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1871,

Zllarkurg, Frettag, den 6. November.

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Deutsches «eich.

Ich

Arthur

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glaubte eS nicht, sie trank lachend uno einige Minuten daraus fiel sie plötzlich nieder.

Schnell zum Arzt! ries der Banquier, während Adele und Gerhard das Mädchen aufhoben. Ich glaube, sie hat ihrem Körper zu viel zugemuthet, dazu der Schreck über das Traumbild, es war mehr, als ste ertragen konnte.

Wenn jenes Traumbild nicht in anderer Beziehung zu dieser rätselhaften Erkrankung steht! erwiderte Gerhard ernst. Mein Gott, lichte Du das Dunkel, welches

Gerhard, sei vernünftig, fiel der alte Herr chm vor­wurfsvoll ins Wort, Du siehst überall Gespenster.

Er zog heftig an der Glocke, Franz wollte eintreten, Gerhard wies ihn zurück.

Nicht der! rief er erregt. Er liegt unter einer Decke mit ihm. Hinaus, schickt mir einen anderen Diener, der sofort zum Arzt eilt. Vorwärts, Bursche, seht Ihr den« nicht, daß die junge Dame vergiftet ist.

Gerhard! rief die Mutter entjetzt.

Vergiftet! wiederholte Adele erschüttert. DaS ist ein entsetzllcher Verdacht.

Herr Eduard Schindler schüttelte mißbilligend da- Haupt, dann ergriff er rasch das GlaS, in welchem noch ein kleiner Rest des Himbeersaftes sich befand.

Kaum war Franz fortgeeilt, um selbst den Arzt -u rufen, als Sir Arthur Delavalle auf der Schwelle de- Gemachs erschien.

Todtenbleich war sein Gesicht, der Glanz seiner Augen erloschen, eine namenlose Angst spiegelt« sich in seinen ver­zerrten Zügen.

Schwankend, gleich einem Trunkenen trat er ein, schev wich der Banquier zurück, ihm graute vor diesem Mann, der binnen wenigen Minuten ein Grei» geworden zu sein schien.

Schafft Milch herbei! schrie der Baronet, Milch, hört

Caplan Schneiders zu vigiliren. Als nun die Polizei gestern erfuhr, daß Herr Schneider« sogar daS Hochamt celebrire, so mußte sie selbstverständlich gegen eine solche Übertretung des Gesetzes unverzöglich und möglichst ener­gisch einschreiten. Die beiden Herren PolizeiCommistare begaben sich daher mit drei Gendarmen und zwei Polizei- Agenten nach der Kirche. Die beiden Eommiffare blieben vor der Kirche stehen und gaben ihrer vorerwähnten Mannschaft den Auftrag, hineinzugehen und nach beendigtem Hochamt den Caplan Schneider« zu verhaften. Die sehr zahlreich anwesenden Psarrgenossen merkten aber gleich, um was es sich handelte. Man rückte von allen Seiten dem Altäre näher und schloß denselben in so dichtem Halb­kreise ein, daß sich die Gendarmen und Polizisten dem zu verhaftenden Caplan nicht nähern konnten. Jetzt erst, nachdem dieß den beiden Commiffaren gemeldet wurde, kamen auch diese hinzu, und während Herr Commiffar Schneider die Menge aufforderte, sich zu entfernen, suchte sich Herr Weirauch nach dem am Hochaltar befindlichen Caplan Schneiders Bahn zu brechen. Inzwischen hatten die drei Geistlichen, nämlich außer dem Caplan Schneiders auch die beiden, welche die Messe administrirten, ihre Meß­gewänder abgelegt. In der Nähe des Altars trat dem Commiffar Weirauch der Bäckermeister Streng entgegen, vrückte ihn mit beiden Händen und mit dm Worten: Hier kommt Niemand herauf" zurück. Herr Weirauch schob aber den Herrn Streng bei Seit«, worauf Herr Commiffar Schneiver denselben wegen Widerstandleistung für verhaftet erklärte; q. Weirauch trat sodann an den Caplan Schneiders heran und verhaftete denselben.. Als nun der Verhaftete abgeführt werden sollte, entwickelte sich oben erwähnte tragische Hauptscene. Es erfolgte ein so gewaltiger Andrang der Menge, daß die marmorne Eom- munionbank, welche erst kürzlich neu beschafft war und über 1000 Thlr. gekostet hatte, niedergeschmettert und zertrüm­mert wurde. Die Polizeimannschast wurde derart bedrängt, daß man das Schlimmste befürchten mußt«. Als endlich Herr Commiffar Weirauch rücklings ins Kniegelenk ge­stoßen wurde und weitere Mißhandlungen befürchten mußte, zog er seinen Degen, welchem Beispiel dann auch di« ge- sammte Polizeimannschaft folgte. Auf die laute und wie- verholte Drohung, daß man bei weiterer WiderstandSlei- stung von der blanken Waffe Gebrauch machen werde, zog sich erst die Menge allmälig zurück, und der Verhaftete wurde durch die in und vor der Kirche befindliche, aus vielen Tausenden bestehende Menschenmenge nach dem Ju- stizarrestlokal abgeführt. Außer einigen Sleinwürfen sind , anderweit« Excesie auf diesem Wege nicht vorgekommen.

werde natürlich rechtzeitig zurück fein, fuhr Sir fort, auch hoffe ich, daß Sie mir recht häufig

später vermißt halte, drei goldene Schlangen in einander geflochten, die Augen aus Perlen gebildet, zwischen den Augen blitzende Diamanten--ganz so hatte Timm

daS Armband beschrieben.

Der Baronet drehte an den Enden seine« BarteS, fein stechender Blick war forschend auf den jungen Manu ge» richtet.

lleberrascht Sie die Schönheit diese« Schmucke« ? fragte er.

Gerhard nickte bejahend, sprechen konnte er nicht, er, fürchtete, durch die Sprache feine Aufregung zu verrathen.

Er ist sehr kunstvoll, sagte Adele.

In der Thal hübsch I fügte der Banquier hmzu.

Wo haben Sie ihn gekauft? fragte Gerhard, und der Baronet zuckte unwillkürlich zusammen, al« er in die glü­henden Augen des jungen Manne« blickte.

Ich kenne den Juwelier nicht, erwiderte er, wenn Sie vielleicht ein ähnliches für Ihre Braut wünschen, so wird es gewiß jeder geschickte Goldarbeiter anfertigen können.

DaS letzte Wort war noch nicht über seine Lippen, als die Glocke im Krankenzimmer ungestüm läutete.

Erschreckt eilte der Banquier hinan«, Gerhard und Adele folgten ihm. ~ n . ,,

Sir Arthur Delavalle trat an« Fenster, eine erdfahle Bläffe hatte sein Antlitz überzogen.

Als der alte Herr und seine Kinder in das Kranken­zimmer traten, bot sich ihnen ein überraschender Anblick.

Madame Schindler saß im Bette und zeigte mit dem Ausdruck des Entsetzens auf Anna, welche bewußtlos auf dem Teppich lag und sich in heftigen Krämpfen wand.

Mein Gott, wa« ist geschehen? schrie Gerhard.

Es kam plötzlich, erwiderte die Kranke. Aus dem Nacht- tischchen stand ein Glas, «S war halb mit Himbeersaft gefüllt. Ich wollte trinkeu, aber e« schmeckte bitter. Anna

zu hören.

Pose», 4. Nov. Der durch die Excommumcirung des Pfarrers Kubeezak bekannte Decan RzezniewSki ist heute wegen der Weigerung der Herausgabe der Kirchenbücher von WloScicjewki verhaftet und in da« Gefängniß zu

De» ÄtM>f um eine Million.

Roman von Swald August König.

(Fortsetzung.)

'erhalten würde, sah ich voran«.

Wann wollen Sie reifen? fragte Adele.

Morgen früh.

So bald fchou? Und wann kehren Sie zuruck?

Im April. , .

So wünfche ich Ihnen eine recht vergnügte Retse, sagte Gerhard, und eine bittere Ironie spiegelte sich in diesem Wunsche, mögen Sie wohlbehalten zurückkehren.

Der Baronet wars ihm einen flammenden Blick zu.

* : ->ch danke Ihnen, erwiderte er, feinen Groll bekäm pfend, ich hege die Hoffnung, daß dieser Wunsch aufrichtig gemeint ist. Erlauben Sie mir, Adele, daß ich Jhnenjnn kleine« Andmken an die Stunde de« Abschieds zurucklasse.

Er überreichte ihr ein elegante« Etui. Neugierig trat Gerhard näher und ein Schrei der Ueberrafdjung entfuhr seinen Lippen, al« Adele es öffnete.

In dem Etui lag «in Armband, «S war derselbe Schmuck, den Timm unter dem Nachlaß Hauensteins bemerkt und

Pieschen abgeführt worden.

Trier, 2. Nov. Eine unerhörte höchst beklagens- werthe Scene wurde gestern (1. November,) am Allerhei­ligentage, in der Kirche St. Laurentius hierfelbst hervor- gtrufen durch den kürzlich auSgewiefenen Caplan Schneider«. Herr Schneider«, welchem bei feiner am 22. v. M. per Transport stattgefundenen Ausweisung p«tocallarisch er­öffnet worden war, daß er, falls er wieder hier betroffen würde, neben den wetteren Folgen eine Executivhaft von 4 Wochen zu gern artigen habe, soll trotzdem schon einige Tage später in der Kirche zu St. Laurentius wieder Messe gelesen und darauf, wie schon öfter, sich heimlicher Weife der ihm drohenden Verhaftung entzogen haben. Dazu trat noch, wie der Germania aus Trier unterm 22. v. M. geschrieben wird, die öffentlich gegen das Gesetz aus­gesprochene Renitenz, daß der größte Theil der aus der Diöcese Trier externirten Geistlichen in einer Besprechung haben nadi jeder ÄinauS-

Berlin, 4. Nov. Die heutigeProv. Corr." schreibt 1 unter der Ueberfchrist:Die Friedensworte der Thronrede": Die Worte, welche unser Kaiser in der jüngsten Thronrede über die auswärtigen Beziehungen deS Deutschen Reiches gesprochen hat, sind fast überall in ihrer entschieden fried- tichen Bedeutung gewürdigt und vertrauensvoll begrüßt worden Wenn Kaiser Wilhelm die Versicherung erneuert, »atz ihm jede Versuchung fern liege, die geeinte Macht des Reiches anders, als zu dessen Vertheidigung, zu verwenden, so weiß und vertraut die Welt, daß solch eine Versicherung auS diesem Munde eine politische Thatsache von entschei­dendem Gewicht, eine wirkliche Friedensbürgschaft ist. Wenn der Kaiser ferner nicht bloS auf seine freundlichen und wohl wollenden Beziehungen zu allen fremden Regierungen, fon- dern ausdrücklich auch auf die bewährte Freundschaft nut den Herrschern mächtiger Reiche hinweist, und darauf hm das volle Vertrauen auf die Dauer des Friedens in An­spruch zu nehmen, so weiß man, daß solcher Zuversicht eben die tiefe und tatsächlich begründete Ueberzeugung von der dauernden Festigkeit jener Beziehungen und der daraus ruhen mächtigen Friedenspolitik zu Grunde liegt Die Vertrauen erweckende Wirkung der kaiserlichen Rede ist auch durch di« ernste Mahnung, welche der Kaiser an das Frie­denswort knüpfte, nicht wesentlich abgeschwächt worden; denn die Mahnung soll eben nur zur Befestigung deS Fne- p,nS bienen: Die erneute Betonung der deutschen Friedens­politik hatte hatte ja ihren Anlaß überhaupt nur tn den ungerecht-n Verdächtigungen, welche in letzter Zett mit so großer Geschäftigkeit verbreitet worden sind und deren utv gehemmte weiters Verbreitung möglicher Weife eine wirk­liche Gefahr für den Frieden hätten werden können. Ob- wohl biefelben lediglich dem Uebelwollen und der Parter- leidenfchaft entsprangen und jedes einzelne Gerücht vor den Augen einsichtiger Politiker ohne Weitere« in Nichts zer­stießen mußte, so schien eS doch darauf abgesehen, durch die Fülle und da« wirre Gewebe der Verdächtigungen all- mShlig den Glauben zu verbreiten, daß die deutsche Politik sich »ach allen Seiten hin immer mehr in dunkele Unter nrhmungen uno dadurch in Schwierigkeiten verwickele, durch welche eine verhängnißvolle Wendung in der Stellung der Mächte oorberertet werde. Alle diese Berechnungen sind Hüte und feste Worte der Thronrede vollends zu Schanden gemacht worden: den Verdächtigungen setzt Kaiser Wilhelm lein Wort entgegen, und vor dem Sonnenglaiize dieses Wortes zerrinnen die politischen Nebel und Wolken. Auch das Uebelwollen und die Patteileidenjchaft werden bie Mah­nung verstehen und beherzigen und werden sich hüten, zu

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie bte Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co.'in Frankfurt a. M.; JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

schreiben werden, Adele, Ihre lieben Briefe werden mich ««{treuen, auf eine prompte Beantwortung dürfen Ste feinen. Wenn Gerhard mich begleiten will

ZH danke, Sir, fiel der junge Mann ihm ms Wott und er schlug dabei einen so rauhen barschen Ton an, daß bet Baronet sich in hohem Grade verletzt fühlen mußte; ich habe keine Lust draußen zu suchen, waS ich hier genü- ^gton^roie Sie wollen I sagte Sir Delavalle gemeffen. E« war nur eine Frage; daß ich eine ablehnende Antwort

die Thatsache, daß die Thronrede eine weitere Vervollstäu- sich die Polizeibehörde, um der Autorität de» Staates und bigung unserer HeereSeinrichtungen ankündigt, eine richtige den Gesetzen Achtung zu verschaffen, m bte absolute Noch- und unbefangene Würdigung. ES handelt sich bei dem Wendigkeit versetzt, tn strengster Weise auf den renttenten Gesetze über ben Landsturm durchaus nicht um unerwar- .......

tete, mit politischen Erwägungen zusammenhängende Er­höhung unserer Wehrkraft, sondern, wie die Thronrede e« in chlichten Worten anbeutet, um bie Ausführung und Vervoll- tänbigung besten, was in bcr bisherigen Militärgcfetzgebung be teitö bestimmt in Aussicht genommen war uttb nach der Neber teferung unseres Heerwesens in Aussicht genommen werben mußte. Wenn trotzbem der Ankündigung dieser nothwendigen Vervollständigung der deutschenHeeresemrichtungen überall die gebührende Beachtung zu Theil wird, so kann eS wesent­lich nur in der Richtung und Ueberzeugung geschehen, daß auch darin eine Bürgschaft des europäischen Frieden« zu finden ist. Nach demselben Blatte hat sich der Reichs­kanzler Fürst Bismarck am Montag Abend nach feinen Besitzungen in Lauenburg begeben gedenkt aber am Freitag (6.) von dort zurückzukehren.

4. Nov. DieNatiotial-Zeimng" schreibt: Die Frage betreffs Einführung einer Landesvertretung in Elfaß- Lothringen werde theilweife schon in nächster Zeit der Lö­sung näher gesühtt werden. Der Kaiser beabsichtige eine Notabelnversammlung in den Reichslanden einzuberufen und deren berathende, resp. begutachtende Stimme über jede« auf elfaß lothringische Interessen bezügliche Gesetz

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. uJL; Haasenstein & Vogler in irantfurt a. 1/1., Berlin, Leip­zig, Cöln ic.; Rudolf Moss» in Berlin, Frankfurt a. M. ic. _____________ _____

IBSW*"" oeuria»en meines w Auskunft und Annahme von Adressen werden 2) Sgr. berechnet. ___

jenen » « Stellung nehmen m^te.' Je einstimmig den Beschluß gesagt haben, nach jeder Hinau«- mehr der Friedenszweck und bie friedliche Bedeutung der transporttrung wieder au! ihre Stcllen zumckzukehreuutt> Thronrede in dieser Beziehung erkannt werden, findet auch die Amtspflichten zu erfüllen. Unter diesen Umständen sah