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Mr 233

Marburg, Donnerstag, den 29. October.

1871

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der lateinischen Kirchenbücher von Nicderberg sreigefprochen,

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spielt und ich kann nicht begreifen, daß Herr Schindler einem solchen Manne'diesen Vertrauensposten

Sir! es ist Verleumdung! ries Gerhard erbittert.

Der Baronet zuckte geringschätzend die Achseln. ' Man nennt sogar eine Summe, sagte er.

So weit schon ist die Bosheit gediehen? fragte Ger­hard verächtlich.

Lieber Freund, gehen Sie nicht so leicht darüber hin­weg, entgegnete Sir Arthur ernst, ich habe Beispiele er­lebt, die aber ich will Sie nicht länger aufhalten, die Zeit wird ja lehren, ob das Gerücht die Wahrheit gespro­chen hat oder ob es eine boshafte Verleumdung war.

Gerhard schüttelte den Kopf, die Sicherheit, mit wel­cher der Baronet seine eignen Vermuthungen durchblicken ließ, verwirrte ihn, trotz seines Vertrauens aus den Cha­rakter seines Freundes.

Er zog gedankenvoll den Paletot an, der auf einem Stuhle lag, und verabschiedete stch. Erst als er unten vor dem Gasthofe war, bemerkte er, daß er nicht seinen eignen Paletot trug; er wollte zurückkehren, aber die Thür des Hotels war schon geschlossen.

Der Umtausch konnte ja am nächsten Tage bewerkstel­ligt werden. Gerhard ging unverzüglich heim.

In seinem Zimmer konnte er der Neugier nicht wider­stehen, den Rock zu betrachten und die Taschen desselben zu durchsuchen.

Nun, die Taschen waren leer, aber der junge Mann machte eine Entdeckung, die ihn im hohen Grade über­raschte.

DaS Futter des Rocks war in unzählige kleine Falten gelegt, dir eine Schnur zusammen hielt.

Gerhardt löste diese Schnur, er wandte den Rock um und fand nun, daß das Kleidungsstück den Dienst eines Mantels verrichten konnte.

kann von einer bestimmten Candidatur noch gar nicht die Rede fein. Die Bevölkerungs-Statistik gründete sich bis­her bekanntlich auf Auszüge aus den Kirchenbüchern. Ge gegenwärtig nun beabsichtigt man die Thätigkeit der Stan desbcamten hierfür heranzuziehen. Dieselben werden be­sondere Zählblättchen zugestellt erhalten und ist denselben auch noch eine Entschädigung für diese neue Mühhwaltung in Aussicht gestellt. Fürst Bismarck wird heute Abend hier zurück erwartet. Nach Eröffnung der Reichstags Session und nach Erledigung einiger dringenden Geschäfte wird der Reichskanzler auf kurze Zeit in seinen Besitzun­gen in Lauenburg Aufenthalt nehmen. Die Nachricht von einer persönlichen Betheiligung des Fürsten an den Würz­burger Verhandlungen in der Untersuchung gegen Kullmann ist als unzuverlässig zu betrachten.

Die auf den 29. d. M. festgesetzte Eröffnung des deut schen Reichstages verhindert den Reichskanzler bei den in Würzburg für denselben Tag anberaumten GcrichtSverhand lungen in Sachen des Kullmann'schen Attentats persönlich zu erscheinen. Wie ein Privatbrief von dort meldet, wird sich der Vertheidiger des Attentäters, Gerichisadvocat Ger­hard, mit der Entschuldigung deS Reichskanzlers, am Er scheinen dienstlich verhindert zu sein, nicht zufrieden geben, sondern deS Termins beantragen.

Zur Ausführung deS die Abgrenzung der Diö­zesen zwischen Deutschland und Frankreich betreffenden Ar­tikel VI. deS Friedensvertrages vom 10. Mai 1871 hat eine Verständigung mit 'der französischen Regierung in Form eines am 7. d. MtS. von den beiderseitigen Bevollmäch­tigten unterzeichneten ProtokolleS stattgefunden, welches in der letzten Nummer deS Reichsgesetzblattes veröffentlicht wird.

Atel, 25. Oct. Dem Geh. Medicinalrath Professor Dr. ESmarch zu Kiel ist bekanntlich ein Preis für das beste Handbuch der kriegschirurgischen Technik zu Theil geworden. I. M. die Kaiserin hat, nach derNal.-Ztg.", in dieser Veranlassung folgendes huldvolle Telegramm an Geh. Rath Esmarch gerichtet:Baden-Baden, 21. Oct. Ich kann Ihnen nicht sagen wie ich mich gefreut habe, den Verfasser vonKurz und Bündig" zu erfahren, und wie dankbar ich Ihnen bin, daß sein Name, den die Wissen- schäft und Humanität mit Stolz nennt, sich an dieser Con- currenz so erfolgreich betheiligt hat. Kaiserin-Königin.

Reuwied, 26. Oct. Vor längerer Zeit meldeten wir, daß Pfarrer Wehn von Niederberg von der Criminal- Deputation des hiesigen KreiSgerichts wegen Beijeiteschaffung

Er war bedeutend länger und weiter geworden, und die Knöpfe und Haken fehlten auch nicht, vermittelst derer man den Mantel schließen konnte.

Saugt betrachtete Gerhard diese« sinnreich angefertigte Kleidungsstück, seine Entdeckung führte zu Schlußfolgerun­gen, die dem jungen Manne Entsetzen einflößtrn. Er durste nicht weiter darüber nachdenken, sie schienen ihm doch zu gewagt, so lange noch bessere Beweise fehlten.

Einen solchen Mantel konnte ja in England jeder reiche Herr tragen, daS neblige Klima verlangte ein schützendes Kleidungsstück.

Und doch war e« auffallend, daß nach dem Verschwin­den Sir Delavalle'S auf dem Börsenplätze jedes Mal der Mann im Mantel auftauchte.

Ader durfte man daraus den Schluß ziehen, daß der Baronet dieser Mann sein müffe?

Gewiß nicht, Gerhard hatte ja zu deutlich den schwar­zen Bart, daS schwarze Haar und den niedrigen Hut ge­sehen, derIMantet allein genügte nicht, jene Schlußfolge, rung zu rechtfertigen.

So blieb da« Räthsel noch immer ungelöst und alle Bemühungen, den Schlüffe! zu demselben zu suchen, ver-

Der Kampf um eine Million.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Do» Räthsel wird immer dunkler.

Sir Arthur Delavalle trat am Morgen nach der Nacht, in welcher Gerhard so unangenehme Erfahrungen gemacht hatte, in das Cabinet des Banquirrs und nahm mit einem Lächeln auf den Lippen dem alten Herrn gegen­über Platz.

Er erkundigte sich nach dem Befinden der Kranken und äußerte feine Freude darüber, daß die Genesung so gute Fortschritte mache.

Im Uebrigen muh ich Sie noch immer vor großen

Was wollen Sie damit sagen? fragte Gerhard mit wachsendem Erstaunen.

Nicht-, was Sie kränken könnte, erwiderte Sir Dela Valle ruhig. Gehen wir zu Bett, Gerhard, wir sind beide abgespannt.

Erlauben Sie, die Freundeöpflicht gebietet mir, Sie um nähere Mittheilungen zu bitten, sagte der junge Mann ungeduldig.

Bah, ich weiß nichts Posttive», ich habe nur Gerüchte vernommen, die vielleicht keinen Werth haben. Man sagt zwar, ohne Feuer könne kein Rauch entstehen, aber man weiß ja aus Erfahrung, wie Gerüchte

Sir, ich bitte Sie dringend, mir nicht auszuweichen. Was haben Sie gehört.

Hm, in dem Kreise, in welchem ich mich heute Abend befand, kam die Rede auch auf ihn, ich vertraue darauf, daß sie schweigen werde«.

Gewiß!

Er soll viel gelebt und geliebt haben.

DaS kann ich nicht glauben, er hat sehr solide Grund - sähe.

Diese hat jeder Rou«, lieber Freund, die stillm Wasser find die gefährlichsten. Man darf fich nicht durch eine Ma-ke täuschen lassen!

Und eben so durch ein Gerücht in seinem eigenen Ur« theil beirren lassen.

Weshalb ereifern Sie fich? Sage ich denn, daß ich da» Gerücht vertheidigen will? Im Gegentheil, ich halte nie viel von Gerüchten, obgleich sie immerhin zu beachten find. Man sagt auch, der junge Herr habe sehr hoch ge-

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selbe hat jetzt im Gefängniß zu Coblenz eine Gesammt- Strafe von ungefähr 1 Jahr zu verbüßen.

Breme», 24. Oct. DieWeser-Zeitung* theilt in Betreff des vor einiger Zeit gemeldeten rücksichtslosen Be­nehmens des französischen DampfersVille de Si. Nazaire* gegen die gegenwärtig in Bremerhaven liegende deutsche BarkCap Horn* Folgende« mit, wodurch die füheren Angaben bestätigt werden: Die deutsche BarkCap Horn*, Kapitän Tutein, auf der Reise von Bassein nach Bremen, befand stch nach 120 Tagen Reise am 16. September d. I. auf 36° 40' N. und 35° 12' W., gegen Ostwind kreuzend, als Nachmittag« 3 Uhr, beim schönsten Wetter und leichter Brise der nach dem englischen Kanal zusteuernde französische PostdampferVille du St. Nazaire* sie über­holte und dicht, in einer Entfernung von etwa einer SchiffS- länge, an ihr vorbeifuhr. Kapitän Tutein, dem sich nach längerer Zeit zum ersten Male passende Gelegenheit bot, seinem Rheder in Hamburg Nachricht von seinem Schiffe geben zu lassen, wollte dieselbe sofort benutzen und ließ zu diesem Zwecke seine deutsche Flagge mit dem Frage­wimpel (ein Zeichen, daß man vermittelst Signalflaggen mit einander zu sprechen wünscht), darunter aufhissen. Obgleich dieses ein bei allen zivilisirten Nationen auf See cingeführtes Zeichen ist und daher von dem Kapitän de» französischen Postdampfers nicht mißzuverstehen war, so wurde dasselbe doch Seitens desselben vollständig unbeach­tet geloffen und sah Kapitän Tutein sich genöthigt, seine deutsche Flagge, die er dem französischen Schiffe zum see­männischen Gruße aufgezogen hatte, wieder einziehen zu lassen, ohne daß dieser in irgend einer Weis« erwidert worden. Dem Kapitän Tutein und seiner Mannschaft war diese Mißachtung um so peinlicher, als dieselbe vor den Augen vieler auf dem Verdeck de» französischen Dam­pfers versammelten Passagiere auSgeübt wurde, unter wel­chen verschiedene, ebenso wie mehrere Offiziere des Dam­pfers, während des Vorbeisegelns durch Ferngläser nach derKap Horn* hinsahen. Obiger Vorfall würde eher in Vergessenheit gerathen sein, wenn dem Kapitän Tutein nicht einige Wochen später, am 3. Oktober ein ähnlicher Fall passirt wäre. An diesem Tage befand sich nämlich dieKap Horn* nach der Schiffsrechnung am Ausgange des englischen Kanals, ohne daß der Kapitän blS jetzt nach langer Reise Gelegenheit zur Vergewisserung der Richtig­keit eines Chronometers gehabt hatte, als kurz vor Mit­tag eine auS dem Kanal kommende Bark direkt aus sie zusteuerte. Im Vorbeifahren erwirS stch dieselbe als eine ftanzösische und nahm KapitänTutein, der von der Unhöflichkeit eines französischen PostdampfSschiffkapitinS nicht auf eine solche, bei allen übrigen französischen Kapitänen schließen mochte, sofort Veranlassung, durch Aufhissen der deutschen Flagge und der betreffenden Signalflaggen bei dem Ca-

DcutschcS «eich.

# Berlin, 27. Oct. Aus französischen Blätter hat in einer hirfigen Zeitung die Fabel Ausnahme gefunden, daß bet einem Besuche einer hochstehenden Persönlichkeit bei unserm Gesandten von Keudell in Rom auch die Rede ans die Gras Arnimsche Angelegenheit gekommen sei und daß Herr von Keudell dabei geäußert habe, daß die Verhaftung de» Grafen von Arnim nur wegen seiner Weigerung, ge­wisse diplomatische Aktenstücke herauSzugcben erfolgt sei. Hierauf habe nun diehochstehende Persönlichkeit" erwidert: Da» sei ja ganz unmöglich, da die betreffenden Papiere fich ja bereit« in den Händen deS Kaisers befänden! Bis­her haben französisch« Blätter nicht als besonders lautere Quellen für deutsche Lorkommniffe gegolten und e« ist des­halb schwer zu erklären, wie ein Berliner Blatt sich hat herbeilaffen können eine derartige Nachricht au» sranzöst- schen Zeitungen zu übernehmen, ohne dieselbe mit Zeichen deS Zweifels und der Verwunderung auSzustatten. Für ernste Männer bedarf eS kaum noch der besonder» Ver- ficherung, daß diese Mittheilungen nur Phantasiegebilde sind.. Wenn die betreffenden Papiere sich in den Händen deS Kaiser» wirklich befänden oder befunden hätten, so wür-

für die Monate November £H|llUUIl}|UI und December auf die OberheWche Zeitung mit der wöchentlichen Beilage Sonntags blatt werben von allen Post­anstalten, auf dem Lande von den Landpostboten, angenommen.

Wir besitzen noch eine kleine Anzahl Exemplare der seither erschienenen Nummern bes Sonnt ags- bflatteS und werden dieselben den zunächst uns eingehenden Bestellungen gratis beifügen.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in-' Frankfurt a. M.: Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Echüß- ler in Hannover; C-Schlotte in Bremen-

Anzeigen nimmt entgegen: di« Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaur von Th. Diettich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein fc Vogler in Frankfurt a-M-,Berlin,Leip­zig, Cöln ic.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M- re.

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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für daS Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22| 8»r., durch die Postämter des deutschen Reiches 25 Sgr. (excl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespalten« Zeile 1 Sgr. Für in der Expedition zu ertheilende

Auskunft und Annahme von Adressen werden Sj Sgr. berechnet.

d«n sie unzweifelhaft auch sofort ihren Weg in daS Aus­wärtige Amt gefunden haben; ganz undenkbar ist dabei, daß eine gerichtliche Untersuchung gegen den Grafen Arnim mit Genehmigung de« Kaisers eingeleitet sein würde, wenn der Kaiser selbst die in Rede stehenden Aktenstücke in Hän­den hätte. Ein anderes Blatt stellt bereit« eine Candidatur für die Besetzung des Ober-PräsidinmS für die Provinz Berlin unter Hinweisung auf einen bestimmten Namen auf. Hierbei ist doch zunächst daraus hinzuweisen, daß die Frage, noch unentschieden ob überhaupt eine solche Ernennung er- ___________, . .

folgen werde oder ob erst eine Personal-Union zwischen dem daß eben gegen dieses Urtheil Seilens der Staatsbehörde Oberprästdium der Provinz Brandenburg und dem von Berufung eingelegt wurde. Die zweite Instanz verhandelte Berlin eintreten wird. Die Ansicht der Regierung scheint am Samstag in dieser Sache und verurtheilte den Pfarrer sogar mehr nach letzterer Alternative hinzuneigen. Sonach Wehn zu einer Gefängnißstrafc von drei Monaten. Der,