Mr. 219
Marburg, Sonnabend, den 24. October.
1871
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kaiserlichen Marine überhaupt 17,205 Mk; mithin zu- ammen 28,870,148 Mk. (9,126,730 Mark weniger als im Jahre 1874). Dieser Ausgabe steht die Einnahme in gleicher Höhe gegenüber und zwar an Zinsenertrag 25,753,655 Mk.; (3,913,655 Mk. mehr wie pro 1874 veranschlagt war) und an Capital-Zuschuß 3,116,493 Mk.; (13,040,493 Mk.; weniger wie im Vorjahre). — Der vorläufige ohne spezielle Anhaltspunkte im Reichshaushaltsetat pro 1874 gemachte Anschlag setzte eine Verzinsung des ReichS-Jnva- lidenfondS zu jährlich 4 pCt. voraus. Nach der wirklichen Anlegung des Fonds hat sich jedoch der Zinsenertrag viel günstiger gestellt. ES wird daher schon für 1874 eine den bisherigen Etatsanschlag übersteigende Zinsen-Einnahme auskommen, und ist demnach sowie in Folge davon, daß die Pensionsausgaben hinter dem früheren, dem Etat zu Grunde gelegten vorläufigen Anschläge zurückblieben, für 1874 ein geringerer Capitalzuschuß erforderlich, als im Etat vorgesehen war. Nach dem gegenwärtigen Capital bestände und unter Berücksichtigung der voraussichtlich in den Jahren 1874 und 1875 durch Capitalzuschüfse eintretenden Verminderung der Substanz des Fonds sind die Zinseneinnahmen für 1875 von der Verwaltung deS ReichS- JnvalidenfondS nach dem dem BundcSralhe vorgelegten Etat auf 25,753,655 Mark veranschlagt. Aus einer dem Etat beigefügten Nachweisung des Pensionsstandes zu Saften des Reichs - Jnvalidenfonds theilen wir noch Folgendes mit: Ende Dezember 1873 betrug in der preußischen Militärverwalt.dieZahl der Jnvalidenmannschaften allerChar gen 45,237 und der jährliche Geldbetrag, welcher an sie gezahlt wurde, 10,559,174 Mk. An Pensionen und Pensionserhöhungen für Offiziere, Aerzte und Beamte erhielten 9 Generale 117,414 Mk, 23 Generallieutcnants 214,449 Mk., 36 Generalmajors: 223,323 Mk., 59 Obersten: 249,597 Mk., 78 Oberstlieutenants: 297,666 Mk., 168 Major«: 503,745 Mk., 265 Hauptleute und Rittmeisteri 526,674 Mk., 574 Premier- und Seconde Lieutenants: 727,365 Mk., 1 Auditeur 2907 Mk, 45 General- und Oberstabsärzte: 119,799 Mk., 97 Stabs- und Assistenz, ärzte: 147,393 Mk., 1U3 Militärgeistliche und Verwaltungsbeamte : 204,615 Mk. — Für Hinterbliebene der oberen Claffen wurden gezahlt an 11 Wittwen jährlich 1500 Mk., an 112 Wittwen jährlich 1200 Mk., an 376 Wittwen jährlich 900 Mk., an 89 Kinder jährlich 225 Mk., an 820 Kinder jährlich 150 Mk, an 10 Eltern- Angehörige gefallener rc. Offiziere rc. jährlich 150 Mk.; ferner wurden gezahlt für Hinterbliebene der Unterklassen an 142 Wittwen jährlich 324 Mk., an 575 Wittwen
— Rücksichtlich der Remuneration der Standesbeamten hat der Minister des Innern — dem „St.-Anz." zufolge — in einem an die Oberpräsidenten gerichteten Circularerlaß vom 7. Mai d. I. es nicht für zulässig erachtet, über das Maximum der, in den Fällen des §. 4 des Gesetze« vom 9. März c. den Standesbeamten zu gewährenden Remunerationen eine völlig bestimmte Vorschrift zu ertheilen. — Im Allgemeinen würde zunächst von dem Oberprästdenten zu ermessen fein, inwieweit nicht etwa überall durch Zusammenlegung mehrerer Gemeinden zu EinemStandeSamtSbezirke, — insbesondere durch Zusammenlegung von Landgemeinden zu Stadtgemeinden — ein qualificirter Gemeindebeamter für die in Rede stehenden Geschäfte dennoch gewonnen werden kann, — refft, ob die auS der territorialen Ausdehnung eines StandeSamts- bezirks entspringenden Uebelstände für so groß zu halten sind, daß behufs deren Beseitigung auf die, vielleicht hoch erscheinende RemunerationSforderung einer anderweitig zu bestellenden, nicht verpflichteten Person eingegangen werden muß. Der Regel nach, und soviel möglich, würde nicht über eine Mark für jeden der, nach statistischen Erfahrungen voraussichtlich aufzunehmenden Acte hinaus zu geben sein, dergestalt, daß die Remuneration deS Standesbeamten in einem Bezirke mit 1000 Einwohnern (für ca. 38 Ge- burts-, 28 Sterbe - und 8 Heiraths-Akte) im Maximum 25 Thaler zu betragen hätte. Die Remuneration der Stellvertreter würde sich, dementsprechend, nach der Zahl der von ihnen thatsächlich aufgenommenen Akte zu richten haben. In den betreffenden Beträgen wäre die Vergütung als miteinbegriffen zu betrachten, welche die Standesbeamten für ihre sonstigen Dienslleistungen (Ertheilung von Auszügen, Vorlegung von Registern rc.) zu beanspruchen haben möchten.
AuS Nassau, 20. Oct. Ein Uebelstand, der unser Volksschulwesen schwer schädigt und schädigen muß, als nicht durch gesetzliche Regelung Abhülfe geschaffen wird, ist der, daß man bei der Neubesetzung von Schulstellen das Dienstalter der Lehrer allzusehr außer Acht läßt. Nicht ohne Grund werden jüngere Lehrer, oft sogar, die eben erst vom Seminar entlaßenen, ganz besonders bevorzugt. Man weiß recht wohl, daß es ihnen leichter fällt, auch anderwärts rin gutes Unterkommen zu finden, als älteren Leuten, die außerdem durch naheliegende Rücksichten mehr an die engere Heimath gebunden find. Die Seitens der Regierung angeordneten DienstalterS-Zulagen sind allein nicht im Stande, das rechte Verhältniß herzustellen; die Schule aber hat nur Nachtheil von einem solchen Verfahren. Kommt es doch vor, daß der erste Lehrer an einem Orte, der nahe daran ist, sein fünfzigjähriges Dienst-Jubiläum zu feiern, gleiches, wenn nicht gar geringeres Gehalt bezieht, als der zweite oder dritte Lehrer.
Der Ä*»>f mm eine Million.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Er trat zurück und schloß die Thür, dann schlich er leicht geräuschlos die Treppe hinauf.
Dor dem Krankenzimmer blieb er stehen; die Teppiche auf ben Treppen und Gängen hatten es ihm ermöglicht, diese Thür ohne das leiseste Geräusch zu erreichen.
Er horchte lange, dann legte er leicht feine Hand auf dir Schloßkrücke.
Die Thür war nicht verschlossen, der „Her," öffnete fit und warf rafch einen prüfenden Blick in das Zimmer.
Ein boshaft triumphirender Zug glitt über sein Gesicht, er trat an das Bett der Kranken und ließ den Blick lange auf ihrem fieberglühenden Antlitz ruhen.
Dann füllte er das Glas, aus welchem sie getrunken hatte, zur Hälfte mit dem Himbeersaft, und nachdem dies geschehen war, ließ er aus einem Flacon, welche« er unter d-m Mantel hervorholte, einige Tropfen hineinfallen.
Roch einmal betrachtete er forschend die «ranke, dann trat er zurück, und schon hatte er die Thür erreicht, als ein gellender Schrei hinter ihm ertönte.
Erschreckend wandte er sich um, er blickte in die großen Augen Anna'«, die mit dem Ausdruck deS Entsetzens auf ihn gerichtet waren.
Die Kranke stöhnte uiib fuhr auS dem Schlafe empor, fie sah, ihre Pflegerin ohnmächtig vor dem Tische auf dem Teppich liegen.
Hastig griff fie nach der Schelle, welche auf dem Nachttische neben dem Bette stand, fie stieß das Glas um, ohne eS zu bemerken. .
Der Schrei und das gleich darauf erfolgende stürmische Läuten drang in alle Räume des Hauses, der Banquirr
Das hast Du deutlich gesehen? fragte Adele entsetzt.
Anna nickte bejahend.
Aber war denn die Thür nicht verschlofftn? fragte Gerhard.
Nein, ich schlief ja ein, ehe ich daran gedacht hatte.
ES muß ein Traum gewesen sein, sagte der Banquier.
Ich denke darüber anders, erwiderte Gerhard ernst. Dieser Manu mit dem schwarzen Barle beschäftigt mich schon lange.
Und hier ist der Beweis, daß er hier gewesen fein muß, versetzte Anna, auf daö Nachttischchen zeigend. Wer hat dieses GlaS umgcstotzen?
Das that ich, als ich zur Schelle griff, sagte Madame Schindler.
Aber ehe ich einschlief, war es leer und jetzt ist es zur Hälfte gefüllt!
Kind, das find ja keine Beweise, entgegnete der Banquier, Deine Nerven find überreizt, Tu wirst da« Glas gefüllt haben, ohne daß Du wußtest, was Du thatest —
Dann würde ich jetzt nicht mit Sicherheit behaupten können, daß ich es nicht gethan habe.
Ich lege darauf kein Gewicht, nahm Gerhard, aus seinem Nachdenken emftorfahrend, da« Wort, mir genügt die Erscheinung des Mannes.
Eine Hallucination, Gerhard, warf der Banquier ein.
Wir werden sehen, wer hat die Nachtwache?
Franz!
Ah — ein Grund mehr, Mißtrauen zu hegen!
Kopfschüttelnd folgte der alte Herr feinem Sohne, der rasch hinausgeeilt war.
Sie fliegen die Treppe hinunter und traten in die Gefindestube, in der sie den Diener in tiefem Schlafe fanden.
Deutsche, Reich.
•* Berlin, 22. Oct. Leim Bundesrath ist von der bayerischen Regierung der Antrag auf Erhöhung des Pausch quantumS für die Grenz-Zollverwaltung gestellt worden. Die Arbeiten zur Vorbereitung deS ReichScivilehegesetzes «erden im Ausschuß deS Bundesraths eifrig betrieben, so daß man hofft die Vorlage dem Reichstag bald nach Eröffnung, jedenfalls zeitig genug für die Erledigung zugehen lassen zu können. Die Nationalztg. äußert ihre Zweifel daß der Bundesrath die Bildung der ReichSjustiz-Commis- fion zur Vorbereitung der Reichs-Justizgesetzentwürfe ernstlich betreibe und den Etat für diese Commission bereits ausgearbeitet habe, weil sie von der Voraussetzung ausgehet, daß der Bundesrach die Entscheidung über diese Justjzvorlagen nicht auS den Händen geben wolle. Diese Competenz deS BundesrachS in der Reichsjustizgesetzgebung soll jedoch der bett. Commission auch nicht überlassen werben, sondern nur die Vorbereitung und Ausarbeitung der Gesetz entwürfe für welche ja auch bisher vielfach besondere Commissionen ad hoc gebildet worden waren. Die Auslassungen der Prov.-Corr, über den kommenden Reichstag haben auch in ben entschiedensten liberalen Kreisen und deren Preßorganen volle Zustimmung gefunden und man darf auf Grund dieses laut gewordenen Verständnisses für die GestchtSpunkte der Regierung um so mehr sich der Hoffnung hingeben, daß allseitige- Entgegenkommen im Reichstag den arbeiten deS Landtags zu Gute kommen und die rechtzeitige Erledigung der umfassenden Aufgaben gestatten werde. Der Militär-Etat hat im KriegSministe- tium eine neue Umarbeitung unter Berücksichtigung der Desiderien deS BundeSrachS erfahren, wird demnach auch neue Schwierigkeiten bieten.
__ 22. Oct. Der sechste deutsche Handelstag wurde heute Pormittag 10 Uhr im Bürgersaale be8 R thhauseS eröff net und von dem Handelsminister, dem Oberbürgermeister Hobrecht und dem Vorsitzenden deS Aeltesten Collegiums der hiesigen Kaufmannschaft begrüßt. Anwefend waren auch der Präsident deS Reich« Eisenbahnamtes Haibach und Ministerial - Director Jacobi. Das Präsidium bilden Commercienrach Delbrück (Berlin), Frommel (Augsburg), und Meckel (Elberfeld). Die Sitzungen dauern bis zum Sonn-
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war der Erste im Krankenzimmer, Gerhard folgte ihm auf dem Fuße und gleich darauf erfchieu auch Adele.
Als fie die Kranke im Bette sitzen und das Mädchen auf dem Teppich liegen sahen, begriffen sic die Ursache de» LärmS nicht, und als Madame Schindler ihnen sagte, fie sei durch den Schrei geweckt worden, fanden sie da» Räth- sei noch dunkler.
Adele bemühte sich, ihre Freundin in'S Bewußtsein zurückzurufen. Wie auS einem schweren, wüsten Traume erwachend, blickte Anna befremdet um sich.
Wo ist er? fragte sie, und ihr wirrer Blick schweifte ängstlich durch das Zimmer. Ich habe ihn deutlich gesehen.
Wen? fragte der Banquier bestürzt. Besinne Dich, Anna, Du bist eingeschlafen, Du wirst geträumt haben.
Nein, nein, erwiderte das Mädchen hastig, ich erinnere mich genau, was hier vor,gefallen ist. Ich kämpfte lange mit dem Schlaf, aber ich ionnte ihn nicht überwinden, der schwere Wein muß meine Sinne betäubt, haben, die Augen sanken mir zu, ich schlief ein. Bange Träume ängstigten mich, aus einem solchen Traume fuhr ich plötzlich empor, und als ich die Augen öffnete, sah ich dort an der Thür einen Mann stehen.
Einen Mann? fragte Gerhard erregt. Vielleicht war eS der Dimer —
Nein, ich schrie laut auf, der Mann wandte sich um, ich kannte ihn nicht.
Der Banquier schüttelte den Kops, Adele schmiegte sich furchtsam an den Bruder.
Du wirst geträumt haben, sagte der alte Herr.
Gewiß nicht, ich sah ihn zu deutlich, er trug einen dichten schwarzen Bart, einen weiten Mantel und einen niedrigen Hut, dessen breiter Rand über die Stirn hinun- terhing.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte», sowie die Avnoncm-Bureaux von ®. L. Daube & Co. tu. Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. 3Jt.; Jnvalidendank, A. Metern efter in Berlin ; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
■ x aufct den Werktagen nach Sonn» und Feiettagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchbruckerei) bezogen 224 @>gr., durch die Postämter des
Crschetnt tägt'ch °u««^n ^ernagen^vom. un^ _ '3nfethon3gebüt)r bie gehaltene Zette l Sgr. - Für in der Expedition zu erteilende
Auskunft und Annahme von Adressen werden Sgr. berechnet.________________________________________________________
Anzeigen nimmt entgegen: bie öxpebiti»* b. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. m Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Saasenstein & Vogler in Frankfurt a.M.,BerliUjLew- iig, (Win ic.; Rudolf Moss» «Berlin, Frankfurta. M. re.
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— Dem BundeSralh ist nunmehr auch der Etat über ben ReichS-Jnvalideufonds für da« Jahr 1875 zugegangen. Derselbe stellt fest in Ausgabe: An Berwaltungskosten 54,300 Mrk.; an fächlichen Ausgaben 6000 Mrk.; Zuschuß zu den Kosten der Verwaltung deS Reichsheeres ....----------
52 800 Mk.: an Jnvalidenpensionen a. bei der Verwal- jährlich 252 Mk. und an 71 <4 Wittwen jährlich 180
tuna des Reichsheeres und zwar an Preußen: 22,560,000 Mk., an 501 Kinder jährlich 180 Mk , an 12,113 Kin
Mk ' Sachsen 1,212,635 Mk.; an Württemberg 791,868 der jährlich 126 Mk, an 4193 Eltern-Angehönge jährlich
Mk.; Bayern 4,175,340 Mk.; b. bei der Verwaltung der 126 Mk.