Das HauS verwies einen Antrag betreffs gesetzlicher Berechtigung der Freimaurerlogen an den Ausschuß für Vereinswesen und setzte sodann die Spezialdebatte über das Actiengesetz fort.
Graz, 4. Nov. Die Vorbereitungen, welche man im Palaste de» Don Alfonso trifft, lassen keinen Zweifel darüber übrig, daß sein Aufenthalt hier ein dauernder sein wird. Ein umlaufendes Gerücht sagt, Don Carlos werde auch bald nach Graz kommen.
Ben», 7. Nov. Der Ständerath hat das Militär- Gesetz zu Ende berathen und bei der Generalabstimmung mit 30 Stimmen angenommen. Ein Mitglied enthielt sich der Stimmabgabe.
Pari-, 7. Oct. Der Minister des Innern hat an die Präfecten ein Circular gerichtet, worin er dieselben belehrt, daß die Einberufung der RevifionS-Räthe der Territorial-Armee lediglich in Anwendung des im Jahre 1872 im Geiste des Friedens votirten Gesetzes geschehen sei, um das zur Aufrechterhaltung des Friedens und der Ordnung nothwendige Reorganisationswerk zu vollenden. Der Marschall Mac Mahon rechnet, heißt eS in dem Circular, auf eine allgemeine mhige Erwägung und auf die Unterstützung aller guten Bürger. — Dem Moniteur Universel zufolge hat General Pourcet vom Kriegs-Minister die strengsten Weisungen zur Wahrung der Neutralität des französischen Gebietes erhalten. Seit einigen Tagen hält sich der General in Hendaye auf, wohin er eine Batterie des 14 Artillerie-Regiments und einige Compagnieen des 34. Linien-RegimentS gezogen. „In der Umgebung des Generals", fetzt das genannte Blatt hinzu, „steht man einer Bewegung der am 5. Nov. an den Ufern der Bidassoa auSgeschifften.Truppen zugleich mit einem Ausfälle der Garnison von Jrun entgegen, was die belagernden Carlisten nach Frankreich werfen würde. Dieser Eventualität gegenüber erklärt man stch die genommenen Maßregeln, um eine Fortsetzung dcS Kampfes auf französischem Gebiete zu verhindern. Dasselbe Blatt sagt, Herr de Villeneuve- Bargemont, der Pcäfect der See Alpen habe seine Demission eingereicht, aber auf Ansuchen des Ministers des Innern provisorisch seinen Posten beibehalten." Die Agence HavaS bemerkt heute zu den Nachrichten des Moniteurs und der „Presse" Betreffs der Botschaft Mac Mahon'S und der Vorlage neuer konstitutioneller Gesetze, der Mi- nisterrvth habe über diese Fragen noch nicht berathen. Die „Presse" hält übrigen» aufrecht, was sie über die Botschaft gebracht hat. Laut der Agence HavaS wäre eS auch falsch, daß von Aufhebung deS Belagerungszustandes die Rede sei. DaS Univers dementirt auf daS entschiedenste, daß ein neuer Briefwechsel zwischen dem heiligen Vater und dem Deutschen Kaiser Statt gefunden habe. Das Journal Officiell veröffentlicht eine Reihe von Ernennungen von Generalen für den großen Generalstab. Die Liberte theilt mit, daß die Regierung dem Unter-Präfecten von Bayonne, Baron de Bray, 10,000 FrS. zugestellt habe, damit derselbe ste unter die geflüchteten Einwohner von Jrun vertheile.
Hendaye, 7. Nov. Die Regierungstruppen scheinen in Verbindung mit der Besatzung von Jrun die Belagerer auf französisches Gebiet verfett zu wollen. General Pou- rect ist durch neue Instructionen angewiesen worden, die Verletzung französischen Gebiets zu verhindern.
Madrid, 7. Nov. Nach einem unglücklichen Treffen bei Villafranca del Cid, worin die Carlisten 140 Tobte und 260 Verwundete verloren, theilten dieselben in Arra- gonien ihre Streitkräfte. Die Regierungstruppen zerstör
Republikanern eine Mehrheit von sieben Mitgliedern im Senat statt der bisherigen 25 und der au» Unabhängigen, Demokraten und Liberal Republikanern bestehenden Opposition eine Mehrheit von 70 Stimmen an Stelle der bi»-
mit der Eisenbahn hier eingetroffen und sofort nach San Sebastian eingeschifft worden; Lajerna und der Generalstab werden heute Abend erwartet. Die ganze DiSlocation ist vorzüglich auSgesührt worden mit der Absicht, Jrun zu er- setzen und dann eine combinirte Action mit MorioneS von Tafalla aus zur Befreiung Pamplona's vor Anbruch des Winters zu unternehmen. Das Wetter ist unverhofft günstig, die Truppen sind kampflustig.
London, 7. Nov. In einer von Gladstone neu erschienenen Schrift wendet er sich an „diejenigen katholischen Landsleute, die ihn hören wollen." Die Schrift ist bestimmt, die seinem Artikel über den RitualiSmus, welcher in der Contemporary Review vom letzten October erschien, enthaltenen Ausführungen aufrecht zu halten. Gladstone sagt, er sei daS Ziel von Vorstellungen mehrerer seiner Freunde wegen seines angeblichen UebertrittS zum Katholi- ciSmuS gewesen. Doch seien diese Ausführungen mehr zur Vertheidigung, als zum Angriff bestimmt; denn eS ist die ganze Welt, welche das Recht hat, einen dreifachen Widerstand zu leisten: einmal gegen den Papst, zweitens gegen seine Helfershelfer und Parteigänger, drittens auch gegen die, welche Angesichts seiner Uebergriffe theilnahms- toS bleiben. Das Rom des Mittelalters erhob den Anspruch auf die Weltherrschaft, das Rom der Neuzeit giebt von diesem Anspruch nichts auf und zieht nichts davon zurück; im Gegentheil, denn im Mittelalter war die Opposition gegen die päpstlichen Ueberhebungen dauernd, kräftig unv zu gleicher Zeit orthodox, während jetzt diese Oppo- ition den vaticanischen Beschlüssen erlegen ist. Gladstone teilt dann vier Sätze auf: Rom hat seinen Glauben ge ändert; Rom wendet zum Kampfe alte, verrostete Werkzeuge an, die man schon für immer verschwunden glaubte; eS ist unmöglich, stch zur römischen Kirche zu bekehren, ohne Pflicht und Ehre einem fremden Souverain zur chrankeniosen Verfügung zu stellen; Rom verwirft die Er- zebniffe deS Denkens der Neuzeit und den Lehren der Ge- chichte. Ein solches Uebergreisen auf das weltliche Ge- )iet muß ein politisches Ziel haben; der deutsche Kirchenstreit ist ein bemerkenswerthec Beweis dafür. Gladstone will sich nicht zum Richter in diesem Streite aufwerfcn, hebt aber hervor, daß Preußen nicht allein darin befangen ist, sondern daß der Streit auch in anderen Ländern, namentlich in Oesterreich, im Anzuge ist. Es ist unmöglich zu leugnen, daß die vaticanischen Beschlüsse die Ursache der gegenwärtigen Gefahren sind, denn waö man früher von Frankreich sagte, kann man in Wahrheit jetzt von Deutschland sagen, nämlich daß, so lange Deutschland von inneren Streitigkeitel» bewegt ist, Europa nicht ruhig sein kann. Der Rest des Werkes betrachtet die verflossene freisinnige Politik, namentlich in Betreff Irlands, und tellt dann ein Programm für die künftige Politik des Vereinigten Königreichs auf. — Daily Telegraph meldet, daß Herr Jervoife der bisherige osficiöfe Geschäftsträger >ei der Curie, nunmehr sicher am nächsten Montag von Rom abreisen wird. Wahrscheinlich nach Lissabon, um dort eine amtliche Stellung einzunehmen. — Saturday Review bemerkt: die Gründe für die Aufrechterhaltung des Friedens sind jetzt mächtig und zahlreich; jedoch drohen
ten ihre Patronenfabrik und Telegraphenleitungen und er.«einige Gefahren, besonder» vom UltramontaniSmu», vom beuteten 25,000 Remingtonpatronen. Oberst-Lieutenant I Socialismus und von der Türkei. Europa steht aber Navarro schlug bei Amposta eine andere Carlistenabthcilung. I glücklicherweise fest gegen den UltramontaniSmu», und Letztere verlor 68 Tobte und 36 Gefangene. I Widerstehen heißt hier siegen. — Der Time» wird au»
Tautander, 6. Nov. Gestern und heute ist die I Washington telegraphirt, daß die vollständigen Wahlen den Avantgarde unter Blanko und das Corps unter Loma's' Revublikanern eine Mebrbeit von sieben Mitolievern im Befehl, 14,000 Mann stark, von Cenicero und Miliana
herigen, 105 Mitglieder starken republikrnischen Majorität geben. — In ihrem City Bericht drückt dir Time» di, Ansicht aus, e» könnten Maßregeln zur Beschränkung der GoldauSfuhr nöthig werden.
— 7. November. Die Journale melden au» Montevideo vom 5. d , daß durch einen heftigen Sturm mehrere Schiffe gestrandet sind und die Verbindung mit BuenvS- Ayres dadurch unterbrochen ist. Die Regierung hat angeordnet, alle Dampfer anzuhalten, welche den Insurgenten Waffen und Lebensmittel zuführen. Muthmaßtich hat neuerdings kein Engagement mit den Insurgenten stattgefunden.
Soustantinopel, 7. Nov. Die mit Untersuchung der von der Gesellschaft Hirsch gebauten Eisenbahnlinien in der europäischen Türkei betraute Commission hat ihren Bericht überreicht der stch dahin ausspricht, daß die Linien gut und den Bauverträgen gemäß ausgeführt sind und den Bedingungrn eines guten Betriebes entsprechen.
Wasyiugto», 7. Nov. Ein osficieller Bericht betreffs der Baumwollerndte besagt: Die geringeren Aussichten, welche im August eingetreten waren, hatten stch im Laufe des Oktober gebessert. Nach ungünstiger Berechnung der Erndte erreicht dieselbe 3 Millionen Ballen, nach günstiger übersteigt ste 31/! Millionen.
Nueuos - AyreS, 3. Nov. Die Stadt ist ruhig. Der Belagerungs-Zustand dauert fort. Die Verbindungen mit Montevideo und dem Innern sind unterbrochen. Der Jnsurgenten-General Rivas hat sich nach dem Süden zu- zückgezogen und wird von den RegiemngS-Truppen verfolgt, welche ihm eine Kanone abnahmen. Der Jnsurgen- ten-Chef Arredondor marschirt auf Mendoza, wo eine Schlacht mit dem RegierungS General Rocco bevorsteht.
Marburg, 9. Nov. Der Potsdamer straßen- Bezirksverein beschäftigte sich in seiner Sitzung, am letzten Freitag Abend mit den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich Professor 0r,^MchoU. in einer Weise, die auch hier be- achtet zu werden verdient. „Er müsse vor allen diesen warnen das Gewicht der Stadtverordneten-Bersammlung in politischen Fragen zu überschätzen. Tue Frage, ob ein Präfect an der Spitze Berlin» stehen werde, würde durch die Stadtverordneten nicht entschieden werden, fej; sei nkLLtitJL-£in u n g*. daß bei der Wahl von Stadtverordneten darauf Rücksicht genommen werden mässe, welcher politischen Partei der C an d Uat LN^eh ö^t, aber man dürfe von einem Can» didaten nicht verlangm vorher zu erklären, daß er der Bergpartei angehören wolle". Virchow hält es für da» communale Leben unausführbar, daß von der Linken bindende Beschlüsse gefaßt werden und tadelt eS stark, daß Mitglieder hierdurch gezwungen wären stch der Abstimmung u enthalten. DaS Gesetz gestatte Jedem nach seiner leberzcugung zu stimmen, aber nicht, daß er durch Enthaltung der Abstimmung eine falsche Majorität schaffen hilft. Wenn die Wahlen für die Bergpartei
dämmern, wenn er in einem jener wenigen Augenblicke, wo die Dame ihrm Spitzenschleier zurückgeschlagen, .in diese jugendlichen, feinen, blassen, milden Züge sah?
Die Fremde gehörte nicht zu jenen schönen Frauen, deren Reize blenden und sofort bezaubern; allein je länger man diese reine, weiße und schön geformte Stirn, welche von aufgelockerten Flechten eines dichten, schwarzen Haares umrahmt war, betrachtete, je länger man in diese dunklen Augen blickte, deren Farbe jenes lebhafte, von einem ge- wissen Braun nüancirte Grau war, das besonders den Frauen eigen, die, obwohl mehr den Brünetten als den Blondinen zuneigend, doch nicht entschieden zu den ersteren gehören, desto weniger konnte der Gedanke an eine Schuld, die diese junge Frau drücken mochte, in der Seele des Beobachters aufsteigen.
Und doch mußte ein dunkle» Geheimniß ste umgeben, dennoch mußte der Schatten eines düsteren Ereignisse« auf ihre Lebensbahn gefallen sein und das sonnige Lächeln der Freude von ihren Zügen verscheucht haben.
Bewies das nicht ihr Hang zur Einsamkeit, ihr ängstliches Streben, unerkannt und unbemerkt zu bleiben und vor Allem jene stchtliche nervöse Unruhe?
In den letzten Tagen des Oktobers steigerte stch das Seelenleiden der jungen Frau und am Morgen des ersten Novembertages war ste leidender und bewegter als je . .
Matt, erschöpft, aufgerieben von innerer Qual, sank sie aus die Tannmholzbank im Wäldchen und ließ ihre vom Weinen umflorten Augen über die trüb dahinfließen- ben Wellen der Elster gleiten, während ihre in dem Schooß ruhende Rechte ein goldene» Medaillon hielt, daS an einer seidenen Schnur von ihrem Hals herabhing.
Zuweilen warf sie einen schmerzlichen Blick auf dieses Zeichm der Erinnerung, bann drückte sie e» an ihre Lippm, indem sie dabei unter Thränen murmelte:
„Ol vergieb, vergieb mir." Nach diesem Ausruf sank
ste wieder in ein tiefeS, düsteres Schweigen, stch das Gesicht mit den Händen bedeckend, schluchzend und weinend.
Eine lange Weile saß sie so, des rauhen Nordwindes und der Regenwolken nicht achtend, die über den Novemberhimmel dahinzogen. ES war der erste, unfreundliche Tag, den dieser Herbst brachte, und die grauen Nebel, die über den Fluß hingen, das Rascheln deS dürren Laubes und die öde, herbstliche Stille, die rings herum herrschte, harmoirten mit der düsteren Stimmung ihres Innern.
Da flogen flatternd zwei Krähen, die in dem niedrigen Gebüsch am Ufer gesessen, auf und zogen mit schwerfälligem Flug über den Fluß nach den jenseits gelegenen Wiesen.
Bei dem Geräusch schreckte die Dame empor, und einen scheuen Blick nach dem Gestrüpp werfend, zog sie rasch ihren Shawl um die Schultern und verließ zitternd und bewegt ihren Ruhesitz.
Die junge Frau hatte kaum den Saum des Wäldchens erreicht, als von der entgegengesetzten Seite jener junge Mann, welcher mit der Unbekannten die Vorliebe für diesen Platz theiltc, unter den Bäumen hervortrat und langsamen Schrittes, die linke Hand in dem aufgeknöpften Ueberrock, auf die Bank zuging. Er war von hoher, schlanker Gestalt, wenn ihn auch eine vorgebeugte sinnende Haltung für den Augenblick etwas kleiner erscheinen ließ. Seine Kleidung war einfach und wohlkleidend, ohne jedoch eine besondere Eleganz zu zeigen.
Die Farbe feines Gesichtes war blaß und matt, wie man ste oft bei Männern findet, welche ihr Beruf an den Studirtisch fesselt; die Lippen dagegen, über welche stch ein blonder Bart hinzog, waren frisch und roth, und das tiefblau gefärbte Auge lebhaft und klar. Bei der Bank blieb er tiefausathmend stehen. Im Begriff sich zu fetzen, fiel sein Blick auf einen blitzenden Gegenstand, der in der Nähe des Gfftränchs lag. Er bückte sich und ein AuSruf der höchsten Ueberrafchung glitt über feine Lippen. Es war jenes goldene Medaillon der Fremden, daS diese kurz vor
her mit so stürmischer Empfindung an ihr Herz und ihren Mund gedrückt. Bei dem schnellen Ausbruch der Dame hatte stch die seidene Schnur im Vor überstreifen an dem Dorngebüsch verwickelt, das nicht festgeschlossene Oehr hatte stch geöffnet, und das Medaillon war herabgefallen . . .
In dem Gesicht des Mannes wechselten, «ährend er da» Medaillon betrachtete, in blitzschneller Aufeinanderfolge glühende Röthe und tiefe Blässe, Freude, Schmerz und Erstaunen mit einander ob.
„Was ist das?!" rief er mit bebender Stimme, „wie kommt dieses Medaillon an diesen Ort? Wer verbarg e» hier unter dem Gesträuch, ober wer warf eS hier von sich? War e» der Flußgott, der e» herauf an den Rand dieses Ufers schleuderte? Aber nein, nein," fuhr er spähend da» feuchte GraS und ben mit Sanb bestreuten Pfad betrachtend fort, „daS ist ja nicht möglich. ES muß hier verloren worden fein. Hier in bem feuchten Sand sehe ich die Spur eines kleinen Fußes, der einem Kind ober einer Frau angehören muß. Sollte ste, sollte vielleicht Valerie hier" — er stockte unb ein bittere» Lächeln zuckte um feinen Mund. „Thor, der ich bin, wie käme sie hierher, sie, die in fernen Landen, umgeben von aller Pracht und Ueppigkeit lebt und die Du vergessen mußt, da sie für Dich tobt ist unb tobt fein will.
Die Götter mögen wissen, welchem sahreuben Abenteurer ste dies Medaillon einst bei einem romantischen tete-ärtete geschenkt. Und Jener schenkte vielleicht do» Dingelchen wieder einer Dirne ober gab e» an einen Wucherer, der auf Pfänder leiht unb e» au» der Tasche verlor . . ES soll wenigstens", schloß er mit einem Kittern Lächeln, „zuweilen Vorkommen und nichts Ungewöhnliches sein, daß derartige Liebesgaben, die man einander in zärttichen Siebe«ftunben schenkt, auf die Leihhäuser wandern."
ä Er schwieg unb seine Augen hefteten sich wieder auf das Medaillon; wehmüthig fuhr et bann fort: