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Xr 267.

Marburg, Sonnabend, den 14. November.

1874

OberheWe Zeitung

n

nein.

nicht eine so abscheuliche Hinterlist, eine so wohl überlegte

sicht eines gläubigen Katholiken gestorben sei. Ob durch diese Mohrenwäsche derGermania" die Gehässigkeit der carlistischen Handlungsweise beseitigt wird, zweifeln wir.

Münster, 12. Nov. Das Appellationsgericht ver­handelte heute in zweiter Instanz in dem Prozesse gegen die westfälischen Edeldamen wegen Beleidigung des Kreis­gerichts anläßlich der Ueberreichung der bekannten Adresse an den hiesigen Bischof. Die Angeklagten waren nicht erschienen, dagegen zahlreiche Mitglieder des westfälischen Adels und viele katholische Geistliche anwesend. Der Ge­richtshof bestätigte das erstinstanzliche Erkenntniß, durch welches die Gräfin Nesfelrode Reichenstein zu 200 Lhlr. eventuell wöchentlicher Haft, die übrigen dreißig Damen zu 100 Thlr. event. 3 Wochen Haft verurtheilt waren.

Weimar, 10. Nov. Nachdem die Stadt Jena sich bei der hiesigen Regierung dahin verwendet, daß ihr bei der Justiz-Organisation statt deS in Wegfall kommenden Ober-Appellations-GerichtS das künftige Ober-LandeSgericht für die thüringischen Staaten gegeben werde, hat heute auch der Gemeinderath von Eisenach eine Petition in gleichem Sinne beschlossen. Es verliert nämlich Eisenach bei der neuen Organisation das gemeinschaftliche Appellations- Gericht und will dafür das Ober-LandeSgericht haben. Die Regierungen sind aber mehr für Jena, um ihrem obersten Gerichtshof die Verbindung mit einer Juristen Facullät zu erleichtern, und dieses Moment dürfte auch das maßgebende fein. DaS Reichskanzler-Amt hat an Coburg und Meiningen, die hauptsächlich noch Gulden- Währung haben, eine ansehnliche Menge von Ein-, Zwei-, Fünf und Zehn-Pfennig-Stücken gelangen lassen, um die noch im Verkehr befindliche süddeutsche Scheidemünze damit einwechjeln zu können, so daß mit dem neuen Jahre die Mark-Währung sofort zur Einführung kommen kann. Die Gulden- und Halb-Gulden-Stücke sind von den Re­gierungen schon seit Monaten eingezogen worden und kom­men jetzt fast gar nicht mehr vor.

Meininge«, 10. Nov. Der vertagt gewesene Land- lag hat gestern in dem interimistisch zum Sitzungslokal Her­gerichtelen Saale des Schützenhauses seine Sitzungen wieder eröffnet. Der Präsident Runkert gedachte einleitend de« Brand-Unglücks und der reichen Theilnahme, welche ein Zeichen für das EinheitS-Gefühl sei, daS im deutschen Volke Wurzeln geschlagen. Zur Tagesordnung wurde mir . über die Verweisung der Vorlagen an die Ausschüsse ver­handelt und für daS Volksschul- und Lehrer-Besoldungs Gesetz ein neuer auS sieben Mitgliedern bestehender AuS- : jchuß gewählt. Von den durch die Regierung proponirteu

in ihm erweckt, vor die Äuge« ...

Die junge Frau warf einen raschen Blick auf das Papier. Aber kaum hatte sie die Schriftzüge erkannt, als^fie zusammenzuckte und eine tiefe Blässe ihr Gesicht überzog.

Ahl" murmelte Werner finster, der diese Veränderung ihrer Züge als Zeichen des Einverständnisses ihrer schuld, ihrer Treulosigkeit deutete:ah! regt sich endlich das Gewissen?

- Die junge Frau schüttelte mit schmerzlichem Lächeln das Haupt. ________________________

Immer noch diesen Argwohn, Werner? Doch nein, " fuhr sie in heftiger Bewegung fort,ich darf Dir

und den Vorstädten verbietet und weiter anordne-, daß die noch bestehenden Scheunen bis zum 1. Juni 1876 ent­weder beseitigt werde«, oder zu anderweitem Gebrauch Pommen müssen.

Mainz, 11. Nov. Die seit zwei Tagen hier einge- troffenen Ersatz-Mannschaften der diesjährigen Aushebung n Elsaß Lothringen sind hier wieder an die Garde und Übrigen Armeecorps vertheilt und von den betreffenden Commando'S in Empfang genommen worden. Ein kleiner Theil wurde den Regimentern der hiesigen Besatzung zu- getheilt. Mit der Ausrüstung der hiesigen Besatzung mit dem neuen Mausergewehre wird demnächst der Anfang gemacht werden. Zu den großen noch immer in der Schwebe befindlichen Projecten der Stadt Erweiterung, Umführung der Eisenbahn, stehender Brücke u. s w., ist noch ein neues, das eines inneren Rhein-Hafen«, von einem Mitglied der Handelskammer hinzugefügt worden. ES soll hierzu der theilweis zu versandende jetzige linke Rhein- Arm unterhalb der Stadt (das frühere Fahrwasser) ver­wendet werden. Der stete Zurückgang unseres Hafen- und Platz Verkehrs liegt aber noch in anderen Ursachen, als denen, welche durch beffere Hafen-Einrichtungen, Stadt- Erweiterung u. s. w. auch nur theilweise beseitigt werden dürften.

SaiserSlanteru, 12. Nov. Bei der hiestgen Stadt- rathswahl gingen von 36 Kandidaten der freisinnigen Lürgerverfammlung 23 durch, darunter 15 ausgesprochen fortschrittlich. Die Wahl deS Bürgermeister« finvet Frei­tag statt; ob der seitherige der BolkSpartei angehörige Bürgermeister Hohle, der nut mit geringer Majorität in Den Stadtrath gebracht ist, wieder gewählt wird, ist fraglich.

Wien, 12. Nov. Abgeordnetenhaus. Der Handels­minister legt eine Convention mit Rußland zum Schutze der Handelsmarken vor. Der Kultusminister beantwortet eine Interpellation, indem er die bisherigen Durchführungs- Verordnungen zu den konfessionellen Gesetzen erörtert. Die Vermögens-Erhebungen zur Fixirung des Beitrage« zum ReligionSsondS seien eingeleite», jedoch wegen de« massen­haften Material« die Borerhebungen noch nicht beendigt. Die Religionsfondöbeiträge würden im Budget al« Nach­trag aufgeführt werden. Bei fortgesetzter Berathung de« Actiengesetzes wird eine Bestimmung zum Schutze der Mi­noritäten (die Wahl von Minoritäts-Mitgliedern, in den AufsichtSralh) mit 128 gegen 92 Stimmen angenommen. , Mit dem neuen Strafgesetze, da« Mininer Glaser in

unbeantwortet ließest, und sie später al« mitnicht ange­nommen" bezeichnet, zurück schicktest?"

Das ist eine Lüge, eine abjcheuliche Lüge", rief er glühend die junge Frau, indem sie empor sprang,wer Hal Dir das gesagt? Ich habe keinen, keinen einzigen Bries seit meiner Vermählung von Dir erhalten.

Wie, keinen einzigen?" rief Werner von Neuem in Zorn auflodernd aus,keinen einzigen sagst Du? Und dennoch kann ich Dir alle diese mit den Poststempeln bedeckten, nicht angenommen und zurückgesendeten Briese zeigen, denn ich dehicit sie al« Erinnerung an Deine abscheuliche Untreue; dennoch habe ich in meiner Bries lasche einen Brief, worin mir einer Deiner Freunde schreibt, in Deinem Namen, wie er sagt, Dich mit aller weiteren Correspondenz zu verschonen." '

Und mit bebender Hand hielt er der über diese leiden­schaftlichen Anklagen erstarrten Fran jenen Brief, den er kurz svor ihrer Begegnung in Gerhardt« Garten aus der Bank am Elsterufer gelesen, und der so bittere Gedanken

Schändlichkeit vermachen."

Sie schwieg, tief Äthern holend einen Augenblick und fuhr dann, während Werner erstaunt, befremdet und den Sinn ihrer Worte nicht verstehend, sie anblickte, fort:

Bei dem ewigen Gott, Werner, schwöre ich Dir, daß ich von diesem Briese hier, den Du in Deiner Hand hältst, nichts weiß, daß ich von Dir seit meiner Verheirathung keine Zeile erhalten, daß ich keinen Deiner Briefe zurück­gesendet, und daß mit von den Briefen, die Du während jener Zeit an mich geschrieben, keiner zu Händen gekommen . . . Wir beide sind die Opfer einer schändlichen, abscheu­lichen Jntrigue geworden.

Aber dann, dann Valerie," rief Werner mit zorn­blitzenden Augen vom Sopha aufspringend und den Bries in der Faust zusammenballend,bann nenne mir jenen Schurken, jenen gemeinen Jntriguanten, und wenn er noch unter den Lebenden ist"

Ein wiederholte« leise« Pochen an der Thür unter­brach ihn. Das Kammermädchen erschien auf der Schwelle, und indem sie vor dem unwillig funkelnden Blick ihrer Frau, welche ihr jede Störung untersagt, die Augen senkte, stammelte sie verlegen und erröthend:Gnädige Frau, e« ist nicht meine Schuld, wenn ich Sie störe, aber der Herr Baron wollte sich durchaus nicht abweisen lasten" und sie deutete dabei aus einen elegant gekleideten Herrn, der ihr auf dem Fuße gefolgt und zu gleicher Zeit mit ihr in« Zimmer getreten war.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Nov. Nachdem zwischen der deutschen ReichStegieruug und der niederländischen Regierung Ver­handlungen wegm einer gegenseitigen Lilerarconvention an- «knüpft worden und dieselben einen günstigen Verlauf hatten, hat nunmehr der Reichskanzler den BundeSrath ausgesor- dort: dem Abschluß eines Vertrages zwischen dem Deutschen Reiche und den Niederlanden über den gegenseitigen Schutz de« Urheberrechts an Schriftwerken, Abbildungen, musica- lifchen Composttionen, dramatischen Werken und Werken der bildenden Künste feine Zustimmung zu ertheilen. Je doch sollen von diesem Vertrage auf den Einwand der niederländischen Regierung die Uebersetzungen auSgeschlosten jein. Im Finanzministerium wird an der Vollendung der StaatShauShaltSetatS emsig gearbeitet. Die Dielen Mehr­forderungen der einzelnen Reffortminister machen die um fangreichsten Rückfragen nolhwendig, daher die Etats bis jetzt nicht zum Abschluß gelangt sind. Keinesfalls wird aber durch diese Verzögerung die Einberufung de« Land­tag« verspätet erfolgen. Man thetlt un« mit, daß eS in der Absicht liege, im kommenden Jahre schon im Monat Januar da« MititSr-KreiSersatzgeschäst abhalten zu lasten, und soll da« DepartementSersatzgeschäft mit Monat Ma» beendet sein. Die Königlichen BezirkSregierungen sind ueuerdmg« angewiesen worden, darauf zu halten daß die städtischen Rechnungen jedenfalls bi« zum 1. Mai leben Jahres gelegt und bi« zum 1. Juni dechargirt werben. DieGermania" ber die Carlisten so sehr ans Herz ge- »achjen sind, stellt eine Reihe von Aktenstücken über die Affaioe Schmidt in Aussicht. Ihr Redakteur Cremer will für die Echtheit und Glaubwürdigke t bürgen, und berichtet, daß Hauptmann Schmidt mit einem Schleier (?) winkend unb mit einem Revolver in ber Hand auf die Carlisten, die Villatuerta besetzt hatten, zugegangen sei. Da er sich zuweit vorwagte, sei er den Carlisten in die Hände gefallen, -«Hie ftemzösischsprechende junge Dame habe den rarlistischen Officiereu al« Dolmetscher gedient. Die Osficiere hätten bei der Aussage, daß er Correspondent für deutsche Blätter sei, keinen Glauben geschenkt und die Thatsache, daß er durch Rufen unb Schwenken mit einem weißen Tafchen- mche ben Feind zum Vordringen zu veranlaffen gefucht habe, al« verdächtig gegen ihn geltend gemacht. Besonders .betont der Referent betGermania", daß die Carltsten den Hauptmann Schmidt mit der größt möglichsten Rück­sicht behandelt hätten. Im Weiteren will auch noch Herr Cremet durch seine Aktenstücke Nachweisen, daß der Ge­fangene in bet bottigen Pfarrkirche eine Stunde vor dem Erschießen von der Hand de« Feldcaplan« Don Boccoo in ben Schooß bet katholischen Kirche ausgenommen sei, unb dann mit dem Muthe eine« Mannes und der Znver-

Aber wenn bie« alles wahr ist, waS Du mir da er­zählst, Valerie," unterbrach sie hier mit dem Ausdruck

tiefen Erstaunen« Werner,wie kam eS denn, daß Du keinen Vorwurf machen, Du hast Recht, Werner, mich meine Briese, die ich nach meiner Genesung Dir schrieb, für treulos zu halten, Dein offener, edler Sinn konnte

Anzeigen ntinmt entgegen: die ®ti>elitiott d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co.,in Frankfurt a. M-; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

- * - oeuijojcn " Auskunft und Annahme von Adressen werden sj Sgr. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen, bie Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip- äg, Cöln rc.; Rudolf Moss, m Berlin, Frankfurt a- M. rc.

Eine Verbrecherin.

Novelle von Karl Wartenburg.

(Fortsetzung.)

Der Kelch muß geleert werden, laß mich vollenden Werner . . . ." Sie trorfnete ihre Thränen und sprach mit mühsam errungener Fassung weiter:

In dieser Ungewißheit, bedrängt von allen Seiten, schrieb ich an Dich, Werner, und indem ich Dir Alles mittheilte, bat ich um Deinen Rath und Beistand .... Aber ich wartete vergebens auf Deine Antwort. ES ver­gingen zwei, drei und vier Wochen unb ich erhielt keine Nachricht von Dtt, nichts nichts."

Ich »ar damals krank", entgegnete Werner traurig, ein böses Nervenfieber hatte mich gerade zu jener Zeit, wo Dein Brief ankam, ergriffen. Ich lag mehrere Wochen im heftigsten Delirium und erhielt Deinen Brief erst volle zwei Monate später, so lange hatte man ihn mir vor­enthalten." _

Unb in diesen zwei Monaten hatte fich indessen mein Geschick entschieden", fuhr die Baronin fort.Bestürmt von allen Seiten, den Antrag Hardenau's anzunehmen, verlaffen, unb ohne Kunde von Dir, willigte ich endlich ein, nachdem ich Hardenau offen erklärt, baß mein Herz einem Andern gehöre unb ich wohl ben Namen seiner Gattin tragen, aber in Wahrheit nicht bieselbe fern könne. Für ben ersten Augenblick schien er etwa» betroffen, aber gleich darauf hatte er fich wieder gefaßt und erklärte mir, daß er meiner Neigung durchaus keinen Zwang anthun wolle unb daß er schon glücklich wäre, wenn ich nur ben Namen seiner Gattin führen wolle. Darauf hin willigte ich ein, zumal ba ich auch bemerkt zu haben glaubte, daß Hardenau eher aus freundschaftlichem Wohlwollen und ähnlichen Beweggründen, als aus Liede mir seine Hand

Besoldungs-Zulagen ist man nicht allseitig befriedigt, weil Dem Reichsrathe etngebracht hat, wird abermals eine« der bie eiben immer noch hinter b.nen ber Nachbarstaaten zu bösesten Ueberbleibfel ber ReacttonS- und ConcordatSzeit rückbleiben Heute publikirt ber Magistrat ein Statut, cingefargl, ba« Strafgesetz des Jahres 18o2. Durchlöchert welches den Wiederaufbau von Scheunen in der Stadt ist dasselbe allerdings schon in vielen seiner wesentlichen