltung äußerte sich Se. kaiserl. Hoheit sehr anerkennend über die Erweiterung der Stadt und die schönen Bauten an den neuen Straßen und sagte, da er nicht immer hier sein könnte, so habe er seine Söhne hierher geschickt, damit sie waö Tüchtiges lernen sollten. Nachdem er dann noch mit jedem Einzelnen sich in der herzgewinnendsten Weise unterhalten, schloß die Vorstellung. — Gestern Vormittag besuchte der Kronprinz das Gymnasium, wohnte eine Zeit lang dcm Unterricht in der Obersecunda bei, der bekanntlich Prinz Friedrich Wilhelm angehört, und ließ sich darauf in der Aula daS gesammte Lehrercollegium der Anstal, vorstellen. Mittags fand aus dem FriedrichSplatze eine festliche Wachtparade statt, zu der sich ein zahlreiches Publikum versammelt hatte. Dasselbe begrüßte den Kronprinzen, als derselbe gegen 3/4l Uhr ausfuhr, mit lauten Zurufen, die Se. kaiserl. Hoheit mit freundlichem Grüßen erwiederle. Nachmittag- machte Se. kaiserl. Hoheit eine Ausfahrt nach Wilhelmshöhe, besuchte Abends die Vorstellung des „Fliegenden Holländers" im Hoftheater und später das Balliest, welches bei General v. Bose stattsand und zu welchem dem „Tgbl." zufolge, gegen 500 Einladungen ergangen waren. Heute Mittag 1 Uhr ist Se. kaiserl. Hoheit nach Hannover abgereist. (H. M )
— Ueber die Novembersitzung des ständischen Ver «altungS-AuSschusseS, welche fünf Tage in Anspruch nahm, berichtet die „H. M.", daß außer einer größeren Anzahl Personal- und laufender Verwaltungsangelegenheiten zwei Gegenstände von erheblicher Bedeutung beralhcn wurden. Die von der Königlichen Staatsregierung begehrte Ueber- nahme der General-Brandkasse in ständische Verwaltung wurde abgelehnt, hauptsächlich um deswillen, weil die Bestimmungen drS in Aussicht stehenden RcichSverstcherungS- gesetzeS möglicherweise den Fortbestand unseres Versicherungsinstituts in seiner bisherigen Ausdehnung gänzlich in Frage stellen könnten, und weil überdies die schon neuerdings ins Leben getretene Grundbuchordnung eine Abschwächung der für alle verpsändeten Gebäude bisher bestandenen ZwangS- pflicht zur Versicherung bei der Landesbrandkasse herbei- geführt habe. Eventuell wurde dir Uebernahme an die sür den gedeihlichen Bestand der Versicherungsanstalt unerläßliche Bedingung geknüpft, daß der Versicherungszwang für alle verpfändeten oder mit Grundbuchschulden belasteten Gebäude aufrecht erhalten werde. Eine Minderheit hielt diesen Zwang nur dann für zulässig, wenn gleichzeitig eine Abstufung der Versicherungs-Prämien nach Feuergefährlichkeit der Gebäude cingeführt werde. — Die zwischen der Regierung und den Communalständen obschwebende Differenz wegen den Kosten der Unterhaltung beS der ständischen Verwaltung nicht übergebenen Landkrankenhauses zu Marburg hatte wohl in Folge der von Seiten des Hauses der Abgeordneten eingetretenen Verwendung zu commiffari- schen Verhandlungen geführt, deren Ergebniß zum Vortrag kam und mit einigen Präcisirungen Billigung fand, so daß die definitive Ausgleichung dieser Angelegenheit in naher Aussicht steht. Ein Ersuchen deS LanbeSdirectors von Waldeck um Aufnahme einer Irrsinnigen in das Landhospital Merxhausen, gegen Zahlung der Verpfle- gungskostm, konnte wegen der großen Anzahl der Bewerbungen aus dem diesseitigen Bezirk Gewährung nicht finden. Auf Grund der vom Communal Landtage er- eilten Ermächtigung wurden auch in dieser Sitzung einige »eitere Pensionserhöhungen bewilligt ErwähnenSwerth ist noch, daß eine durch Alter und Größe sich auSzeichnende Eiche, welche sich auf einem im Hute-AblüsungsverfahreN
an die Gemeinde Sand und Balhorn abgetretenen Merx- hauser Walddistricte befindet, als ständisches Eigenthum reservirt wurde, um ihre Erhaltung zu sichern.
vermischtes.
Gießen, 23. Nov. Vorgestern Abend wurden von der hiesigen Polizei zwei fremde Männer aus der Gegend von Siegen zur Haft gebracht, weil sie falsche zum Theil recht gut nachgemachte preußische (blaue) 25 Thaler-Bank noten ausgegeben, bezw. auszugeben versucht hallen. Die Noten tragen alle die gleiche Nummer 431,608 litt: C und sind datirt: Berlin 21. September 1868.
— Eine höchst aufregende Scene ereignete sich vor einigen Tagen in Paris. Ein junger Mann, Namens Philipp Goin, ritt arglos durch die Rue Blanche und bog auf den Platz gleichen Namens ein, als plötzlich, mit allen Zeichen der Wuth und von einigen Menschen verfolgt, ein Bulldog sich auf sein Pferd warf. In die Kniekehle ge- bifien, that das Pferd einen gewaltigen Sprung nach vorwärts und flog in rasendem Galopp davon. Der Hund setzte demselben nach und so erreichten beide, Pferd und Bollvog den äußeren Boulevard. Alle Welt suchte sich eilends zu retten. Der Reiter, welcher Anfangs daran gedacht hatte, sein Pferd anzuhalten, hatte sich inzwischen anders besonnen. Er kam zu dem Schluffe, daß es besser sei, dem wüthenden Hunde zu entfliehen, und drücke seinem Thiere die Sporen in die Flanken. Allein der entsetzliche Bulldog, Schaum vor dem Maule, mit glühenden Augen und gesträubten Haaren gewann immer mehr Terrain. Vor dem Theater de Batignolles that,er einen mächtigen Satz, richtete sich an dem Kreuz des Pferdes und schlug sein Gebiß in den Rockschoß des Reiters. Dabei verlor die Bestie für einen Moment das Gleichgewicht, im nächsten aber vergruben sich ihre Zähne in den Hals des Pferdes. Goin hatte sich seines Rockes entledigt und warf sich aufs Pflaster. Etwa acht hundert Schritt weiter stürzte das Pferd, der wüthende Hund ließ sein Opfer nicht los. Beide Thiere wurden von einem Sicherheit«- wachtmanne durch Säbelhiebe getödlet. So endete diese entsetzliche Zagd, in welcher ein Mensch der gejagte war. Mr. Goin blieb zwar von den Bissen des tollen Hundes verschont, wurde jedoch mit gebrochenem Schenkel nach seiner Wohnung gebracht.
Hannover» 24. November. Als heute früh gegen 8'/2 Uhr etwa 140 Frauen und Mädchen in dem Füllsaale des Artillerie-Laboratoriums an der Hagenstraße mit Patronenfertigung beschäftigt waren, erfolgte, wie der „Hann. Cour." meldet, in dem Augenblicke, in welchem ein Soldat des 3. Garde-Regiments zu Fuß mit einem Jaffe Pulver in den ArbeitSraum trat, eine gewaltige Explosion, welche das Gebäude in Trümmer legte und den von anwesenden Personen den gedachten Soldaten, sowie eine Frau Pfeiffer tödtete. Schwer verletzt wurden, soweit bislang fcstgestellt werden konnte, 8 Frauen, ein Unteroffizier und drei Soldaten. Die Zahl der leicht Verletzten ist bislang nicht sestgestellt.
— Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich am Montag bei einem Rennen deS Potsdamer Reiter-Vereins. Das Terrain auf dem Lande war hart gefroren, dazu mit Schnee bedeckt, der sich leicht an die Hufe der Pferde anhing. Beim Sprunge über einen Graben mit Hürde stürzte das Pferd des Lieutenants Grafen Stolberg. Der unglückliche Reiter wurde derartig gegen den Erdboden geschleudert, baß er sich das Genick so vollständig brach, daß der Kops an daS Rückgrat lehnte. Der Verstorbene war der Sohn des Grafen Stolberg, commandirenden Generals des 7. Armee-Corps, und Offizier des 1 Garde-Ulanen-Regiments.
Ls» MeichStaß.
Donnerstag, 26. November.
In der heutigen Sitzung, welcher die Bundesbevoll- mächtigten Justizminister Dr. Leonhard, Dr. v. Fäustle und v. Mittnacht beiwohnten, erhält zur ersten Berathung der Strasprozcßordnung das Wort der Abg. Dr. Hänel, der nach einigen einleitenden Worten den wesentlichen Inhalt der Vorlage beleuchtet und namentlich an der Beseitigung der Appellation unter den Bedingungen beS Entwurfs Anstoß nimmt. Er verlangt die Gleichheit der Vertheidi- gung mit der Staatsanwaltschaft, sowie die Oeffentlichkeit und Mündlichkeit in der Voruntersuchung. Abg. Reichen- sprrger (Olpe) wendet sich namentlich gegen den Abg. Dr. Schwartze, der das Schöffengericht als so besonders heilsam hingestellt habe, und geht näher auf die historische Bedeutung der altdeutschen Schöffen ein, die niemals nach geschriebenem Rechte, sondern kraft ihres Rechtsbewußtseins geurtheilt hätten: das Recht „schufen". Abg. Miquel spricht sich gegen den Wegfall der Berufung aus, deren Schattenseiten er übrigens nicht verkenne. Jedenfalls aber müßten Garantien geschaffen werden, welche ihren Wegfall ersetzen. DaS würde schwer fein und daS kleinere Uebel würde die Berufung bleiben. Jedenfalls fei die Frage der „Berufung" sehr sorgfältig in der Commission zu prüfen. Der Bundesbevollmächtigte badische Ministerialpiäsident v. Freydorf hebt hervor, daß daS in Baden seit 1864 bestehende Schöffen-System sich sehr gut bewährt habe, und überhaupt der größere Theil des hier in Frage stehenden Systems, wenn es auch vielleicht demselben an Folgerichtigkeit fehle, niemals und von keiner Seite das Verlangen nach Abänderung hervorgerufen habe. — Abg. v. Thils empfiehlt der Commission, die Möglichkeit der Einführung beS Laienelements auch in die Mittelgerichte ins Auge zu saffcn, sie werde sich vielleicht ohne allzugroße Belästigung
deS Volkes dadurch erreichen kaffen, daß man die Zahl der Geschworenen verringere. Abg. Dr. Zrim (Arzt.) entschuldigt sich in längerer Einleitung, daß er als Laie da« Wort nehme und geht dann auf die Schweizer Rechts- verhältniffe ein. Lasker für Oeffentlichkeit der Voruntersuchung, Reform der Strafvollstreckung und Schöffengerichte. Windthorst (Meppen) für erweiterte Befugnisse der Schöppen, Beibehaltung der Berufung und Reform des SlaatSanwaltsinstitutS. Die Commission möge auch die Modalitäten der Verhaftung und die Grenzen der Zeugenpflicht seststellen. Hierauf wird die Debatte ge- chloffen und die Straiprozeßordnung an die gestern gewählte Commission von 28 Mitgliedern verwiesen. Mor- gen erste Lesung der Civilprozeßordnung
Telegrapstische Depesche« der Ober, h-sfische« Zeitung.
Wie«, 26. Rovbr. Das Herrenhaus nahm heute das Börsengesetz an. Der Finanzminister plaidirte, entgegen dem AuSschußantrage dafür, daß nach der Vorlage der Regierung der Börsenleitung die Autonomie betreffs Bestimmung der Liquidationstermine gewahrt bleibe. Das Haus nahm darauf den diesbezüglichen Paragraphen der Regierungsvorlage an. Sodann wurde der Gesetzentwurf betr. die Handelsmakler und Sensale nach kurzer Debatte angenommen.
Wie», 26. Novbr. Der Finanzausschuß berieth in seiner heutigen Sitzung das Finanzgesetz und setzte die GesammtauSgaben pro 1875 auf 380,873.882 fl. fest, wobei der Nachtragscredit für das Cultusministerium mit 823,100 fl. nicht inbegriffen ist. Die Staatseinnahmen wurden mit 372,531,409 fl. präliminirt und soll das unbedeckte Deficit von 8,342,473 fl. durch Veräußerung von im Besitze des Finanzministers befindlichen Renten von 12 Millionen nominel Bedeckung finden.
Rom, 26. Nov. Die Deputirtenkammer erledigte heute die Wahl der noch übrigen zwei Secretäre. Die Wahl fiel aus Farini und Gravina von der Linken, welche inveß beide ablehnten, weil die bisher gewählten Sekretäre Der Rechten angehörten. Die Linke hatte unbeschriebene Stimmzettel abgegeben.
Pari-, 26. Novbr. Der russische Großfürst Thronfolger und der Großfürst Alexis haben für Sonnabend eine Einladung zum Diner im Palais des Elysse angenommen. — Carlistische Depeschen schreiben den Calisten einen Sieg bei San Marcial zu, die Carlisten hätten dabei 100 Mann Regierungstruppen gefangen genommen. — Emer Privatdepesche aus Buenos-Ayres vom 25. d. zufolge dauert die Revolution daselbst fort.
Pari-, 26. Nov. Der Mnnicipalrath hat den Entwurf für die städtische Anleihe von 220 Millionen, ein- getheilt in Obligationen zu 500 Francs und verzinslich mit 20 Francs per Obligation angenommen. Die Rückzahlung geschieht innerhalb 75 Jahren al pari mit Prämien von 900,000 Francs jährlich.
Brüssel, 27. Nov. „Nord" bezweifelt die Richtigkeit der Meldung der „Morning Post" von einem Bericht des russischen Geschäftsträgers in Madrid über die Con- solidirung der Serrano'fchen Regierung. „Nord" meint, Rußland würde eine abwartende Stellung Spanien gegenüber beibehalten, bis das spanische Volk selbst sich über die Zukunft des Landes ausgesprochen habe.
Telegraphische Tour«, und Marktberichte.!
Frankfurt a. M., 27. November. (Schluß. Course.) StaatS» bahu-Acticn 332, Elisabeth —, Galizier 252^, Lombarden 1404 Norbwestbahn —, Creditactien 243i, Silberrente —, Papier» reute , 1860t Loose 1074, Nationalbank —, Spanier__
Berlin, 27. November. (Schlußcourse). Creditactien 1404, Staatsbahn 1841, Lombarden 80j, Ameril. —.
ArsHverkarrf
einer großen Parthie Buckskins, dabei viele Reste zu bedeutend herabgesetzten Preisen, 9/< bis '0/4 breit, von Thlr. 1. 5 Sgr. den Meter an bei
Hermann Eichelberq,
5650] Wettergasse S24.
(Eingesandt.)
Herr Julin« Zeiffe dahier hat uns eine Freude bereitet, indem er uns bei dem großen Wassermangel in der unteren Stadt, „Steinweg und Keherbach" drei Zober Waffer aus seiner Wafferanstalt für Geld abgeben will, was wir umsomehr anerkennen, als daß auch hierdurch die oftmals vorgekommenen Streitigkeiten und Prügeleien zwischen dem wafferholenden sehr theuren Dienstpeisonal endlich auf- hören werden.
Sehr zu wünschen wäre aber noch, daß von Seiten der städtischen Behörde, die schon lang schwebende Frage über den Mangel an Waffer sehr bald erledigt würde. Weshalb bezahlen wir denn Communalsteuer?
Mehrere Bürger in der unteren Stadt.
Den durch die Post bezogenen Exemplaren der Oberh. Ztg. liegt heute das
Sauutugsbkutt »em 29. Reuemder
bei.