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aus der Untersuchung hervorgegangen. Wir wolle» dabei dem Gerüchte, das von der „Krenzztg." erwähnt worden, keinen Glauben beimeficn: die streitigen Aktenstücke lägen mit einer Immediateingabe Arnims im Geheimkabinet des Kaisers. Denn eine solche Handlungsweise wäre die eines Denunzianten, der sich nicht mit der Notbwendigkeit der Nothwchr entschuldigen könnte, sondern zur AuSsührnng seines Vorhabens auch die Entwendung von dem Staate gehörigen Aktenstücken nicht scheut. Hingegen scheint, nach dem, waS aus gut unterrichteten Quellen verlautet, die Voruntersuchung klar festgestellt zu haben, daß Arnim sich allerdings registrirte Actenstücke der Gesandtschaft angeeignet hat. Im Kreise der Richter soll sich sogar eine gewisie Hilari- tät eingestellt haben, als Arnim die logische Inkonsequenz seines Verfahrens nicht einsehen wollte, mittelst dessen er zweimal reklamirte Actenstücke zurückgab und das drittemal verweigerte, währewd dieselben sämmtlich unter die gleiche Kategorie von registrirten Akten gehörten. DaS Ungesetz­liche deS Verfahrens ist dadurch vom Angeklagten selbst zugestanden.

habe existiren können, geschweige denn, daß er kund ge­worden sei; davon, daß 14 Jahre Zuchthaus doch eine sehr schwere Strafe sind, wollen wir gar nicht reden. — In

für Italien ist augenblicklich übrigens noch immer dir Finanzkalamität Garibaldi'S. Die Ursache derselben soll nach Mittheilung der „A. A. Z." Garibaldi'S zweiter Sohn Ricotti sein, der in London über eine halbe Million Schulden gemacht habe. Der Vater verkaufte seine be- rühmte Dacht, die der Herzog von-Sutherland ihm einst zum Geschenk gab; aber der Unterhändler ging mit dem Gelbe durch, und der arme alte General mußte auf sein Häus­chen und Gütchen die Summe ein zweites Mat aufzubringen suchen, um die Ehre seines Namens zu retten. Augen­scheinlich wird Garibaldi aber nicht lange in Verlegenheit bleiben, wenn auch die Regierung wirklich, um nicht eine neue Ablehnung zu erfahren, darauf verzichten sollte, dem General brizuspringen. Die Stadt Neapel hat ihm eine JahreSrente von 4000 Lire, die Stadt Minervino eine solche von 400 Lire votirt, und eS ist anzunehmen, daß sehr viele Munizipien Italiens diesem Beispiel folgen werden.

Pari-, 1. Nov. Selten haben die hiesigen Blätter einen so raschen Umschwung vollzogen wie den, der sich seit gestern in der Bmrtheilung der deutschen Thronrede kund gibt. ES wurde bereit« mitgelheilt, daß dieselbe am ersten Tage mit der offenbarsten Voreingenommenheit kritistrt wurde. Ein Theil der Zeitungen verschob dabei die Ver­öffentlichung seines Urtheils auf gestern; gestern Morgen herrschte allgemeine Stille über den Gegenstand, und (eit gestern Nachmittag sind die Stimmen, von denen man früher gewohnt war, die feindseligsten Aeußerungen zu hören, darüber einig, daß die Thronrede einen eminent sriedlichm Charakter habe. Kein Angriff mehr wird auf sie gemacht, nur hier und da werden die Aeußerungen fremder Blätter citirt, theils solche, welche, wie der Nord, sich einfach an den Text der Rede halten, theilS solche, welche, wie die BerlingSke Tidenbe, sich mißtrauisch zeigen. Wenn die französischen Blätter sich nur für einige Zeit daran gee wöhnen wollten, friedlicher gegen Deutschland auszutreten, würden sie bald merken, daß das zu viel ruhigeren und für sie selbst angenehmeren Beziehungen führt. — Der Verlauf deS Prozesses Kullmann ist dem hiesigen Publi­kum durch mehrere Berichterstatter, die in Würzburg waren, eingehend mitgelheilt worden, übrigens ohne viele Commen- tarc. Nur La Presse hat einige Bemerkungen nicht unter­drücken können, auS denen hervorgeht, wie schief die Brille geschliffen ist, durch welche sie deutsche Dinge betrachtet. Sie kann sich offenbar gar nicht vorstellen, daß e» eine ganz selbstverständliche Sache ist, wenn ein Richter dir Sirafe, welche er zu verhängen hat, selbständig nach bestem Gewissen und nach dem bestehenden Gesetze abmißl, und daher meint sie, durch da- ihrer Ansicht nach auffallend niedrige Strafmaß hätten die bairrischen Richter nur ihre Unabhängigkeit von berliner Wünschen beweisen wollen. ES mögen ihr noch Erinnerungen an den Prozeß Pierre Bonaparte und ähnliche Dinge im Kopf gespukt haben; sie stellt ihrem Lande aber doch ein eigenthümlichrS Zeug, niß au», wenn sie eS als natürlich betrachtet, daß der Richter dem Wunsche hoher Personen zu Liebe sein Unheil üb rmäßig streng ausfallen laste. Glücklicher Weise denkt bei uns kein Mensch auch nur daran, daß ein solcher Wunsch

gedeckter Noten bedürfen die Landesbanken der Ermächtigung < des Bundesraths, und ist diese Ermächtigung durch das 1 Verhältniß der Einwohnerzahl deS betreffenden Landes zur I Bevölkerung des Reiches zu begrenzen. Eine andere Re- partition wäre für Württemberg ungerecht. 3) Eine Iproc. Steuer auf die ungedeckten Banknoten würde nicht die Lanken, sondern den Crcditnehmer treffen und den Credit vertheuem. Dir Versammlung befürwortet dagegen eine progrestive Besteuerung der ungedeckten Noten von 1—5 pCt. für eine Steigerung der Circulation um je 10 Procent der von dem BundeSrathe zu normirenden Summe, welche 500 Millionen Mark betragen müßte. Durch eine derartige Zins- Echöhung würde eine maßlose Notencirculation verhindert. Würde gleichwohl die einprocentige Steuer wie der Gesetzent­wurf bestimmt angenommen, so wird 4) eine Eingabe an die würtembergische Regierung um Aufhebung der bereits be­stehenden Notenbanksteuer beschlosten. 5) Die Versammlung erblickt in den Bestimmungen des Bundesraths über die Einlösung der Banknoten eine große Gefahr für die Banken, hält auch den diesbezüglichen Beschluß deS BundeSrathS für unausführbar und wünscht deshalb Wiederherstellung des §. 19 Absatz 3 in seiner ursprünglichen Fassung, und erachtet endlich eine dreitägige Einlösungsfrist für genügend, vorausgesetzt, daß sämmtliche Banknoten in Berlin und Frankfurt einlösbar sind.

AugSburg, 30. Oct. Die „Augsb. Allg. Zig." bemerkt in einem Artikel: Zur Freilassung Arnims, eS sei die Meinung, welche sie einige Tage vorher über die staats­männische Qualität und den Charakter deS Angeklagten geäußert habe, durch die seitdem in die Oeffentlichkeit ge­langten Kundgebungen nur erhärtet worden. „Von zwei Seiten zugleich meldete der Telegraph Eröffnungen, welche besonders die letztere ins Licht stellt. Ein Freund Arnims soll an den „Newyork Herold- geschrieben haben, daß die geistige Superorität, welche Letzterer in der Kirchenfrage über Bismarck bewiesen, diesen so erbittert habe, daß er sich durch die Leidenschaft bis zu einem Akte persönliche Ver­folgung habe hinreißen lasten. Neuerdings fcheint der „Newyork Herald" ein LieblingSorgan verkannter Staats akteure zu sein, denn auch Bazaine b?viente sich angeblich destelben, und zwar wußte es Europa bereits, ehe der be­treffende Artikel in Newyork erschienen war. Ob hier ähnlich verfahren worden, vermögen wir heute nicht zu entscheiden. Allein in der Sache selbst hat der „Freund" des Grafen Arnim diesem einen sehr schlechten Dienst er­wiesen. Denn außer erbitterten Feinden giebt eS in Eu­ropa Niemanden, welcher Bismarck zutraut, daß er die Staatsgewalt zu persönlichen Racheakten mißbrauchen könne, und außerdem ist die Meinung von der geistigen Ueber- legenheit der früheren deutschen Botschafters in Rom über Bismarck ein Gespinnst, das nur im Hirn seiner Freunde besteht. Und das ist auch der schlechte Dienst, welchen letztere dem Grafen Arnim erweisen, daß sie durch solche Bemerkungen den Glauben erwecken, als sei Arnim selbst die Quelle einer so hohen Ueberzeugung seiner staats­männischen Qualität. Bismarck hat wahrlich zu viel Be­weise von Verstand und von Hochsinnigkeit gegeben, als daß er über eine solche Kundgebung mehr als mitleidig lächeln sollte." Zu allem Ueberfluß habe man gleichzeitig die Eröffnung deS jFürstcn Hohenlohe erhalten, „welche unfern Zweifel über die Vortrefflichkeit der Politik ArnimS in der Kirchensrage in schlagender Weise bekräftigt." Diese Eröffnung zeige, daß die Politik Bismarcks die allein rich­tige — und die Vorschläge ArnimS die kurzsichtigeren waren. Die „A. A. Z." fährt nun weiter fort: „Soviel von der staatsmännischen Begabung ArnimS. WaS nun feinen Charakter betrifft, so ist derselbe nicht ganz intakt

Wie», 31. Oct. DaS „Vaterland" jubelt über den Sieg, welchen das Concordat im „Rechtsstaat" Oesterreich in der FriedhofSfrage erfochten: „Da beschließen die Väter der Stadt, ihr neuer Central-Friedhof ist conjessionslos, und siehe da, unter der Hand verwandelt sich derselbe unter dem Beistand des k.k. Stadthalters in einen katholisch ge­weihten — also streng konfessionellen." DaS N. W. Tagbl. schreibt: „Der hochwürdige Cardinal Rauscher excellirt in dem Abschluß von Concordaten; er hat, was zu jener Zeit vielleicht nicht übermäßig schwer war, das berühmte Statut über die Verhältnisse des Staates zur Kirche mit den Herren Thun und Bach abgeschlossen, und nun ist eS ihm unter wesentlich schwierigeren Verhältnissen gelungen, mit den Ministern Stremayr und Lasser ein Friedhoss- Concordat zu Stande zu bringen, wie es den Interessen der Kirche entspricht. In aller Stille, ohne viel Auf­sehens von der Sache zu machen, sogar mißverstanden von den heißblütigen ultramontanen Polterern und von^ ihnen fast der Ketzerei geziehen, hat der Cardinal feine L>chritle gethan und ihr Resultat liegt nun vor. Der sogenannte Central-Friedhof der der Gemeinde Wien ist gestern Vve- mittag von dem hc chwürdigen Domdechanten Eduard Angerer feierlich eingeweiht worden. Trotz deS vorangegangenen Protestes deS Cei.ststortum«? Ja, «eil »die Statthallerei also die Regierung, erklärt hat, daß sie den einzuwethende» Theil deS Friedhofes als für die Leichen der Katholiken bestimmt anerkennl, und wenn versucht werden sollte, den­selben durch die Geistlichen einer anderen Consesston ein» zuscgnen, die Statthalterei dies mit der gewährleisteten selbständigen Reii^ionSübung der katholischen Kirche nicht vereinbar sinden und einem solchen Vorgänge mit den ge­setzlichen Mitteln entgegentreten würde.« Nicht bloß der streng confessionelle Charakter deS FriedhoieS ist gewahrt, die Regierung setzt alle ihre Macht dafür ein, daß jenes Terrain, welches der hochwürdige Domdechant Angerer für die Kirche durch die symbolische Handlung in Besitz genommen, für immer derselben erhalten bleibe. Der neue Friedhof gehört von heute an nicht mehr der Gemeinde, > jiywut »nun !»»•«, —-v- «*»"• — <o»

welche das Terrain angekauft, sondern der Kirche. — Der der Ecole de Msdecine herrscht feit einigen Tagen große MontagS-Revue" zufolge ist Baron Pottenburg zum Ge-1 Aufregung. Es waren in der Rechnungsführung des In- sandten in Stockholm ernannt worden. stitutr durch die Schuld zweier Unterbeamten Unordnungen

Rom, 29. Oktober. Der König wird Dienstag den vorgekommen. Herr de Cumont hat daraus Gelegenheit 3. November in Rom erwartet. — Der Chef des auS- nehmen wollen, den Decan der Hochschule, Würtz (Elsässer), wärtigen Amts wird im Lause der nächsten Woche wieder Schüler Liebig'S, den berühmten organischen Chemiker in der Hauptstadt eintreffen. — Die große TageSsrage Frankreichs, abzusetz-n und seinen Posten einem gut ultra-

er hinausging, ich weiß, daß die Polizei bereits auf dieses Haus ein scharfes Auge gerichtet hat, der Polizeiherr war tet nur auf einen Vorwand, die Haussuchung anzustellen. Dann aber kann Niemand vorauSsehen, welches Resultat sie haben wird, wenn man nicht aus sie vorbereitet war.

Sie werden also wieder kommen? fragte Rachau, der sich jetzt wieder der Besorgnisse seiner Genoffen erin­nerte.

Nein, ich habe keine Lust, den Burschen mit bewaffneter Hand gegenüber zu stehen, sie tragen selbst die Schuld, daß ich mich von ihnen lossage, und eS wird eine Zeit komme», in der sie es bereuen.

Er schritt rasch hinaus, ohne zu ahnen, daß, als er in die Gaffe trat, vier Augen ihn beobachteten.

Klaus und Detlef wußten, welchen Weg er nahm, sie warteten nur auf den Wirth, um ihm zu folgen.

So hatten sie eS verabredet, Rachau sollte sie begleiten und mit seiner besseren Ortskenntniß ihnen zu Hülfe kommen, wenn die chrige auf Schwierigkeiten stieß.

Diese Mittheilungen, welche der Wirth im Fluge ihnen machte, steigerten ihre Erbitterung aufs Höchste, sie zwei­felten nicht daran, daß der „Herr" den Vorsatz hegte, sie deS Antheils an dem Vermögen zu berauben, und Rachau glaubte es nun auch. Das Versprechen, welches der „Herr" gegeben hatte, daß er diesen Antheil schicken wolle, klang so unbestimmt, daß sie ihm keinen Glauben schenken konnten.

Sie folgten in angemessener Entfernung dem Herrn, und die Finsterniß, welche in allen Gaffen und Straßen herrschte, begünstigte diesegVerfolgung.

Oft blieb der Herr stehen, um sich umzublicken, so oft eS geschah, traten seine Verfolger dicht an die Häuserreihe, so daß er sie nicht entdecken konnte.

Daß wir nicht früher daran gedacht haben, brummte

Klau», der sich nicht beruhigen konnte, wenn er heute uns entwischt, ist Alles verloren.

Wenn ich das wüßte, würde ich bereuen, daß wir vor hin ihn nicht niedergeschlagen haben, erwiderte Rachau, der Betrug wäre zu groß.

Geduld, er entwischt unS nicht, sagte Detlef mit zu­versichtlicher Ruhe, wenn wir einmal wissen, wo wir ihn finden können, dann ist er unserer Rache verfallen.

Er blieb stehen.

Still, flüsterte er, ich glaube, wir wissen schon genug.

Sollte er hier wohnen? fragte der Wirth zweifelnd. Das glaube ich nicht, hier wohnen nur vornehme Leute.

Und ein vornehmer Mann ist er, das habe ich ihm längst abgesehen, sagte Klaus.

Rachau, wer wohnt in jenem Hause? fragte Detlef erregt.

Dort? Der Banquier Schindler.

Sollte er —

Bah, nicht daran zu denken, der Banquier hat einen ganz anderen Wuchs — seid Ihr toll? Der Banquier Schindler —

Ich bitte Euch, lacht nicht.

Doch, darüber muß ich lachen.

Schindler hat einen Sohn — wie?

Freilich, aber dieser Sohn hat ja fich alle Mühe ge­geben, die Gehei mniffe meines Hauses zu ergründen.

Warten wir, sagte Klaus, wenn er nicht in dem Hause wohnt, wird er schon wieder herauSkommen.

Das war der beste Rach, der unter den obwaltenden Umständen gegeben werden konnte, er fand die Zustimmung der Anderen.

Sie wanderte» auf und nieder, das Haus des Ban quiers scharf bewachend.

Nach einer halben Stunde wurde die Thür geöffnet,

der „Herr" trat auf die Straße, jah sich mehrmals um und fetzte seinen Weg wieder fort.

So gelangte er samrnt seinen Verfolger» auf den Bör­senplatz und hier erging eS den letzteren, wie eS Gerhard so oft ergangen war, der Herr verschwand spurlos.

Ein fremder Herr, den sie nicht kannten, schritt an ihnen vorbei, fie beachteten ihn nicht, in fieberhafter Auf­regung eilten fie über den Platz in die angrenzenden Straßen, sie fanden die verlorene Spur nicht wieder.

Zum Teufel, wir sind Esel, sagte Klau» endlich. Er ist ja an uns vorbeigegangen.

Der Herr mit dem blonden Bart? sagte Detlef spot­tend.

Natürlich.

Unsinn, warf Rachau ärgerlich ein, er trug ja einen Paletot und einen hohen Hut.

Aber eS war fein Wuchs —

Nicht aber fein Gang und feine Haltung.

Was thut da« zur Sache? erwiderte Klau« erregt. So gut er seinen Bart und feine Kleidung in der Geschwin­digkeit ändern kann, so gut wird er auch —

Eilen wir ihm nach, rief .Detlef. Möglich ist e« ja, zumal wir die Spur so vollständig verloren haben.

Die Richtung, welche der fremde Herr genommen hatte, al« er an ihnen vorbeischritt, war ihnen wohlbekannt, aber er konnte längst um die Ecke gebogen sein und bann hatten sie jeden Anhaltspunkt verloren.

Diese Straße hinunter, sagte Rachau, fie führt zum Bassin.

Wenige Minuten später erreichten sie die Straße, an welcher der Europäische Hof lag.

Ein Herr stand vor dem Portal des Gasthofe« und gesticulirte heftig mit den Armen.

(Fortsetzung folgt.)