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Mr. 269

Alarburg, Dienstag, den 17. November.

187»

Anzeigen nimmt entgegen: kte Ervrdition d. Blattes, sowie oie Annoncen-Bureaux von Th. Diettich & Co. in Staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; ßaafenftein & Vogler in Frankfurt a- M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc-; Rudolf Moff« in Berlin, Frankfurt a- M. rc.

(!">bfrl)fll"ifd|r Jritung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M-; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C-Schlotte in Bremen-

Sri<6eint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 @8t., durch die Postämter des deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Für in der Expedition zu ertheilende

Auskunft und Annahme von Adressen werden 2j Sgr- berechnet.

Deutsches Keich.

_l Berlin, 14. Nov. Nachgrade fängt man an, sich in den Provinzen Westphalen, Rheinland und Hessen-Nassau mit dem Entwurf der Landgemeinde- und Kreisordnung zu versöhnen. Speciell in Westphalen ist eine Abänderung der Landgemeindeordnung vom 19. März 1856 ein drin- gendeS Bedürsniß. In nächster Zeit wird in Gemäß heil deS §. 1 des Gesetzes vom 27. Juni v. I. die Be­stellung von Reichseisenbahnkommissarien erfolgen. In den preußischen Seminarien wird fortan auch Unterricht im Gartenbau ertheilt werden. In der Anklageschrift gegen den Bischof von Paderborn wird im EultuSministerium gegenwärtig gearbeitet. Zu Berathungcn über die Um- Wandlung des hiesigen Zeughauses in eine RuhmeShaUe der preußischen Armee wurde bekanntlich vor mehreren Monaten eine besondere Commission eingesetzt, in welcher der Generalmajor von Dresky, Commandeur der Garde- Artilleriebrigade, den Vorsitz führt. Wie verlautet, soll nach den Vorschläge» dieser Commission das Zeughaus in seiner neuen Einrichtung am 18. Ium 1875, dem 200. Jahrestage der Schlacht bei Fehrbellin, eröffnet werden. Ein anderer Antrag der Commijston geht dahin, in der hiesigen Garnisonskirche eine Feldmarschalls - Gruft als Ehrendcnkmal anzulegen.

__ 14. Nov. Die Arbeiten deS Reichstages gehen chren ruhigen Gang. Eine seltene Einmülhigkeit macht sich geltend. Trotz all' der Kämpfe des letzten Jahres bietet doch grade das Reichsparlameut einen Beweis der Conjolidirung der Verhältnisse und der Erklärung des Ein- heitSgefühleS. Namentlich zeigte sich diese Stimmung bei der Vorlage des Landsturmgesetzes. Keine Fraktion sprach sich im Prtncip gegen dasselbe auS; vielmehr alle erkannten die Nothwendigkeit des Gesetzes an, und auch der Gang der Verhandlungen in der Commission giebt zu der Hoff nung Berechtigung, daß dieses Gesetz die Zustimmung des Reichstages finden wird. Auch das Reichs-Bürget> 1875 wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu stürmische» Debatten Veranlassung geben, vielmehr mit geringen Ab änderuugen zur Annahme kommen. Ganz besonders aber befriedigten cie Erklärungen des elsässischen Abgeordneten Guerber. Gegenüber der Aufführung seiner College» in per letzten Session, die zum Lhcil gerade zu erklärte,', sie wollten nichts mit dem veutjchcn Reichstage zu thun haben, und jener andre, welche sich dem streitlustigen Centrum anjchlvsfen, muß die Rede Guerbers alS ein gesunder Fort schritt begrüßt werdet,. ES läßt sich nicht verkennen, daß die maßvolle und besonnene Haltung der elsässischen Kreis­tage auch aus die Abgeordneten einen hervorragenden Ein­fluß geübt Haden. Jedenfalls aber kann schon jetzt con- stalirl werden, daß ein großer Umschwung in der öffent­lichen Meinung in Clsaß-Lothringen vor sich gegangen ist.

Sine Verbrechen».

Novelle von Karl Wartenburg.

(Fortsetzung.)

Soweit wieder genesen, daß er ausgehen und frische Luft schöpfen konnte, hatte ihm der Arzt gerathen, eine Trinkkur in Gerhardt's Garten zu brauchen, und hier mußte er durch eine seltsame Fügung des Schicksals die Frau wieder treffen, an der sein Herz einst so tnntg ge hangen und noch hing, wenn ste auch, wie er glaubte, den Schwur der Treue, den sie einst geleistet, durch jene Vermählung mit dem Bankier von Hardenau und noch mehr durch ihr späteres Benehmen gebrochen hatte . . .

Aber sie war ja nicht schuldig, wie sie ihm versichert und gelobt, ste war ihm treu geblieben und hatte ihm ihre Liebe bewahrt; nur eine abscheuliche Jntrigne war mit ihnen gespielt worden. Und durfte er an diesen Ver sicherungen Valcrie's zweifeln? Hatte sie doch daS Me­daillon mit der Locke seine« Haares, welches er ihr einst, bei ihrer Trennung, geschenkt, treu bis zu der Stunde, wo er sie wicderfand, auf ihrem Herzen getragen I Und dann ihre Freude, ihre Worte, ihre Blicke I Nein, nein, es war nicht möglich, diese Frau konnte ihn nicht getäuscht, ste konnte ihn nicht betrogen haben . . . Aber mitten in diesem Gedankengang stieg wieder ein unbestimmter, un­klarer Zweisel k seiner Brust auf; eine dunkle Ahnung, die ihm zuzustüstern schien: noch steht etwas zwischen ihr und dir, noch kann sie nicht ganz dein sein, noch hängt sie mit gewissen Banden an der Vergangenheit! Es waren dies bloS unklare Gefühle ohne einen greifbaren Grund, aber eben deshalb quälten und peinigten sie ihn um so schmerzlicher .... Und plötzlich stieg die Erscheinung jenes.. Fremden, jenes Baron Roller, vor seinen Augen aus, und er frug sich, in welchen Beziehungen dieser Mann,

Man kann sich der vielen materiellen Vortheile, welche sich das Reichsland durch seinen Anschluß an Deutschland ge wonnen hat, nicht verschließen. Dies war auch der Grund­gedanke, den Herr Guerber in seiner Rede zum Ausdruck brachte, und der die Hoffnung auf eine baldige Verschmelzung von Elsaß und Lothringen mit Deutschland als begründet erscheinen läßt. Die Affaire Arnim ist in diesen Tagen wieder aus'« Neue in den Vordergrund getreten. Eine Zeitlang wurde ste nur noch von einigen pussirt, seitdem nun aber das Gericht sich veranlaßt gefunden, aufs Neue eine Verhaftung anzuordnen, ist die Arnim'jche Angelegen­heit wieder in den Vordergrund gerückt. Die nähern Um­stände werden sehr stark ausgeschmückt. Es wollen einige Blätter sogar wissen, daß Arnim in Krämpfe gefallen sei, als ihm der Polizeirath Bormann und der Crimminal- commiffar Woljchina die neuerdings vorzuiiehmende Verhaftung angezeigt hatten, der eigentliche Grund entzieht sich der Oeffentlichkeit, da er lediglich auf judicul- ler Rücksicht beruht, nicht aber wie einige Blätter behaup ten wollten, auf Veranlassung deS Reichökanzleramtcs Die WienerPresse", in der bekanntlich der Kamps contra Bismarck und pro Arnim eröffnet wurde, publicirt einen Brief Döllingers an Arnim vom 11. Mai 1874, in wel­chem Herr Döllinger de» Officiöset: den Vorwurf macht, daß sie mit wahrem Wetteifer Arnims Bries an ihn zu verdrehen suchten. Er habe von Arnims Erlaubniß, den Brief zu veröffentlichen, deshalb Gebrauch gemacht, um die Echtheit des Memorandums zu bezeugen, damit der Ver­such derNordd. Allg. Zig." und anderer Blätter dieses Meisterstück staatsmännischer Einsicht und Voraussicht zu verdächtigen uutx zu entkräften, vereitelt werde. Nach diesem Triumph für Arnim wird alsda» versucht, den Proceß als lediglich vom Reichskanzler bei den Haaren herbeigezogen hinzust'llen. Und doch steht sich daö Gericht zu so ernsten Maßregeln veranlaßt. H«r Döllinger sowohl, als der Ccrrejpondent der Preffe scheinen mithin noch die Sachlage nicht ganz richtig laxirt zu haben.

Gestern und heute Haden hier die Sitzungen des ständigen Ausschusses des Collegiums stattgefunden, und wurde die Tagesordnung für tie aus den Dienstag anbe- raumte Plenarsitzung festgestellt. Den ersten Punkt, be­treffend das Kostenwesen in AuSeinandersetzungösachen haben wir bereits erwähnt. Zum zweiten Punkt (betreff«» ^frie erweiterte Unterstützung der Drainirung verpachteter Do­mänen) wird dem Minister des Innern empfohlen, die (Kapitalien für die Domänenpächter ur Drainirung zu 5°,o statt wie bisher zu 8% herzugcben. Der 3. und 4. Punki bezieht sich aus die Koppestlftung. Der 5. (Antrag deS Henn Rittergutsbesitzers Lehmann-Nitfche, betreffend den Contractbluch der Arbeiter) soll verschoben werden, bis der Gesetzentwurf über die ländlichen Arbeiierverhällnisse vor-

deff n Wesen trotz seines eleganten, höflichen Aeußern, einen so abstoßenden Eindruck auf ihn ausgeübt, zu Va­lerie stehe . . .

Es trieb ihn, sich Gewißheit darüber zu verschaffen. Er nahm seinen Hut und ging zur Petersstraße hinab, über den Markt, nach dem Hotelzum großen Blumen­berg". ES war in der fünften Nachmittagsstunde, und eS begann bereits zu dunkeln. ES schneite und regnete, ein kalter rauher Wind strich durch die Straßen; eS war jenes spätherbstliche Wetter eingetreten, welches den Ein-! tritt des Spätherbstes in Mittel und Norddeutschland be­gleitete. Die Gaslaternen brannten schon und warfen ihren Schimmer herunter auf die Trottoirs und die Stra- ße», indcffen trotzdem konnte man wegen des Regens, Schnees und Nebels nur wenig Schritte weit vor sich Hinsehen.

Der junge Profeffor war etwas kurzsichtig, dazu hatte er den Hut tief in die Stirn gedrückt, und so kam es ohne seine Schuld, daß er dicht ot\ der Hecke der Hain straße und deS Marktes mit einem Mädchen znsammen- prallte.

Er blickte rasch empor und erkannte Louise, das Kam­mermädchen der Frau von Hardenau.

Verzeihung, mein Kind," sprach Schilden, sich ent­schuldigend,aber die Dunkelheit, der Regen und Schnee tragen an diesem Zusammenstoß mehr Schuld als ich."

O ich bitte, Herr Profeffor, entgegnete lächelnd das junge Mädchen,dieses Zusammentreffen erspart mit einen langen Weg."

Und wie so?"

Ich war eben im Begriff, einen Brief an den Herrn Professor zur Post zu tragen."

Einen Brief an mich? Und von wem?" Von der Frau Baronin."

liegt. Der 6. betrifft die Absperrung der Grenze gegen Holland bis zum Erlöschen der Lungenseuche. Der 7. (An­trag deS Herrn Gutsbesitzers Limbourg, betreffend die Pferde­zucht) soll der zu bildenden Pferdezuchtkommifston über­wiesen werden; ebenso ein Antrag des Geheimen RathS Wehrmann auf Errichtung eines HauptgestütS auf dem Westerwald, lieber den 8. Punkt (Jnfecten und Pilzbe­schädigungen) wird der Utbergang zur Tagesordnung em­pfohlen. Im Plenum soll außerdem noch eine Vorlage des Ministers wegen der Frachtsätze für ungewaschene Wolle überwiesen werden; ebenso eine Vorlage des Ministers, wonach auS dem Plenum einzelne Fachkommissionen gebil­det werden sollen, um bestimmte Angelegenheiten dauernd zu bearbeiten.

15. Nov. Die Rathskammer des Stadtgerichts hob gestern die polizeiliche Bewachung deS Grafen Arnim in feiner Wohnung auf und verfügte statt dessen Haus­arrest. Das Gutachten der Gerichtsärzte erklärte die Uebersührung des Grafen nach dem Gefäugniß oder in ein Krankenhaus für unmöglich. Gutem Vernehmen nach ist dem Grasen gestern die Anklageschrift infinuirt und der Termin für die mündliche Schlnßverhandlung auf den 7. December festgesetzt worden.

Parchim, 13. Nov. Ans Mecklenburg erhalten wir die glaubwürdige Nachricht, daß der renitente Pastor Schilde aus Parchim wegen der bekannten Lästerungen gegen Deutschland, Preußen, Bismarck und den Kaffer von der Mecklenburgischen Justizkanzlei in Bützow am 6. d. M. zu 4 Monaten Festungshaft verurtheilt worden ist. Ob die Strafe noch nicht rechtskräftig geworden ist oder der Verurtheilte noch an die höhere Instanz appellirt hat, ist nicht bekannt, genug, er ist wieder nach Parchim abgereist. Daß das Wiedererscheinen desselben womöglich nochmals auf der Kanzel, nach einemDemonstratiönchen" aussieht, darüber ist nur eine Stimme. Vielleicht muß sich auch ide dortige Garnison (es steht in Parchim ein Regiment Dragoner) wie nach der erhobenen Anklage, so jetzt nach der Vermtheilung in Vertretung des Garnisonpredigers nochmals von dem Beleidiger ihres Allerhöchsten Kriegs­herrn etwas vorpredigen lassen. Wenigstens hat her Pastor Schilde bereits einzelne Amtshandlungen wie Begräbnisse u. s. w. vorgenommen. In unserer Bevölkerung ist nut eine Stimme darüber, daß eS ein starker Affront gegen die reichstreue Gesinnung derselben ist, wenn die Regierung diesen Pastor noch ferner iyt Amte belassen sollte und ihn nicht rotecer nach seiner Heimath zurücksenden wollte.

Ehemuitz, 12. Nov. DaSChemnitzer Tageblatt" schreibt:Im Anschluß an die Notiz, welche die in hie­siger Stadt erfolgte Verhaftung eines Gcwerbs-Gehülfen betrifft, welcher Drohungen gegen den Fürsten Bismark in einer öffentlichen Wirthfchaft ansgestoßen haben soll, er-

Geben Sie, mein Kind," und et streckte die Hand darnach auS.

Louise zögerte einen Augenblick, denn ihre Frau hatte es ihr ausdrücklich anbefohlen, den Brief zur Post zu tragen. Jndeffen, der Professor hatte schon die Hand dar­nach auSgestreckt, und so gab sie ihm den Brief

Warten Sie, Louise, einen Augenblick Geduld", sprach Schilden und trat unter den Thorweg eines Hauses, in w-lchem eine GaSlaterne brannte. Heftig streifte er daS Couvert, entfaltete den Brief und las:

Mein theurer, theurer Freund!

DaS tiefste Weh, der herbste Schmerz meines Lebens drängt sich in aller feiner Bitterkeit in diesen wenigen Augenblicken, wo ich diese Zeilen schreibe, zusammen . . Sind es doch Worte des Abschiedes, die ich dem geliebten Manne zurnsen muß, dem Freunde, den ich, kaum gesunden, schon verlaffen muß ...£)! Werner, forsche nicht nach dem Grunde, der mich wieder von hier und von Dir fort- treibt, bei Deiner Liebe bitte ich Dich darum!

ES ist ein düsteres, finsteres Verhängniß, das übet mir schwebt, ein Verhängniß dem ich verfallen, unrettbar und unwiderruflich I Es giebt nur ein Mittel für mich, ihm zu entgehen: den Tod, nur eine Freistatt, in der ich Ruhe finden werde: das Grab.

Es ist entsetzlich, Werner, wenn ein Mensch, der noch in voller Blüthe und Kraft deS Lebens steht, dies fagen, muß, allein eS ist Wahrheit. Möge der Allmächtige stet« ein gleiches Schicksal von Dir fern halten. Aber, nein, nein, Du bist zu gut und zu edel, um ihm je anheim zu fallen, Du besitzest mehr Kraft als ich, und den Muth die bösen Dämonen, die in schwachen Stunden zuweilen uns nahen, zurück zu weisen; Du besitzest mehr Kraft als ich, ein schwaches, unerfahrenes Weib, welches, um einer