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Mr 276

Marburg, Mittwoch, den 25. November.

1874

Anzeigen nimmt entgegen: feit Expedition d. Blattes, sowie du Annoncen-Bureaux oon Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frantfutt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip» »ig, Eöln rc.; Rudolf Moffe m Berlin, Frantfutt a. M. it.

ObcrheUchc Jcilimg.

Anzeigen nimmt entgegen: die Lttuditton d. Blattes, sowie du Annoncen-Bureaux von G. 8. Daube & Co. in Srantfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frantfutt a. M ; Jnvalidendaut, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; E. Schlotte in Bremen.

Erscheint tsglich außer den Wetttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition lKoch'sche Buchdrucker ei) bezogen 234 gar., deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Für in der Spedition zu ettheilen^r , j >, Auskunft und Annahme von Adressen werden Sgr. berechnet.

durch die Postämter deS

/ür den Monat December werden von allen

Postanstalten Bestellungen auf die Ober» h-ffiich- Zeit»«g angenommmen. Im Feuille­ton derselben beginnt die höchst spannende Er­zählung :

Mettes <Leöe», von Max Alt (A. Mödinger) und Sophie Verena.

Gleichzeitig macht die Redaction darauf auf­merksam, daß sie nach stenographischen Aufzeich­nungen ihres Berliner Correspondenten die im De- rember stattfindenden und das allgemeinste Interesse erregenden öffentlichen Gerichtsverhandlungen des Prozeffes-Arnim rasch und vollständig mittheilen wird. Pie Hrp. d. HSerh. Jett.

.<> Tagesbericht.

Die Budgetcommisflon des Reichstags brräth gegen­wärtig den MilitLretat, sie hielt bis dahin drei Sitzungen, in welchen ste die ersten 19 Abschnitte der dauernden Aus- gaben ohne besondere Aenderung annahm. Hervorzuheben ist nur, daß sie dem Reichskanzler zur Erwägung stellte, eS möge in Zukunft der sächsische Militäretat nicht mehr getrennt werden, da Sachsen kein Anrecht daran habe, die Ersparnisse am MilitLretat für sich zu behalten. Die Ge­haltserhöhung des sächsischen Krieg-ministerS wurde ge. strichen und überhaupt die Aussicht geltend gemacht, daß ein besonderer sächsischer Kriegsminister unnöthig sei.

Dienstag« beginnt die erste Berathung der drei großen 3 u st i z g e s e tz e. Die Fraktionen deS Reichstags sind darin übereingrkommen, daß eine sogenannte Zwischencommission eingesetzt werde, welche die Gesetze zwischen dieser und der nächsten Session durchberathen, und dann für dir zweite und brüte Lesung des Reichstags vorbereiten soll«. Der BundeSrath hat seine Zustimmung zu diesem Beschlusie erklärt, er wird dem Reichstag rin« Vorlage machen, durch welche die Besugnisie dieser Comisston, sowie die Diäten frage geregelt werden soll.

Der sächsische EtaatSminister Abeken ist in Berlin eingetroffen, um sich an den BundeSrathsberalhungen für einige Zeit zu betheiligen. Der Kanonikus WojulschowSki aus Gnesen ist am 21. d. MtS. aus dem Gefängniß in vromberg entlaffm worben. Wie man un« mittheilt, werden in Gnesen zu seinem Empfange große Vorbereitungen ge» troffen.

In München versucht man durch Volksversammlungen -egen daS Lanvsturmgesetz Gegner zu schaffen. Die Ver- suche sind biS jetzt ziemlich kläglich ausgefallen.

DaS lebendige Skelett.

Eine neue Erzählung eines Jägers von Iwan Turgenjew.

Du Heimathland der Märtyrer y-.Du Land des russischen Volkes!"

F. Tjutschew.

Ein sianzöfischeS Sprüchwort sagt :ein trockener Uscher und ein nafler Jäger geben ein traurige- Bild." Da ich niemals eine Passion für daS Fischefangen gehabt habe, so bin ich auch nicht im Stande zu beurtheilen, »as ein Fischer bei schönem klaren Wetter zu leiden hat und andererseits, wie wett ihn bei Regenwetter di« Freude an dem reichen Fange für daS Ungemach entschädigt, kein« trockenen Faden am Leibe zu haben. Aber das weiß ich, daß für den Jäger der Regen in der Thal ein Elend ist! Solch ein elendes Wetter hatte mich und Jermolai bei einer unserer Fahrten auf Birkhühner in dem BjelewSkschen Kreise überrascht.

Vom erstm Morgengrauen an strömte der Regen. Was hatten wir nicht schon Alle- angesangen, um unS vor ihm zu schützen! Die Gummi-Regenmäntel hatten wir unS bereit- saft über die Köpfe gezogen und un- unter die Bäume gestellt, um besser den Tropfen zu ent­gehen ....

Doch die undurchdringlichen Regenmäntel ließen in wahrhaft schamloser Weise da- Waffer durch, abgesehen davon, daß ste nn- am Schießen hinderten. Unter den Bäumen aber, anfangs ja, da kam es einem wohl so dor, al» ob es nicht mehr tröpfelte bann jedoch machte sich plötzlich und auf einmal all' das Waffer frei, bas sich bi» dahin auf dem Laube angesammelt hatte; von jedem Zweige strömte eS wie au- einer Regentraufe auf un- her- Riebet, ein kalter Wasserstrahl hatte sich sogar durch da- HalStuch hindurch zu schleichen gewußt und stoß nun den Rücken entlang hinunter ....DaS ist aber schon daS

Aus SchleSwig»Holstein wirb uns mitgetheilt, baß bort bie Socialbemokraten wieber sehr stark thätig stnb, um die Agitation wiederum in Fluß zu bringen.

Die lauenburgischen Stände haben den Erb-Marschall v. Bülow al- Deputirten der Ritter- und Landschaft für die in Berlin Statt findenden Verhandlungen bezüglich Einverleibung de- HerzogthumS Lauenburg in die preußische Monarchie gewählt. Gleichzeitig wählte der Landtag einen ständischen Ausschuß zu dem Zwecke, die bei den Jncor» porationS-Verhandlungen zur Sprache zu bringenden Wünsche möglichst zur Geltung zu bringen. Der Ausschuß wird aus den Abgeordneten Freiherr v. Hollen-Tüschenbeck, Amtsrichter Sachau-Ratzeburg, Kammerrath Berling-Büchen bestehen.

Im Fürstenthum Reuß j. L. machen die Finanzen großes Kopfzerbrechen. Es ist ein Deficit von 120,000 M. zu decken. Einige Abgeordntte wollen hierfür die Kriegs­entschädigung verwenden, andere dagegen die Steuer ver­weigern um dadurch die Domainen Frage zur Lösung zu bringen.

Der Großfürst Thronfolger verläßt morgen England um zunächst nach Berlin zu gehen. Hier wird derselbe voraussichtlich einen kurzen Aufenthalt nehmen.

Deutsches «eich.

Berlin, 23. Nov. Die Erklärungen des Finanz­ministers Camphausen im Reichstag über die Stellung der Prruß. Regierung zur Föriderung der Reichsbank bezüg­lich der Umwandelung der Königl. Bank in eine deutsche Reichsbank find von den Freunden der letzteren natürlich mit großer Befriedigung ausgenommen worden, da man vielfach auf hartnäckigen Wiverstand gefaßt gewesen war und nur mit dieser Voraussetzung sich das Stillschweigen des Reichsbankgesetz-Entwurfs Über das so dringend aus­gesprochene Petitum des Handelsstandes erklärt worden war. Auch die Gegner der Reichsbank zweifeln nicht mehr, daß dem allgemeinen Verlangen und der condrtio sine qua non Befriedigung werden müsse. Jndeffen mögen sich bis jetzt wohl die wenigsten Gönner des Centtalbankinsti­tutes die Mühe gegeben haben, die Schwierigkeiten sich klar zu machen, welche zur Erfüllung deS Verlangen- noch }u überwinden sein werden. Wir wollen die etwaigen politisch« Hindernisse, bie Möglichkeit deS Widerspruchs der Bundesstaaten bei Seite lasten, schon die finanziellen Opfer, welche zur Entschädigung deS Preußischen Staats vom Reich gebracht werden müssen, sind geeignet in die allgemeine Begeisterung gleich einem Douchebad eine gelinde Abkühlung zu bringen. Die Entschädigung für die Aktionäre resp. Bankantheilinhaber steht gesetzlich fest. Sie erhalten nach cvent. einjähriger Kündige- x ihre Einlagen von zusammen 20 Millionen Thalern L glich des halben Reservefonds

Ende vom Ende," wie Jermolai meinte.Rein Peter Petrowitsch," tief er endlich au-.So geht da» nicht mehr! . . . Heute können wir nicht weiter die Jagd fortsetzen. Die Hunde werden ja durch und durch naß und die Flinten müffen versagen. . . . Schönes Jäger- glück, das!"

Was wollen wir machm?" fragte ich.

Wissen Sie waS? Wollen wir nach Alexejewka. Sie kennen Alexejewka wohl gar nicht, eS ist eine kleine Meierei, die Ihrer Mutter gehört und liegt acht Werst von hier. Don tonnen wir übernachten und morgen ..."

Morgen kehren wir hierher zurück!"

Nein, nicht mehr hierher .... Ich kenne da bei Alexejewka die Striche im Walde, viele, die weit bester für die Birkhühnerjagd sind, als diese hier!"

Ich unterließ e-, meinen getreuen Jagdkameraden zu fragen, warum er mich denn nicht gleich direkt auf diese ergiebigen Striche geführt hatte. Wir gelangten denn auch noch an jenem Tage auf die Meierei meinet Mutter, von deren Existenz ich, die Wahrheit zu sagen, bisher -aller­dings nicht die geringste Ahnung gehabt hatte. Zu diesem Anwesen gehötte ein kleine-, sehr baufällige-, aber be­wohnte- und daher reinlich gehaltenes Nebengebäude. In ihm brachte ich denn eine recht ruhige Nacht zu.

Früh am Morgm de- anderen TageS war ich schon wach. Die Sonne war eben aufgegangen; nicht ein Wölk chen stand oben am Himmel; rundum strahlte Alle- in leuchtendem Doppelglanz: im Glanz der jugendlichen Sonnenstrahlen und der Tropfen des gestrigen Regens.

Währmd man mir meinen Jagdwagen anspannte, schlenderte ich in dem kleinen efema s sauber gehaltenm, jetzt aber verwildetten Obstgatten »nher, der von allm Seiten da- Gebäude mit seinem duftigen, saftstrotzenden Dickicht umgab.

von 3 Millionen Thalern also 115 pr. Cent des Nominal­betrags der Antheile. Der Staat hat Entschädigung zu fordern: 1) die Erstattung des Einschuffe« mit 1,906,800 Tblr., 2) bet zweiten Hälfte de- Reservefonds der Preuß. Bank zu 3,000,000 Thlr., 3) für die Liegenschaften der Bank: 1,775,000 Thlr., 4) Erstattung des für dm Werh der GeschäfS-Einrichtungen in bet Preuß. Bank investirien Capital- auf pp. 30 Millionen Thlrn. veranschlagt, 5) Entschädigung für den Gewinn-Antheil de- Staat- und sonstige Verpflichtungen der Bank an dm Staat.

23. Novbr. Auf den Antrag de- Abgeordneten Schauß beschloß die Bankgesetz Commission, bei der Re­gierung anzufragen, ob und in wieweit die Reichsregierung geneigt sei, auf die Errichtung einer Reichsbank einzugehen; von der Entscheidung hierüber macht die Commission die Weiterberathung des Entwurfs abhängig. Die anwesenden RegierungS-Commistäre äußerten sich über den Beschluß nicht. DieNational Zeitung" ersähtt, daß in der gestrigen Sitzung des preußischen Staat-ministerium- über die Modalitäten für die Umwandlung der Preußisch« Lank in eine Reichsbank verhandelt worden sei.

UnterDie Arnim-Affaire in Amerika" theilt bie New-Aorker Handelszeitung" über die Verhaftung de« SecretärS des Grafen Arnim daS Folgende mit: Am 4. d. MtS. ging der hiesigen astociitten Preffe folgend« Depesche aus St. Louis zu:Die hiestge Geheimpolizei hat auf eine Ordre von Berlin (!!) einen jungen Deutschen ver­haftet. Er soll ein Sekretär des Grafen von Arnim fein. Der letztere soll nur unter der Bedingung gegen Bürg­schaft seine Freiheit erhalten haben, daß jener Sekretär die ihm anvertrautm, den Archiven der Gesandtschaft in Paris entnommenen Aktenstücke zurückgebe. Al« eis Ge­heimpolizist auf erhaltme Ordre von Washington tan Secretär. festnahm und ihm mittheilte, daß er nach Deutsch­land zurückkehren und die mitgenommenen Papiere aus- liefern müsse, verlangte jener den Beweis, daß Graf von Arnim seine Rückkehr wünsche. Man befriedigte sein Be­gehr und am Freitag NachtS kam er nach New-Aork, ließ sich von dem Kaufmann, dem er die fraglichen Dokumente anvettraut hatte, dieselben zurückgeben und segelte heute nach Europa ab. Die Geheimpolizei bemüht sich, die Sache geheim zu halten, und dies ist der Grund,^weshalb der Name des SecretärS nicht ermittelt swerden konnte." Auf der deutschen Gesandtschaft in Washington wollte man von obigem Vorgänge gar nichts wissen, vielmehr erklärte Herr Baron v. Schlözer die Angaben, soweit sie die deutsche Regierung und die Gesandtschaft betreff en, für gänMch unbegründet. Laut nachfolgender, am 6. d. aus Cincin» natti eingetroffener Depesche scheint eS dennoch, daß oben gemeldeten Vorgängen etwas ThatsächlicheS zu Grunde liegt. Die Depesche lautet:Einer Depesche ausSi. LouiS,

Wie herrlich war es in der frischen Lust, unter dem klaren Himmel, in beffen Blau hoch oben sich zitternd die Lerchen hielten und von dem herab der Klang ihrer Stirn« men wie ein Regen silberner Perlen hernieder fluthetel Die Lerchen hatten gewiß auf ihren Flügeln Thautrvpfm hinaufgetragen, denn ihre Lieder schienen wie vom Thau befeuchtet. Ich nahm meine Mütze vom Kopf und athmete die würzige Lust so recht in vollen Zügen. Auf dem Ab­hänge eines nicht tiefen Hohlwege«, her sich dort unterhalb dem au- Holzstäben geflochten« Zaun entlang hinzog, «ar ein Bienenstand sichtbar; ein schmaler Fußweg schlängelte sich zu ihm hin, an dichten Wändm von hochgewachseuen Gräsern und Brennneßeln vorüber, au« denen die spitzen, langen Wedel bnnJelgtünen Hanfe- hervorragten, der, weiß Gott von wo, hierber gekommen war.

Ich lenkte diesen Fußpfad ein und ging bi« z» dm Bienenstöcken. Nicht weit von ihn« stand ein kleiner wB dünnen Brettern zusammengeschlagener Schuppen, wie sie hier im Lande zur Ueberwinterung der Bienenstöcke dienen.

Ich sah durch die halboffene Thür httiein: e« war da drinnen so dunkel, so ruhig und ttocken; eS duftete nach Krausemünze und Meliffe. In einer Ecke war ein Gerüst angebracht, und auf ihm lag, in eine Bettdecke gehüllt, irgend eine kleine Figur. Ich wollte wieder weiter gehen...

Herr, ach Herr 1 Peter Petrowitsch!" lispelte zu mir ein schwaches und heiseres Sümmchen herüber, da- fast so klang wie da- Rauschen deS harten Riedgrase» im Sumpf, wenn e» der Wind bewegt.

Ich blieb stehen.

Peter Petrowitsch! Bitte, bitte, kommen Sie zu mir herein," rief wieder die Stimme.

Jetzt mtdeckte ich, daß sie au» dem Winkel kam, wo daS Gerüst aufgeschlagen war.