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1874

Marburg, Donnerstag, den 5. November.

Ur. 2SS.

Anzeige« nimmt entgegen: die En>ebitte« I. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Aaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenftein & Vogler in sränffurt a. M., Berlin, Sech­zig, Löln k. ; Rudolf Moff« in Lettin, Frankfurt a. M. rc.

Oderheisilchc Irihmg.

Anzeigen nimmt entgegen: die EÄrditto« d. Blattes, sowie btt Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfutt a. M-; Jägettsche Buchhandlung in Frankfurt a. M-; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Echüß- ler m Hannover; E. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Wetttagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Kvch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 6«r., durch die Postämter deS deutschen Reiches 25 Sgr. («xcl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Egr. Für in der Expeditwn zu ettheilende

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Deutsches «eich.

# Berlin, S. Nov. DieGermania" wird nicht! müde, die alten sehr abgenutzten taktischen Kunstgriffe immer aus« Neue anzuwenden nach der Regel, daß viele Tropfen auch den Stein auShöhlea und jedenfalls in der bewähr­testen Voraussetzung, daß ihren Lesern Biel geboten werden kann, von dem die Leser nichtultramontaner Blätter sich mit Ekel abwenden würden. Der letzte Satz der Thron rede ist eS, welchen dieGermania" sich ausgesucht hat, um wieder einmal der gläubigen Heerde anschaulich zu machen, daß wenn auch nicht Fürst BiSmarck aber doch der Kaiser sich sehntenach Canossa zu gehen." So ein Hoffnungs- anker, wenn er auch noch so zerbrechlich ist und nach jedem Versuch ihn nutzbar zu machen, seine Dienste versagt hat, nM' doch immer wieder einmal in Aussicht gestellt, um kleingläubigen Gemüthern, für welche die Germania die einzige Quelle politischen Wissens ist, einen Trost zu reichen. DaS Vertrauen, welchem der letzte Satz der Thronrede Aus­druck gibt:daß die gesammte Nation für die Rechte und dir Ehre deS Reiches jederzeit einzutreten bereit fein werde", interpretirt di« Germania in poilischer Liccnz als eine zarte Andeutung de« Vertrauens auf die Jesuiten und Römlinge die «bittersten Reich «feinde, indem sie zum tausendsten Mal die^e mit der katholischen Bevölkerung Deutschlands identi- firirt und hartnäckig ignorirt, daß die größte Zahl der Katholiken nicht vaterlandsfeindliche Fanatiker, sondern gute deutsche Staatsbürger sind, und daß eben diese Erfahrung zu dem ausgesprochenen Vertrauen berechtigt. Die kleine Zahl der vaterlandslosen Reichsfeind« kommt der großen Majorität treuer Staatsbürger gegenüber nicht in Betracht. In tief« Auffassung wird auch von der Regierung das Vertrauen vollkommen getheilt auf Grund der Thaffachen weiche die Germania nicht wegeScomotiren kann, jo gern sie die« auch ausführen möchte. Durch die Maßregeln der Regierung «erden auch nicht die treuen Unterthanen, son­der« lediglich die rebellischen gettoffm.

3. Nov. Den Morgenblättern 'zufolge will die Staatsanwaltschaft gegen dieNorddeuische Allgemeine Zeitung" und bi«Germania" wegen Veröffentlichung der Anklageschrift gegen Kullmann, gegen dieVosstsche Zei- ttmg" rvegen Veröffentlichung de« Bülow-Arnimschen Schrift­wechsel«.gerichtliche Untersuchung beantragen. DieKrz.- Zy." veröffentlicht einen ihr mitgetheilten Brief deS Grafen Arnim vom 1. November au dessen Verwandten Arnim- Criewen, worin der Graf die gegen ihn erhobene Beschul­digung, er habe auch Börsen Jobberet getrieben, als Set» länwdung zurückweist.

Pos«,, 31. Oct. Anläßlich der Haftentlaffung deS Erzbischof« von Köln wurde die Frage nahe gelegt, ob nicht auch die gegen den ehemaligen Erzbischof LedochowSki erkannte Strafe, sowohl durch die mit Beschlag belegten

GehaltSraten wie durch die bisherige Gefängnißhaft als verbüßt zu erachten und seine baldige Freilassung zu er- »arten sei. Nach den vorliegenden Verhältnissen dürfte die Frage verneinend zu beantworten sein. Die gegen den Grafen LedochowSki von dem hiesigen KreiSgericht erkann­ten Geldstrafen belaufen sich zusammen auf 31,700 Thlr. Die substituirten Gefängnißstrafen betragen 7 Jahre 5 Monate, welche jedoch nur in Höhe von 2 Jahren Ge- ängniß vollstreckt werden können. Bon dem mit Arrest belegten Gehalte sind 6055 Thlr. 13 Sgr. 6 Pf. auf Geldstrafen verwendet worden, welcher Betrag einer Frei­heitsstrafe von 4 Monaten 25 Tagen gleichkommt. Hiernach hat LedochowSki noch ein Jahr 7 Monate, vom 3. Februar d. I. an gerechnet, zu verbüßen. Nach Verbüßung dieser Strafe soll noch eine einjährige Gefängnißstrafe vollstreckt werden, welche von dem KreiSgericht zu Gnesen gegen ihn erkannt worden ist. Gegen die Theilnehmcr an dem Tumult, welcher bei Gelegenheit der Verhaftung deS Vicars Bak WloSciejewki stattfand, ist die Untersuchung wegen Aufruhrs eingeleitet. Sie haben bereits, 50 an der Zahl, die Vorladung vor den Untersuchungsrichter erhalten, die Annahme aber, wie derDzirnnik Pozn." mittheilt, ver» weigert, weil sie in deutscher Sprache abgefaßt war.

Paderborn, 31. Oct. Die demKöniglichen Ge­richtshöfe für kirchliche Angelegenheiten" einzureichende Anklageschrift, mit welcherAmtsentsetzung" des hoch«. Herrn Bischofs von Paderborn beantragt werden soll, ist in der Vorbereitung begriffen. Dem Vernehmen desWests. BolkSblatteS" zufolge ist Herr AppellationS-GcrichtSrath zur Nedden Hierselbst mit der Voruntersuchung beauftragt. § 27 des Gesetzes vom 12. Mai 1873 lautet;Aus das Ersuchen deS Gerichtshofes für katholische Angelegen- Helten hat das Gericht 'höherer Instanz, in besten Bezirk der Angeschuldigte seinen amtlichen Wohnsitz hat, einen etatSmißigen Richter mit Führung der Voruntersuchung zu beauftragen."

Göttingen, 30. October. Vorgestern wurde die Feier zum Andenken der im heiligen Kriege gefallenen Stn> deuten der hiesigen Universität im Saale der Aula festlich begangen. Nachdem unter dm Klängen eine« Trauer- marscheS der Kurator der Universität, Herr von Warnstedt, der zeitige Prorektor, Profestor Grisebach, das Offizier­korps deS 82. Regiments und die Proffefforen der ver­schiedenen Facultiten die für sie bestimmten Sitze einge­nommen hatten, bestieg der Prorektor die Rednerbühne, um die Festrede zu halten. Dann wurde die marmorene Gedenktafel enthüllt, sie trägt die Namen der für'S Vater­land gefallenen 25 Studenten. Die Betheiligung von Seiten des Publikums war eine sehr zahlreiche und legt Zeugniß ab von der wahrhaft deutschen Gesinnung Göt­tingens.

Meiningen, 2. Nov. In Börsenblättern finden ich Nachrichten über dm Wiederaufbau unseres abgebrann­ten Stadttheils, welche durchblicken lasten wollen, daß dieser Wiederaufbau einem Unternehmer in Generalentreprise über­tragen worden sei. Richtig ist allerdings soviel, daß von einer Seite her an die Herzogliche Staatsregierung dahin zielende Anerbietungen herangetreten sind; auch kann gar nicht verkannt werden der Vortheil, welchen di« Beteiligung bedeutender technischer und finanzieller Kräfte an der außer­ordentlich umfastenden und sehr dringmden Arbeit de« Wiederaufbaus von bisher 202 Hauptwohngebäuden dar­bieten würde; jede solche Beteiligung wird daher sehr erwünscht sein. Aber es ist nicht die Herzogliche StaatS- regierung, sondern es sind die einzelnen bisherigen Häuser- besttzer und sonstige einzelne Bauliebhaber, welche bauen. Lediglich mit diesen haben Bauunternehmer sich zu verständi­gen; von einem Vertragsabschluß hierüber zwischen derStaatS- regierung und einem Generalunternehmer, wovon die Zei- tungen sprechen, kann keine Rede sein. Wenn die Stabt- gemeinbe den gesammte» Brandplatz expropriirt hat, so geschah es lediglich zu dem Zweck, um eine durchgreifende Verbesserung der Straßen und Canalanlagen leichter durch­führen zu können, und unter der Zusage an die Eigen- lhümer, zunächst diesen soweit sie werden bauen können und wollen und der verfügliche Raum zureicht Bauplätze wiederum abzulasten.

Karl-ruhe, 1. Nov. Verflossene Woche war der ErzbiSthumSverweser von Freiburg abermals vor das dortige Amtsgericht vorgeladen. ES handelte sich um eine Anklage wegen Nichtzurückberufung der Neupriester. Auf Androhung gerichtlicher Vorführung erschien der Angeklagte zwar vor dem Untersuchungsrichter, beschränkte sich jedoch auf die Erklärung, daß er jede Auskunft verweigere, und legte zu­gleich entschiedene Verwahrung gegen die Zuständigkeit deS weltlichen Gerichtesin dieser rein kirchlichen Sache" ein. - DerBad. Beobachter" veröffentlicht einen Brief des einstigen badifchen Ministers v. Meysenbug (den man der ultramontanen Partei zuzählte), in welchen Mhfenbng sich für constitionelleS Wesen ausspricht. Merkwürdiger Weise gründet er seine Anschauung auf den Satz, daß der Staat sich nach dem Reich Gottes bilden müste. Auf den glei­chen Satz gründet« Stahl in Berlin bekanntlich die abso­lutistische Theorie.

Gtnttgart, 3. Nov. Der Reichstagsabgeordnete und Präsident der württembergischen Kammer v. Weber ist heute Nacht hier gestorben.

München, 1. Nov. Wir hatten geglaubt, daß der Confessionswechsel der Königin-Mutter, welcher an poli­tischer Bedeutung keine gewöhnliche Alltagsbegebenheit über­ragt, ein abgethaneS Thema sei, aber eine in unsere Blät­ter übergegangene Korrespondenz aus einer mittelrheinischen

Drr Kampf trat ein« Milli«u.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

ES war Hnr Wilkens, Chef der Firma Wilkens u. Collin», der keinen sehnlicheren Wunsch hegte, als den Ba» ronat verderben zu önnen.

Hatten sie so eben ein Rencontre? fragte Detlef.

WaS kümmert das Sie? brauste der kleine Herr auf.

Na, na, «ine höfliche Frage ist einer höflichen Antwort werth.

«ernten Sie den Herrn, der hier so ebm hineinging? n Vielleicht.

So? Na, da könnten Sie mir wohl einen Aufschluß über ihn geben, sagte Wilken«, dm Bagabundm vom Kopf bi« zu dm Füßen musternd. Wo treibt er fich immer so spät in bet Nacht umher?

Ja, wenn ich das wüßte l lachte Dettef. DaS ist ja eben was ich auch gern wissen möchte l

Sind Sie vielleicht ein geheimer Agent der Polizei?

E« ist möglich, aber wistm Sie, man sagt e« nicht gern.

Der «eine Herr nickte, er bewunderte seinen eigenen Scharfsinn, der ihn auf diese Fährte gebracht hatte.

Ich verstehe, erwidert« er. Aber sagen Sie mir doch, »a» liegt eigentlich gegen ihn vor?

Detlef lachte.

So fragt man die Leute au«, sagte er ausweichend.

Ja, so, Sie bürfen e« nicht verrathm, aber mir könnten Sie e« anvertrauen, ich würde Ihnen gern be- hülflich fein, bem englischen Baronet am Zeuge zu flicken l

Ist er Baron? warf Detlef zweifelnd ein.

Ah liegt ba der Hase im Pfeffer a Sieh' ba, also ein falscher Titell Hm, ich hätte es mir denken können, er hat ja aus mich immer den Eindruck eine« Schwindler«

gemacht. Also, et ist nicht Baronet? Dann ist er auch nicht Sir Arthur Delavalle, fonbern

Erlauben Sie, wa« ist er benn?

Ja, weiß ich c« ?

Sie werben ihn doch näher kennen.

Bewahre, er ist mit einer jungen Dame verlobt, die ich gern vor einem Schwindler schützen möchte.

Und da haben Sie ihm nachgeforscht, ihn beobachtet?

Allerdings.

Nun? Was erfuhrm Sie?

Nichts, erwiderte Wilken« erbost, gar nicht« l

Sie haben ihn doch bi« hierher verfolgt?

Ich habe ihn hier erwartet.

Zu welchem Zweck?

Um ihm die Wahrheit zu fagm.

Detlef schüttelte dm Kops, da« Gespräch brachte ihn nicht weiter, e« entsprach feinen Hoffnungen und Erwar tungen nicht.

Sie haben ihn also nie verfolgt? fragte er.

O doch, aber er verschwand mir regelmäßig.

Wo?

Hinter der Börse.

Da haben wir'«, sagte Klau«, so ist e« un«

Still, fiel Detlef ihm in'« Wort, wir dürfen nicht ausplaudern. Also er verschwand hinter der Börse ? Da« kann einmal vorsallm, mein Herr, aber

Er ist mir jedeömal begegnet Als ob ihn der Wind »eggeblafen hätte, so spurlos war er verschwunden I Und dann begegnete mir jedeömal ein Mann mit einem schwar­zen Batte, er trug einen weiten Mantel und einen niedrigen Hut mit auffallend breitem Rande.

Hallo, wir haben ihn! rief Klaus.

Still I erwiderte Detlef. Noch find wir unserer Sache nicht sicher. _____

Na, nun meine ich doch, daß wir ziemlich sicher sein können, warf Rachau ein, e« kommt jetzt nur noch auf einen Besuch bei dem Engländer an.

Sie glauben also, daß er und der Mann im Mantel eine und dieselbe Person seien? fragte Wilken« überrascht.

Wofür halten Sie den Mann im Mantel? erwiderte Detlef, der Antwort ausweichend.

Der kleine Herr zuckte die Achseln.

Sie als Polizeibeamter werden gewiß die Schenke eines gewiffen Rachau tennen, sagte er, wer diese« Hau« besucht, der hat kein reine« Gewiffen.

Der Wirth wollte entrüstet auffahren, Detlef um­klammerte seinen Arm.

Gewiß kennen wir ste, entgegnete er, also dort hinein ging der Mann mit dem schwarzen Borte ?

Ja, ich habe es mehrmals gesehen, aber sagen Sie mir doch, halten Sie ihn wirklich für den Engländer.

Nein.

Wie? Sie müflm doch Gründe haben, den Baronet zu beobachten?

Allerdings, aber es sind andere Gründe, mein Herr, Sie werden begreifen, daß wir sie nicht nennen bürfen. Gute Nacht.

Er schritt rasch von bannen, feine beiben Genossen folgten ihm, aber erst auf dem Börsenplatz machte Detlef Halt, um ihnen Rede zu stehen.

Wir haben ihn, sagte er ruhig, aber e« «ar unnithig, daß wir dem Fremden da« auf die Nase banden. Dieser Engländer ist der Mann, den wir suchen.

DaS ist sonnenklar, erwiderte Klaus.

aber was nun ? fragte Rachau.

Detlef dachte lange nach.

Wir werden sihn morgen beobachten und uns Gewiß­heit zu verschaffen suchen, brach er endlich das Schweigen;