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Mr 251

Marburg, Dienstag, den 27. October,

1874

Anzeigen nimmt entgegen: die Grveditton d. Blattes, sowie btt Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in jtafftl und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt«. M. rc.

ObcrhHschc Jrilimg.

»Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d- Blattes, sowie bte Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in, Frankfurt a. M-; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt«. M-; Jnvalibendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; E. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer benWerktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Äoch'fche Buchdruckerei) bezogen 23t ®8t.. durch die Postämter deS deutschen Reiches 35 Sgr. (excl. Bestellgebübr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Für in der Expedttron zu erthetlende

Auskunft und Annahme von Adressen werden 2t Sgr. berechnet.

" für die Monate November und December auf die vberhesftsche Zeit««, mit der wöchentlichen Beilage Sonntagsblatt werdm von allen Post­anstalten, auf dem Lande von den Landpostboten, angenommen.

Wir besitzen noch eine kleine Anzahl Exemplare der seither erschienenen Nummern des S o n n t a g s- blatteS und werden dieselben den zunächst uns eingehenden Bestellungen gratis beifügen.

Die Krp. d. HSerh. Zeit.

DeatfchkS Reich.

" Berlin, 25. Oct. Aus den Specialetats der Ver­waltung de» Reichsheeres führen wir noch einige Einzel­heiten an. Die Mehrausgaben für das Kriegsministerium find zum größten The» durch die Schaffung neuer Raths-, Hülfe- und Unterbeamtenstellen bedingt, wozu noch ein weiterer Mehrbedarf in Folge der Geschäftserweiterung deS Kriegsministeriums, sowie der Preissteigerung bei den Dnrckkosten u. a. m. kommt. Für die persönlichen Aus­gaben für die Militär-Intendantur sind 1,236,630 M. gegen 1,128,360 M. des vorigen Etats in Ansatz gebracht, also Mehr 107,640 M. Die Mehrausgaben für den Generalstab (s. die vorige Nummer) sind durch Umstände motivirt. So sungiren u. A. als Lehrer an der Kriegs­akademie zur Zeit zehn Offiziere des Generalstabs. Die Erweiterung der genannten Akademie erfordert aber eine Erhöhung des Lehrerpersonals aus 15 Offiziere, weshalb es geboten ist, den Etat einer jeden der fünf Abtheilungen des Generalstab« um einen L-tabSoffizier zu erhöhen. Ferner machten die gesteigerten Ansprüche an die Resultate der trigonometrischen, topographischen und kartographischen Arbeiten deS Generalstabs eine einheitliche Leitung derselben erforderlich und ist zu diesem Zweck ein Abthei- lungSchef mit den Competenzen eines Brigade-CommandmrS! angesttzt. Weitere Mehrausgaben ergeben sich aus der in Vorbereitung begriffenen Trennung der topographischen Ab­teilung in ein Bureau für die Landesaufnahme und ein solche» für die Karten-Vervielfältigung. Die Gehälter und Besoldungen verthcilen sich auf die einzelnen Truppen­gattungen wie folgt: Infanterie: 43,780,305 (mehr 2,029,950); Kavallerie: 12,963,356 (mehr 426,225); Artillerie: 10,590,255 (mehr581,042); Pioniere: 1,102,988 (mehr 50,841); Train: 1,137,200 (mehr 57,008); Land­wehrstämme und UebungSkoftcn: 3,465,570 (weniger 230,256); für andere Formationen und zu vermischten Ausgaben: 11,998,074 (mehr 6,168,473). Wie es in

den erläuternden Bemerkungen heißt, sind übrigens die vorhandenen Abschnitte unter sich übertragungSfähig. Be­dingt ist die Steigung der angeführten Ausgaben durch die durch das Gesetz vom 14. Juni 1873 genehmigte LöhnungS- erhöhung der Unteroffiziere und die Errichtung von Bice« feldwebelstellen. Zu den Ausgaben für Fouragevcrpfie- gung heißt es in den Bemerkungen:Sollten die Markt- und Handelspreise eine Überschreitung der betreffenden Anschlagssummen unumgänglich machen, so bleibt der An­spruch auf Gewährung des nachweislichen Mehrbedarfs Vorbehalten. Eine etwaige Minderausgabe wird dagegen als Ersparniß nachgewiesen." Der Magazinbaufond ist wegen der Steigung der Baumaterialien-Preise und Arbeits­löhne um 77,100M. erhöht worden, wie dennPreiSsteigerungen als Motiv für Mehrausgaben mehrmals wiederkehren. Auch die Steigerung der Pferdepreise (auf 600 Mark pro Pferd) macht eine Erhöhung des RemonteetatS nothwendig.

24. Oct. Der deutsche Handelstag, bei welchem nach der Präsenzliste 91 Handelskammern unb Vereine durch 163 Delegirte vertreten sind, erklärte sich fast ein­stimmig in Ucbereinstimmung mit der Brüffeler Conferenz für einheitliche Garn-Numerirung und beschloß die Nieder­setzung einer Commission zur Ausführung der Beschlüste und Berathung über eine gesetzliche Regulirung der ein- h etlichen Garnnumerirung. Betreffs der Statuten-Aen- derung für den Handelstag wurden die Anträge deS Aus­schusses unter Ablehnung zahlreicher Amendements fast ein­stimmig angenommen. Unter Aenderung des sreispre- chenden ErkenntniffeS der ersten Instanz wurde heute der altkatholische Pfarrer Grünert wegen Beschimpfung der römisch-katholischen Kirche vom Tribunal zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt. Das Obertribunal hat Arnim'S Beschwerde wegen seiner Verhaftung ebenfalls abschlägig beschiedm. Der zeitige Botschafter in Paris, Fürst Hohenlohe ist auf der Reise nach Varzin hin durchge­kommen.

In den permanenten Ausschuß des deutschen Han- belstageS wurden gewählt: Delbrück, Liebmann, Mendels fohn und Hammacher aus Berlin, MoSle aus Bremen, Haler aus Stettin, Hcimendahl aus Crefeld, ©enel aus Mannheim, Müller aus Stuttgart, Schnorr aus Leipzig, Sötbcer aus Göttingen, Weigel aus Kassel, Wcsenfeld aus Barmen, Witte aus Rostock, Koste auö Magdeburg, Meckel aus Elberfeld, Hertel auS Augsburg und Baare aus Böckum.

25. Oct. Der Kaiser stattete Mittags 12% Uhr bem dänischen Kronprinzenpaar einen Besuch im Hotel de Rome ab und empfing darauf dessen Gegenbesuch. Das dänische Kronprinzenpaar reiste nach Moskau weiter. Das Diner nahm der Kaiser bei dem Kronprinzen in Pots­dam ein.

Hannover, 23. Oct. DerH. C." theilt den

Wortlaut der Erwiderung des Provinziallandtages an ben Herrn OberprSfldenten, die Ueberfichten über das Hanno- vttsche Klostervermögen pro 1873, sowie die Finanzlage deS Klosterfonds betreffend, mit. ES wird darin der Wunsch ausgedrückt nach unveränderter Beibehaltung der Specialverwaltung deS besagten Fonds, zumal sich dieselbe durch Mehreinnahme bewährt habe. ES müsse dankbar anerkannt werden, daß die Mehrverwendung für Geist­lichkeit, höhere Schulen, Pensionen und Gnadenbewilligungen stattgehabt; doch seien Stände der Meinung, daß die Auskünfte des Klosterfonds in erster Reihe der Kirche, insbesondere auch zur Verbefferung des, im Vergleich mit anderen eine wissenschaftliche Ausbildung erheischenden Berufen, vielfach noch immer und ungeachtet der bereit» gewährten Beihülfen höchst dürftigen Einkommen» der Geistlichkeit, nicht minder dem Schulwesen, namentlich durch Gewährung von Beihülfen für Gemeinden, und ebenso auch einer ergiebigeren Berücksichtigung des be­stimmungsgemäßen Zweckes für Unterstützungen und der­gleichen zu dienen haben. Nach demN.Ztbl. beschied der Herr Oberprästdent nach Schluß der ersten Lesung der Trauungsvorlagen in der Synode den Synodalaus­schuß zu sich, um mit ihm über ein Wort in den Be­schlüssen zu verhandeln. Es war nämlich mehrmals der Ausdruckkirchlich unerlaubte" Ehen gebraucht, statt deffen der Regierungsentwurf nur von Ehen gesprochen hatte,welchen die kirchliche Trauung versagt wird." Die Regierung wollte von keiner doppelten Ehegesetzgebung wissen und besorgte, daß der Ausdruckunerlaubt einen Schatten auf die Civilehe werfen solle. Wie wichtig sie die Sache ansah, geht daraus hervor, daß der Ober« Präsident über die Erklärung des Synodalbeschlusses tele­graphisch nach Berlin berichtete. Wenn daher auch Vice- prästdent Meyer beantragte, der Regierung zu willfahren, so entschied doch die Mehrheit der Synode für Beibehal­tung des Ausdruckesunerlaubt." In der zweiten Lesung des Entwurfs hat bekanntlich die Mehrheit trotz Ab­mahnung des Vicepräsidenten Meyer sich für Beibehaltung des Ausdruckeskirchlich unerlaubte Ehen" entschieden.

Stegen, 20. Oct. Nachdem in der vorgestern hier Statt gefundenen zahlreichen Versammlung von Wählern aller Stände der Bürgermeister unserer Stadt, Herr Braffe, seinen Standpunci in ben politischen und socialen Bestre­bungen der Gegenwart unter lebhafter Zustimmung der Anwesenden dargelegte und sich zur Annahme eines Man­dats für den Reichstag bereit erklärt hatte, wurde derselbe einstimmig zum Candidaten für den Wahlkreis Siegen- Wittgenstein Biedenkopf aufgestellt. Herr Braffe gehört zur national-liberalen Partei.

LndwigSlnO, 23. Oct. Unserem gestrigen Bericht über die Ankunft Sr. Maj. deS Kaisers Wilhelm können

Der Kumpf um eine Milli««.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Davon ist mir nicht» bekannt, erwidette er, ich habe mich nie mit solchen Dingen beschäftigt.

Aber ich wiederhole Euch, daß in den Briesen Euer Name genannt worden ist, sagte Martin.

Ich bestätige daS, denn ich habe die Briefe gesehen, fügte Max hinzu. t v

Na, bann wird'» doch wohl wahr fein, nahm einer der Agenten daS Wort. Rachan, wenn Ihr den Leuten hel­fen könnt, weshalb wollt Ihr es nicht thun? Wir beide suchen auch Beschäftigung, es soll UNS auf einige Mark nicht ankommen, wenn Ihr uns lohnende Arbeit verschaf­fen könnt. ,

Zst denn hier ein Gesindebürean? fragte der Wirch sarkastisch. Ich bin in der letzten Zeit oft darum ange­gangen worden, einem heruntergekommenen Subjekt Arbeit zu verschaffen, laßt mich in Ruhe.

Na, das ist stark I sagte Martin. Zuerst »erbet Ihr empfohlen unb nachher

Wer hat mich benn empfohlen?

Weiß ich eS?

Na, ich kann'S doch auch nicht wiffen! sagte der Wirch grob. Es kann Jeder einen anonymen Wisch schreiben, bin ich dafür verantwortlich?

DaS nicht, aber Ihr seid ein Thor, wenn Ihr das Geld auf der Straße liegen seht und eS nicht aufheben wollt, erwiderte ein Polizeiagent. Ihr lönnt gewiß uns Allen helfen, und »fr würden dankbar fein

Laßt mich in Ruhe, ich habe genug mit meiner Wirth schäft zu thunl UebrigenS muß ich bemerken, daß mein Haus um elf Uhr geschloffen wird, trinkt au», ich will zu Bett gehen.

Ohol fuhr der Agent auf. Springt Ihr so mit allen Gästen um?

Mit allen!

So? Auch mit betten, bte nach elf kommen? Oder glaubt Ihr, man wiffe nicht, daß Eure Wirthschast die Herberge aller Vagabunden ist?

Da machtJhr Euch selber ein Kompliment, spottete Rachau. Wenn mein Haus nur Vagabunden besuchen, bann seid Ihr selbst auch nichts Beffereö.

Leugnen wir das? erwiderte Marti». Eben weil wir wiffen, daß wir Vagabunden find, kommen wir hierher, und wir durften wohl einen besseren Empfang erwarten.

Ihr scheint die Nachtvögel vorzuziehen, die erst um Mitternacht ausfliegen, sagte der Agent. Weßhalb daS? Sind wir nicht so gut wie Jene?

Vielleicht noch bester!

Na, bann räumt unS auch bie Vortheile ein, bie Jene hier genießen, wir Hünen arbeiten.

Das Gespräch hatte eine Wendung genommen, welche dem Wirth unangenehm zu werden begann; so tief halte er sich nicht mit ihnen einlasten wollen.

Geht, sagte er befehlend, es ist Feierabend.

Und wenn wir nun nicht gehen wollen? fragte der Agent trotzig.

Dann könnt Ihr meinetwegen hier übernachten, er­widette Rachau höhnstch. Ihr müßt aber mit bem Stuhle Vorlieb nehmen, auf bem Ihr sitzt. Wenn ihr nun glaubt, mit Euern Spürnasen hier ttwaS herausschnüffeln zu können, so bleibt und seht zu, was Jhr entdeckt, es wird nicht der Mühe »erch {rin.

Die beiden Agenten waren überrascht aufgesprungen, daS hatten sie nicht erwattet.

Stehen die Sachen so, dann wollen wir in einer anderen Sprache mit Euch reden, rief Einer von ihnen

gereizt. Der Krug gehl so lange zu Master, bis er bricht, Rachau, der Eurige hat schon einen Sprung, wir werden ihn in Scherben schlagen.

Was bedeutet das? fragte Max bestürzt.

Nichts weiter, als daß diese Vagabunden Polizei- agenten sind, die hier einen Hahn rupfen möchten, er­widerte Rachau gleichgültig. Tie Herren thätcn bester, andere Locale zu Überwachen, hier wird nicht Hazard gespielt, meine Gäste haben kein Geld für ein so theures Vergnügen. Wollt Ihr bleiben meinetwegen, bann müßt Ihr Euch gefallen lasten, daß ich das Licht lösche und Euch hier einsperre, ich will zu Bett gehen.

Die Agenten gitterten vor Wuth, sie zogen e» vor, daS HauS zu verlassen.

Versucht e« noch einmal, flüsterte Max bem Diener zu, vielleicht hat bie Anwesenheit der Beamten ihn zurück­haltend gemacht.

Der Wirth schüttelte auch jetzt wieder da» Haupt, er wollte die anonymen Briefe nicht anerkennen.

Wir sind keine Spione, sagte Max, ärgerlich über die wiederholte Weigerung, wir wissen sehr genau, baß bet Herr manchem armen Teufel geholfen hat. Hat er nicht einem die Stelle bei dem Banquier Schindler verschafft? Hat er nicht dem Taschenspieler Brandes Wohlthaten er­zeigt? Das Alles wissen wir, weßhalb wollt Ihr e» uns ab streiten?

Philipp Rachau bemühte sich vergeblich, seine Bestür­zung zu verbergen, sein starrer Blick, der unverwandt auf dem Gesicht des Fragenden hing, verrieht sie.

Davon weiß ich nichts, erwiderte er stotternd, ich kenne die Leute nicht, die Ihr genannt habt.

So kennt Euer Herr sie, denn sie kennen Euren Herrn!