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Marburg, Mittwoch, den 4. November.
»r. 2S8.
»»zeigen nimmt entgegm: kie Sflftbition d. Blattet, (»wie bie Rnnoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; ßaafenftein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip- lig, Cvln ic.; Rudolf Most« kn Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Obtrhtjsisiht Intung.
Anzeigen nimmt entgegen: bie ®^>ebition b. Blattet, sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfutt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
«Meint t «glich außer den Wetttagen nach Sonn, und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition («och'sche Buchbruckerei). bezogen 22i 6gr., durch bie Postämter des deutschen Reiches 25 6gr. (excl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für lp der Expedition zu ettheüende
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(anbei Ein Wort von mir und Ihr Alle seid verloren, während ich frei auSgehe, ich bin an Euch nicht gekettet, Ihr aber seid es an mich. Das merkt Euch und vergeßt eS nicht, Ihr würdet eS bereuen.
Sie drohen uns? fuhr Klaus auf.
Ja, ich drohe Euch, denn ich weiß, daß ich Ursache dazu habe. Ihr seid unzufrieden, Ihr mSchtet mir gerne das Messer an die Kehle setzen, mich zwingen, Eure Hab gier zu sättigen, aber Ihr habt keine Macht dazu.
Oho, rief Detlef wüthend, wenn Sie diesen Ton anschlagen, dann darf eS Sie nicht wundern —
Zurück l rief der Herr drohend.
Schießt nur, spottete Klan», wir sind kugelfest.
Der Herr griff in die Rocktasche, die Mündung eines Revolvers richtete sich auf die Vagabunden, die erschreckt zurückwichen.
Glaubt Ihr, ich kenne Eure Schliche nicht? Die Waffe, die hier liegt, war für mich längst werthlos, ich stütze mich gern auf eine Waffe, der ich vertrauen darf. Was wollt Ihr von mir? Euren Antheil an unserem Vermögen? Ihr sollt ihn haben, aber ich will nicht gezwungen werden, ihn abzuliefern. — Morgen Abend, nein übermorgen bringe ich ihn, erwartet mich hier, Ihr sollt befriedigt werden.
Wer's glaubt, brummte Klaus.
Schuft, donnerte der Herr. Hüte Deine Zunge ober eine Kugel zerschmettert Dir den Schädel. Hinaus mit Euch Beiden, übermorgen bekommt Ihr Euren Antheil, dann überlaste ich Euch Eurem Schicksal.
Scheltend und brummend gingen die Vagabunden hinaus, nur Rachau blieb, ein Wink des Herrn hatte ih« zurückgerufen.
Es ist das letzte Mal, daß ich Euer Hau» betreten habe, Rachau, fuhr er fort, ich mag mit dem Gesindel
nichts mehr zu thun haben. Ihren Antheil werde ich schicken, in persönliche Berührung möchte ich mit diesen Burschen nicht mehr kommen. Damit lege ich das Scepter über die Gesellschaft nieder, eS hat mir nur Merger keine Freude bereitet.
Wollen Sie denn das Projekt mit der Bank ganz fallen lasten? fragte der Wirth betroffen.
Ja, nachdem es verrathen wurde, darf an die Ausführung nicht mehr gedacht werden, man wird die Schlösser ändern lasten, die Wachen verstärken und den Portier so lange ins Gebet nehmen, bis er Alles verrathen hat.
Herr Gott!
Bangt Euch vor Eurer eigenen Freiheit? Wenn Ihr klug seid und sofort Vorsichtsmaßregeln trefft, kann man Euch nichts anhaben, leugnet nur hartnäckig und haltet eine Zeit lang das verdächtige Gesindel aus Eurem Hause fern, das ist der beste Rath, den ich Euch geben kann. Bei der Gemeinschaft mit diesen Burschen kommt nichts heraus, Rachau, die Leute sind unzufrieden, habsüchtig, mißtrauisch, sie möchten gern Alles haben und noch etwas dazu, man kann mit ihnen niemals in Uebereinftimmung leben. Sagt der Bande morgen, sie könne jetzt wieder für ihre eigene Rechnung arbeiten, es sind Viele unter ihr, die sich vom Schweiße ihrer Kameraden genährt haben. Nur Einen möchte ich noch einmal sehen, den Taschenspieler BrandeS.
Er hat die Stadt verlasten.
So sagte man, aber ich weiß, daß er noch hier ist; wenn er kommt, so sagt ihm, er thuc bester, wenn er ben geheimen Hoffnungen entsage, die er bisher gehegt habe, die Tänzerin werde ihm nie mehr als eine Freundin sein.
Er warf, während er dies sagte, den Mantel um und drückte den Hut tief inS Gesicht.
Befolgt meinen Rath, wiederholte er noch einmal, ehe
Deutsche, Reich.
•• Berlin, 2. Nov. Fürst Bismarck ist nach feinen I Lauenburg'schen Besitzungen abgereift und gedenkt, dem vernehmen nach, etwa eine Woche dort zu bleiben. — Die Geh. Räche WohlerS und PersiuS sind als Commistare de» Minister« des Innern nach Castel und Wiesbaden ab- gereist, um dort mit Vertrauensmännern der Provinz über ben SommunalversastungS - Entwurf zu verhanbeln. Die ablehnenben Beschlüste be« Magistrats und bet Stadt, verordneten in Castel dürfen auch in liberalen Kreisen auf gewichtige Unterstützung schwerlich rechnen und etwaige Zustimmung reichSseindlicher Elemente kann wohl der Agitation für bie berechtigten oder unberechtigten Ausnahmeformen der ßommunalwrwaltung kaum erwünscht fein, da sie nur helfen würde, bie Sache in eine ungünstigere Beleuchtung *u bringen. — Der Viceprästbent beS Obertribunals v. Hagen am Obertribunal hat um feine Versetzung in den Ruhestand nachgesucht. — Dem Bundesrath ist nunmehr der Haupt-Etat pro 75 vom Reichskanzleramt vorgelegt worden, welcher mit einer Summe von 521,891,139 Reichsmark balandrt. Darunter betragen die fortdauernden Ausgaben 396,523,455 Mark, die vorübergehenden betragen Mark 125,277,684. Die Einnahmeposten sind aufgeführt mit
229,017,690 Mark an Zoll- und Verbrauchssteuern,
5315,950 „ „ Wechselstempelsteuer,
10,759,227 , Posterträgen,
3,353,996 „ von der Telegraphen-Verwaltung,
deren Mehrbetrag gegen daS Vorjahr 2,464,709 M. ist,
7,050,000 M. liefert bie Eisenbahnverwaltung, 28,870,148 „ bet ReichSinvalibenfondS.
— 2. Nov. Cardinal Fürst Hohenlohe, welcher hier einige Tage verweilte, ist gestern wieder abgereift — Der dem Reichstag zugegangene Etat für die Verwaltung der Reichseisenbahnen für das Jahr 1875 bietet auch einige Beiträge zu bet Zeitungsrubrik „Vermischtes". Für bie „RiichShuube" und „ReichSkatzen" ist nämlich bie erkleck- ljchtz UnterhaltungSsumme von 7830 Mark auSgeworfen Die Function bieser nützlichen vierfüßigen Organe bes öffentlichen Dienstes besteht laut der Vorlage bei den ReichS- hunbeo in bet Unterstützung bet Reichs - Nachtwächter in Hx»» Amte bei ben Eisenbahnen, während den ReichSkatzen die Aufgabe gestellt ist, auf ben ReichSeisenbahn-Güterboben bie daselbst hausenden Mäuse wegzufangen. Der Gerechte erbarmt sich feine» Viehes, weßhalb die obige Position keinen Widerspruch finden wird. — Ein weiteret Posten, «eichet die wahrhast hausmütterliche Fürsorge der Reichs- eisenbahnvetwaltung beweist, ist eine Summe von 53,970 Mark (18,420 mehr als 1874) für Unterhaltung und Ergänzung der zu den Jnventarienstücken gehörigen Be- kleibungSgegenstände als ba stnb Pelzstiefel, Pelze, Mäntel u. bgl. m. __
II.
'■ ■■ ■ Der Kampf um eine Milli,u.
Roman von Ewald August König.
(Fottfetzung.)
Die Brauen finster zusammengezogen, bie Hanbe krampfhaft geballt, staub der Herr den Vagabunben gegen« übet.
Zn seinen Augen loderte die verzehrende Gluth wilder Leidenschaften, bet AuSbruck seiner Züge verriet einen glühenben Haß gegen ben Verräthet.
Er hat Alles gestanden? fragte er.
Alle»! Die Direktoren der Bank haben daraufhin be- schloffen, das Geständniß de« Portier geheim zu halten, er ist im Gebäude selbst eingespettt worden, man will die Einbrecher fangen, wenn sie im Gewölbe sinb. Die Wachen stnb verstärkt, aber sie haben Befehl, sich versteckt zu halten und die ganze Bande einzulasien; wenn das ge- schehen ist, soll ein Zeichen gegeben und bie Bande überfallen werben.
Ist bas Wahrheit? donnerte bet Herr, unfähig, seine Wuth zu bemeistetn.
So hat mir’, bet Beamte berichtet.
Wie kam er dazu? War ihm nicht auch Schweigen anbefohlen?
Natürlich, aber bet Mann ist mir verpflichtet, eine .alte Schuld, bie et nicht tilgen kann, ba thut er mir gern einen Gefallen, damit ich ihn nicht dränge.
In Nachdenken versunken, blidte der Herr lange schweigend vor sich hin.
Wenn dem also ist, bann wäre eS Thorheit, wollten wir für eine verlorene Sache unsere Freiheit wagen, nahm er endlich ba, Wort, wir müssen barauf verzichten. Wir sind von Verräthern umgeben, wenigstens ich bin eS, aber wehe dem Schurken, bet mit näher tritt, als ich ihm er-
HildeSheim, 31. Oct. So wenig streitsüchtig auch bet Bischof Wilhelm von Hildesheim sein mag, auch an ihm gehen bie unerbittlichen Paragraphen der Kirchengesetze in Erfüllung und drohen ihm gleich seinen Collegen, mit dem rühmlosesten Martyrium, das je getragen wurde. Bischof Wilhelm weigert sich beharrlich, die seit mehr denn Jahresfrist erledigte Pfarrstelle in Goslar zu besetzen, desgleichen eine in der Gemeinde Seulingen Weger ersterer sollte er bis zum 15. d. 200 Thlr. Strafe zahlen oder der Execution gewärtig sein. Er entchloß sich für letztere. Früher wat er dem Gerichte Halbwegs entgegengekommen und hatte die fälligen Strafen in wohlabgezählten Geld rollen für den Gerichtsvogt bereit gehalten. Diesmal machte er das Beispiel seines Collegen in Paderborn nach. Als vorgestern bet Executor baS Sümmchen beitreiben wollte, ergab sich, baß berfelbe in dem Sekretär, wozu ihm bet Bischof ben Schlüssel überreichte, nichts weiter vor- fanb, als zwei SiegeSthaler unb ein Schriftstück, auf welchem bet Bischof sein Mobiliar seiner Schwester vermacht hatte. Der Bischof äußerte bem erstaunten Executor bezüglich bet SiegeSthaler, die bekanntlich mit bem lotbeergeschmückten Haupte bes Kaisers geschmückt stnb: „als persönlicher Verehrer deS Kaisers wünsche er im Besitz ber Gelbstücke zu bleiben". Gegen diese Loyalität war nichts einzuwenden. Der Bischof behält feine zwei Thaler und wird vorerst ber Sperrung seines Gehaltes entgegen« sehen.
Blanckenbnrg, 30. Oct Gestern Abend, wenige Minuten nach 6 Uhr, langte ber Kaiser, ber Kronprinz, Prinz Karl, Prinz Friedrich Karl, ber Herzog Wilhelm von Mecklenburg, Prinz August von Württemberg u. A. mittelst ExtrazugeS von Halberstadt hier an. War auch ein osficieller Empfang nicht beabsichtigt, so hatte die Ein- wohuerschaft eS sich doch nicht versagen mögen, ihrer Freude und ihrer Anhänglichkeit Ausdruck zu geben. Schon von fern her verkündeten Freudenfeuer auf dem Regensteine und den übrigen Höhen, sowie Böllerschüsse das Herannahen deS Zuge». Bei der Ankunft auf dem Bahnhofe erglühte derselbe in prachtvollem rochen Glanze und die Tausende von Zuschauern, die sich eingefunben hatten, brachen beim Anblick ber hehren Gestalt deS Kaisers in enblosen Jubelruf anS. Dieser Jubel begleitete die hohen Gäste ununterbrochen bis zum Schlöffe, wo ber Kaiser unb ber Herzog sich aufS Herzlichste begrüßten und Ersterer mit gleicher LiebenSwürbigkeit bie übrigen hohen Gäste empfing. Die Straßen, welche die Wagen vom Bahnhofe zum Schlöffe paffirten, waren von den Bewohnern in geschmackvollster Weise illuminirt und einige Partien der HerzogSstraße gewährten einen wahrhaft feenhaften Anblick; nicht minder daS der Kaserne gegenüberliegende Haus, über besten Lichterglanz sich die farbigen Flammen wölkten, die
auf ber Teufelsmauer angezündet waren unb die grotesken FelSmaffen in zauberischem Lichte erscheinen ließen. Von der entgegengesetzten Seite strahlte am Ziegenkvpfe eine riesige Flamme weit und lange in daS Land hinaus, um auch ben Bewohnern ber entfernteren Umgegend bas Er- eigniß zu verkünden, besten Blanckenburg sich abermals erfreute. Die beiben nächsten Stunden waren der Erholung unb bem fröhlichen Zusammensein an ber Tafel gewidmet, die folgenden einem heitern Kunstgenüsse in dem kleinen Schloßtheater, welches auS dem ehemaligen Reboutkusaale hergerichtet ist. Der Kaiser und der Herzog waren sichtbar in heiterster Stimmung, ebenso ihre Umgebung. Alle gaben häufige Beifallsbezeigungen."
Godurg, 29. Oct. Mit dem gestrigen Regierungsblatt ist eine Ministerial Bekanntmachung zur Publikation gelangt in Betreff der zwischen Preußen einerseits und Coburg Gotha, Weimar, Meiningen, Altenburg, Schwarz- burg-Rudolstadt unb Reuß älterer Linie anbererseits abge« schlostenen Militär-Convention vom 15. September 1873. Nach derselben sind zur Aufnahme ber in ben mitcontra- hirenden Bundesstaaten zur Aushebung gelangenben Wehrpflichtigen , insoweit letztere für ben Jnfanteriebienst tauglich, bie thüringischen Infanterie-Regimenter Nr. 94, 95 und 96 bestimmt. Da» 5. thüringische Infanterie-Regiment Nr. 94 ergänzt sich auS dem Gebiete des Großher- zogthumS Weimar, das 6. Nr. 95 aus den Herzogthümern Meiningen unb Coburg-Gotha, bas 7. Nr. 96 aus bem Herzogthum Altenburg unb ben Fürstenthümern Schwarzburg-Rudolstadt , Reuß älterer unb jüngerer Linie. Die für die übrigen Waffen, einschließlich deS Eisenbahn-Bataillons, ausgehobenen Wehrpflichtigen leisten ihre aktive Dienstpflicht in den nächstgelegenen k. preußischen Truppen- theilen des betreffenden Armeekorps ab; desgleichen die für den Jnfanteriebienst tauglichen Mannschaften, insoweit dieselben zur Rekrutirung ber oben erwähnten Infanterie Regimenter nicht mehr Verwendung finden können. Die Convention, welche auS 17 Artikeln besteht, tritt mit bem 1. Oktober 1874 ins Leben und gilt für jeben ber contrahi- renben Staaten so lange, als sie nicht von bem König von Preußen oder von bem Landesherrn des beteiligten Staate» gekündigt wirb. Eine solche Kündigung muß mindestens 2 Jahre von ber beabsichtigten Auflösung ber Convention unb barf nicht vor dem 1. Oktober 1884 erfolgen.
Tübingen, 2. Nov. Die heutige Generalversammlung ber Württembergischen Handelsvereine, bie von circa 50 Delegirten beschickt war, nahm einstimmig folgenbe von Pflaum (Stuttgart) v rgeschlagenen Resolutionen über ba» Bankgesetz an: 1) Die Lösung ber Bankfrage ist nur möglich burch Errichtung einer Reichsbank, unter Fortbestehen ber einzelnen Lanbesbanken, deren Geschäftsbetrieb burch cor* rective Bestimmungen zu regeln ist. 2) Zur Ausgabe un-