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Marburg, Mittwoch, den 28. October
187«
Änjtigen nimmt entgegen: btt dtiwbitto* d Blatte», sowie bte Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich L Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M-; Haafenstein & Bögler in Frankfurt a-M.,Berlin,Lech- zig, Cöln ic.; Rudolf Moff» m Berlin, Frankfurt a. M- re.
Oberhkjsisiht Jätung.
«Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie bie Annoncen-Bureaux" von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M-; Jäger'sche Buchhandlung in Fra^sutt a. M-; Jnvalidendank, A. Rete» meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C- Schlotte in Bremen-
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Der w# eine Milli«».
Roman von Ewald August König.
«Fortsetzung.)
Er sah die dunkle Gestalt, welche wartend an der Ecke stand, e» konnte für ihn keinem Zweifel unterliegen, welchen Zweck diese Gestalt beabfichtigte.
Langsam schritt er die Gaste hinunter, er bog in eine andere Gaste ein und trat rasch in eine Ecke, welche durch eine vorspringende Maner gebildet wurde.
Wie er e< erwartet hatte, folgte der Spion ihm, er schritt gleich darauf an der Ecke vorbei, aber kaum hatte er sie passitt, als ein heftiger Schlag aus den Hinterkopf ihn besinnungslos niederstreckte.
Ter Herr warf nur einen fiüchtigm Blick auf sein Opfer, dann eilte er weiter.
ES war zwischen zwölf und ein Uhr, als er vor dem Hause des BanquierS Schindler stand, weit und breit ließ kein Wächter sich blicken.
Er pocht« leise an, die Thür wurde geöffnet.
Um Gotteswillen, Herr, machen Sie mich nicht unglücklich, flüsterte Franz, zitternd vor Angst.
Narr, was wagst Du dabei? erwiderte der Herr, während er den Diener zurückstieß und rasch ins Haus trat. Du wagst nicht mehr als einen guten Posten, für besten Verlust ich Dich entschädigen kann. Geh' rasch, ich habe Eile, wie stehen die Dinge hier?
Ich habe mich von oben fortgeschlichen, weil ich ahnte, daß Sie kommen würden. Man wird mich vermisten —
Bah, ist da» Fräulein so ängstlich? Ich denke, sie wird schlafen.
Nein, heute wacht Fräulein Schindler.
Ah, die beiden Damen wechseln mit einander ab?
3a' Herr Schindler hat darauf gedrungen.
" für die Monate November
_,r_ und December auf die VV-rh-Mche mit der wöchentlichen!
Beilage Sonntags blatt werden von allen Post- anstalten, auf dem Lande von den Landpostboten, angenommen.
Wir besitzen noch eine kleine Anzahl Exemplare der seither erschienenen Nummern des Sonnt ags- bjlatteS unb werden dieselben den zunächst uns eingehenden Bestellungen gratis beifügen.
Die Krp. d. HSerH. Zeit.
Deutsches Strich.
- Berlin, 26. Oct. Die allgemeine Aufmerksamkeit wendet sich auf die Rede, welche der deutsche Botschafter in Pari«, Fürst Hohenlohe-SchillingSfürst, vor seinen Wählern in Eulmbach gehalten hat. Der Fürst Hohenlohe betonte hierbei nicht bloS die Wichtigkeit der Militär-EtatS-Borlage, sondern ganz besonders auch die sogenannte Culturfrage, den Kamps zwischen Staat und Kirche, und erklärte sich mit großer Entschiedenheit alS Anwalt der Bismarck'schen Politik. Mit der vollen Autorität des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten, der schon in den Vorstadien des Vatikanischen ConcilS zu einer Abwehr gegen die Uebergriffe Roms aufgesordert hatte, gab Fürst Hohenlohe zu erkennen, daß Fürst Bismarck die Situation damals vollkommen richtig erafßt und demgemäß gehandelt habe. Die damalige ablehnende Haltung des Fürsten Bismarck rechtsertigt sich vollauf dadurch, daß die maßgebenden katholischen Mächte, Frankreich und Oester- reich, nicht zu gewinnen waren. Ohne Mitwirkung dieser Mächte wäre ein Eingreifen Deutschland» allein ein politisches Unding gewesen. Diese Erklärungen werden schwer in» Gewicht des UrtheilS der öffentlichen Meinung fallen und wesentlich zur Widerlegung der öffentlichen Kundgebun gen de« Grafen Arnim dienen, der sich angeblich auf den Standpunkt de« Fürsten Hohenlohe in dieser Frage gestellt haben will und doch, wie sich nunmehr unwiderlegbar herauSstellt, so weseutlich von demselben divergirt.
Berlt«, 26. Oct Der BunbeSrath hielt gestern «ine Plenarsitzung unter dem Vorsitze des Präsidenten Delbrück. An die AuSschüste verwiesen wurden die Vorlagen betreffend die Ergebnisse der Berathungen für die Commission für einheitliche Ordnung des Apothekerwesens; die Abänderung der Prüfungsvorschriften für Apotheker; die allgemeine Rechnung über ben ReichShauShalt für 1871; ein Antrag Preußens betreffend die Erledigung einer von Sachsen - Altenburg zu besetzenden Revision- Aujseherstelle
bei dem Hauptzollamte in Hamburg; der Antrag Baierns betreffend die Erhöhung der Pauschsumme Baiern« für Kosten der Grenz-Zollverwaltung. Mittheilungen wurden gemacht über die erfolgte Ueberweisung einer Vorlage wegen der Errichtung zweier Zollgebäude auf dem in die Zolllinie einzuschließenden bremischen Gebietstheile an den Zoll- und Steuerausschuß und über die Verification der Arbeiten am St. Gotthard-Tunnel. Durch Abstimmung wurde sodann beschlosten die Wiedervorlegung der Gesetzentwürfe betreffend die Einrichtung und Befugnisse des Rechnungshofes und die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben des Reichs in unveränderter Gestalt an den Reichstag. Hieran schloß sich eine lange Reihe mündlicher Berichte zunächst über den Entwurf eine« Gesetze« wegen Ausübung der militärischen Controle der Beurlaubten und über den Entwurf eines Gesetze« betreffend den Landsturm. Beide Gesetze wurden angenommen. Ferner mündlicher Bericht betreffend die Aushebung verschiedener (der Gewerbeordnung widerstrebender) Festsetzungen de« lübischen und de« rostocker Rechts. Endlich standen zur Erledigung mündliche AuS- schußberichle über die Etats der Einnahmen an Zöllen und Verbrauchssummen und an Wechselstempelsteuer, über die Etat« der Verwaltung der Reichs. Eisen bahnen, de« Reichs-Eisenbahnamts, des Rechnungshöfe« und des Reichs - Oberhandelsgerichts. Hiernach werden dem Reichstage sofort nach seiner Constituirung zugehen mit den Reichs-Justizgesetzen die in der gestrigen Sitzung oben angeführten Entwürfe über den Rechnungshof und die Einnahme- re. Verwaltung, die Beurlaubten und über den Landsturm. Die erste Berathung über diese Gegenstände ist also in der ersten Novemberwoche zu erwarten. Den nächsten Plenarsitzungen des BundesratheS, denen übrigens wohl schon die stimmsührenden Minister der süddeutschen Staaten beiwohnen dürften, sieht man mit Spannung entgegen, weil in denselben die durch die Auö schüffe noch zu prüfenden wichtigsten Theile deö Budgets, namentlich der Militäretat und das Bankgesetz, zur Berathung und Beschlußfassung kommen sollen. Die Annahme de« letzteren nach den Ausschuß-Anträgen darf al« zweifellos angesehen werden. — In Sachen des Grafen Harry v. Arnim wird anzunehmen sein, daß die erforder lichen Erhebungen mit der Rückkehr de« Stadtgerichts- rathS Pescatore ihren Abschluß finden. Ueber eine dann zu erfolgende Entlassung be« Grafen aus der Hast ist bisher mit Zuverlässigkeit nichts bekannt
— Dem Vernehmen nach tritt am 26. d. MtS. die aus 12 Mitgliedern (1 Medieinalbeamten, 7 Apothekern shierunter aus Marburg Apotheker Fr. Siebert), 4 Dro- guisten) bestehende Commission zur Revision der Verordnung vom 25. März 1872 in Berlin zusammen. Diese Verordnung, die den Verkehr mit Apothekerwaaren regelt,
ist nach dem Muster de« preußischen Reglement- vom 16. September 1836 verfaßt. Sie hat indessen schon zu verschiedenen Beschwerden, namentlich Seitens der Droguisten Veranlassung gegeben; sie ist ferner ohne Strafbestimmungen, so daß der Richter auf den § 367 ab 3 des Reichsstraf- gesetzbuche« recurriren muß. Da dieser Paragraph indeß nur von Arzneien, die Verordnung vom 25. März 1872 auch von Arzneiformel! spricht, so traten in bet Rechtsprechung selbst der höchsten Gerichtshöfe der verschiedenen deutschen Staaten zwei völlig verschiedene Auffaffungen hervor, je nachdem bie Arzneiformen bedingungslos als Arzneimittel betrachtet wurden oder nicht. — Das Finanz-Ministerium hat bei Gelegenheit der Entscheidung über die im laufenden Jahre angebrachten Classensteuer-Recurse zu erinnern gesunden, daß die auö den Einkommens-Nachweisungen in die RecurS-Nachweisungen übernommenen B steurungs-Merkmale mit der tarifmäßigen Einschätzung öfters nicht übereinstimmten, und unter Hinweis auf den §. 8 der Instruktion vom 29. Mai v. I. angeordnet, daß, sofern die Eintragungen des Gemeinde-VotstandeS von der Einschätzungs Commission nicht für zutreffend erachtet werden, diese von der letzteren mit bet Einschätzung in Ueber» einftimmung gebracht werben.
— Die „Kreuz Zig." veröffentlicht eine Besprechung des Arnirn'schen ProcesseS, „welche aus gut unterrichteten Kreisen stammt und die Ansicht des Grafen über den Streitpunkt so präcisirt, daß ein Verständniß seiner Handlungsweise möglich wird " Sie erklärt dabei: „Durch die Wiedergabe dieser Mittheilungen soll dem Urtheil nicht vorgegriffen werden, ob diese seine HandluagSweise vor dem Gesetze bestehen kann und wird." Die Mittheiluug lautet: Die Erörterungen Der Presse gingen bisher meist von sol- genben Gesichtspunkten au«: Die Schriftstücke, welche Graf Arnim sich herauSzugeben weigert, ftnb amtliche Schriftstücke , barum hat et kein Recht, sie zu behalten. Graf Arnim hat auch nicht das Recht, sie für Privatbriefe zu erklären, wenn ba« auswärtige Amt sie für amtliche Docu- mente erklärt. Das auswärtige Amt aber ist allein Richter über biese Frage, unb wenn Graf Arnim sich mit bet Meinung des auswärtigen Amte- in Widerspruch setzt, so verfällt er dem Strafgesetz. Die Sache läge nun aber ganz ander«. Graf Arnim bestreite durchaus nicht den dienst lichen und amtlichen Charakter der von ihm beanspruchten Schriftstücke. Er sagt nur: diese Schriftstücke gehörten nicht in das Archiv der Botschaft, sind nie in demselben gewesen, und ich bin der Meinung, daß ich sie nicht an daffelbe abzuliefern habe; denn sie betreffen sämmtlich meinen Conflict, in welchen ich mit dem Reichskanzler geraten war, und der persönliche Charakter dieser Schriftstücke ist jo vorwiegend, daß ich mich für berechtigt erachte, sie für mich zu behalten. Wenn meine Auffassung irrig ist,
So wird in der nächsten Nacht Fräulein Blank die Wache haben?
Jedenfalls.
Dann muß ich morgen noch einmal kommen, e« ist das letzte Mal, bereite Dich darauf vor. Die Damen trinken in der Nacht Thee?
Der Diener nickte bejahend.
So wirft Du morgen Abend diese« Pulver in den Thee schütten, vergiß es nicht. Sei kein Narr, Franz, es ist nicht« weiter, al« ein Schlafpulver, ich möchte mich« nicht gern noch einmal überraschen lassen.
Aber wa« wollen Sie bei der Kranken, fragte der Diener mit wachsender Angst.
Kümmert e« Dich? Ich liebe die naseweisen Fragen nicht. Du ro;rft gehorchen, verg ß den Eid nicht, den Du geschworen hast. Hier, nimm diese Geldrolle, jeder Arbeiter ist seines Lohne« werth, ich bin nicht undankbar. Unb jetzt verhalte Dich ruhig, ich habe noch einen Gang zu machen.
Der Herr hatte außer der Gelbrolle mehrere Schlüssel unter bcm Mantel hervorgeholt, er wählte zwei von diesen unb ging hinauf.
In fieberhafter Angst staub Franz au bet Thür unb horchte, er erwartete in jebem Augenblick den Hülfeschrei zu hörm, bet in der Nacht vorher ihm so große« Ent setzen «ingeflößt hatte.
Wenn auch in dieser Nacht der Herr überrascht würde, so war alle« Leugnen vergeblich, er konnte alsdann nicht mehr bestreiten, daß et mit dem nächtlichen Gaste gemein schaftliche Sache machte, er konnte e« um so weniger, weil er wußte, daß Gerhard bereit« Verdacht auf ihn geworfen hatte.
Freilich, die Rolle, bie er noch in der Hand hielt, tröstete ihn über die ersten Folgen bet Entdeckung, aber
es war doch ein schlechter Trost, er konnte ja nicht wissen, welche Folgen ihn erwarteten, ob bet Banquier sich mit bet sofortigen Entlassung des untreuen Diener« begnügen, ober ob er ihn verhaften liefe.
Seine Besorgnisse waren bieSmal unbegründet, der Herr kehrte schon bald zurück und im Hause regte sich nichts.
Vergiß nicht, wa« ich gesagt habe, versetzte er, diese« Pulver muß morgen Abend in den Thee geschüttet werden, den Fräulein Blank trinten wird; ferner sorgst Du dafür, baß die Thür des Krankenzimmers nicht von innen verriegelt ist, wenn ich komme.
Aber wie kann ich da« ?
Es ist Deine Sache dies zu ermöglichen, ich erwarte die Thür offen zu finden. Lieber wäre es mir, wenn Du--aber ich will Dein zatteS Gewiflen nicht be
lasten, auch fürchte ich, mich in dieser Beziehung nicht auf Dich verlaffen zu können.
Er ging hinaus unb verschwand vor ben Augen be« Dieners in der Dunkelheit.
Gerharb war durch den Schlag, den er bei der Verfolgung des „Herrn" erhalten hatte, für lange Zeil betäubt worben, unb als er aus der Betäubung erwachte, währte es eine geraume Weile, ehe er sich darauf besinnen konnte, was mit ihm vorgegangen war.
Wüthend darüber, daß er überlistet worden wat, verliefe er das Gaffennetz, der Schlag hatte ihm die Besinnung rauben, nicht aber seinen Entschluß erschüttern können.
In dieser Nacht konnte er freilich seine Nachforschungen nicht mehr fottsetzen, der Faden war aberiffen, wo sollte er ihn wieder anknüpfen?
Mechanisch, ganz mit seinen Gedanken beschäftigt, schlug er den Weg jum Europäischen Hofe ein, es wat keine be-