1874
Marburg, Dienstag, den 3. November.
Hi». 257
OlmhHlihc Jritung
Ansicht der PeterSkirche.
Rh. Ä." schreibt:
WieSbade«, 29. Oct.
Der
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bestätigte Staus, er macht sich au« dem vergessen, für uns ist er verschwunden, er hat die Schätze,
wir das Nachsehen.
— OfstciöS wird der „Weser-Ztg" geschrieben: Was der „Fanfulla", ein römisch-liberale« Blatt, und wie eS scheint, auS derselben Quelle die „Daily News" über einen in letz ter Zeit stattgefundenen Briefwechsel zwischen dem Papst und Kaiser Wilhelm zu erzählen wisien, ist offenbar nichts als der Wiederhall der früheren Gerüchte und kann schon dem Inhalte nach auf Authenticität keinen Anspruch machen. Abgesehen davon, daß die Thatsache eines Schreiben« PiuS' IX. an den Kaiser entschieden in Abrede gestellt wird, muß man sich doch sagen, daß in den thatsächlichen Verhältnissen ein Anlaß zu einem solchen Schritte nicht gegeben ist.
BreSIa«, 29. Oct. Fürstbischof Dr. Förster hat am Sonntag auS Beranlasiung deS ihm zugestoßenen Unfalles ein theilnehmendeS Schreiben von Seiten der Kaiserin erhalten. Zwei Stunden nach Eingang dieses Schreibens wurde dem Fürstbischof ein Telegramm des Kaisers überreicht. In dem Condolenz-Telegramm bemerkt Se. Majestät zunächst, daß er so eben erst Kenntniß von dem Unfälle erhalten habe. Der Kaiser bekundet dann seine aufrichtige Theilnahme und bittet um recht baldige Nachricht über das Befinden des ErzbifchofeS. Noch an demselben Tage hat der Fürstbischof in einem Schreiben seinen Dank für die Theilnahme Sr. Majestät ausgesprochen und zugleich die beruhigendsten Nachrichten über sein Befinden gegeben. AuS einer weiteren Mittheilung der Schles. Volksztg. geht hervor, daß der Fürstbischof bereits wieder auSzufahren vermag; der in bedenklicher Weise verletzte Geheim - Secretär Hackenberger muß noch das Zimmer hüten.
Münster, 28. Oct. Der Prozeß gegen die Damen deS weftphälischen Adel«, welche die bekannte Adrrsie an den Herrn Bischof unterzeichnet haben, wird am 12. k M. in zweiter Instanz vor dem hiesigen AppellationSgerichte verhandelt werden, da sämmtliche Veruriheilte gegen das erstinstanzliche Erkenntniß Berufung eingelegt haben. Nur die junge Comteffe Sophie v. Merveldt soll, so erzählt man, von der Appellation Abstand genommen haben. Man steht mit großer Spannung dem Ausgange de« Prozefies entgegen.
Paderbor«, 29. Oct. Vorgestern ist dem Herrn Bischöfe von Paderborn eine schöne goldene Medaille zu- gegangen, welche der h. Vater als Zeichen seiner besonderen Siebe und Theilnahme dem gefangenen Oberhirten widmet. Die Medaille trägt laut dem „Volksblatt" auf einer Seite das Bild deS Papstes, auf der anderen eine
nachdenklich stimmten.
Also kann er plötzlich sortbleiben und die Abrechnung
darüber beruhigt.
Soll Ich Such sagen, weßhalb er t» nicht fürchtet? Weil er stets die erste Witterung hat; sobald er erfährt, daß Ernst gemacht wird, läßt er un« im Stich.
Die Schatzkammer ist leer.
Also hat er sie mitgenommen. Aber wohin hat er sie gebracht? Kennt Ihr den Herrn? Wißt Ihr, wie er heißt und wo er wohnt? Wir wisien nur, daß er eine Perrücke und einen falschen Bart trägt, — oder wißt Ihr mehr?
Nein entgegnete der Wirth, den die Worte Detlefs
fliqeigen nimmt eMegen: feit Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaur von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Diettich in Frankfurt a. ®L; Haasenstein & Vogler in Aanlfurt o. M.,Berlin, Lew- jig, Cöln ic.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. M. k.
Begreift Ihr das? fragte Klaus mit schneidenden Hohn. Wir waren Esel, daß wir nicht längst darüber nachdachten. Er kann un« sämmtlich der Polizei bezeichnen, möglicherw'ise ist er ein Mann, der bei der Behörde in großem Ansehen steht, wir werden verhaftet und er lacht ins Fäustchen.
Philipp Rachau begannn unruhig zu werden, e« lag viel Wahres in den Besorgnissen der Vagabunden, Viele«, was ihm einleuchtea und seine eigenen Besorgnisse wecken mußte.
Wenn er da« thäte, so wäre er wetth, am Galgen zu enden, sagte er erbost.
Na, hängt ihn einmal, ehe Ihr ihn habt, spottete Detlef. Habt Zhr denn gar keine Ahnung, wer er sein könnte?
Nein.
Ihr habt doch sttt« mit ihm verkehtt.
Allerdings, aber er hat mich nie einen Blick in seine Geheimniffe werfen lasien.
Das er blaue Augm hat, »erbet Ihr doch auch gesehen haben?
So genau habe ich ihn nie angesehen.
Weil Ihr ihn fürchttt! Wir haben ihn in der letzten Zeit scharf auf'« Korn genommen, aber auch nicht mehr
Der Kampf um eine Million.
Roman von Svald August König.
(Fortsetzung.)
Der Herr fürchtet da« nicht, er hat mich gestern noch
So ist e«, Up»..#.» , •* —7- i’"7 — —
Staube und nimmt die Kastanien mit, die wir eu« dem
lehuung eines Recur«-Gesuches der hiesigen Stadtbehürde ausdrücklich bestätigt hat, daß nach § 36 de« Gemeindegesetzes die Eommunalsteuer nur nach den Catastern der Staatssteuer erhoben werden darf, also auch die darin angegebenen Steuercriterien, da« festgestellte steuerpflichtige Einkommen für die Communalbesteuerung als unbedingt maßgebend anzusehen sind.
Limburg, 28. Oct. Heute erschien der Kreisgericht-- Executor Hevel (zum dritten Male im Lause diese« Jahre«) im bischöflichen Hause, um zur Deckung der dem Herrn Bischof vom hiesigen Kret-gerichte wegen Anstellung de« Pfarrverwalter« Zimmer« zu Haringten auf Grund der Maigesetze am 24. Sept. d. I. zuerkannten Sttafe von 400 Thlr. eine Pfändung vorzunehmen. Es wurden von demselben vier Oelgemälde, nämlich ein Portrait de« Hrn. Bischofs, zwei Originalgemälde, den h. FranciSeus von Assist und die h. Clara vorstellend, sowie ein größere» Phantastestück ausgezeichnet. Außerdem fand heute auch im hiesigen katholischen Pfarrhause durch den Herrn Amtmann und einen GenSdarmen eine Nachsuchung nach dem gedachten Pfarrverwalter statt, der nach Anficht der kgl. Regierung die Absicht gehabt haben sollte, trotz der gegen ihn versügten Jnl.rnirung nach Biedenkopf im hiesigen Pfarrhause die Kirchenbücher zu führen. Da weder Zimmer, noch Betten, noch die Kleiderschrinke, noch die Keller und sonstige unaussprechliche Räumlichkeiten den Vermißten ausliefern wollten, so blieb die Haussuchung resultatlo«.
Meiuiugen, 30. Oct. Die Angelegenheit de« Wiederaufbaues unseres abgebrannten StadttheilS ist in diesem Monat spruchreif geworden. ES handelt sich nur noch um dir Festsetzung einzelner, allerdings nicht unwesentlicher Bestimmungen, die mit dem herzoglichen Ministerium noch in diesen Tagen vereinbatt »erben sollen, während der Vertrag an sich bereit» al- persect anzusehen ist. Die eigentliche Seele de- Unternehmen« soll nach dem „B. B.-C." der Unternehmer Hermann Geber sein, während die „Deutsche Unionbank" und die Firma Jacob Landau in erster Linie den finanziellen Theil de» Unternehmen« in Händen haben. Da« Terrain ist bereit- expropriirt, so daß einem einheitlichen Wiederaufbau nach dieser Seite hin keine Schwierigkeiten mehr im Weg« stehen. Die Pläne find bereit« fertig gestellt.
Darmstadt, 30. Ott. Die zweite Kammer wird voraussichtlich am 4. nächsten Monat« zusammentreten, um drei Tage versammelt zu bleiben. — Heute hielt der Gesetzgebungs-Ausschuß der ersten Kammer mit dem Ministerium eine gemeinschaftliche Sitzung wegen der Kirchengesetze. Dem Vernehmen nach steht dem in Aussicht genommenen Zusammentritt der ersten Kammer für den 10. nächsten Monats kein Hinderniß entgegen. Diese Körper-
Feuer geholt haben.
Das kann ich nicht glauben, erwiderte Rachau, wenn .« geht, wird er ehrlich mit un« lheilen.
Da« rohe Lachen der Vagabunden bewies am besten, welchen Wetth sie auf diese Ueberzeugung ihres Genosien legten.
Wenn er eine ehrliche Theilung beabsichtigte, wäre es längst feine verfluchte Pflicht und Schuldigkeit gewesen, un« über den Stand unsere« Vermögens zu unterrichten, sagte Detlef, wir haben ihn dazu aufgefordett, aber er verschanzt sich stets hinter nichtige Vorwände. Rachau, wir müsien sorgen, dckß wir nicht zu kurz kommen, versteht Zhr?
Wollt Ihr ihn zwing«?
Ja.
Seht Euch vor, er^paßt nicht!
Bah, wir ebmfall« nicht; wer un« betrügen will, der muß sich auf das Schlimmste gefaßt machen. Wo sind die Gelder, die Juwel« und Werthpapiere, welche wir hierher gebracht haben?
Weiß ich e«? -
Wenn sie nicht hier in unserer Schatzkammer liegen —
entdeckt, als was wir schon früher wußten, und da« ist verteufelt wenig. Wir muffen mehr erfahren, Rachau, wir müsien erforschen, wer et ist; wmn wir da« wiflm, bann wollen wir uns unser Recht schon verschaffen.
Der Wirch führte nachdenklich da« Gla« an bk Lippen, seine Stirn zog sich immer brohenber in Fasten.
Wie wollt Ihr e« erfahren? fragte er.
Wr müsien ihm folgen oder ba oben ihn niederschlagen, eine Bttestasche wird sich wohl in feinem Rock vorfinden.
Er schießt Euch nieder, Detlef!
Mit einem Papierpfropfen? Die Kugeln sind längst an« dem Revolver herauSgeholt. Aber ich brate daran auch nicht, wir wollen nicht sein Leben, sonbern sein Gelb, unb da müsien wir vor allen Dingen wisien, wo wir ba« Geld finde«.
Philipp Rachau nickte zustimmend.
Im Grunde habt Ihr Recht, entgegnete er, dem Betrag müssen wir vorbeugen , aber man könnte ja damit «arten, bi« die Abficht des Betrugs un« gezeigt wird. Weshalb schon jetzt zum Aeußersten schreiten?
Weil un« da« Messer an der Kehle sitzt, sagte Klan» umvirsch. Die Polizei wartet nicht lange, wenn sie gegen und vorgeht, macht er sich an« dem Staube, unb da« kann schon morgen der Fall sein.
Philipp Rachau schüttelte noch immer den Kopf, aber seine eigenen Interessen waren zu sehr beteiligt, al« daß er so leicht darüber hinweggehen konnte.
Und wenn Ihr nun wiA, wer er ist? fragte er. WaS werdet Ihr bann thun?
Da« wird sich finden, sagte Klan« barsch, jedenfalls sind wir entschlosien, ihm den Raub abzujagen.
Und ich denke, Ihr werdet unS unterstützen, fügte Detlef hinzu, oder wollt Ihr auf Euren Antheil verzichten?
Gesetzentwurf mit Überwiegender Majorität angenommen, gegen die Stimmen mehrerer mitteldeutschen Staaten, darunter Sachsen. Der Entwurf der Ausschüsie erlitt bet der gestrigen Annahme eine sachliche Aenderung nur in dem Punkte, daß die Banken nach dem Entwurf bei Lombard- wwwiwwi, ......
geschäften in Eisenbahnpapiereu nur bi« fünfzig Procent Für die nach § 244 der Verordnung vom 23. Sept. 1867 ihre- CourSwetthe» beleihen dürften, während ste dieselben nur mit der Hälfte ihres Dienst Einkommens zur Com- jetzt bIS zu fünfundsiebenzig Procent wie bei Staatspapieren munalsteuer heranzuziehenden Beamten ist e« vielleicht von und landwitthjchaftlichen Creditpapieren beleihen dürfen. Jnteresie zu erfahren, daß die k. Regierung unter Ab-
Auzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaur von ®. L. Daube & Co: in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, 8L Rete- meyer in Berlin; Carl Echilß» ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Deutsches «eich.
Berlin, 31. Oct. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ist der zur Vertretung de« Gesandten Graf Brandenburg in Lissabon bestimmte LegationSrath Graf Arnim abberufen worden, um vernommen zu werden, oder au« einer anderen Ursache. Da» Blatt bezeichnet eS als nicht der Wahrheit gemäß, daß damit einem Anträge deö Grasen Arnim Folge gegeben sei. — Die „Post" hört, daß die von verschiedenen Blättern gebrachte Version von dem Briefwechsel de» Staatssekretärs v. Bülow mit dem Grafen Arnim mancherlei Unrichtigkeiten enthält, namentlich an der Stelle des Schreibens vom 20. Juli, wo Gras Arnim sich in unmittelbare Beziehung zu einer sehr hochgestellten Persönlichkeit setzt und wo der von den Zeitungen veröffentlichte Text wesentlich von dem Wortlaute des Briefes des Grafen Arnim abweicht. — Nach dem Reichsmilitairgesetz vom 2. Mai d. I. (§ 22, Abs. 2) soll die erfolgte Verheirathung eine« Militairpflichtigen niemals desien Zurückstellung begründen können und eben so wenig auS den durch eine solche Verheirathung herbeigeführten Umständen Reklama tionSgründe entnommen werden dürfen, so sind, wie wir ber „Voss. Ztg." entnehmen, die Standesbeamten darauf hingewiesen worden, daß sie verpflichtet sind, von Männern im Alter von 20 bis 25 Jahren, welche sich zur Eheschließung melden, den Nachweis über ihr Militairverhältniß führen zu lassen und falls sie der Militairpflicht noch nicht genügt oder eine definitive Entscheidung als unbrauchbar, resp. Ersatz-Reservisten noch nicht erhalten haben, dieselben auf die Gesetzesbestimmung zu Protokoll aufmerksam zu machen und ihnen die Folgen für die Existenz der Familie im Falle ihrer Einziehung vorzuhalten. Eine solche Vorhaltung ist stets nur bann erforderlich, wenn die betreffende Person, ttotz der ihr gemachten Vorstellungen, bei ihrem Einschlüsse der Eheschließung verbleibt. — Die Geistlichen deS Staate« find angewiesen worben, für bie Dauer des Reichstage» die vargeschriebene Fürbitte in da» allgemeine Kirchengebet aufzunehmen. — Am 1. Januar 1875 wirb bekanntlich da« Chausseegelb auf allen Staatschaussee« auf gehoben werden. Wie die „B. Ztg." hört, ist jetzt auch die Aufhebung be» Chausseegeldes auf allen nicht stscalffchen Chausseen in Aussicht genommen worden.
— 1. Nov. Der Bundesrath hat gestern den Bank.
a,k<i>ki»t täalid» auüet den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für da» Quattal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bergen durch die Postämter be«
Sr'ch"«t ‘«en« ^rrragen^na^»onn ° «,stellgebühr). _ 'JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 1 Sgr. - Für in der Expedition ,u erthellende
Auskunft und Annahme von Adressen werden 2$ Sgr. berechnet.