schäft würde bei der fraglichen Session neben den Kirchen gesehen auch die übrigen bei der zweiten Kammer bera- thenen Gegenstände erledigen. Zur Berathung der von der ersten Kammer bei den Kirchengesetzen gefaßten, von den Beschlüsien der zweiten Kammer etwa abweichenden Resolutionen in der zweiten Kammer wird eS voraussichtlich in der ersten Zeit noch nicht kommen, da eS rnißstän» dig erscheint, die Berathung während des Reichstages vorzunehmen, dem sechs Mitglieder der zweiten Kammer angehören.
Würzburg, 31. Oct. Nach der maßgebenden Verordnung vom 21. Mai 1874 wird Kullmann seine Strafe im Zuchthause St. Georgen bei Bayreuth abbüßen.
Ausland.
Wie«, 28. Oct. Vor Beginn der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses hielt der Fortschritts-Club eine Conferenz ab, in welcher der Antrag des Abgeordneten Dr. Roser: „Die Regierung darüber zu intcrpelliren, warum in dem vorgelegten Budget für 1875 die Besteuerung des Vermögens der geistlichen Pfründen noch nicht berücksich» tigt worden sei", zurückgewiesen wurde. Dagegen erhielt der Antragsteller den Auftrag, unter Assistenz deS Abge» ordneten Hoffer eine mehr allgemein gehaltene Interpellation dem Club in nächster Sitzung vorzulegen, in welcher die verschiedenen Wünsche wegen Durchführung der consessio- nellen Gesetze zum Ausdruck gelangen sollen. Ein Antrag auf gesetzliche Anerkennung der Freimaurer-Logen in Oester- reich soll in der nächsten Sitzung formell festgestellt werben. Im Club der Linken wurde nach dreistündiger sehr heftiger Debatte über den Entwurf deS ActiengesetzeS derselbe als sehr abänderungsbedürftig angesehen, und find die Mtt- glieder angewiesen, ihre auf Abänderungen zielenden Anträge in nächster Sitzung anzumelden, Die Plenar-Debatten über diesen Gesetzentwurf versprechen sehr scharf zu werden.
Pari-, 30. Oct. Die Thronrede des deutschen Kaiser» war hier mit einiger Spannung erwarte: und hat einigen Eindruck gemacht. Man hat von hier aus so lange ver» sucht, gegen die dmlsche Politik alle möglichen Gehässig ketten in Umlauf zu setzen, daß man fürchtete, eS möchten vielleicht noch schärfere Worte fallen. Die ruhige Haltung der Thronrede aber läßt das unruhige Bemühen der französischen Politiker um so augenfälliger hervortreteu. Hwr nimmt man jede Gelegenheit wahr, dem Publikum zu verkünden, daß eS die Weisheit der französischen Regierung ist, welche der Welt dm Frieden erhält, und die Welt lächelt dazu; dort spricht ein wirklich friedlicher Wrlle sich sogar mit einer gewissen Toleranz über die Anschuldigungen aus, welche man gegen ihn erhoben hatte; er erklärt, daß er im Bunde mit seinen mächtigen und humanen Alliirten den Frieden zu erhalten gesonnen ift, und hat er auch die nöthige Autorität, um so zu sprechen; er hat durch seine Duldung gegen die Schreier bewiesen, daß selbst dauernde Feindseligkeit der Nachbarn ihn nicht leicht von seiner Gesinnung abbringt. Diese friedliche Haltung wirkt hier einerseits beruhigend, andererseits aber erregt sie auch einen gewissen Aerger, eben weil sie in chrer würdigen Weise den französischen Politikern zum Bewußtsein bringt, wie wenig sie aus Grund ihres eigenen Auftretens, in der Lage sind, Aehnliche« mit ähnlicher Autorität zu sagen. Diese Stimmung spracht sich denn auch schon in den Blättern aus, obgleich die meisten noch nicht dazu gekommen sind, ihre endgültigen Bemerkungen zur Thronreve zu machen. Die Republique sagt unwirsch: „Der Kaiser hat von der Macht Deutschlands in einer Weise gesprochen, die bei Niemandem einen Zweifel zurücklassen kann über jene Allmacht, welche
Bewahre!
Na, dann müßt Ihr mit uns gehen, von uns dürft Ihr ehrliche Theilnahme erwartm.
Aber was soll ich thun?
Vorläufig nicht», nur un» in Schutz nehmen, wenn er einen Verdacht über un» äußern sollte. Kommt e» aber da oben zum Kampfe, was ich jedoch nicht glaube, weil wir e» zu vermeiden suchen, dann müßt Ihr uns beisprin- gen, Alles wäre für uns verloren, wenn er in diesem Kampfe nicht unterläge.
Der Wirth erhob noch einige Gedenken. Detlef wußte sie rasch zu beseitigen, und die Drei beriechen jetzt den Plan, durch welchen sie chren Zweck zu erreichen hofften.
Sie warm noch nicht ganz einig über die Ausführung diese» Plane», al» der „Herr" seine Ankunft zu erkennen gab; c» war ein Zeichen, welche» nur der Wirth kannte, und e» bestand darin, daß in einer Ecke unter der Decke des Zimmer» ein Metallplättchen plötzlich hervorsprang.
Philipp Rachau erhob sich und ging hinauf.
Die Erregung deS Henn, bet mit sichtbarer Ungeduld ihn erwartete, fiel ihm auf, n brachte sie mit den Besorgnissen, Warnungen und Vorsätzen seinn Vnbündetm in Vnbindung.
Ist die Gesellschaft versammelt? fragte der Herr hastig.
Der Wirth bejahte.
Klau» und Detlef sollm kommen, wo sind fie?
Unten.
Nüchtern — oder —
Sie habm fast nicht» getrunkm.
Da» ist ihr Glück. Die Beiden gefallen mir nicht recht, Rachau, sie sind unzuftieden, habt Ihr davon nichts gemerkt?
Der Wirth senkte verwint den Vlick, c» war ihm nicht möglich, ruhig und gleichmüthig in eie flammenden
Deutschland zum Richter über Krieg und Frieden im heutigen Europa gemacht hat." Außerdem bemühte sie sich, die Aufmerksamkeit auf die militärischen Reformen, von denen die Rede spricht, auf deren Bedeutung für Europa zu lenkm. La Preffe geht etwas weiter; sie steht in der Thronrede den vollständigen Ausdruck der Kraft, welche sich nicht mehr veranlaßt fühlt, ihr Bewußtsein einzuschränken. „Der Löwe hebt sein Haupt, wirft der Welt einen Blick zu und legt sich schweigend wieder nieder." Dabei redet sie den Engländem und Belgiern ein, auch sie seien „in- direct Besiegte" von 1870! Von Rußland schweigt sie; vielleicht hat sie noch die letzten verfehlten Versuche im Ge- dächtniß, mit Rußland Fühlung zu gewinnen. An einer anderen Stelle zweifelt sie noch daran, daß die Erklärungen de» deutschen Kaisers die Sicherheit des Friedens bedeuten. Die 8i6ert8 nimmt dieselben dagegen ohne Hintergedanken auf, schließt aber aus ihnen merkwürdiger Weise, daß die deutsche Politik eine Wendung gemacht habe; bisher habe Fürst BiSmarck kriegerische Absichten gehegt, jetzt habe die friedliche Strömung die Oberhand gewonnen. Man sieht, das Concert der hiesigen Meinungen ist, obzwar noch inv vollständig, doch schon etwas unharmonisch. Die Vervollständigung wird morgen erfolgen.
Madrid, 29. Oct. Bei seinem Verhör vor dem Kriegsgericht sagte der gefangene Cariistenführer Lozano aus, daß Don Alfonso ihm den Befehl gegeben habe, die Eijenbahnzüge zu zerstören und die Bahnbeamten zu erschießen. — General Jovellar, der Führer der Armee de» Centrums, hat einen Marsch in das Innere des Maestrazgo unternommen und einige carlistische Magazine vernichtet. — Die Regierung hat Maßregeln ergriffen, um der Nordarmee sofort Verstärkungen zuzusenden. — Mit Topete'S Befinden steht es besser. — Aus Hendaye wird gemeldet, daß die Carlisten stch mit einem in BiScaya errungenen Siege brüsten. Ihr Brigadier Hormaeckea soll mit zwei Bataillonen bei Algorta eine republicanische Truppenabtheilung geschlagen und derselben einen Verlust von 17 Tobten, vielen Verwundeten und 8 Gefangenen beigebracht haben, während er selbst nur 5 Todte und 15 Verwundete haben will. Ferner behaupten carlistische Nachrichten, die Republicaner hätten die Dörfer Berango und Sopelana geplündert.
Bayonne, 31. Oct. Der spanische Aviso-Dampfer „Concordia" hat am 26. auf ein französisches Schiff, welches er behufs Durchsuchung verfolgte, aus Jrrthum geschossen; getödtet oder verwundet wurde dadurch Niemand. Deßgleichen wurde au» dem Fort von Fuenterrabia am 29. aus Zrrthum auf ein französisches Schiff gefeuert. Die spanischen Befehlshaber haben diesbezügliche Entschuldigungen gemacht.
London, 31. Oct. Ein Artikel der „Time»", den Kullmann-Prozeß besprechend, sagt: DaS Hauptgewicht für da» öffentliche Interesse liege in der erstchtlichen Verantwortlichkeit deS katholischen Verein» in Salzwedel für das Verbrechen seines Mitgliedes und überhaupt in seinen Beziehungen zu Staat und Gesellschaft. Seitens einer solchen, die Erbitterung schürenden Kirche, von der natürlicher Weise erklärt wurde, daß katholische Geistliche Keinen an- gestistet haben, den Fürsten BiSmarck zu morden, und daß sie das Attentat nicht billigen, sei dies feine vollständig genügende Antwort Die Frage sei die, ob nicht iu der ultramontanen Preffe, auf der Kanzel und dem ganzen Ton der ultramontanen Controverse eine Feindseligkeit gegen den Reichskanzler herrsche, welche stch einem Gemüth, wie daS des Kullmann'S, einprägen und ihn zur Blutihal bewegen konnte. Die eigenen Ausdrücke KullmannS wären kaum eine Uebertreibung der üblichen Bezeichnungen seiner
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Augen deS Manne» zu schauen, der schon so manches TodeSurtheil gesprochen hatte.
Ich habe nichts bemerkt, erwiderte er.
Weicht mir nicht auS, drohte der Herr, noch bin ich hier der Gebieter, ich kann Euch Alle verderben, wenn ich es will. Ich habe große Opier für Euch Alle gebracht, dafür verlange ich, daß auch Ihr mir Opfer bringt, und unter diesen Opfern steht in erster Reih« der eigene Wille. Wa» haben die Beiden vor?
Nichts, Herr!
In Wahrheit nichts? Nein.
Haben Sie nicht ton der Theilnng gesprochen? Davon haben fie ost geredet.
Und mir gedroht?
Niemals.
Geht und ruft Sie.
Der Wirth ging hinaus, der Herr nahm den Revolver vom Tische und machte ihn schußfertig.
Ich muß ein Ende machen, sagte et leise, lange gehts so nicht mehr, die eigenen Verbündeten verlassen und verrathen mich, mit bleibt nichts übrig, al» sie auch zu verlaffen.
Er wandte stch um, die beiden Vagabunden standen vor ihm, hinter ihnen leuchtete da» röche Gesicht Rachau'S.
Wir führen morgen Abend den letzten Streich, wandte der „Herr" stch zu dm Berbündetm, und feine Stimme klang fest und entschiedm; wenn er gelungen ist, sind wir Alle reich genug, um uns zurückzuziehen und die Annchm- lichkeiten des Lebens zu (genießen. Unsere Leute sollen sich in verschiedenen Straßen aufstellen, sie werden die Kleidung der Polizeiwächter tragen, so daß Niemand sie auffordern kann, sich zu entfernen. KlauS, Detlef und
eifrigsten Parteigenossen, wenn sie de» Reichskanzler» erwähnen.
Newyork, 30. Oct. Ein Telegramm de» General- Sheridan meldet, daß der Jndianerkrieg beendet fei, da alle Jnfurgmtenführer gefangen. Einer Meldung an» Cuba zufolge reist der Gouverneur Concha umher, um Calixto und Garcia aufzusuchen und mit ihnen über die Unterwerfung aller oder der meisten Insurgenten zu verhandeln und ihre Ansicht betreffs einer Amnestie entgegenzunehmen. — Ein durch die Journale veröffmtlichtes Schreiben Grant'» vom Jahre 1872 erklärt, er habe niemals eine Zeile geschrieben ober den Gedanken gehegt, am Wenigsten Schritte gechan, um die republikanische Partei zu seinen Gunsten oder zum Nachtheil des von ihr aufgestelllen Can- didaien zu beeinflussen. Eintretenden Falle» sei er zu allen Opfern bereit, um dm Erfolg der Partei zu sichern.
Marburg, 2. Nov. Dem Vernehmen nach hat Herr Oberamtsrichter Dietrich in Fronhaufen die am hiesigen Amtsgericht neugegründete Richterstelle erhaltm und wird dieselbe am 1. December antreten.
Kassel, 31. Oct. Die „Hess. Morgenztg." veröffentlicht die gutachtliche Aeußerung des SladtrathS und be» Bürgerausschusses über den Entwurf der neuen Gemeindeordnung. Beide Körperschaften behaupten, daß der Entwurf der seitherigen Gemeindeordnung gegenüber keinerlei Fortschritt bekunde und halten einstimmig die frühere Ansicht fest, baß lieber bie seitherige Gemeindeordnung aufrecht erhalten werde. — Die zur Begutachtung der neuen Gemeindeordnung ausersehenen hessischen Vertrauensmänner sind durch den Oberprästdenten v. Bodelschwingh im Auftrage deS Ministers des Innern auf Mittwoch ftüh 10 Uhr in daS Ständehan» berufen worden. Wie die „Heff. Mgztg." vernimmt, sind Einladungen ergangen an die Mitglieder deS ständischen VerwaltungsauSschuffe», an die Oberbürgermeister von Kastel, Hanau, Fulda, Marburg, ferner an die Abgeordneten Braun, Harnier, Vogeley, Wehrenpfennig, Weigel und Ziegler. «- In der gestrigen Verhandlung vor der Strafkammer de» hiesigen KreiSge- richts gegen dm Metropolitan Vilmar in Melsungen wegen Beleidigung des ConststoriumS rc., begangen durch bie im Juni b. I. erschienene „Oeffmtliche Erklämng ber ihres Amtes entsetzten hessischen Geistlichen" würbe bie Vcrkünbigung de» Unheils auf dm 6. Nov. c. vertagt. — Zu der auf heute Nachmittag anberaumten Generalversammlung der Aktionäre der Hefstschen Notdbahn war Niemand erschienen.
enmtttmmge«, Verleihungen re.
Die Telegraphen-Candibaten Wehr, Bösel und Martin in Kaffel, Verfin und Liepe in Hanau sind zu Telegraphisten, der Boten-Probist DavidshSuser zu Kassel ist zum Boten ernannt und der Obertelegraphist Saß von Frankfurt a. M. nach Fulda versetzt woben. — Der vorhinnige Feldwebel im 3. Garde-Regiment zu Fuß, Wilhelm Hömke, ist mit der probeweisen Begehung einer Polizei-Commiffar-Stelle bei der Kgl. Polizei-Verwaltung in Kassel beauftragt worden. — Der RechnungSrath Schneider ist vom tsten Januar 1875 ab zum Steuerempfänger der neugebildeten Steuettaffe 1 zu Kaffel bestellt worden. — Der Königliche Steuerempfänger, Rechnungsrath Löw-r zu Hana« ist vom 1. Januar 1875 ab in gleicher Eigenschaft an die neugt- bildete Steuerkaffe II zu Kaffel versetzt worden. — Der bisherige Magazins-Aufseher Wilhelm Böttcher zu Colmar ist zum Kreis- boten beim Königlichen Landrathsamte in Hünfeld ernannt worden. I — An Stelle des für den Kreis Homberg bestellten Veranlagung». Commiffars, Regierungs-Affeffor Schaub, der in Folge seiner Wahl zum Bürgermeister der Stadt Duisburg aus jener Stellung ausgeschieden, ift der Vermessungs-Personalvorfteher Fuchs zu Homberg zum Veranlagungs-Commissar für den gedachten Krei» ernannt worden.
zwei andere entschlossene Männer, bie ich nachher speciell bezeichne, werben mich begleiten; wenn ber Portier meine Vorschriften befolgt hat, so müssen bie Wächter im Bank- gebäubc schlafen und wir' haben leichte» Spiel. Wir bringen in bie Gewölbe ein unb richten vor allen Dingm unser Augenmerk auf bie Silberbarren, bie dort liegen; bie Bank hat augenblicklich bebeutenbe Depositen, bie uns nicht entgehen dürfen. Unsere Leute draußen müssen den Transport von ber Bank hierher vermitteln, Rachau nimmt bie Barren in Empfang, die enstweilen hier bleiben müssen, bi» stch eine Gelegenheit findet, sie nach England zu schaffen. Jetzt ruft diejenigen Leute, welche ich Euch nennen werde.
Ich glaube, es ist unnöthig, sagte Detlef mit einem leisen Anflug von Spott. Der Plan ist recht hübsch, aber er kann nicht ausgeführt werden.
Weßhalb nicht? fragte der Herr auswallend. Willst Du zurücktretm, Detlef, so —
Davon ist keine Rede, der Plan kann nicht aa-ge- sührt werden, weil er verrathen ist!
Tod und Hölle, wer hat ihn verrathen?
Der Portier selbst.
Weißt Du da» sicher? knirschte bet Herr.
Ich weiß e», ein Angestellter ber Bank, ber natürlich keine Ahnung hat, wie sehr ich babei beteiligt bin, Der- rieth eS mir. Der Portier ist nicht schlau genug gewesen, al» er bie Wachsabdrücke ber Schlüssel sich verschaffte, an einem Schlüssel war etwa» Wach» zurückgeblieben, unb bie Spürnase eine» Beamten witterte den Braten. Man hat ben Portier verhört, ber atme Teufel wußte sich in seiner Angst nicht zu helfen, er verlor die Geistesgegenwart unb bat um Gnade. Et hat Alle» gestanden, nur Ein» wollte er nicht verrathen, die Namen Derjenigen, welche ihn gedungen hatten. (Forts, folgt.)
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