Zeitung macht es nothwendiz, mit ein paar Worten einem schweren Zrrthum zu begegnen. So wenig ist eS richtig, daß jene Umkehr, wie die Uttramontanen sagen, Abfall, wie der strenggläubige Protestantismus es nennen muß, sich der Billigung deS Königs erfreut hat, daß die bedauernden Worte bekannt sind, mit welchen der königliche Sohn jenen Schritt seiner Mutter auf dem landwirth- schastlichen Feste zuerst dem preußischen Gesandten und dem General v. d. Tann die allgemein überraschende Mittheilung gemacht hat. Darüber ist gar kein Meinungsstreit möglich und die früher in dieser Richtung gemachten Andeutungen waren durchaus begründet. Ebenso steht eS mit der früheren Aeußerung, daß man seit Jahren mit dem Schwanken der hohen Frau zwischen den verschiedenen Formen der Orthodoxie vertraut war, aber alle Anzeichen vermuthen ließen, daß die Schaukelbewegungen kein Ende nehmen würden. Das Verdienst, zu rechter Zeit Halt geboten zu haben und die Beute in Sicherheit zu bringen, schreiben die Eingeweihten dem Bischof Haneberg zu, dem der Pfarrer von Elbingeralp vortrefflich vorgcarbeitet hatte. Der Bischof von Augsburg, in dessen Diöcese der ganze Vorgang spielte, ist nur als officielle Person auf der Bühne erschienen, an dem Bekehrungswerke selber hat er keinen Antheil gehabt. — Die innere Politik ruht augenblicklich, doch werden die Landrathsversammlungen der Kreise in den nächsten Wochen einiges Leben bringen. Der merkwürdige Eontrast zwischen den großen liberalen Mehlhriten dieser kleinen Provincial-Parlamente und der Stimmengleichheit der Parteien auf dem Landtage wird sich auch in diesem Jahre sehr deutlich zeigen.
Ttraßburg, 1 Nov. Vergangene Woche hat in der Pfarrkirche von Belfort in Ausführung des päpstlichen DecretS vom 10. und 14. Juli und des Dekrets des Prä" sidenten der französischen Republik vom 10. Oktober eine Versammlung der Geistlichkeit aus den Gemeinden stattge- funden, welche von der Diöcese Straßburg abgetrennt und zu der Diöcese Besantzvn geschlagen werden. Der General- Vicar deS ErzbiSthumS Besan^on leitete die Feier. Der aus dem Verbände des BiSthumS Straßburg ausscheidende Klerus richtete eine Adresie an den Bischof Räß, in welcher er sich von Letzterem verabschiedete. Ebenso hat der
Bischof von Nancy einen Hirtenbrief erlasien, in welchem er sich von den bisher zu feinem Sprengel gehörenden Gemeinden des Cantonö Chateau-SalinS verabschiedet. Damit dürfte die Regelung der Diöccsrn-Grenzen zwischen Deutschland und Frankreich abgeschlosicn sein.
SayferSberg, 26. Oct. Die erste elsässische Kon- trolverfammlung Hal heute hier stattgefunden und war bereit» ein stattliches Kontingent von Eljäsiern dabei, die ihrer Dienstpflicht genügt hatten. Der Bezirkskommandant von Schleustadt hielt eine kernige, zu Herzen gehende Rede an die jungen Elsässer, indem er sie ermahnte, treu dem Kaiser und brav ihrem Vaterlande zu dienen und so fortzufahren in ihrem guten Betragen wie seither. (Strßb.Z.)
Metz, 30. Oct. Mit dem heutigen Tage sind eS vier Jahre, daß unsere Truppen von der Festung Metz Besitz nahmen und die FortS besetzten. Wer damals die Umgebung der Stadt besichtigte, in welcher eine Reihe von Schlachten geliefert worden war und welche während der zweimonatlichen Belagerung alle Leiden des Krieges erfahren mußte, wäre wohl zu der Annahme berechtigt gewesen, daß Jahrzehnte vergehen würden, um der verwüsteten Gegend wieder ein normales Aussehen zu geben. Nichtsdestoweniger hat der verhältnißmäßig kurze Zeitraum von vier Jahren genügt, um mit wenigen Ausnahmen alle vom Kriege herrührenden Spuren zu verwischen. Die zusammengeschossenen Dörfer, Schlösser und Gehöfte sind schöner aus dem Schutte
erstanden und die reichlich entschädigten Besitzer sind wohlhabender als früher. Die Felder sind wieder sorgfältig angebaut; der Viehstand, der während des Krieges, namentlich auch durch die Rinderpest, gelitten hatte, hat sich vollständig erholt. An die Stelle der zu Tausenden zu Ver- theidigungszwecken gefällten Obstbäume und Alleen sind Neupflanzungen getreten. Kurz, nichts erinnert mehr an die Leiden des Krieges, der in dieser Gegend tiefere Wunden geschlagen hatte, als in irgend einem anderen Theile des Reichslandes.
AuSliUt».
Wie», 3. Nov. Im Abgeordnetenhaus beantragen Klepsch und Genosien die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der Altkatholiken. Fux begründet seinen Antrag aus Abänderung deS Gesetzes über die Delegationswahlen und verlangt die Verweisung des Antrages an einen Ausschuß von 15 Gliedern. Der Antrag wird bei namentlicher Abstimmung mit 153 gegen 57 Stimmen abgelehnt, sodann die Debatte über bas Actiengesetz begonnen.
Alom, 25. Oct. Heute wird in Rom die protestantische Kirche della Trinita eröffnet werden. Es ist dies die erste protestantische Kirche, die innerhalb der Mauern Roms gegründet wird.
Paris, 1. Nov. DaS Hauptereigniß des heutigen Tages ist die im PaS-de-Calais vor sich gehende Stich wähl. Nach den bis jetzt eingcgangenen telegraphischen Meldungen zu urtheilen, dürste der bonapartiflische Candidat das Feld behaupten. Es sind bis jetzt circa 60,000 Stimmen auf Herrn Delisie-Engrand gefallen, und, was das wichtigste ist, die Legitimisten haben sich noch zu guterletzt besonnen und votiren in Menge für den genannten Bewerber. ES scheint daraus hervorzugehen, baß die klerikalen Neigungen der Royalisten doch nicht mächtig gnug find, um den Rathjchlägen des „Univers" unbedingten Gehorsam zu sichern, sondern daß man, zufrieden, im ersten Wahlgange die numerische Stärke der eigenen Partei geprüft zu haben, im entscheidenden Momente von zwei Uebeln vaS kleinere, nämlich Herrn Delisie-Engrand, wählte. Uebrigens dürfte die für den Republicaner Brasme stimmende Minorität immerhin imposant genug sein, um dem Besiegten das Gefühl der Beschämung zu ersparen. — So steril und unerquicklich die Politik dermalen ist, so beginnt sie doch nach und nach sich in Sphären einzudrängen, in denen sie sonst ein Fremdling zu sein pflegte. Ich denke dabei an die vor einigen Tagen stattgehabte JahreSfitzung deS „Institut de France" und fpeciell an die bei dreser Gelegenheit von dem Academiker Herrn de Lomenie gehaltene Rede über Mirabeau und {einen Vater am Vorabende der Revolution. Für den gewöhnlichen hausbackenen Verstand erscheint der logische Sprung von Mirabeau bis zum Septennat ziemlich gewagt und abenteuerlich, und ebenso müjstg scheint die Erörterung der Doctor- frage, ob Mirabeau, wenn er jetzt lebte und Deputirter wäre, sich in die Mitgliederliste dcS rechten oder des linken CentrumS eintragen lassen würde; wenn man aber dem ehrenwerthen Herrn de Lomenie Glauben schenken darf, so würde der berühmte Apostel der Revolution heutzutage den Volksvertretern den Rath erteilen, „der temporären Exe- cutivgewalt, die sie gegründet haben, alle die nothwendige Kraft zu verleihen, um in einem so tief erschütterten Lande die Achtung vor dem Gesetz wiederherzustellen, die Gemüthec zu beruhigen, daS, was alle Regierungen „soziale DiScipliu" nennen, neu zu beleben, die Nation zur Ausübung ihrer Souverainetät vermittelst ihrer Mandate anzuleiten und namentlich sie gegen alle die Gefahren zu wasinen, von denen ihre Unabhängigkeit und Integrität noch jetzt bedroht
ist." Einige der „Unsterblichen" waren allerdings nicht wenig ungehalten, baß auf diese Weise die leidige Politik in die geweihten Hallen der Institut» eingeschmuggelt wurde, :amen aber mit ihren Reklamationen post festem. Von den meisten wurde der oben eitirte SchlußpassuS, in dem man einen Appell an die Centren erblickt, mit Beifall auf» enommen, und damit war die Sache erledigt.
Loudo», 3. Nov. „Reuter» Bureau" berichtet die »ezügliche gestrige Mittheilnng dahin, daß der deutschen Ge- jandtschaft in Washington über die angebliche Abreise de» ehernaligen SecretärS Arnim'» keinerlei Mittheilung zugegangen und die Nachricht deshalb al» unbegründet auzu- ehen sei.
Petersburg, 1. Nov. Das „Journal de St. Pe- tersbourg" veröffentlicht in einer vier Bogen starken Beilage die neunzehn Protokolle der Brüffeler Conferenz und widmet denselben in dem heutigen Hauptblatt einen besonderen Artikel, in welchem c» heißt: „Die Lektüre der Protokolle wird beweisen, wie wenig zuverlässig der durch die vorzeitigen und bruchstückweisen Mittheilungeu der französischen Presse hervorgerufene Eindruck war. Nicht allein die zu Grunde liegenden Ansichten waren durch diese un» vollständigen Citate entstellt, sondern der Charakter der Konferenz selbst in hohem Grade alterirt, sowohl hinsichtlich ihres Zieles und ihrer Tragweite wie hinsichtlich ihrer Ergebnisse." DaS „Journal de St. PeterSbourg" weist darauf hin, daß nachdem die erste Ungewißheit geschwunden war, alle Delegirte ohne Voreingenommenheit aufrichtig und loyal in die Verhandlungen eingetreten sind. Die zu Tage getretenen Meinungsverschiedenheiten seien der beste Beweis für die dringende Nothwendigkeit (urgente nöcessitö), so wichtige Fragen einer gemeinsamen Behandlung zu unterwerfen. „Dieser Charaktec einer Enquete ist von der Konferenz streng festgehalten worden. Sie konnte keine» andern haben und indem sie sich nur auf diesem Bode» bewegte, hat sie sicherlich besser ihre Mission erfüllt, al» wenn sie hätte Entscheidungen formuliren wollen, welche augenscheinlich die vorhandenen Meinungsverschiedenheiten nut auf Kosten bei Wahrheit und bet thatsächlichen Lage der Dinge zu versöhnen versucht hätten." E« habe sich nicht darum gehandelt, Gesetze zu geben, sondern nur die Mittel festzustellen, durch welche zum Nutz und frommen der Humanität von Allen gewissen Regeln angenommen werde» sollen, weil sie im Interesse Mer liegen. Das Blatt appellirt alsdann an die öffentliche Meinung, welche sich dieser Angelegenheit zu bemächtigen habe. Die Brüsseler Konferenz habe daS Feld beackett, die Regierungen, von der öffentlichen Meinung unterstützt, werden daS Korn einsenken, die Zeit werde die Saal reifen lasieu. Der Schluß des Artikel» beschäftigt sich alsdann mit bet Stellung der russischen Regierung zu dieser AngelegenheU.
Kassel, 3. Nov. Ueber die gestern Nachmittag 2 Uhr im Kunsthanse abgehaltene Versammlung von Vertrauen»» männern der nationalliberalen Partei berichtet die „Heff. Morgenztg.", daß an derselben unter Vorsitz be» Herrn Oberbürgermeister» Nebelthau etwa 80—100 Mitglieder aus allen Theilen bei Provinz, sowie bic Herren Abgg. Lasker, Miquel, Wehtenpsennig und (im Laufe der Verhandlungen eintreffend) v. Bennigsen Theil nahmen. Zunächst nahm vaS Wort der Abg. Lasker, welcher die großen Prinzipien der Selbstverwaltung darstellte, wie sie in den im Werke befindlichen Reformen zur Geltung kommen sollen. Der Abg. Miquel führte diese Darstellung weiter au», besonders bezüglich der zu erwartenden Umgestaltung der Kreis- und Provinzialverttetungcn, und wir» nach, wie weit eine Aenderung der Gemeindeordnung dadurch
wenn wir sie erhalten haben, dann müssen wir handeln. Geduld, entwischen kann er uns nicht mehr.
Der Wirth pflichtete diesem Vorschlag bei, KlauS dagegen verlangte unverzügliches Handeln und es fiel den Beiden schwer, ihn zu beruhigen und seiner Ungeduld die Zügel der Klugheit und Vorsicht anzulegen.
Detlef mußte ihm versprechen, daß er ohne Zögern handeln wolle, sobald er Gewißheit erhalten habe, erst dann erkläre er sich, wenn auch mit innerem Widerstreben, mit dem Vorschlag seines Genosien einverstanden, denn was ihn selbst betraf, so hatte er längst die Gewiß- Beit. er hielt es für überflüssig, den Engländer zu beobachten, zumal er befürchtete, daß derselbe schon am Mor- gen über alle Berge sein könne, eine Besorgniß, welche Detlef und Rachau nicht theilten.
33. Capitel.
Die «atastr-Phe.
Sie wollen schon sobald reisen? fragte Herr Eduard Schindler den Baronet, der ihm gegenüber saß, betroffen anblickend.
Sir Arthur Delavalle nickte bejahend.
Morgen früh, erwiderte er, ich habe die nöthigen Vorbereitungen schon getroffen. Adele muß mir verzeihen; so glücklich ich mich auch in ihrer Nähe fühle, kann ich mich doch mit dieser Stadt nicht befreunden, sie bietet mir nicht Abwechselung genug.
Nun, was dieses betrifft, Sir, so glaube ich, Sie können hier so viele Zerstreuungen finden, wie in Paris und London, natürlich dürfen die Ansprüche nicht zu hoch gehen.
Der Baronet zuckte geringschätzend die Achseln
ES mag sein, jagte er kühl, aber ich liebe das Geräusch der großen Städte nicht, ich bin in London desielben überdrüssig geworden.
Sie suchen Naturschönheiten.
So ist eö und ich finde sie nur in der Schweiz und in Italien.
Der Banquier blickte gedankenvoll den Rauchwölkchen seiner Cigarre nach, er mußte sich unwillkürlich seiner Unterredung mit dem Polizeiherrn erinnern.
Run denn, ich will und kann Sie nicht zurückhalten, entgegnete er, sie müssen daS ja am besten wisien und vielleicht ist es gut für unS Alle, wenn Sie die Reife antreten.
In den Augen des Baronets blitzte eS auf, es war ein kurzer Blitz, dm der alte Herr nicht bemerkte.
Wie meinen Sie daS? fragte er.
Je nun, Sie wisien ja, daß meine Frau sich noch immer nicht mit der Heirath Adele'S befreunden kann. Sie haben eS einmal mit ihr verdorben, wodurch, weiß ich selbst nicht. Jndeß, die Tugenden eines Menschen lernt man am besten kennen und würdigen, wenn er abwesend ist, da erinnert man sich stets seiner guten Seiten, und so hoffe ich, daß bis zu Ihrer Rückkehr die Abneigung geschwunden sein wird.
DaS ist auch mein Wunsch, erwiderte der Baronet, verzeihen Sie, ich vergaß, mich nach dem Befinden der Dame zu erkundigen.
Sie hat eine gute Nacht gehabt.
Also ist keine Verschlimmerung eingetreten?
Gottlob — nein! Sie scheinen noch immer einen Rückfall zu befürchten, Sir!
Er wird nicht auSbleiben, ich kenne diese tückische Krank» heit, sie ist eine Nervenkrankheit.
Der Banquier hatte sich erhoben, der lauernde Blick dcS BarvnttS, der stechend auf ihm ruhte, war ihm nie so unheimlich erschimen, wie in diesem Augenblick.
Hoffen wir das Beste, sagte er, der Arzt ist anderer Ansicht, er zweifelt nicht an der baldigm Genesung.
Er kennt die Krankheit nicht.
Nun, ich glaube —
Nein, Herr Schindler, er kennt sie nicht, fühlm Sie ihm auf den Zahn, er wird keinen Namm nennm können. Die Arzneilehre ist eine sehr lückenhafte Wissenschaft, die Herren Aerzte tappen in der Regel im Dunkeln.
Der Banquier schwieg, eS berührte ihn unangenehm, daß Sir Delavalle stets auf dieses Thema zurückkam, um seine Besorgniffe zu äußern.
Er lud durch eine Handbewegung den Baronet ein, ihm zu folgen und führte ihn in das Familien- zimmer, in welchem Adele und Gerhard plaudernd bei» sammen saßen. . --
Sir Delavalle will uns verlaffen, sagte bet alte Herr, es gefällt ihm nicht mehr bei uns.
O, das ist eine falsche Auslegung meines Vorhaben», erwiderte der Baronet lächelnd, ich fühle mich ja hier in Ihrem Hause, im Kreise Ihrer liebenswürdigen Familie, so sehr glücklich.
Adele, Sie werden mir nicht zürnen, wenn ich den Wunsch hege, das Erwachen des Frühlings in der Schweiz zu beobachten; es ist einmal meine Passton, für die Schönheit der Natur zu schwärmen und ihre Schönheiten findet man nur im Süden. Wie sehr würde e« mich freuen, wenn Sie mich begleiten könnten.
Gerhard hatte mit feinem Vater rasch einen bedeutsamen Blick gewechselt, der alte Herr zuckte die Achseln, als ob er erwidern wollte, er könne die Ausführung dieses Entschlusses nicht verhindern.
(Fortsetzung folgt)
da vv T< ist ur fei
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1) rifl bei lve du
fr« let ael Al jal
noch sorg weit der wer! daß bild der sich' Pri daß ntii mei tisä v. ! wat Hrj wer wei zirl die wer libi das Ob thr klü er
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